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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-06 · 1 (6.1.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
1 (6.1.1899)
Date
1899-01-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 1 Seite 17 Dr. Bloch's Wochenschrift. Herr Bezirksausschuß Pappenheim schließt sich den Ausführungen des Herrn Dr. Kohn an. Herr Dr. I. S. Bloch dankt für die ihm zutheil gewordene freundliche Begrüßung, indem er betont, den Eifer und die Opserwilligkeit des Tempelvereins-Vorstandes widerlege täglich den den Juden so oft gemachten Vorwurf des Materialismus. Er weist.nach, daß das Lvl nidre nur von der Gewissenhaftigkeit der Gläubigen beredtes Zeugniß gebe. Er ist für die Wiedereinführung dieses altehrwürdigen Gebetes. Mit Dank schließt der Vorsitzende die Versammlung. Wien. Montag den 26. December, Uhr Abends, fand die 22. ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines „Am Volkert" unter dem Vorsitz des Präsidenten Herrn Adolf S ch r a m e k statt. Die Versammlung war zahlreich besucht. Als Delegirter der israelitischen Cultusgemeinde erschien Herr Dr. Marcus Spitzer, welcher selbst langjähriges Mitglied und Förderer des Vereines ist. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung, begrüßt die erschienenen Gäste, constatirt die Beschlußfähigkeit und gedenkt vor Nebergang zur Tagesordnung in einer Einsprache der Verdienste des verschiedenen, langjährigen Vereinsmitgliedes und Obmannstellvertreters Herrn Leopold Fried, zu dessen Ehre die Versammlung sich von den Sitzen erhob. Nach Uebergang zur Tagesordnung erstattet der Präsident den Rechenschaftsbericht über das letzte Verwaltungsjahr und weist ans die Ersprießlichkeit der Einrichtung der neugegründeten Talmud-Thora-Schule des Vereines hin, woselbst allabendlich durch Herrn Rabbiner Weiß Vorträge abgehalten werden. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen und nach dem Referat des Herrn Ignaz Ehrlich das Absolutorium einstimmig ertheilt. Hieraus ergreift der Delegirte der Cultusgemeinde Dr. M. Spitzer das Wort; derselbe spricht namens des Vorstandes der Cultusgemeinde dem Tempelverein und seiner Leitung die vollste Anerkennung aus und erwähnt insbesondere des Umstandes, daß der Verein einen eigenen Rabbiner angestellt und eine Stätte geschaffen, wo Andacht und Religiosität in würdiger und weihevoller Weise geübt werden. Redner verspricht die weitere Unterstützung des Vereines durch die israelitische Cultusgemeinde und schließt mit den besten Wünschen für das fernere Wohl und Gedeihen des Vereines. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen und das Ergebniß verkündet. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren S. Rer: m a n n und Ignaz Ehrlich. In den Ausschuß wurden wiedergewählt die Herren : Dr. Marcus Spitzer, S. R e i ch e r, L. C a n t o r, W. B a n d l e r, Jacob Kaiser und H. Kaiser; neugewählt wurden die Herren S. Hoffm a u n und Elkan Baue r. Wien. (Die Jugend für die Iug end!) Ein neues Jahr ist wieder au uns herangetreten; da werden wieder viele, viele süße Hoffnungen und schöne Pläne gemacht, da gibt es Herzenswünsche in großer Zahl! Aber in denselben Maße, da wir freudig an all die angenehmen Dinge, die wir uns von deni neuen Jahre erhoffen, denken, greift es uns so traurig ans Herz. Wieviel bitteres Leid wird auch dieses Jahr denen bringen, die es nicht so gut haben, die arm und elend sind! Ach, wer all dies Elend lindern, die unendlich große Zahl der Armen und Kranken verringern könnte! Den Erwachsenen wird es leicht, dies schöne Ziel zu erreichen, und ihre Arbeitsfreudigkeit findet einen großen Spielraum, wenn sie all den 'Anforderungen, welche die große Zahl der Wohlthätigkeitsvereine an sie stellt, gerecht werden wollen. Nur wir, die Jugend, wir stehen da, das Herz voll Liebe und Sehnsucht, erfüllt von dem Wunsche, m i t z u h e l f e n, doch die Hände müßig ruhen lassend. Fühlen wir weniger Verehrung für unseren Landesvater, dessen edles Beispiel uns die Nächstenliebe ja ins Herz gepflanzt hat? Empfinden wir weniger Mitleid für die Armen? Nein, nur an Gelege nh e i t hat es uns bis jetzt gefehlt, zu zeigen, was auch w i r können und zu leisten im Stande sind! Nun aber ist diese Gelegenheit gekommen. Der Ruf, der unsere schlummernden Kräfte wecken und entfalten soll, er ist an uns ergangen, er heißt: Die Jugend für die Jugend! Darum schnell herbei, all Ihr jungen Freunde, und rasch ans Werk, das Versäumte nachzuholen! Ihr habt gewiß alle schon von dem großen Verein „Ferienheim" gehört, der den schwächsten und ärmsten Kindern den Sommer über ein freundliches, gesundes Heim bietet. Aber, denkt Euch, es gibt noch viele, viele arme Kinder — es sind dies die allerbedürftigsten — die kranken, die der Verein nicht mehr ausnehmen kann. Und dieser Unglücklichen eben wollen wir uns annehmen, wir, die wir jung und gesund und schaffensfreudig sind! Und nun sagt, meine lieben hilfsbereiten Collegen und Colleginnen, könnt Ihr Euch etwas Schöneres denken, als durch einen kleinen Beitrag diesen Bedauernswertheften Eurer Mitmenschen Gesundheit und Lebensfreude wiederzugeben? Und wie leicht dieser Zweck zu erreichen ist, das hat das Mädchencomitö, eine Vereinigung junger Mädchen, bewiesen, indem es seine kleinen Freunde und Freundinnen um den geringen Theilnehmerbeitrag von jährlich einer Krone anging; durch diese wie durch größere freiwillige Spenden waren wir im Stande, binnen zweier Jahre circa 20 Kindern die Wohlthat einer Haller und Darkauer Cur zuzuwenden und sie heil und gesund ihren glückstrahlenden Eltern wiederzugeben. Unsere Einladung ergeht nun an die gesammte Jugend! Alle Kinder, klein und groß, vom Tage ihrer Geburt an, über die Schulzeit hinaus und bis zu ihrer Verheiratung sind gebeten, theilzunehmen an dem großen Wohlthätigkeitswerke! Ihr Alle, denen ein freundliches Geschick liebevolle Eltern und ein trautes Heim gab, die Ihr nicht ahnt, was das heißt: jung und doch arm und elend zu sein, beu herben S'chmerz des Hungers und des körperlichen Gebrechens zu fühlen, nichts ahnend von den süßen Freuden der Kindheit — hört den flehentlichen Ruf: Helfet, helfet!! Um was das Mädchencomitö Euch bittet, ist ja so wenig: eine Krone nur als jährlichen Mindestbetrag, .',0 kr. bloß aus der Sparcasse, dafür aber soll das Geben a l l g eniein sein! Jeder unserer neuen Freunde soll all seinen Ehrgeiz und alle Beredsamkeit entwickeln, um immer wieder neue Theilnehmer heranzuziehen: vergesset nicht, es gilt eurer heiligen Sache! Um rrns unseren lieben Freunden für ihre Bemühungen dankbar zu erweisen, stellen wir die Teilnehmerkarte irr Form einer Ansichtskarte aus, welche alljährlich in rrerrer Ausführung erscheint urrd rverden folgende Prämien bestimmen: Für die Anwerbrrng von 10 Theilnehmern.3 Künstler-Postkarten „ 2', „ L Serie Postkarten „ r>u „ 1 Ansichtskarten-Album „ 100 „ 1 Pracht-Album. Außerdem für denjerrigerr, welcher nach Ablauf eines Jahres die meisten Theilnehmer angeworben hat, einen Ehrenpreis. Voller Hoffnung und Zuversicht senden wir diese Bitte hinaus in die Welt! Möchte sie ein Echo stnderr in den warmfühlenden Herzen der I u g e n d; wer sich an diese wendet, iver mit dem begeisterungsfähigen Gemüthe des Kindes rechnet und diesem einen Platz cmroeift, den Großen nachzueifern im Streben für alles Gute und Schöne, der kann nicht fehlgehen! Und so legen wir denn unsere Sache in Eure Hände, mit Eurer Hilfe geschehe es, und der Wahlspruch, den nur Euch mitgebeu, heiße: „Tie Jugend für die Jugend!" 'Anmeldungen und Beitrittserklärungen nimmt entgegen : Präsidium des M ä d ch e n c o m t t e Ida Freyberg Präsidentin, I. Schottenring 31. Sophie Hirsch II. Bicepräsidentin, II. Czerning. 7. Paula Kaha n <- -chrittnikrerin. I. Wallneritrane I; Caroline Schneider 1. Bicepräsidentin IX. Bergg. 17. Elsa T ö r y Cassierin, l. Helferstorferstr. 6. Aus Oftgalizien. 30. December. (C o n f e s s i o n e l l e r Friede.) Während in einem großen Theile Galiziens infolge von demagogischen Umtrieben, an denen sich auch adelige und geistliche Agitatoren betheiligten, der 'Antisemitismus nach erprobten Wiener und Pariser Mustern sein Unwesen treibt, herrscht in Stanislau, wenigstens in der dortigen Gemeindevertretung, ungetrübter confessioneller Friede. Der Bürgermeister von Stanislau, Dr. Nimbin, ein Jude, erhielt das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens, und die Gemeindevertretung bereitete ihm neulich aus diesem Anlaffe eine Ovation. Als Sprecher des Gemeinderathes fungirte der römisch-katholische Geistliche Eifelt. Nachdem er die hervorragenden Verdienste des Bürgermeisters um die Regelung der städtischen Finanzen, die Reorganisation des Magistrates,

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