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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Date
1899-01-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 54 Dr. Bloch's Wochenschrift. >r. 3 den Gesetzeseiscr nicht allzu sehr herauszukehren. Dem Sadduzäer opponirt in V. 17 sofort der Chassid u. s. w.": (vgl. übrigens meine Erklärung S. 128 a. a. O.) Freilich ist der Siegfried'sche „p h a r i s ä i s ch e Eise r" nach unserer Auffassung ch a s s i d i s ch e H y p e r f r ö nt m i g k e i t, die, wie der Frevel der Sadouzäer, hier von dem g emäßigten P h a r i s ä e r, der weise Mäßigung daselbst enrpfiehlt, gegeißelt wird. Endlich ist nicht evident, was bei der Glossatorenhypothese Siegfrieds der Zweck und d i e T e n d e n z des Buches ist. Genügt es denn zu sagen: Sehet, hier liegt die Urschrift eines die Lehren des positiven Judenthums in Frage stellenden Pessimisten mit den Frag nt enten anderer Schriftsteller, die ihm entgegentreten (vgl. S. S. 0), wie etwa die Freunde Hiobs diesem Dulder? Wenn dem so wäre, dann hätten die Sammler und R 1 und R - doch mit mehr Nachdruck die Nichtigkeit des Wehrufes: „Alles ist nichtig" betonen und einen größeren Raum den Positionen als den Negationen der jüdischen Lehre zuweisen müssen. Auch ist es schwer zu glauben, daß sich die früher geschriebene Urschrift von Kohelet nahezu ganz erhalten, während die später erfolgten Glossen der diese Schrift rectificirenden Weisen nur als Fragmente und in solch' wirrem Chaos sich vorgefunden haben, und so ohne jede weitere Bemerkung völlig plattlos, oder meist als Einschübe dem Ganzen eitwerleibt - von den Redactoren zum Zwecke der religiösen Belehrmtg als ein einheitliches B u ch der Mitwelt oder den rel. Behörden, die den Canon seststellten, vorgelegt sein sollten. Der Ausspruch Siegfrieds (S. 10), daß das Buch deshalb vom Untergange gerettet worden sei, tveil der Name Salomos att seiner Spitze gestanden habe, dürfte tveniger zutreffett, als das, tvas die Talmudisten (Sabbath a. a. O.) hierüber sagett: „techilatho wesofo dibre Thora“ — „Anfang und Schluß sittd Worte (nicht salomonischer Weisheit) der Lehre Gottes", und die Schule Hillels, die über die Schammais obsiegte, fand darin nicht Meinungen, die lezad lniiiuth. d. i. zum Epikuräismtts — wie Knobel meint — hintteigen, sondern: die Lehre von Gottes Walten und seiner strengen Gerechtigkeit, zn welcher selbst der Skeptiker und Cyniker, der Epikuräer wie der Pessimist, nach Durchwindung durch die Labyrinthe der bangett Ztveisel, der zersetzenden Spottsucht, sowie der Weltlttst und Weltslucht gelangetr sollte. Lorresponüenzen. Oesterreichisch-israelitische Union. Die Oesterreichisch-israelitische Uniott hielt am 14. d. M. im Saale des Restaurant Khuner eine zahlreich besuchte Plenarversammlung ab. Unter den Anwesenden befanden sich der Präsident der Alliance Jsraelite, Herr David Ritter von Gutm ann, die Cultusvorsteher Director Simo n, Docent Dr. G r ü n s e l d, Dr. Alfred Berger, Salo Cohn und Dr. Marcus Spitzer, die Damen: Frau Dr. Schmidl und Frau Dr. Grünfeld, die Ortsschulräthe Heit und K a u d e r s, Bezirksausschuß W a l d st e i n re. Der Vorsitzende Herr Sigmund Mayer begrüßte die Versammlung und machte zunächst einige Mittheilungen über die Actionen des Abwehrbureaus. In Sachen des Tischlers Kleinberger in Krakau, welchem die dortige Tischlergenossenschaft seit sieben Jahren die Eintragung verweigert, weil er ein Jude ist, hat die Behörde endlich über die Genossenschaft und über die einzelnen Mitglieder des Vorstandes Geldstrafen von 100 st. verhängt, die so lange wiederholt werden, bis der behördliche Auftrag, den Tischler Klein-' berg er in die Genossenschaft auszunehmen, erfüllt wird. (Beifall.) Aus Anlaß einer böswillig entstellten Mittheilung des „Deutschen Volksblatt" über das Verschwinden eines taubstummen Christenmädchens aus Neu-Sandec, bezüglich dessen der Verdacht eines „Ritualmordes" ausgesprochen wurde, ist der Secretär des Bureaus nach Galizien entsendet worden, um Erhebungen zu pflegen, und es wird eine amtliche Berichtigung jener Mittheiluno veranlaßt werden. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Berthold Oppenheim aus Olmütz einen Vortrag über das Thema „Das Judenthum im Staate". Dr. Oppenheim, ein junger Gelehrter, der über eine ungemein schwungvolle Diction verfügt, verstand es, durch die Begeisterung, mit welcher er die Treue der Juden für das Staatswesen, dem sie angehören, schilderte, großen Eindruck auf die Zuhörerschaft zu machen, die seiner Darstellung lebhaften Beifall spendete. Das Verhältniß der Juden zu den verschiedenen staatlichen Formen der bürgerlichen Gemeinschaft werde häufig tendenziös beurtbeilt. Die Aussöhnung des Judenthums mit der Zeitrichtung sei vollständig im Sinne utld im Geiste des Judenthums gelegen. Die Fügsamkeit der religiösen Ideen in die staatlichen Einrichtutrgetr sei keinestvegs ein Aufgehen in die Uebermacht der Wirklichkeit, sondern die Kundgebung der geistigen Kraft des Judenthums. Die Lebenskraft seiner Religion ermöglicht es ihm, dem Fortschritte der Zeit zu folgen. Redner wies aus der Geschichte nach, daß das Judenthum immer für den Staat geleistet hat, was es zu leisten verpflichtet ist. Die Beobachtung der Staatsgesetze sei eine Forderung der jüdischen Religion, welche selbst die Versöhnung zwischen Leben und Lehre ermöglicht. Die Juden waren und sind demnach immer treue Staatsbürger, der Obrigkeit und den Gesetzen stets gehorsam, von inniger Liebe für den Regenten des Landes erfüllt, dessen Unterthanen sie sind, und als treue Bürger des Staates sind sie begeistert für ihren Gott, für ihren Glaubett, für ihre Lehre. Die jüdische Lehre kennt keinen Gegensatz zwischen Theorie und Praxis; sie will bethätigt sein dttrch jüdisches Leben im bürgerlichen Leben. Dem Vortragettden wurde für seine begeisterte und begeisternden Ausführungen der Dank der Versammlung ausgesprochen. Mit Bezug auf die Vorgättge im niederösterreichischen Landtage beantragte der Vorstand die nachfolgende Resolution: „In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 5. Jänner 1890 äußerte sich der Abgeordnete Wohlmeyer: „Alle Juden sind Schwindler und Betrüger, die die christliche Bevölkerung ausbeuten." Der Herr Landmarschall ließ sowohl diese Aeußerung als auch den Zuruf Gregorigs: „Juden sind keine Menschen!" ungerügt. Als aber Dr. Ofner die erwähnte Aeußerung Wohlmeyers als Pauschalverdächtigung und ttiederträchtige Verleumdung bezeichnte und gegen den Urheber den Ordnungsruf begehrte, erklärte der Landmarschall, er habe nicht gehört, was früher gesprochen wurde, jedoch rufe er Herrn Dr. Ofner wegen der von ihm geäußerten Worte zur Ordnung. Die heutige Versammlung spricht auf Grund dieser Vorgänge ihr tiefstes Bedauern darüber aus, daß die Leitung der Landtagsverhandlungen in den Händen eines Mannes ruht, der in würdeloser Verkennung seiner hohen Stellung die Gesetze des parlanrentarischen und geschästlichett Anstandes mißachtet, und überantwortet das Vorgehen des Landmarschalls dem Urtheile aller a nst ä n d i g e n M e n s ch e tt." Diese Resolution wurde mit der von Herrn Dr. Zins beantragten Hinzufügung des Wortes >,Entrüstung" einstimmig angettontnren. Bezirksausschuß W a l d st e i n charakterisirt in markigen Worten unter lebhaftem Beifalle der Versammlung das Benehnten des Landmarschalls und gab die Attreguttg, daß eine Deputation zum Ministerpräsidenten entsendet werde, um über die Parteilichkeit des Landmarschalls Beschwerde zu führen und die Entfernung dieses Functionärs von seittem Amte, dessen Pflichten er nicht erfüllt, zu verlangen. Herr Markus regt die Frage der Erbatmng eines jüdischen Vereinshauses an. Herr T e w e l e s bespricht den demonstrativen Beschluß antisemitischer Bezirksausschüsse, daß Lieferungen für die Gemeinde nur an christliche Firmen vergeben werden sollen. Herr Bielitz fordert aus, sich gegen die Antisemiten energisch zur Wehre zu setzen, wie er selbst es sich zur Gewohnheit gemacht habe. Um 10 Uhr wurde sodann die Versammlung geschlossen. Wien. Die Generalversammlung des „Frauenhort" fand am 15. Jänner im Ceremoniensaale des Tempels im IX. Bezirke in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und distinguirter Gäste statt. In Vertretung der israelitischen Cultus-

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