Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 3 (20.1.1899)
- Date
- 1899-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021281--08503-3032886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 3 österreichischen Juden vorzuschieben, wird durch die statistischen Straftabellen am besten widerlegt. Die galizischen Juden stehen gegenüber ihren österreichischen Glaubensgenossen in Bezug aus Moral und R e ch t s s i n n k e i n e s w e g s zurück, und das muß besonders wundern, nicht wegen der „niederen Culturstufe", sondern wegen ihres großen Elends, das eines der schrecklichsten Versuchungsmittel bildet. Trotzdem haben die galizischen Juden noch eine geringere Criminalität aufzuweisen als ihre österreichischen Glaubensgenossen mit der „höheren Culturstufe". Zahlen beweisen es. Nach der letzten Volkszählung bilden die Juden Galiziens Pcrccnt aller österreichischen Juden. In dieser Höhe sollten sie auch an der jüdischen Criminalität betheiligt sein. Statt dessen zeigt uns die Statistik der ersten vier Jahre seit der letzten Volkszählung, über die Ergebnisse vorliegen: Die Juden in Die Juden in Percentsatz Jahr Oesterreich Galizien Berbr. Berochen Berbr. Bergehen Berbr. Bergehen 1891 , 1022 936 695 593 68- 6335 1892 1157 930 773 606 6681 6516 1893! 1012 823 628 519 6205 6306 1894 1041 934 674 588 i 64 74 6082 Diese Tabelle war auch dem Herrn Dr. Hoegel leicht zugänglich und da hätte er sich überzeugen können, daß die polnischen Juden den Ausschlag nicht geben „dürften". Auch ist die Behauptung, daß in Galizien das Vergehen der Crida „verhältnißmäßig nicht häufig" zur Aburtheilung kommen dürste, vollkommen falsch. Jeder Kenner Galiziens weiß es, mit welch ungerechtfertigter Strenge die Staatsanwaltschaften bei den Insolvenzen mit der Einleitung einer Strafuntersuchung und sofortiger Verhaftung vorgehen; dem gewesenen Staatsanwalts-Substituten von Graz sind diese Dinge selbstverständlich unbekannt und doch maßt er sich an, darüber zu schreiben, ohne auchsnur einen Schein von Beweisen anzuführen. Um uns aber ein vollständiges Bild der jüdischen Criminalität zu schaffen, müffen wir zu eigenen statistischen Zusammenstellungen unsere Zuflucht nehmen. Obwohl uns die officiellen „Ergebnisse" gar keine Handhabe bieten für die Beurtheilung der Rückfälligkeit und weiblichen Criminalität vom confessionellen Standpunkte, ist eine approximative Feststellung doch möglich auf Grund anderer Tabellen, und zwar der „Statistischen Uebersichten der Verhältnisse der österreichischen Strafanstalten". In diese Strafanstalten werden bekanntlich alle Sträflinge eingeliefert, die zu mehr als einjähriger Freiheitsstrafe verurtheilt worden find. Tie Verzeichnisse hierüber führen sowohl bei den Frauen als auch den Rückfälligen die Rubrik „Confession" und wir gewinnen wenigstens bei den Verbrechern schwereren Calibers das gewünschte Material. Es geht daraus hervor, daß die Juden bei den Zuchthaussträslingen und den Rückfälligen unter ihnen, also bei der gefährlicheren Verbrechersorte ebenso tief unter dem normalen Percentsatze betheiligt sind, wie bei den Verurtheilungen überhaupt. Nehmen wir die ersten vier Jahre seit der letzten Volkszählung zur Grundlage unserer Berechnung, da nur so weit die officielle Statistik vorliegt. Verurtheilungen wegen Verbrechen: ahr Zahl der Berurtheilungen Juden verurtheilt Percenffatz 1891 28.433 1022 36 1892 30.867 1157 3-8 1893 28.498 1012 3 6 . 1894 30 133 1041 34 rafan st alten ein g e liefer teVerbrech I ahr Zahl der Sträflinge Juden Percentsatz 1891 5387 184 34 1892 5698 213 37 1893 5441 210 38 1894 5537 194 35 b i g e n Sträfling e n w a r e n r ü ck f ä Jahr Zusammen Juden Percentsatz 1891 2948 85 29 1892 3194 108 34 1893 3020 106 3 5 1894 3064 110 359 Geradezu überraschend ist die äußerst geringe Criminalität der jüdischen Frauen, während bei der katholischen Bevölkerung die Criminalität der Frauen die der Männer noch überragt. Es wurden in die Strafanstalten weibliche Sträflinge jüdischen Glaubens eingeliefert: Jahr 189t „ 1892 „ 1893 .. 1894 4 — 0.7 Percent aller weiblichen Sträflinge 3 0.6 „ „ „ „ — ] _ ** ' Am 9t tt 9t 99 Unser Bild wäre nicht vollständig, wenn wir nicht angesichts der unverhältnißmäßig hohen Betheiligung der Juden am künstlerischen und literarischen Leben auch der Statistik ihrer daraus eventuell resultirenden „Vergehen gegen das literarische und artistische Eigenthum" unsere Aufmerksamkeit schenken würden. Daß der in diese Dinge gut eingeweihte Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" stillschweigend darüber hinweggeht, ivird nicht wundern bei Betrachtung der folgenden Tabelle über die Verurtheilungen wegerr dieses Vergehens : Jahr Zusammen Christen Juden 1891 3 3 — 1892 3 3 1893 — — — 1894 2 2 ' — 1895 2 2 — Hingegen wurden in Deutschland in bcn Jahren 1882—1892 110 Juden statt der normalen Anzahl von 12 wegen dieses Vergehens bestraft. Ich glaube dieses Capitel nicht besser schließen zu können, als wenn ich die Worte anführe, mit denen Herr Dr. H o e g l selbst seine Arbeit einleitet: „Die Straffälligkeitsstatistik besitzt Freunde und Feinde, die gleich gefährlich sind. Zu ersteren zähle ich jene, welche die statistischen Ziffern ohne nähere Kenntniß von ihrem Aufbau und Zahlenwerth kritiklos hinnehmen und zu unhaltbaren irreführenden Schlüssen verwerthen." Dieser richtige Satz mag auch, soweit es sich um jüdische Criminalstatistik handelt, als Maßstab dienen zur Beurtheilung dieser Arbeit und der — seinigen. (Fortsetzung folgt.) Brief ans Berlin. Berlin, 17. Jänner. Die neugewählte Repräsentantenversammlung hat gestern Abends die erste ordentliche Sitzung gehalten und nach der vorschriftsmäßigen Vertheilung der Mitglieder irr die einzelnen Commissionen den ersterr ordentlichen Beschluß gefaßt. Absit omen! Nicht in abergläubischer Regung sagen wir das, sondern mit dem aufrichtigen Wunsche, daß dieser erste Beschluß nicht ein Vorbild sei für die künftigen Leistungen dieser Gemeirrdevertretung. Doch eine gewisse Besorgniß können wir nicht unterdrücken. Der Vorstand hatte die Gründung einer Gemeindebibliothek empfohlen und den dringlichen Antrag gestellt, die Repräsentantenversarrrmlung möchte für diesen Zweck vorläufig 10.000 Mark bewilligen, da gerade jetzt zu günstigen Ankäufen sich Gelegenheit biete. Die Repräsentantenversammlung erklärte — und das war, wie gesagt, ihre erste That — die Angelegenheit nicht für dringlich, so daß die lveitere Behandlung vertagt werden mußte. Die Mehrheit, die die Schaffung einer Gemeindebibliothek und die Bewilligung von ganzen 10.000 Mark fiir diesen Zweck nicht für dringlich hielt, wurde von dem Vorsitzenden der Reformgemeinde Herrn Rudolf Masse und dem gesinnungsverwandtelr Herrn Albert Philipp Mayer geführt. Herr Masse hat in seinem Leben noch nicht 10.000 Mark für Bücher — außer für Geschäftsbücher — ausgegeben, obwohl er vielfacher Millionär ist; deshalb kann