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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-06 · 1 (6.1.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
1 (6.1.1899)
Date
1899-01-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
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iiiH-wti wymii'Wf imtm i-ff 6e;tc 16 Dr. Blockes Wockenfrlrrtfl. ''-r. 1 Diesen Eindruck empfangen wir auch von den Büsten, deren er dieses Jahr vier ausstellt und wovon eine eine Kinderbüste, und von seiner zweiten Gruppe, betitelt „Die Neugier" (La curiosite). An einer Quelle sitzt ein kleiner Knabe und schlummert. Hinter ihm steht ein anderer Knabe, der sich über den ersten beugt und ihm wie forschend ins Gesetzt blickt. Sanfte Ruhe und stille Liebe ist über die Grnppe ausgegosscn, eine recht innerliche Freude spricht aus ihr den Beschauer an und eine heitere Lebenslust treibt uns nahezu, die weißen jungen Körper zu umarmen und die unter dem Fleisch sich verrathenden Knochen zu betasten. Und wenn wir diese Kindergruppc lange betrachtet haben, dann staunen wir im Fortgehen über die hohe Kunst, welcher hier der seltene Wurf gelang, dem Marmor den Ausdruck echter, natürlicher Kindheit mit all ihren: Zauber naiver Sorglosigkeit einzuathmen. Dem Plaue gemäß, den ich mir für diese Briefe gestellt, werde ich noch einmal auf A r a n s o n zurückzukommen ,haben; vorher aber werde ich dem Leser verschiedene jüdische 'Künstler verschiedener Zweige vorsühren. 9Nachdem ich hier die Werke eines jüdischen Sculptors geschildert, werde ich mich in meinen nächsten Briefen mit jüdischen Malern und jüdischen Musikern beschäftigen. Im Fortgange meiner Betrachtungen werde ich Gelegenheit haben, zu zeigen, daß diese Künstler verschiedener Fächer und verschiedener Schulrichtungen alle etwas Gemeinsames an sich haben, und dieses gemeinsame Etwas ist eben, wie die Analyse ergeben wird, der jüdische Nationalgeist, welcher sie — ob mit, ob ohne ihr Wissen, einerlei — vereinigt. Wenn diese Erkenntniß gewonnen ist, dann wird es mir leicht sein, zu zeigen, in welchen allgemeinen Formen die jüdische Kunst sich bewegt und von der arischen Kunst sich unterscheidet. A. L o u b e tz k y. Lorresponüenzen. Wien. (E h e w r a B e t h H a s f i l a h.) Am 28. December v. I. fand die 32. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Chewra Beth Hasstlah" im Ceremoniensaale des Tempels JX., Müllnergasse 21 statt. Der Obmann des Vereines Herr G. Bettel heim constatirt die Beschlußfähigkeit der Versammlung, begrüßt den erschienenen Delegirten des Cultusvorstandes Herrn Vicepräsidenten Dr. Gustav K o h n, das Ehrenmitglied des Vereines Herrn Architekten Max Fleischer und Herrn Dr. I. S. Bloch. Bei Verlesung des Rechenschaftsberichtes ehrt die Versammlung das Andenken weiland Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth, sowie das der im abgelaufenen Vereinsjahre verstorbenen Vereinsmitglieder durch Erheben von den Sitzen. Nach Verlesung des Gebahrungsausweises und der Bilanz wird den: Vorstand einstimmig das Absolutorium ertheilt. Architekt Fleischer spricht namens der Vereinsmitglieder dem Vorstande und speciell bestem Obmann den Dank und die Anerkennung aus. Bei der hieraus vorgenommenen Neuwahl in den Vorstand werden die Herren Gottlieb Vettelheim, Julius K o p st e i n und Heinrich G o l d s ch m i e d , deren Mandat abgelaufen war, einstimmig wiedergewählt; ebenso werden in den Ausschuß berufen die Herren: Jacob Blau, Adolf Frankl, Dr. Alfred G l o g a u, Leopold Hendl, Leop. Kan n, Dr. Emanuel Q u i t t n e r, Wilh. Pappenh e im und Isidor Trebitsch. Herr Pappenheim ergreift das Wort, schildert die aufopfernde Thätigkeit des Obmannes Herrn Gottlieb Bettelheim und beantragt den Dank der Generalversammlung an denselben dem Protokolle einzuverleiben, was mit allgemeinen Bravorufen einstimmig angenommen wird. Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n erbittet sich das Wort, um, wie er sagt, seine Ausführungen in zwei Abschnitte zu theilen, erstens als Vereinsmitglied, zweitens als Delegirter des Cultusvorstandes. Als Vereinsmitglied spricht er sich gegen die seitens des Vorstandes eingeführten deutschen Gebete, speciell am Eingänge des Versöhnungstages und zu Ende desselben aus, ebenso warnt er vor Einführung des gemischten Chores, der, wie er gehört haben will, seitens des Vorstandes geplant wird. Als Delegirter des Cultusvorstandes betont er. daß der Vorstand der Cultusgemeinde das Wirken des Vorstandes des Tempels im IX. Bezirk mit großen: Vergnügen verfolge und voll der Anerkennung für dasselbe sei; die Cultusgemeinde werde keine Mittel scheuen, um dem Tempelverein seine hohe Mission zu erleichtern. Er spricht namens des Cultusvorstandes dem Vorstande und namentlich dem Obmanne den wärmsten Dank und die volle Anerkennung aus. Der Obmann Herr Gottlieb Bettelheim dankt den Wählern für die auf ihn gefallene Wahl, auf welche er stolz zu fein erkläre, weil er den Tempelvereiu für ein geeignetes Mittel halte, um wie es die Pflicht eines jeden Juden sei, den Gemeinsinn zu stärken, das Solidaritätsgesühl zu wecken und der Ehre des Judenthums zu dienen. Von diesem Gesichtspunkte habe der Vorstand des Tempelvereines sich stets leiten lassen, und deshalb habe er es stets freudig begrüßt, wenn, sei es wer immer für die gemeinsame Sache in seiner Art etwas geleistet habe. Der Vorstand habe, um die Glaubensgenossen zu immer regerer Inanspruchnahme der gottesdienstlichen Institutionen anzueisern, den Gottesdienst ausgestaltet, die Feier der Barmizwah nicht allein verschönert, sondern gleichzeitig die früher bestandenen Taxen aufgehoben, es wird im Tempel des IX. Bezirkes bei Barmizwahs und Einsegnungen von Neugeborenen zwischen Arm und Reich nicht der geringste Unterschied gemacht, wie auch jeder im lX. Bezirk wohnhafte Arme Gelegenheit erhalte, auch an den hohen Feiertagen einem würdigen Gottesdienst unentgeltlich beizuwohnen. Was die Vermögensgebahrung anbelangt, so ergibt ein Vergleich des vorliegenden Jahresberichtes, mit jenem vom Jahre 1893, in welchem Jahre der Passivstand fl. 74.841-57 betrug, während derselbe im vorliegenden Jahresberichte, die Schuld an die Cultusgemeinde pro fl. 11.400 mitgerechnet fl. 64.720-64 beträgt, eine Abnahme des Schuldenstandes um mehr als fl. 10.000, hiezu kommen die nunmehr tesaurirten Stiftungen im Betrage von ca. fl. 5000 und der Beamtenpensionssond von fl. 4400, was zusammen eine Besserung der Finanzlage um ca. fl. 19.400 ergibt. Redner glaubt im Namen des Vorstandes die Versicherung geben zu können, daß derselbe seinen Grundsätzen getreu auch fernerhin, insoweit es die Würde des Gottesdienstes und die Existenzbedingungen der Beamten gestattet, die größte Sparsamkeit beobachten werde, und daß er alles Mögliche ausbieten werde, um die Grundlagen unserer heiligen Religion, Friede, Gerechtigkeit und Wahrheit zu kräftigen. Aus diesem Grunde wolle er auch für die Einheit und das Ansehen der Cultusgemeinde eintreten, sowie unentwegt für die Eintracht und den Frieden in der Gemeinde und speciell im Bezirke hinwirken, den Tempel so führen, daß er ein Gotteshaus sei für alle Menschen, er wolle aber auch für die Gebote der Pietät und die Rechte der Tempelvereine unermüdlich wirken. Redner erklärt ausdrücklich dies im Hinblick aus die in der jüngsten Sitzung des Cultusvorstandes gefallene Aeußerung gerade jenes Vorstandsmitgliedes Vorbringen zu müssen, welches das ihm von den Tempelvereinen ohne Unterschied der rituellen Richtung zugewendete Mandat benützte, um die Tempelvereine ungerechterweise anzugreisen. Auf die Ausführungen des Herrn Dr. Kohn entgegnet der Obmann: Der Vorstand habe kein einziges hebräisches Gebet ausgeschieden. Die Einfügung von Gebeten in der Muttersprache könne, wenn am Samstag erlaubt, auch am Versöhnungstage keine Sünde sein. Der — Vorstand wollte auch jenen Gelegenheit geben andächtig zu beten, welche die hebräische Liturgie nicht verstehen. Von der Einführung eines gemischten Chores sei im Vorstande noch nicht die Rede gewesen. Er für seine Person stehe dieser Frage sympathisch gegenüber. Es frage sich für ihn nur, ob dadurch nicht Zwiespalt im Bezirke hervorgerufen werde. Auch der Obmann-Stellvertreter Dr. Schnepp vertheidigt die Verfügung des Vereines. Er meint, der Cultusvorstand möge die deutschen Gebete überflüssig machen, indem er die Jugend in den Stand setze, die hebräischen Gebete zu verstehen, die Anstellung weiblicher Sänger werde nothwendig, nachdem die Gemeindetempel nur die männlichen Sänger absorbire. Herr Dr. Kohn beruhigt den Redner für die Zukunft nach beiden Richtungen.

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