Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Seite 28 Nr. t Br. Bloch's Wochenschrift. M o r i z: Nein. Aber ich werde auch nie vergessen, wie gehörig Du mich beim Kartenspiel gerupft hast. W i e d e n s k i : Ja, das Glück ist mir eben hold, das Glück... 1. Chanson nette: Oder die Geschicklichkeit. W i e d e n s k i (nimmt eine Banknote aus der Westentasche und deckt die Nummer zu): Grad oder ungrad? M o r i z: Ungrad. W i e d e n s k i (sieht nach): Grad! Gieb einen Hunderter her. M o r i z (ärgerlich): Hier ist er. W i e d e n s k i: Ich habe Dir ja schon so oft gesagt, daß sich nur Parvenüs ärgern, wenn sie ihre Ehrenschulden zahlen. M o r i z : Mau kann da schwer bei gutem Humor sein. W i e d e n s k i: Wenn man eine solche Erbschaft gemacht hat, sich wegen eines Hunderters zu ärgern! M o r i z: Du hast recht, Kolumna, wir wollen auf Dein Wohl trinken. W i e d e n s k i: So habe ich es gern. Alle (stoßen an und trinken): Hoch Kolumna! M 0 r i z: Was hört sich denn mit meiner Namensänderung? B e r n a r d : Du willst Dir Deinen Namen ändern? M o r i z: Jawohl! Ich möchte nicht mehr Silberzweig heißen, denn das erinnert mich allzu sehr an das Ghetto. Wiedenski hat mir sogar seinen Beistand versprochen und hat sich auch einen Vorschuß geben lassen. Nun, Wiedenski, wie steht es denn? Wiedenski: Die Sache ist bereits im Ministerium des Inner:: und ich erwarte jeden Augenblick eine Erledigung. Eine gewisse hohe Dame, die mir verpflichtet ist, unterstützt die Sache. (Plötzlich steckt er die Hand in die rechte Westentasche.) Grad oder ungrad? 1. Chansonnette: Ich spiele grad. Wiedenski: Ungrad, denn ich habe nur einen halben Imperial in der Tasche. Du hast verspielt, meine Schönste. 1. Chansonnette: Schäm' Dich, uns noch das Geld abzunehmen. Wiedenski: Ich schäme mich nicht. Ich habe Eure Bekanntschaft mit Moriz vermittelt und Ihr sollt mir dafür dankbar sein. (Fortsetzung folgt.) Erstehung und Unterricht. Von Jda Oppenheim. (Fortsetzung.) Die Verpflichtung zum Studium des Hebräischen und die unverliche Pietät, welche Jedermann für das Studium und die Wissenhegt, retteten die Juden vor Versumpfung. Die Verbannten haben dank ihr stets ein Vaterland gebildet. Gewöhnlich fing der Unterricht mit dem fünften Lebensjahre an. Am Wochenseste, am Tage der einstigen Offenbarung auf Sinai, bei Tagesanbruch brachte der Vater den Kleinen in das Haus des Lehrers. Der Lehrer nimmt das Kind auf den Arm, wie die Wärterin den Säugling (IV. B. Mos.), zeigt ihm dann eine Tafel von Holz, worauf das hebräische Alphabet steht, je vier Buchstaben immer zu einem Wort vereint, nebst den Versen in den Worten: „Die Lehre sei meine Beschäftigung." Die Worte des Alphabets werden dem Kirche vorwärts und rückwärts vorgesagt, worauf die Buchstaben mit Honig bestrichen werden, damit es die Süßigkeit auf seiner Zunge koste. Aus einem aus Mehl, Honig, Milch und Sei bereiteten Kuchen standen die Verse: „Menschensohn, nähre deinen Bauch und deinen Leib fülle mit dieser Rolle, die ich dir gebe (Hesekiel 3). Gott, der Herr hat mir das Ohr geöffnet und ich sträube mich nicht." Außerdem standen noch verschiedene Verse auf den Kuchen, während auf der Schale eines gekochten Eies wieder andere Verse aufgeschrieben waren. Die Inschriften auf Kuchen und Ei wurden mit den Kindern gelesen; Schutzgeist für die Vergeßlichkeit. Man versprach sich von solchem Genüsse, daß sie dem Kinde eher Fassungskraft verleihen. Der große Pius Diester Kalir behauptete, daß von solchen Kuchen, die der Vater ihm gegeben, er nicht allein den Namen, sondern auch den Geist empfangen haben sollte. Wie dem Pindar die Bienen von Himettas den Mund mit süßer Gesangsgabe füllten, sagt Sachs in seinem herrlichen Buche: „Die religiöse Poesie der Juden in Spanien". So empfing das Kind in solcher Art die erste Anregung zum Lernen. Nach beendeter Feier führte man den Knaben an das Wasser, welches als Symbol für Gotteslehre, als Quelle aller Erkenntniß gilt, damit sich an dem Knaben erfüllen sollte das Wort der Schrift..c>.,Es mögen deine Quellen nach außenhin sich verbreiten." Man muß von Güdemann die interessante Geschichte über Erziehungs- und llnterrichtswesen lesen, hier sind es nur kleine Auszüge, nur Streiflichter, die dazu beitragen mögen, auf die großen und wichtigen Schriften der Gelehrten aufmerksam zu machen. Die mütterliche Erziehung wird hervorgehoben! Rabbi Jaunai sagte: „Bei wem findest du die religiöse Wissenschaft? Bei dem, der eine gute mütterliche Erziehung genossen hat. — Der weise Sohn des Vaters Freude — der mißrathene hingegen der Mutter Trauer." Daß der Unterricht den Gesichtskreis des Lehrers erweitert, wie dies das lateinische Sprichwort: „Dacena Diseimus“ darthut, wird schon im Talmud gesagt: Von meinen Lehrern lernt' ich viel, Ich lernte mehr von den Genossen, Doch ward durch meine Schüler mir Des Wissens Schacht voll aufgeschlossen, und Lerne in bescheidenem Schweigen Gottes Wort mit Ernst. .. ‘\ou Laut schon wird es sich bezeugen, ,vr‘M Was du füll erlernst. Es sind die Kinderlehrer in Israel, welche aus ihrem Herzen die Weisheit, Vernunft und Einsicht ziehen und die Kinder unterweisen, damit sie den Willen des himmlischen Vaters vollziehen. „Er nimmt den Weg unter der göttlichen Hilfe" — „Er ist der Lehrer, der gewissenhaft den Unterricht den Kindern ertheilt" — „Die Sofrim und die Kinderlehrer, sie werden unter den Schutz Gottes gestellt" — „Die, welche Andere zur Tugend bringen, glänzen Heller wie die Hellen Sterne." So mahnt Rabbi Simon den Jochai: „Wenn du siehst, daß Städte plötzlich von chrer Stelle weichen, wisse, sie haben die Sofrim, die Kinderlehrer nicht unterstützt. Wer langes Leben wünscht und Reichthum, der komme zu mir und lerne, denn so heißt es: Langes Leben ist in chrer Rechten, in chrer Linken Reichthum und Ehre." Ein armer Jüngling suchte einen Rabbi auf und bat: „Rabbi, ich möchte Thora lernen, um reich zu werden." Und Rabbi Abba sprach: „Lerne, mein Sohn, lerne!" Jose war ein fleißiger Schüler und machte glänzende Fortschritte. So vergingen einige Jahre. „Rabbi," sagte Jose, „du hast mir Reichchum versprochen. Ich studire so lange und fleißig und der Reichthum will nicht kommen Die Rede verdroß und bekümmerte den Rabbi. Siehe, da 'kam ein alter Mann zu chm und sprach: „Rabbi, Gott hat mich mit großen Reichthümern gesegnet, aber ich bin vollkommen unwissend und kann nicht in der Thora lesen. Gern möchte ich all meine Schätze mit Jemand theilen, der mir dafür einen Antheit an der ewigen Seligkeit zukommen ließe!" Da erfaßte der Rabbi die Hand des Greises, führte chn zu seinem Schüler und sprach: „Siehe, deiner harrt der ersehnte Reichthum." Die Beiden wurden einig, und der Greis überhäufte den jungen Gelehrten mit allen Kostbarkeiten. — Jose studirte fleißiger als zuvor. Eines Tages fand ihn sein Lehrer in Thränen. „Warum weinst du?" frug er ihn. „Ich weine, weil mein Herz gehangen an irdischem Tand, weil ich das hochheilige Studium benützt habe, um diesen zu erlangen." „Laß' dich umarmen!" rief Rabbi Abba. „Jetzt erst bist du ein echter Schüler der Weisheit!" Jose übergab dem Greise daS Geld und sagte: „Nimm', gib eS den Waisen, den Armen und Bedrückten!" AlS der Rabbi dies vernahm, sprach er: „Nicht können Gold uttd Krystall erreichen einen Erfolg für die Thora!"