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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Date
1899-01-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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dir. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift. -eite 37 Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich ersuche höslichst, die in der jüngsten Nummer Ihrer geschätzten Wochenschrift (Nr. 1, Jahrgang 1899) aus Seite 12 falsch miedergegebene 2. These meines Vortrages: „Vergleichende Schulstatistik" in der nächsten Nummer in folgender r i cht i g e r Fassung wiederholen zu wollen: „2. Die Zahl der vorzüglichen und die der n i ch t genügend e n israelitischen Schüler im Verhältnisse zur Gesammtzahl." Wien, 6. Jänner 1899. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. ^u. W o l s. Wien. (A b t r ü n n i g e des Indent h u m s.) Universitätsprofessor Dr. Theob. Ziegler schreibt in seinem neuen Buche: „Die geistigen und socialen Strömungen des 19. Jahrhunderts, Berlin, Bondi, 1899, Seite 550 Folgendes: „H eute i st der U e b e r t r i t t eines Juden z tt tu Christent h u m keine i n d i f f e r e n t e , s o tt d e r tt — ganz besondere Fälle a h g e r e ch n e t - eine recht v e r ä ch t l i ch e Sach e." Ziegler ist durchaus nid)t judenfreundlich, setzt aber die Schäden der Juden, die er sehr hervorhebt, aus Kosten der nichtjüdischen Uubulbicuiifeit und Ausschließlichkeit. In einer Zeit, in welcher das Jndenthum so verfolgt wird wie jetzt, ist es doppelt charakterlos, seinen Glauben 31t verlassen. Nun war in einzelnen jüdischen Fachblättern, sowohl in österreichischen wie in ausländischen, die Mittheilung enthalten, daß im Laufe des Jahres 1898 in Wien mehr als 1000 jüdische Seelen ihrem Glauben untreu geworden seien und die Taufe genommen haben. Diese horrende Anzahl von Abtrünnigen hat lebhaftes Befremden hervorgerufen und zu Conclusionen Anlaß gegeben, welche für die Wiener Juden gerade nicht schmeichelhaft lauteten. Uns erschien jedoch die angegebene Ziffer unglaubwürdig, und mir haben es uns deshalb angelegen sein lassen, an kompetenter Stelle Erkundigungen einzuholen, als deren Ergebniß wir Folgendes mittheilen können. Es sind im abgelaufenen Jahre ungefähr 415 Personen in Wien aus dem Verbände des Jndenthums geschieden, um ungefähr 10 mehr als im Vorjahre. Von diesen ehemaligen Juden haben sich die meisten consessionslos erklärt. Interessant ist aber, daß auch die Fälle von Uebertritten z u m I u d e n t h u m eine Vermehrung erfahren haben. Wien. (M n s e n m für K tt n stu n d hi st 0 r i s ch e Denkmäler de s Indent h u m s.) 'Ain Samstag den 10. December 1898 hat im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines unter dem Vorsitze des Präsidenten Baurathes Stiaßny die zweite ordentliche Generalversammlung der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Knnst- und historischen Denkmälern des Judenthums" stattgesunden. Der Präsident hielt eine kurze Ansprache an die Versammlung und gedachte in erster Linie des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef. Nach dieser feierlichen Ansprache, welche von der Versammlung stehend angehört wurde, berichtete der Präsident über beit Aufschwung, den die Gesellschaft und das von ihr begründete Museum genommen hat. Reicher Beifall lohnte diese 'Ausführungen. Dem Jahresberichte entnehmen wir: „Die Sammlungen des Museums haben eine erfreuliche stetige Zunahme aus allen Zweigen zu verzeichnen. Fortwährend laufen Spenden für dieselben aus allen Ländern ein, und das Enratorium ist mit Fleiß und Eifer daran, das reiche Material zu sichten und zu katalogisiren." Der Jahresbericht, ebenso der vom Herrn Baurath Ritter von Goldschmidt erstattete Cassabericht und Revisionsbericht seitens des Herrn H i l d e s h e i m e r wurden zur Kenntnis; genommen. Dem Curatorium gehören gegenwärtig an: Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, die Nniversitätsprofessoren Hofrath Grünhut, Dr. D. H. M ü l l e r und Tr. Politzer, Hofschanspieler Ritter von Sonnenthal, die 'Architekten Max Fleischer und Baurath Stiaßny, die Ingenieure Baurath von G 0 l d s ch m i d t und Oberbaurath T a u s s i g, der Hebraist A. Epstein, der Tonkünstler Ignaz Brüll, die Maler Leopold H 0 r 0 v i tz und Isidor K a n f m a n n und der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Adolf Stein. Nach Beendigung des geschäftlichen Theiles hielt Herr Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l einen geistvollen Vortrag über das Thema: „D a s ä l t e st e B u ch d r a m a und eine neue Conjectur über die Grundidee und die Entstehungsgeschichte desselben" ab. Redner bezeichnete das Buch Hiob als das älteste Drama, gab den Zuhörern ein getreues Bild der Gliederung dieser alttestameniarischen Dichtung und schilderte mit jugendfrischer dramatischer Lebhaftigkeit die Freuden und Leiden Hiobs. Mit Scharfsinn und feinem Verständnis; hatte der Vortragende in der modernen Literatur viele Anklänge an das Buch Hiob gefunden und mit tiberzeugenden Worten wies er nach, das; sich die größten Dichter aller Nationen mir diesem Stoffe befaßt haben. Mit Spannung und großem Interesse folgte das zahlreiche, den gebildetsten Ständen angehörige Auditorium den Ausführungen des Redners und rauschender Beifall ward ihm mehrmals während des Vortrages, besonders aber am Schlüsse desselben zutheil. Der Vortrag ivird in den Publicationen des Museums erscheinen. 'Am Samstag den 17. December 1898 veranstaltete die Gesellschaft den zweiten Vortrag int heurigen Winterenklus. Herr Josef B e ck, einer der berühmtesten Amateurphotographen. welcher zu Anfang des Jahres 1898 Aue mehrmonatliche Reise nach dem heiligen Lande unternomnten halt, führte unter dem Titel: „E i n e P a l ä st i n a r e i s e in Sei 0 p t ikonbildern" circa >'"> eigene Aufnahmen vor. Die einzelnen Bilder, welche durch ihre Schärte und Natürlichkeit, nicht minder aber durch die künstlerische Auffassung der einzelnen Situationen geradezu sensationell wirkten, wurden von Herrn B e ck stets mit einigen Worten erklärt. Der Saal des 'Niederösterreichischen Gewerbevereines, ttt welchem dieser Vortrag stattfand, erwies sich als viel zu klein. Es herrschte ein solcher 'Andrang, das; das Publicum znm großen Theile in den Gängen tutb wo sich sonst nur ein Plätzchen bot, stehen mußte. Das zahlreiche Auditorium sparte nicht mit seinem Beifall : von Bild zu Bild steigerte sich derselbe und ging zum Schlüsse förmlich in Enthusiasmus über. Es war aber auch wirklich ein lehrreicher und zugleich überaus genußreicher Abend, an welchen die Anivesenden gewiß stets dankbar znriiekdeuken werden. Das im Aufblühen begriffene Museum der Gesellschaft, welches sich im 1. Bezirke, Rathhausstraße 13, befindet, kann von Jedermann an Samstagen von I I bis I Uhr Mittags besichtigt werden. Wien. (V e r e i n z u r H e b tt n g d e r G e w erbe.» 'Am Sonntag den 8. d. M. fand eine P l e n a r v e r s a m ml tt n g d e s V e reines z u r H e b u n g de r G e w erbe statt. Der große Saal des 'N i e d e r ö st e r r e i ch i s ch e n G e w e r b e v e r e i n e s war in allen seinen Dheilen bis auf das letzte Plätzchen von Besuchern gefüllt. Man bemerkte unter Anderen Se. Ereellenz den Grafen Eule n b u r g, die Vorsteher des E r p 0 r t v e r e i n e s , die Vorslehung der O e st e r r e i ch i s ch - u n g a r i f ch e n Colonial- G e s e l ls ch a s t, den Professor der Hochschule Ingenieur R e; e k, Ortsschulrath S. Heit, die Commercialräthe Stiaßnv, S. Eisenberger uttd Trebitsch, die Bezirksausschüsse Dr. Hein und Wald st ein, den Präsidenten des politischen Volksvereines Dr. Hermann Fialla, Schriftsteller Iaegues I a e g e r, die Präsidentinnen tutb Vorstandsdamen der meisten israelitischen Frauenvereine, den G e s a m m t v 0 r st a n d des Vereines zur Hebung der Gewerbe mit ihren Vieeprändenten Hertnann Beck ttnd L. Guttmann. Die ineisten der Genannten waren mit ihren Frauen erschienen. Der Vortrag des Herrn kais. Rathes Richard S ch r 0 s l klang dahin aus, daß Oesterreich bemüht sein möge, für seinen darniederliegenden Handel und zur Kräftigung des Gewerbestandes it e 11 e A bfatzgebiete a u ß e r h a 1 b de s R e i ch e s im gegenwärtigen dafür günstigen 'Momente zu suchen. Der hochinteressante und lehrreiche Vortrag fand allgemeinen Beifall. Darauf folgte ein Vortrag der Frau Antonie G r aff über die „Frauenfrage". Die Art der Ausführung und die Vortragsweise wird allen Zuhörern unvergeßlich bleiben und wird die Drucklegung des Vortrages allseitig gewünscht. Frau Graf wurde mit stürmischem Beifall belohnt. Sodann schloß der Präsident Herr B r 0 d den interessanten Vereinsabend, von welchem auch der Vorstand des Geiverbevereines befriedigt sein kann. Wien. In der „Ethischen Gesellschaft" hielt Donnerstag den 5. Jänner der Schriftsteller Dr. B. M ü n z, der bekannte

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