Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seit- 18 Vr. Vloch's OochenMrrift. Sk. 1 die Errichtung eines Kaiserin Elisabeth-Gartens und eines Heims für Greise und Bresthafte, die Bauordnung, sowie die Canalisirung und Beleuchtung der Stadt betont hatte, fuhr er fort: „Ich muß auch, Herr Bürgermeister, die Unparteilichkeit hervorheben, mit welcher Sie die Interessen aller Bewohner der Stadt ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität behandeln, infolge dessen wir hier einträchtig für das Wohl der Commune arbeiten können; ferner die Zuvorkommenheit, mit welcher Sie den Bedürfnissen unserer Kirchen Rechnung tragen, und die Sorgfalt, welche Sie den Schulen und allen humanitären Anstalten unserer Stadt angedeihen lassen." Schließlich gab P. Eiselt der Freude darüber Ausdruck, daß der Kaiser den Bürgermeister ausgezeichnet habe, und wünschte ihm, daß seine Thätigkeit für das Gemeinwohl vom besten Erfolge begleitet sein und ihn selbst glücklich machen möge. Die Rede wurde vom Gemeinderathe stehend angehört und die Begrüßung von allen Anwesenden applaudirt. Bürgermeister Dr. Nimhin dankte für diese Anerkennung und beglückwünschte hieraus den der Gemeindevertretung angehdgen griechisch-katholischen Dompropst Faejewicz, welcher gleichfalls eine kaiserliche Auszeichnung erhalten hatte. Die Wohlthaten confessionellen Friedens und einträchtigen Vorgehens in allen öffentlichen Angelegenheiten verdanken wir unserem früheren Collegen, dem gegenwärtigen armenisch-katholischen Erzbischof irr Lemberg Jsakowicz, dessen Wirken hier im Sinne der Eintracht und des Friedens unter den Bewohnern Stanislaus unvergeßlich bleibt und der auch jüngst anläßlich eines kanonischen Besuches hier, dem ihn begrüßenden Gemeinderath, den Frieden unter den Konfessionen auf das Wärmste empfahl. Krakau. Kürzlich fand hier die Grundsteinlegung zum Baue eines neuen israelitischen Siechenhauses statt. Bei der Feier, die erhebend war, waren unter Anderen anwesend: der Stadtpräsident Fried lein, der Präsident der Cultusgemeinde Gemeinderath Dr Leon Horovitz, der Vicepräses der Cultusgemeinde Gemeinderath Hirsch Land au,derPräsidentderHandelskammer Mendelsburg, Abgeordneter R o t t e r, Baurath Sa re u. s. w. Festreden hielten Obmann Herr Dr. Wechsler, Präsident Dr. Horovitz, Prediger Dr. Thon und Rabbinerstellvertreter Ch. L. Horovitz. Die Bauurkunde haben unterzeichnet: Stadtpräsident F r i e d l e i n, Hofrath Lask o w s k i, Präsident Dr. Horovitz, Vicepräsident Hirsch Landau, Präsident Albert Mendels bürg, Baurath Sare, Landtagsabgeordneter Rotter, Baumeister.Torbe und Obmann Dr. Wechsler. Möge diese Anstalt Trost den Siechen bringen und unsere Glaubensgenoffen zu weiteren Wohlthaten anspornen! Graz. (Kaiser Friedrich u n d S t a d t r a t h Meyer Magnus.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Geehrte Redaction! Wie weniger Jahre es bedarf, um historisch verbürgte Thatsachen in den Bereich der Legende zu verweisen, davon gibt eine Anfrage im Sprechsaale der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" in Berlin beredtes Zeugniß. Es handelt sich um den Stein, den der hochselige Kaiser Friedrich als Kronprinz von seiner Reise nach Jerusalem dem vor 13 Jahren verstorbenen geheimen Commerzien- und Stadtrath Meyer Magnus mitbrachte, welche Thatsache schon heute in Frage gestellt wird. Ich selbst, eine Nichte des verstorbenen Meyer Magnus, habe diesen mit einer hebräischen Inschrift versehenen Stein seinerzeit gesehen und habe nun in der Meinung, daß diese Angelegenheit allgemeines Interesse habe, sofort an meine Verwandten geschrieben und bin heute in der Lage, der geehrten Redaction eine Abschrift jenes Briefes vorziüegen, welcher seinerzeit vom Kammerherrn v. Normann als Begleitschreiben des Steines an meinen seligen Onkel gerichtet wurde. Der Stein selbst ist natürlich fim Besitze der Magnus'scheu Familie. Hochachtungsvoll Marianne Mühsam, Rabbinersgattin." - Der Brief lautete: Berlin, den 17. März 1870. Sehr geehrter Herr! Beifolgend beehre ich mich. Ihnen im höchsten Auftrag Sr. königl. Hoheit des Kroirprinzen ein kleines Geschenk zu übersenden, von welchem Höchftderselbe Ihnen nn'indlich bereits Mittheilung gemacht hat. Der kleine Stein, welcher sich auf der Mitte des Briefbeschwerers befindet, stammt, wie Ihnen bekannt, von heiliger Stätte. Seine königliche Hoheit hat geglaubt. Ihnen gerade durch ein solches Andenken eine kleine Freude bereiten zu können. Leider ist die Ausführung des Ganzen sehr hinter den berechtigten Erwartungen Seiner königlichen Hoheit des Kronprinzen zurückgeblieben; Höchstderselbe fürchtet aber, daß ein nochmaliger Versus — es ist dies bereits der zweite — kein besseres Resultat liefern wird und hat mir deshalb befohlen. Ihnen den Stein in seiner gegenwärtigen Gestalt zu übersenden. Mit besonderer Hochachtung Ihr ergebenster gez. v. N o r m a n n. Berlin. Das hiesige Rabbiner-Seminar feierte mn Dienstag und Mittwoch das Jubiläum seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Es wu.de im Jahre 1873 durch die energische Thätigkeit des Rabbiners Dr. I. Hildesheimer, eines in der jüdisch-theologischen Welt gefeierten Gelehrten, unter bescheidenen Anfängen begründet und am 22. October desselben Jahres unter zahlreicher Theilnahme von Seiten der Behörden eröffnet. Der damalige Cultusminister Dr. Falk, der zur Eröffnungsfeier eingeladen worden war, entschuldigte schriftlich sein Ausbleiben, indem er noch hinzufügte: „Mein Wunsch, daß die Anstalt gedeihe, ist darum nicht minder lebhaft." Die Zahl der Hörer betrug damals etwa 20. Als Lehrer wirkten außer dem genannten Begründer und Leiter des Seminars noch zwei namhafte Gelehrte, Dr. Berliner und Dr. Hoffmann, die jetzt mit das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ihrer Lehrthätigkeit feiern. Der greise Leiter der Anstalt, der bereits im 79. Lebensjahre steht, hat vor etwa zwei Jahren von diesem Amt infolge der Beschwerlichkeit des Alters zurücktreten müssen, er nahm jedoch an der Feier noch theil. Im Laufe der fünfundzwanzig Jahre hat die Anstalt eine bedeutende Vergrößerung erfahren, sie zählt jetzt über 60 Zöglinge, während als Docenten noch Professor Dr. Barth, der bekannte Orientalist ,und Sprachforscher, Dr. H. Hildesheimer und Dr. Wohlgemuth hinzukamen. Seitdem sind zahlreiche Rabbiner und Lehrer aus dem Seminar hervorgegangen, die in vielen jüdischen Gemeinden des In- und Auslandes, ja auch in Amerika und in Australien Anstellung gefunden haben. Für die Wissenschaft war es nicht ohne Bedeutung, daß ein so ausgezeichneter Literarhistoriker und Bibliograph wie Dr. Berliner, ein so gründlicher Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Theologiewie Dr. Hoffmann für die Fortentwicklung der jüdischen Wissenschaft thätig fein konnten. Zn der Feier am Dienstag, die Vormittags um 10 Uhr in der Synagoge Gipsstraße stattfand, hatte sich eine zahlreiche Versammlung eingefunden. Ein Chor eröffnete den Festact, worauf Rabbiner Dr. Auerbach aus Halberstadt die Festrede hielt, die dem Verhältniß zwischen Glauben und Wissenschaft gewidmet war. Der Redner betonte, daß die jüdische Theologie eine wissenschaftliche sein müsse und die historisch-kritische Schulung nicht entbehren dürfe; nur müsse sie die Grenzen respectiren, die ihr naturgemäß gezogen seien. Hierauf hielt Dr. A. Berliner eine wirkungsvolle Rede, in der er einen interessanten Rückblick über das Wesen der jüdisch-theologischen Hochschulen seit zwei Jahrtausenden bot und den Nachweis führte, daß das jüdische Kulturleben niemals aufhörte und sich wie eine Kette fortzog, die niemals riß. Es sprachen noch Landesrabbiner Dr. Loeb aus Emden im Namen der ältesten Hörer des Seminars und Dr. Cohn im Namen der zur Zeit der Anstalt angehörenden Zöglinge. Dr. Hoffmann verlas ein hebräisches Dankgebet, das mit einem Gebet für den Kaiser imd das kaiserliche Haus abschloß. Ein Chorgesang bildete den Schluß der Feier. Am Abend versammelten sich die Freunde und Gäste des Seminars zu einem Festessen in den Räumen des „Hotel Saxonia". Am Mittwoch Vormittag hielt Herr Docent Dr. Hoffmann in der Synagoge der Gemeinde Adaß Jisroel vor einem zahlreichen Auditorium einen halachischen Vortrag. Auch der seit 20 Jahren am Seminar bestehende Verein Dibbuk Chawerim hatte es sich nicht nehmen lassen, seine vielen zum Feste erschienenen ehemaligen Mitglieder und Freunde der Anstalt zu einem Festcommerse zu vereinigen, oer in der Tonhalle stattfand. Es mar gleichzeitig die Jubelfeier des Seminars, das zwanzigjährige Bestehen des genannten Vereins, und die fünsundzwanzigjährige Docentenwirksamkeit der Herren Dr. Hildesheimer, Dr. Berliner imd