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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-13 · 2 (13.1.1899) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
2 (13.1.1899)
Date
1899-01-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 3ü Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 2 Für den israelitischen W a i s e n v e r e i n von Herrn und Frau Dr. Libitzky 10 fl., Familie S. Stein und H. u. Fritz Men dl je 100 fl., für verschämte Arme von einem Anonymus 100 fl., für eine arme Waise von Herrn Dr. Maximilian Steiner 50 f(. — Spenden im Bethause „B e t h Israel" fürs Altersversorgungshaus und den Waisenverein je 50 fl. Von einem Ungenannten fürs israelitische Blinden in st itut 100 fl. Ferner von t. u. Fritz Mendl fürs Altersversorgungshaus und zur ertheilung an 10 Arme je 100 fl.; endlich von einem Ungenanntseinwollenden zu Händen des Präsidenten 60 fl. Vom Magistrat ist eine Zuschrift eingelangt, wonach der Gemeinderath von Wien mit dem Beschlüsse vom 13. December 1898 die ablehnende Haltung der Cultusgemeinde gegenüber dem Projecte der Durchführung der Hasenauerstraße über den israelitischen Friedhof in Währing mit dem Z u s a tz e zur Kenntniß genommen hat, daß aus diesen; Beschlüsse jedoch nicht gefolgert werden darf, daß die Gemeinde Wien von einer eventuellen Expropriation abseh e. Vertreter Dr. Steiner ist überrascht, daß der Magistrat zu dem Beschluß des Gemeinderathes noch einen Nachsatz hinzugefügt habe. Der Vorstand müsse daher diesbezüglich Stellung nehmen, denn der Zusatz sei nur dahin zu verstehen, daß der Gemeinderath wohl auf Grund der gegenwärtigen Gesetze keine Expropriation vornehmen könne, jedoch sofort auf unseren alten Friedhof losgehen würde, wenn er ein neues Erpropriationsgesetz schaffen möchte. Bei dem hohen Ernste dieser Angelegenheit beantragt er die Zuweisung derselben an die Nechtsseetion. Vicepräsident Dr. Stern constatirt, daß diese Antwort des Magistrates nicht mit dem Gemeinderathsbeschlusse übereinstimmt. — Sohin wird diese Angelegenheit der V. Section zur dringlichen Behandlung zugewiesen. Präsident gibt bekannt, daß auf Grund eines Vortrages des Armenrathes kais. Rathes Dr. K o h n über die Organisation z n r A b h i l f e der N o t h unter den Wöchnerinnen in der dritten Section eine Berathung stattgefunden hat, und daß diese Angelegenheit in der nächsten Sitzung Gegenstand der Berichterstattung seitens des Vertreters Herrn Dr. Steiner bilden wird. Vertreter Baurath S t i a ß n y referirt namens des Baucomitr's über die Herstellung eines Ceremoniensaales im Leopold ft ädter Tempel, wofür dermalen das Local des Beth Hamidrasch verwendet wird, den vielfachen Wünschen von Gemeindemitgliedern und der dringenden Nothwendigkeit müsse durch ein passendes Local Rechnung getragen werden. Desgleichen müsse die im kleinen Betsaal untergebrachte Chor-Garderobe verlegt werden, damit die theologische Lehranstalt ungestört den Betsaal benützen könne. Herr Dr. G r ü n f e l d regt die Anbringung einer Ventilätionsanlage in dem Betloeale an, welches auch für den Unterricht der Bibelschüler benützt werde. — Herr Salo Cohn beantragt, die Entfernung der Garderobe bis Ende Jänner durchzuführen. (Angenommen.) Herr k. k. Oberingenieur v. Mises berichtet über die vor einem Jahre geschaffene Institution der Seelsorge für die in den öffentlichen K r a n k e n an st a l t e n untergebrachten Glaubensgenossen, um mit den Kranken zu beten und ihre Wünsche den Familien, beziehungsweise dem Vorstände zu übermitteln. Der betreffende Funktionär habe einen umfassenden Bericht erstattet, wonach er in 18 Wiener Spitälern 1200 Besuche gemacht und bei 55 Sterbenden intervenirt habe. Auch erstrecke sich seine Thätigkeit auf das städtische Versorgungshaus. Nachdem sich diese Einrichtung bewähre und der betraute Seelsorger seinen Pflichten mit Eifer und Erfolg Nachkomme, sei ihre Existenzberechtigung klar. Der B e r i ch t wird zur Kennt n iß genommen und dem Wirken des Seelsorgers die Anerkennung ausgesprochen. Weiters erwähnt der Referent, daß wegen Einrichtung eines passenden Locales zur Abhaltung von Andachten für die israelitischen Kranken im allgemeinen Krankenhause an den hohen Feiertagen Schritte unternommen wurden, wozu Herr Dr. G r ü n f e l d bemerkt, daß der Direktor Dr. Mucha in sehr entgegenkommender Weise über seine Fürsprache ein st a b i l e s Ä e t l o c a l e in Arrssicht gestellt habe. (Beifall.) Die K o s ch e r f l e i s ch - A n g e l e g e n h e i t ist nach dem Berichte des Herrn Dr. Berger soweit vorgeschritten, daß infolge einer seitens einiger Herren des Comitös in größere Städte Deutschlands unternommenen Studienreise der Plan besteht, die Schächter und Aussichtsorgane in die Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Der vom Vorstande erlassenen Einladung sind 80 Interessenten gefolgt, mit denen die Grundsätze besprochen wurden, welche bei der Reform der fraglichen Angelegenheit maßgebend sein sollen, und dürfte das Comitö bald mit conereten Vorschlägen an den Vorstand herantreten. Der Bericht wird zur Kenntn iß genommen. In den Vorstand des Gemeindetempels im XVIII. Bezirk wird an Stelle des infolge höheren Alters und Kränklichkeit scheidenden Herrn Heinrich Oplatek nach dem Vorschläge der I. Section (Referent H o f f m a n n) Herr Sigmund Licht gewählt, die Resignation des ersteren Bethäusvorstandes jedoch nicht zur Kenntniß genommen; derselbe soll auch ferner dem Bethaus-Vorstande angehören, wo er stets ein sehr thatkräftiges Mitglied war. Dem Ansuchen des Herrn Rabbiners Dr. Jon. W o! f um B e l a s s u n g der im vorigen Jahre von 300 fl. auf 400 fl. erhöhten Subvention für dieTalmud-Thoraschule im XII. Bezirk wird int Sinne des Antrages der II. Section nach dem befürwortenden Berichte des Herrn Vicepräsidenten Dr. K o h n stattgegeben. Dr. Grünfeld verweist auf den vor Kurzem erschienenen 1. Band der „Ethik des Judenthums" von Professor Lazarus. Dieses monumentale Werk verdanke seine Entstehung einer Anregung, die der verewigte Wilhelm Ritter v. Gutmann in der Vorstandssitzung vom 29. October 1882 gegeben hat. Im Jahre 1883 wurde die Ausführung dem Professor Lazarus übertragen. Die Ethik ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Vornehm im Tone, ist sie eine umfassende Darstellung der jüdischen Ethik. Sie enthält keine Apologetik, keine Polemik. Der Verfasser hat nicht nur sich, sondern auch dem Anreger ein lnouurnentum aero pcrennius gesetzt. Redner beantragt, dem Verfasser den Dank auszusprechen und ans Gemeindemitteln 100 Exemplare ä 2 Mark für Bibliotheken re. anzukaufen. (Wird genehmigt.) Dr. Kohn referirt über Aufbesserung der Bezüge der Religionslehrer. Den drei Kategorien der Religionslehrer werden Zulagen von 60, 72 und 40 fl. jährlich bewilligt. Vorsteher Rosner referirt über die Bewilligung periodischer Unterstützungen an 131 verarmte Gemeindemitglieder im Gesammtbetrage von ca. 15.000 fl. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Salo Cohn, Dr. Steiner, Ritter v. Goldsthmidt betheiligen, wird der Antrag des Referenten genehmigt. Herr Salo Cohn meldet für die Sectionsberathung einen Antrag an, daß in Zukunft diese Unterstützungen mit Hinzuziehung eines aus Gemeindemitgliedern bestehenden Comitös bewilligt werden sollen. Hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen. In der folgenden vertraulichen Sitzung kamen gemäß den betreffenden Sectionsanträgen gur Verleihung: die Dr. Jacob Goldenthal'sche Stiftung mit dem Zinsenbetrage von fl. 45. — an einen Rabbinatscandidaten; die Adolf Kohn'sche Widmung mit dem Betrage von je fl. 50. - an sechs Talmudschüler; die Widmung der Abendbörse im Betrage von fl. 45.— an einen Lehramtseandidaten; die Rosalie Mintz'sche Stiftung im Zinsenbetrage von je fl. 93.— an vier arme Witwen; die Dr. Max Friedländer'sche Stiftung im Zinsenbetrage von fl. 60.— an eine arme Braut; endlich die Dr. Ignaz Lemberger'sche Stiftung mit dem Zinsenbetrage von fl. 135.— an eine arme Braut. Weiters wird die Verleihung der Samuel Süssermannschen Stiftung zur Beförderrntg des Studiums der Bibel und des Talmuds im Zinsenbetragc von 120 fl. an einen Talmudschüler und die Verleihung der Ignaz und Rosalie Wolflschen Krankenstiftung im Zinsenbetrage von zusammen fl. 124.— an drei arme Personen im Sinne der Beschlüsse der betreffenden Curatorien zur Kenntniß genomnten. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung geschloffen.

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