Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift. Der Schüler Jose wuroe einer der großen Lehrer in Israel — er ist bekannt unter dem 3 c amen JosebenKasi. In den profanen Wissenschaften haben später die Juden in Deutschland, Frankreich, Italien viel geleistet. (Siehe: D. Schleiden in einem Aufsatze der Weftcrmann'fchcn Monatsschrift.) Im 12. Jahrhundert der Minnesänger der Juden Süßkind von Trimburg. Zwei deut'chc Dichter wollten den Pareival von Wolfram von Eschcnbach nach den: französischen Gedicht Menosvrs fortsctzen, verstanden aber nicht französisch; da half ihnen ein kundiger Jude. Sie selbst sagen am Schluffe ihrer Arbeit: Ein Jude, Samson Pnie, verwandte Zeit und Mühe An diesen Abenteuern, und thät' uns viel beisteuern. Er hat sie deutsch uns übersetzt; wir habcn's dann in Reim gesetzt. R. de Santos sagt: „Wir verdanken den Juden größtentheits die ersten Kenntnisse der Philosophie, der Botanik, der Mcdicin, der Astronomie, Kosmographie, der Elemente der Grammatik und der heiligen Sprachen, sowie fast alle Studien der biblischen Literatur. Ihre Glanzperiode hatten die Juden während des Mittelalters in Spanien." „ r , , (Schluß folgt.) Literatur. Die Geschichte einer hundertjährigen Schulbank. Bon Josef F r i e d l. Selbstverlag des Verfassers, II. Leopoldsgasse 3. Der Herr Verfasser, ausgestattet mit einem reichen Ausmaße theoretischer Fachkenntnisse und praktischer Erfahrungen, behandelt in seinem Merkchen mit Ernst und Humor zivei unendlich wichtige Factoren: Schule und Elternhaus. Anschaulich und lebenswahr wird in dem Buche die Entrvicklung unserer Schule seit einem Jahrhundert geschildert. Bei aufmerksamer Lectüre ersieht auch der Nichtlehrer, welch unendlich wichtige „Werkstätte" — bildlich gesprochen — die Schule ist, um Geist, Herz und Willenskraft der ihr anvertrauten Kinder zu pflegen und zu vervollkommnen. Viel Wahres und Treffliches sagt der Autor über Kindererziehung im Elternhause, über Berufswahl der der Schule entwachsenen Schulkinder, über passende häusliche Bücherlectüre, über Beaufsichtigung solcher Kinder, deren Eltern tagsüber dem Broterwerbe nachgehen müssen und einen schweren Kampf ums Dasein zu bestehen fya'-Ju.-. Sehr zeitgemäß sind die Bemerkungen, die auf die schädlichen Einflüsse des Hasses und der Unduldsamkeit andersgläubigen Kindern gegenüber Bezug haben. Aber auch dem frischen, jugendlichen Humor ist in dem Buche sein unbestrittenes Recht eingeräumt. Das Buch kann Eltern und Lehrern bestens empfohlen werden. -1. A. Lcsemaschincn für den hebräischen Lese- und Sprachunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen von Rabbiner H. Kohn, Reichenau, herausgegeben vom „Israelitischen Landeslehrerverein in Böhmen", Preis fl. 8.— Bestellungen an Rabbiner M. Freund, Bodenbach a. d. Elbe. Die Besprechung eines Lehrmittels für den israeliüschen Religionsunterricht gehört zu den Seltenheiten, selbst in diesen Spalten. Der Grund hiefür liegt auf der Hand. Vorerst wagt es Niemand, ein Lehrmittel für diese Disciplin aus Furcht vor mangelndem Absatz herauszugeben und dann hielten ja unsere Lehrer der Religion für unnöthig, solche überhaupt in Anwendung zu bringen. Das hebräische Lesen, Unlust zu dem Gegenstände, die nie besiegt werden kann, weil dem Kinde der Anfang zu schwer gemacht wurde. Gibt es doch bisher kein Lehrmittel für den Anfangsunterricht im hebräischen Lesen, ein Lehrinittel, das für alle anderen Sprachen in jeder Dorfschule zu finden ist! Und doch ist das Erlernen des hebräischen Lesens nicht leichter, die Unterstützung dieser Disciplin, seitens des Hauses entgegengebracht, wird keine wärmere und die den Kindern selbst hiezu innewohnende Lust keine größere. Aufs Wärmste ist daher das Unternehmen des rührigen „Israeliüschen Landesvercines in Böhmen" zu begrüßen, der eine von Rabbiner H. Kohn in Reichenau erfundene Lescmaschine mit großen' Kosten hcrausgegebcn hat. Das Lehrmittel rcpräscntirt sich im anständigen Gewände, kann leicht von einem Lehrzimmer in das andere transporürt werden und läßt sich nach derselben beigegebenen Anleitung nicht blos zum ersten Unterricht im Lesen, sondern auch zum Einüben von Gcbctstücken, ferner besonders zum Sprachunterricht mit Nutzen verwenden. Was unseren Kindern zumeist fehlt, ist die Liebe für den hebräischen Unterricht und diese kann durch Anwendung dieses Lehrmittels, welches den Unterricht nicht nur anziehend, sondern auch leicht gestaltet, erreicht werden. An den Cultusgemeinden liegt cs, das Lehrmittel, dessen Preis sehr niedrig angestcllt ist, anzuschaffen, an den Religionslehrern, sich uiit der Anwendung desselben vertraut zu machen, und wir sind überzeugt, daß die Klagen über mangelnde Fertigkeit im hebräischen Lesen allmälig verstummen werden. - Briefkasten. C. P., Siffek. Abonnementsbetrag bis 15. December 1808 erhalten. M. M. jun. Es ist sehr traurig, daß sich Juden finden, welche es mit ihrer Ehre vereinbar finden, das anüsemitische Theater zu besuchen. M. D. Wir werden uns gelegentlich selbst eine solche Vorstellung ansehen, um uns selbst ein Urtheil zu bilden. Neugieriger in Czernowitz. Das weiß eigentlich der Herr Unterrjchtsminister selbst nicht, und die Antwort, die er ertheilte, war unklar und verschwommen. Graf Bylandt macht die Beobachtung eines grundlegenden Gesetzes von „technischen Schwierigkeiten" abhängig. Max Krauß. Abonnement erhalten. K in Berlin. Schlosser in seiner Weltgeschichte für das deutsche Volk sagt: „Die Israeliten find das wichtigste Volk des Orients." Ferner: „Die von ihnen uns überlieferten Bücher sind die zuverlässigsten und am besten geordneten Schriften über die ältere Geschichte der Menschheit und zum Theil sogar die ältesten Geschichtswerke, welche es gibt." W. in Lemberg. Felix Dahn erklärte öffentlich: „Unter meinen nächsten Freunden sind Inden, die zu den trefflichsten Menschen zählen, welche ich kenne." — Rosegger sagte: „Die Laster der Juden werden nur Solchen gefährlich, welche ihre Vorzüge nicht haben." Jacob Herzog in T. Kann in Oesterreich nicht gestempelt werden. Josef Pottak in Berlin. Abonnement dankend erhalten. M. in Paris. Am 24. Tebeth 5365 (damals 16. Jänner) erschienen 150 Personen auf dem Marktplatz zu Lissabon im Büßergewand zum großen Autodafe, weil sie bekannten, nach jüdischem Gesetze nach den Vorschriften der Bibel gelebt zu haben. Gegen Erlegung der enormen Summe von 1 Million Goldguldeu, 800.000 Ducaten, 500.000 Cruzaden jür die Regierung und 100.000 Cruzaden für die geistlichen Minister erhielten sie päpstlichen Ablaß und Rettung ihres Lebens als Beweis christlicher Liebe und Barmherzigkeit. B. M. Der deutschnationale Dr. F o ch l e r hat dem Ekel über die durch die Christlich-Socialen geschaffenen Verhältnisse in sehr lebhafter Weise Ausdruck gegeben. Man getvinnt wirklich, wie Sie ganz richüg bemerken, ein vollkommen klares Bild über den Antisemitismus, wenn man die Aenßcrnngen der Christlich-Socialen über die Deutschnationalen und vice versa hört. Dr. B. H. Sie täuschen sich, das Buch Peter A l t e n b e r g s, „Aschanti", hat gar nichts mit der berüchtigten Sodawasser-Affaire zu thun. M. R. G r e g o r i g war krank, als seine Affaire zur gerichtlichen Austragung kommen sollte, er war aber ganz gesund, als die schmutzige Wäsche seines Freundes P urscht im Gerichtssaäle gewaschen wurde. Cibis. Aus der in den Tagesblättern veröffentlichten Zusammenstellung über die großen Stiftungen und Spenden anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers konnten Sic ersehen, daß der hohe Adel bei dieser Gelegenheit neidlos den bürgerlichen Classen ~ darunter namentlich s e h r vielen Juden — den Bortritt einräumte. Die hohe Aristokratie, die eigentlich durch ihre Abwesenheit glänzte, wollte offenbar beweisen, daß sie in mancher Beziehung auf die Vorrechte des Adels zu verzichten versteht. —rr. Ob die Allüsemiten durch Errichtung solcher Häuser die trübselige Stimmung, .die in Wien herrscht, verscheuchen und den Freuden Eingang verschaffen will, wollen wir nicht erörtern. L. B. Ihr Gedächtniß täuscht Sie nicht. Der Anwalt des Herrn P u r s ch t ist mit jenem Dr. K n o tz idenüsch, der einst im österreichischen Reichsrath das Wort von denst„Franziskerl" sprach, das bei allen österreichischen Patrioten so tiefe Empörung hervorrief. L. N. V e r g a n i fälscht auch die Statisük. Nächstens wird er behaupten, daß die Juden allein dazu prädestinirt seien, Obligationen zu unterschlagen. B. L. Sie staunen, daß dieser anüsemiüsche Ehrenmann „ohne" von dem Daüv regieren läßt. Die Leute setzen sich noch über ganz andere Gesetze als jene der deutschen Sprache hinweg. Die glückliche Geburt eines Mädchens beehren sich anzuzeigen Wien. Rabbiner Dr. Gelbhaus und Frau. Die Verlobung ihrer ältesten Tochter Ella mit Herrn Dr. Heinrich Vrody, Rabbiner in Nachod, zeigen freunden und Bekannten an f)rag, im Jänner \899- Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld und Frau. Herausgeber: Dr. Joses ®. Bloch. — Verantwortlicher Redakteur: Robert Wollf. — Druck von R. Kamits & Co., Wien, VI. Theobaldg. 7.