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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Date
1899-01-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 51 Judenfreundliche Bauern — in Rumänien. Dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" geht folgender Bericht aus G a l a tz zu: In der kleinen Gemeinde Ehilia jubetul Roman lebte eine jüdische Familie seit längerer Zeit im besten Einvernehmen mit den übrigen Dorfinsassen. Eines Tages machte der Präfeet die Entdeckung, daß die Jndensamilie keine Erlaubnis hatte, in dem Dorfe zu wohnen, und ließ sie durch Gendarmen vertreiben. Die Frau wurde in Abwesenheit ihres Gatten sammt ihren unmündigen Kindern an einem kalten Wintertage auf die Straße gesetzt und in einer so unmenschlichen Weise mißhandelt, daß man heute an ihrem Aufkommen zweifelt. Für Rumänien, die classische Stätte der Judenverfolgungen, ist das wohl nichts Außergewöhnliches; merkwürdig aber ist, daß sich diesmal die Dorfinsassen, über die Roheit und Ungerechtigkeit empört, zusammenrotteten und einen erbitterten Kampf mit den Gendarmen aufnahmen, die sich schließlich genöthigt sahen, den Rückzug anzntreten. Antisemitische Mordliigen. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" veröffentlicht nachstehende Mittheilung: „Irr der antisemitischen Presse fand sich kürzlich folgender Bericht: „Juden als Mörder. Der Rabbiner aus Skala hatte vor Kurzem einen Prozeß wegen Betruges. Der Hauptzeuge war der Jude Leis Schwanenberg. Seine Aussage hatte zur Folge, daß der Rabbiner zu sechs Monaten Kerkers verurtheilt wurde. Diese Aussage des Glaubensgenossen hat großes Aergerniß bei den Juden hervorgerufen und es wurde beschlossen, den Zeugen aus der Welt zu schaffen. Diese Mission haben fünf orthodoxe Inden übernommen und wurde der genannte Zeuge thatsächlich vor einigen Tagen ermordet. Alle fünf Inden wurden verhaftet und dem Landesgerichte in Tarnopol eingeliefert." Infolge dieser Nachricht hat die Vereinsleitung sofort die nothwendigen Recherchen eingeleitet und ist zu folgendem Ergebnis; gelangt: Vor "Allem sei bemerkt, daß die Angaben der antisemitischen Presse, ein Rabbiner von Skala sei wegen Betruges zu sechs Monaten,.Kerkers verurtheilt worden, der Wahrheit nicht entsprechen. Äer Verurtheilte heißt Osias Krohn, besitzt bedeutsames talmndisches Wissen und scheint in Rußland, wo er früher gewohnt zu haben behauptet, einem Rabbiner bei der Ausübung seines "Amtes behilflich gewesen zu sein. Während der Massenauswanderungen der Juden aus Rußland ist Krohn nach Galizien übersiedelt, und zwar nach Skala, und hat sich dort, auf die Unwissenheit wie auf die Leichtgläubigkeit der Einwohner von Skala gestützt, den Titel „Rabbiner" beigelegt. Weil er eben unter dem falschen Titel „Rabbiner von Skala" die öffentliche Mildthätigkeit durch Bettelbriefe mißbraucht hat, wurde er bei der vor einigen Monaten in Tarnopol abgehaltenen Strafverhandlung zu einer dreimonatlichen, dann aber infolge der Berufung des Staatsanwaltes zu einer fechsmonatlichen Kerkerstrafe verurtheilt. Auch der weitere Inhalt des erwähnten Berichtes beruht auf ganz falschen Thatsachen und ist in jeder Beziehung erdichtet. Es ist unwahr, ein Leis Schwanenberg sei bei der Verhandlung ein Hauptzeuge gewesen, seine Anssagen hätten die Verurtheilung des Angeklagten zur Folge gehabt und desivegen sei er von seinen Glaubensgenossen zum Tode verurtheilt worden, welches Urtheil fünf orthodoxe Juden vollzogen hätten. Der wahre Sachverhalt ist folgender: „Eines Tages verbreitete sich in Tarnopol die Nachricht, in einem ostgalizischen Städtchen sei ein Jude ermordet worden. Es stellte sich heraus, daß thatsächlich ein gewisser Simon Stock einen Inden aus Skala Namens Schwarzapsel ermordet habe. Da diese beiden Personen bei Krohns Verhandlung als Zeugen einvernommen wurden, entstand das in der antisemitischen Presse enthaltene Märchen. Denn der Ermordete, den die antisemitische Presse als Märtyrer seiner Gerechtigkeitsliebe darstellt, war kein Belastungs-, sondern ein Entlastungszeuge, und auch der Mörder, welcher ein Belastungszeuge war, konnte und hatte sicherlich kein so großes Interesse für Krohns Angelegenheit, daß er ihr zuliebe seine Freiheit, möglicherweise auch sein Leben aufs Spiel setzen wollte. Er verübte die That in Gesellschaft Anderer einzig und allein aus Rache, welche in Privatzwistigkeiten zwischen Stock und Schwarzapsel ihren Ursprung zu haben scheint, er wurde zum Mörder, um sich, nicht aber den verurtbeilten Krohn zu rächen. Aus obigem Sachverhalt erhellt aufs deutlichste, daß in dem Berichte der antisemitischen Presse alles Wesentliche unwahr und tendenziös dargestellt ist." Das musikalische Groß-Wicn. O du glückselige Wienerstadt Am blauen Donaustrande — Die Einen schrei'»: „Hoch, unser Carl Die Andern seufzen: „Schande"! £5 du glückselige Wienerstadt, Vorläufig hast du Schulden — Und willst du communales Gas, So mußt du dich noch gedulden. Sie reißen auf. sie werfen zu Sechsmal dieselben Gassen, Ersparen dadurch unbedingt Das Geld, um sie kehren zu lassen. Die Tramwayfrage, die ward gelöst Und kam ins reckte Geleise, Die Siemens und Halske benahmen sich Ganz außergewöhnlich weise. Man peitschte ein Millionenbudget Rasch durch ohn' es zu lesen — Als ob es ein alter Hausirer war Bon jüdischem Stamme gewesen. Und ein Theater, das haben sie auch, Das muß ganz iudenrein sein, Jüngst saß im Parkett ein Liebespaar, Das wollte gern' allein sein! Was fehlt dir noch, o Wienerstadt, Du reiche, hochbeglückte, Du „armes Waserl", seit dem man dir Die neuen Väter schickte! Nur eine Stadtcapelle fehlt, Du krie, st sie, ich hab's gelesen. Denn die Barrierestock-Maiorilät Ist stets für Capellen gewesen. Ein neues Orchester, das fehlte dir noch, Sonst weiter nichts zum Ganzen — Lueger pfeift auf dem letzten Loch Und alle andern tanzen. Ein neues Orchester muß es sein, Kein philharmonisch gemeines, Das Spiel war ziemlich fein und rein. Doch lang noch kein iudenreines. So lange ein Mahler den Taktstock schwingt, Ein Sprößling jener Race, So lange schmollen sic unbedingt Mit ihrer — Armencasse. Es nimmt in eiaene Regie Der groß? Alles-Leister 2^ unverfälschte Melodie Und die unbeschnittenen Meister. Bekanntest ja Luegers Takt, Er läßt ihn nie vermissen — Es wird von heut' ab nur mit Musik- Begleitung hinausgeschmissen! Ein Ständchen bringt man am Spittelberg Den Jungsrau'n-Patrouessen, Und wer dirigirt die - Syphonie Ich mußt' es, ich Hab' es vergessen! Mops».-!. Arische Spekulation. Im Jahre 1860 erschien ein Roman, dem das „Mag. f. d. Litt. d. Ausl." (1800, Seite Ö/l) folgende Besprechung widmet: „S ü d s e e - S ch w i n d e l. *> Ein int.-reffantes Sittengemälde aus den Zeiten Georgl. liefert uns Ainsworths treuester Roman, der unter dem Titel „Südsee-Schwindel" jene gervaltige Aufregung rmd die seltsame Umgestaltung aller 'Verhältnisse schildert, welche durch John Blunts Südsee-Compagnie und deren A c t i e n n n t e r n e h m e n in England hervorgerufen wrrrde. Auch unsere Zeit ist reich an Bankrmd Börsenspekulationen, an Actiengesellschaften und industriellerr Unternehmungen, welche einzelne glückliche und geschickte Speculanten iit kurzer Zeit zu fabelhaftem Reichthum gelangen ließen; was aber damals durch Law in Frankreich mib durch Blunt in E n g l a n d irrs Werk gerichtet wurde, die französische Zettelba nk und die englisch e S ü d s e e - C o m p a g n i e, das hat in der Geschichte der finanziellen Spekulationen und Schivindeleien nicht s e i n e s Gleichen. Ganze Königreiche wurden durch die in dem Hirn einzelner Menschen ausgespoilnenen Projekte zum schnellen Reichwerden in die heftigste Mitleidenschaft gezogen, llnd wie der Glückswechsel, der Gewinn fast ein allgemeiner lvar, ein Geschäft, an dem fast Alle Theil nahmen, so war nachher auch das Elend und der Ruin ein sich über alle Classen der Gesellschaft, ja fast über jeden Einzelnen erstreckender, und es *) „Sndsee-Schwindel". Roman von William Harrison Ainsworth. A..s bim Englischen von Lina Kayser. 2 Bände. Leipzig, Bernhard Schlicke, 1869.

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