Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 92 Br. Bloch'« Wochenschrift. r. i Feuilleton. Malks Schwarzenkopf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. Autorisirte Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber Manuscript. ' (Nachdruck verboten.) Erster Act. Reich möblirter Salon. In der Mitte ein Spieltisch mit Karten und Geldstücken, daneben mehrere Tische mit leeren Champagnerflaschen. Moriz Silberzweig sitzt am Divan, Bernard und WiedenSki legen beim Spielü.ch die Karten zusammen. Eine Chansonnette sitzt beim Piano und spielt „Adele i’es belle", die zweite singt falsch. 1. Scene. Moriz: Etwas lauter! Bitte, singen Sie nur lauter! 1. Chansonnette: U'ieiue Kehle ist trocken, ich kann nicht singen. Moriz: Dann erfrisch' sie. 1. ChansonrHette: Die Bouteillen sind ja leer. Moriz: So läute Wiedenski, daß man uns Champagner bringe. Wiedenski (läutet): Bernard: Ach, das ist ja ein unerschöpflicher Brunnen, dieser Keller Deiner Tante. Moriz: Es scheint so — 1. Chansonnette: Warst Du schon im Keller, Morizchen? Moriz: Nein, ich Hab' immer nur den Wiedenski hingeschickt. 1. Chansonnette: Gibt's dort noch viel Bouteillen? (Wiedenski beim Kartenspiel beschäftigt, antwortet nicht.) Nun . . . bist Du, Kolumna, taub geworden? Damen gar nicht zu antworten? Wiedenski: Laßt mich in Ruh', ich lege mir jetzt Karten. Moriz: Das ist nicht wahr. Du denkst nur an ein neues Meisterstück, um mich dann beim Kartenspiel zu rupfen. Wiedenski: Zu allererst nicht Meisterstück, nur chef d’ouevre! Wenn Du Dich schon vom Comptoir losgemacht hast und nicht mehr hinter dem Gitter sitzt wie ein wildes Thier, so lerne wenigstens anständig antworten. Moriz: Mein Lieber! Bei mir genügt's, wenn ich die Banknoten zeige. Dann kann ich reden wie ich will. Wiedenski: Nein, nebst Geld muß man auch gesellschaftliche Manieren Du Haft ja gesellschaftliche Manieren und Du siehst, wie schlecht es Dir geht, weil Du kein Geld Haft. Wiedenski: Mir schlecht? Wer hat denn Dir das gesagt? Zu allererst Hab' ich Geld, wenn es auch momentan in den Geschäften steckt. Moriz: Es steckt in den Geschäften! Hört Ihr? (Alle lachen.) Wiedenski: Lacht nur! Rira mieux, qui rira le demier . . . Ich werde Euch bald ganze Haufen Banknoten zeigen. 1. Chansonnette: Schau nur Kolumna, daß Du sie wie am schnellsten kriegst. 2. Scene. Vorige, Treiue Glanz. (Eine alte Jüdin, nett und bescheiden gekleidet.) Frau Glanz: Haben Sie geläutet? Moriz: Jawohl, Frau Glanz! Frau Glanz: Was steht zu Diensten? MorFz: Ich möchte ... ich möchte... (Er zaudert eine Weile.) Wiedenski: Lassen Sie uns noch Wein bringen. Frau Glanz (bleibt stehen). Wiedenski: Warum warten Sie noch? Frau Glanz: Ich erwarte die Befehle meines Herrn. Wi ed enski: Tu entends, Maurice? Moriz: Lassen Sie uns Wein bringen. Frau Glanz (macht eine Kopfbewegung): Mir scheint, die Herren haben schon etwas zu viel getrunken. Wiedenski: Das geht Sie gar nichts an. Wenn Herr Moriz anschafft, so muß der Wein da sein. Frau Glanz: Ich habe gar nicht die Ehre, Sie zu kennen, und möchte mir diesen Ton ausgebeten haben. Zu mir, der Frau Glanz, hat noch Niemand in der Weise gesprochen, und meine gnädige Frau und die Tante des Herrn Moriz hat mich immer meine liebe Glanz genannt. Deshalb ersuche ich Sie höflichst, mich überhaupt nicht anzusprechen. 1. Chansonnette: Hörst Du Kolumna, Du hast diese Dame meine liebe Frau Glanz zu nennen. Glanz (wirft der Chansonnette einige verachtungsvolle Blicke zu). 1. Chansonnette (impertinent): Warum schauen Sie mich so an? Frau Glanz: Als meine alte gute Frau lebte, da traten solche Frauen wie Sie nicht über die Schwelle dieses Hauses (Zu Moriz:) Ich schicke den Wein sofort her . . . sofort! (Entrüstet ab.) 3. S c e n e. Vorige, ohne Frau Glanz. (Ein Lakai bringt zwei Flaschen Champagner in silbernen Basen.) 1. Chansonnette: Ein impertinentes Weib! 2. Chansonnette: Eine Verrückte! Wiedenski: Moriz! Du solltest diese alte Mumie sofort wegjagen. Moriz: Als ich von Lodz ankam, fand ich sie schon installirt. Sie dient in diesem Hause angeblich seit 25 Jahrem Es würde mir schwer fallen, sie aus das Pflaster zu werfen. Wiedenski: Aber jetzt wirst Du es doch thun müssen. Es hat keinen Sinn und erniedrigt Dich in den Augen der Menschen. Ein Weib, das sich mit der Wirthschaft beschäftigt, das hat keinen Sinn. Bernard: Wiedenski hat recht, das hat keinen Sinn! Moriz: Doch... Widenski (steht auf und geht auf ihn zu): Hast Du Dich unter meinen Schutz gestellt oder nicht? Moriz: Ja. Wiedenski: Nun, da mußt Du mir auch gehorchen. Du mußt Dich so kleiden, so spazieren, essen, mit einem Worte, alles das machen, was ich Dir befehle. Ich hoffe, daß Du Dich seil unserer Bekanntschaft im Bahncoup6 keinen Augenblick gelangweilt hast. IÜHHKSS1