Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 3 (20.1.1899)
- Date
- 1899-01-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 52 Dr. Bloch's Wmlxenfchrifk. Nr. 3 bedurfte der größten Anstrengung der Staatsmänner und derer, die an der Spitze der Geschäfte standen, um den Staat vor dem Verderben zu retten." Protestantenhaß in Frankreich. Tie „Tgl. Rsch." vom 11. Immer berichtet: „Von Paris aus wird eine kleine Karte verbreitet, die zum Kaufe des vielbesprochener! Buches „Le peril Protestant“ wörtlich wie folgt einladet: Soeben erschien „Die protestantische Gefahr" (570 Seiten) von Erncst Rcnauld, polemisches und actuelles Werk, durch alle katholischen Zeitungen empfohlen. In diesem Buche wird man nach Departements die Namen und Äemter der Protestanten, sowie die Namen der protestantischen akademisch gebildeten Leute sowohl aus Paris wie aus der Prorinz vorfinden. Dabei noch eine Menge von „Pfarrgeschichten", die sehr schlüpfrig sind. Zu kaufen bei Tolra, Berlagsbuchhändler, Buchhandlung St. Joses u. s. w. Preis 3.50 Francs. „Wir glauben nicht," so schreibt die Straßburger „H ciüiQ t", „daß es unter den Katholiken viele gibt, die obige Gemeinheit billigen. Die meisten werden sich von Derartigem entrüstet abwenden. Aber bei vielen tvird doch die Giftsaat Wurzel fassen und es fragt sich, ob es nicht Psticht der katholischen Blätter gewesen wäre, dieses Werk an den Pranger zu stellen. Unser Buchhändler behauptet, daß alle katholischen Blätter sein Buch empfohlen haben. Wir glauben das nicht, aber so viel wir wissen, gibt es in Rom ein Verzeichniß von verbotenen Büchern, deren Lectüre der Religion schaden soll. Wenn die Religion in Nächstenliebe besteht, so sollte eigentlich obiges Buch auch auf dem Verzeichnisse vermerkt werden. Wird das wohl geschehen? Wir erlauben uns, einigermaßen daran zu zweifeln, und begnügen uns unsererseits damit, das Vorhandensein des Buches zu vermerken, das so recht geeignet ist, zu zeigen, wo der Fanatismus hinführen kann. Ist doch das „Le peril Protestant“ nichts Anderes, als eine Aechtungsliste der in Frankreich wohnenden Protestanten." Frappanter kann der Parallelismus zu dent deutschen Judenhaß gar nicht sein. Sittlichkeit. Bis zum Ueberdruß erklärt die antisemitische „Geschichtsforschung", daß erst durch jüdischen Einfluß die Unkeuschheit um sich gegriffen habe. Namentlich sei die sinnliche Auffassung vom Weibe und seinem Beruf ein „jüdisches" Ergebnis;. Da ist es von Interesse, einen Mann zu hören, der sich als Eulturhistoriker ersten Ranges gezeigt hat. Karl Wein hold, ordentlicher Professor an der Berliner Universität, schreibt in seinem Werke „Die deutschen Frauen im Mittelalter" (S. 471): „Wir haben gesunden, daß die Germanen wie alle anderen Völker mit der urrohen und starksinnlichen Auffassung des Weibes als einer bloßen Sache und eines Werkzeuges zu sinnlicher Befriedigung begannen. Die Forderung, daß sich das Weib mit dem todtcn Manne verbrennen lasse, das Recht des Mannes, seine Frau zu vermachen und zu verschenken und zu verkaufen oder einen! Gaste anzubietcn, bewiesen diese Bildungsstufe und zeigten sich vereinzelt noch in den Zeiten des Minnedienstes. Wir konnten das Mitstcrben des Weibes mit dem Manne durch einen inneren Grund beschönen, wir konnten dies auch mit der Rechtlosigkeit versuchen, welche auf den Frauen lastete; indeffen war beides nur ein gesuchter Versuch und darf die eigentlichen Zustände nicht verhüllen wollen. Das Weib hatte von der Geburt bis zu dem Tode kein anderes Recht als den Willen s.incs männ.ichen Beschützers, und Milderungen dieser VerhälMisse sind Abweichungen von dem altgermanischen Rechtsbegriffe. Durch die Gnade des Vaters ward ihm zu leben erlaubt; durch Geld dem Vater abgekauft, mußte es Leib und Leben einem Fremden überlassen; gegen Geld oder sonst konnte es dieser einem Anderen übergeben, stumm und füll mußte es sich fügen, denn es hatte kein Recht und stumm mußte cs zuletzt in den Tod gehen. Die Last des Tages ruhte außerdem allein auf seinen Schultern; Haus und Feld mußte cs bestellen, während der Mann theilnahmslos der Mühsal zusah. Trotz allem diesem haben wir jene altgerinanische Frauenverehrung, von der Tacitus redet, nicht in das Reich der Träume verwiesen, allein wir haben sie auf einige bevorzugte Weiber beschränkt. Wir haben außerdem hervorgehoben, daß der keusche Sinn der Germanen und die Achtung der weiblichen Ehre, die Anerkennung gewisser Geistesgaben und selbst die natürliche Schwäche des Geschlechtes jenen Nachtheilcn im Rechte große Vortheilc im Leben entgegensetzten. Die Deutung der tacituischen Worte auf einen schmachtenden Frauendienst müssen wir aber auf das entschiedenste verwerfen." Neues von Friedrich Nietzsche. Frau Elisabeth Förster- Nietzsche, die Schwester des unglücklichen Philosophen, hat der „Zukunft" eine Reihe von Aphorismen über das Thema „Bismarck und die Deutschen" zur Verfügung gestellt, die ihr Bruder in den Jahren 1884-85 niederschrieb. Eines davon ivollen wir hier wiedergeben: „Eine gute Anzahl höherer und besser ausgestatteter Menschen wird, wie ich hoffe, endlich soviel Selbstüberwindung haben, um den schlechten Geschmack für Attitüde und die sentimentale Dunkelheit von sich abzuthun, und gegen Richard Wagner ebenso sehr als gegen Schopenhauer Partei nehmen. Diese Deutschen verderben uns, .sie schmeicheln unseren gefährlichsten Eigenschaften. Es liegt in Goethe, Beethoven und Bismarck eine kräftigere Zukunft vorbereitet als in diesen Abartungen der Race." Für unsere Antisemiten ist es nicht ohne Interesse, daß die berühmten Judenfeinde Schopenhauer und R. Wagtler für Nietzsche Abirrungen der Race sind. Ferner hat Nietzsche ein paar „Ziele für Deutschland" entwickelt, wobei es unter Anderem heißt: „Auch bedürfen wir der geschicktesten Geldmenschen, der Juden, unbedingt, um die Herrschaft auf der Erde zu haben." Die neueste Kohrlet-HMvthesr. Von Dr. D. Leimdprfer in H.nnburg. (Schluß.) Uni die Willkür noch deutlicher zu veranschaulichen, weiselt wir auf das Folgende hin: Cap. 8, lo-is, ist unstreitig eine historische T h a ts a ch e ansgesührt, welcher ein und derselbe Autor eine Erklärung oder besser B e g r ü n düng anfügt, dies geht unstreitig hervor ans dem zweimaligen relativen „Ascher“ V. 11, 12 und bezieht sich auf die Reflexion in V. 10 „gam seli liahel“. Siegfried aber meint, V. 10 gehört Kohelet 1 an. Die folgenden Sätze, die mit „Ascher“ beginnen, sind Glossen von Kohelet4. Wäre dem so, dann wäre nicht nur unbegreiflich: „dieses ist auch eitel", nämlich „daß Ungerechte begraben wurdet!, aber, die das Rechte gethan, von der heiligen Stätte fortziehen mußten und nt Vergesfenheit gerathen sind." Wäre dies doch eine und dieselbe Gedankenreihe mit V. 14, wo Kohelet1 dasselbe sagt, nämlich, daß Gerechte das Los der Ungerechten theilen. Siegfried verbindet unmittelbar dieses ^2!"1 in V. 10 mit „fesch liebe!“ in Vers 14 als Ausspruch des Pessimisten. Ferner aber mustre, um die beiden „Ascher“ YttfK in den zwei Zwischensätzen zu erklären, das vorige „auch das ist eitel" ebenso klein gedruckt stehen als Wort von Kohelet 5, was er dann durch zwei Relativsätze begründet. Stellen wir hier Siegfrieds Uebersetzung der unserigen (a. a. O.) entgegetr, um das Verständniß des Gesagten zu erleichtern. Siegfried. L e i m d ö r f e r. Cup. 8 i°- Und darnach sali Cap. 8 i°- Und so sah ich ich Ungerechte begraben (werauch Frevler (ehrenvoll) beden) . ., aller von der heiligen graben werden, und gekommen Stätte mussten die forlziehen sind (nach der Stadt), aber aus und gcrielhen in der Stadt in dem Orte des Heiligen wieder Vergessenheit,welche das Rechte thaten. Auch das ist eitel. n. Weil nicht eilends vollstreckt wird der Urtheilsspruch über die schlechte That, deshalb wächst die Neigung der Menschen, Böses zu thun. 12- Und ebenso weil (mancher) Sünder Böses thut von „jeher" und er ihm Aufschub gewährt; fortgegangen und vergessen in der Stadt sind die, die redlich gehandelt — dies ist aber auch nichtig. Weil der Rechtsspruch über die That des Bösen nicht schnell erfolgt, daher ist voll das Herz der Menschenkinder in ihnen, um Böses zu thun. 12- Wenn aber ein Sünder obwohl ich wohl weiß, daß Gutes hundertmal Buße thut? Nun geschieht den Gottesfürchtigen Gott sieht ihm lange nach — ihm die sich (wahrhaft) vor fürchten. n- Und nicht wird dem u. s. tv. u- Es ist etwas Eitles, das auf nicht ergehen Erden geschieht, nämlich dass u. s. w. es Cerechte gibt, die das tri Hl, was dem Thun des Ungerechten entspricht u. s. w. Wir sehen vollends ab von jeder Kritik auch des Commentars; ein Gelehrter wie Siegfried hat eine gewisse licentia osseli ra mealh“ — denn daß Gutes wohl weiß ich, daß es gut Ungerechten ergehen werde den Gottesf. u. s. w. *3. Aber gut wird es dem Frevler 14. Jeseh hehel“ Da gibt es ein Nichtiges u w.