Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 11 Vrrbandstag der israelitischen Religionslrhrer in Oesterreich. Ani 27. und 28. v. M. hat in Wien im Saale des Restaurant Khuner der zweite Verbandstag der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen stattgefunden. Zn der Versammlung hatten sich Mitglieder aus allen Kronländern eingefunden. In Vertretung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien erschien deren Vicepräsid e nt He r r D r. Gustav Ko h n. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in L e m berg hatte als Delegirten den Herrn Jnspector Rabbiner D r. C a r o entsendet. In Vertretung des Vereines „Oe st e r r e i ch i s ch e Mittels ch u l e" ivar der Schriftführer P r o f. D r. Carl W o t k e erschienen. Der Lehrkörper der jüdisch-theologischen Lehranstalt itt Wien war durch ben Rector Herr n D r. Adolf S ch rv a r z, L e c t o r M. F r i e d m a n n und Prof. B ü ch! e r vertreten. Als Ehrengäste nahmen an den Verhandlungen theil: der O b e r r a b i n e r Herr D r. M. G ü d e m a n n, Herr D r. I. S. Bloch, der k. k. Gpmnasialdirector Carl Woks ch, die Herren Rabbiner Dr. Jonathan Wolf, Religionsinspector für Mittelschulen, Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t und Rabbiner Dr. I. M. B a ch. Der Verlauf der Versammlung war ein sehr würdiger und die Discussion hielt sich, wiewohl sie stets eilte angeregte war, auf der entsprechenden Höhe. O b m a n n Dr. Adolf W e i ß eröffnete die Versammlung mit einer längeren Rede, in welcher er die Ziele und Bestrebungen des Verbandes als durchgehends idealistische bezeichnet. Die nächsten Aufgaben des Verbandes, deren richtige Lösung, weil ste die gebildete Jugend betreffe, auch die Regeneration des Judenthums in sich schließe, wären darin zu suchen, daß die Heranbildung künftiger Religionslehrer geregelt, daß ein möglichst einheitlicher Lehrplan für die ganze Monarchie geschaffen, und daß für die Herstellung geeigneter Lehrbücher Sorge getragen werde. Redner gedenkt des Kaisers, der den Religionslehrern ein erhabenes Vorbild hingebeitdster Pflichterfüllung, der im ivahren Sinne ein Vater des Vaterlandes sei. Unter lebhaften, dreimaligen Hochrufen auf den Kaiser erklärt der Obmann den Verbandstag für eröffnet. Der Obmann richtet hierauf an die erschienenen Ehrengäste herzliche Worte der Begrüßung und theilt der Versammlung die eingelaufenen Sympathiekundgebungen der Cultusgemeinden Brünn, Troppau, Lemberg und Czernowitz mit. Er ertheilt das Wort dem Herrn Jnspector Rabbiner Dr. Caro (Lemberg). Derselbe erklärt, er habe schon jetzt die befriedigende Wahrnehmung machen können, welches ernste Streben die Veranstalter dieser Versammlung beseele. Ties könne als aufmnnterndes Beispiel für weite Kreise dienen, besonders in Galizien, wo hinsichtlich des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen sehr triste Verhältnisse bestehen. Allerdings thue der gegenwärtige Vieepräsident des galizischen Landesschulrathes Prof. v. Bobrzpnski sein Bestes, um dem jüdischen Religionsunterrichte eine den anderen Confessionen ebenbürtige Stellung zu verschaffen, und dafür gebühre ihm der öffentliche Dank (Bravo!), allein noch bleibt der zum Theile durch nationale Verhältnisse bedingte Mangel an Lehrern, sowie an Lehrbüchern. Schließlich hebt Redner hervor, daß auch die Cultnsvorstände die Versammlung hochschätzen müßten, weil sie nur in Verbindung mit solchen Männern die ethischen und geistigen Interessen des Judenthums zu wahren im Stande seien. (Lebhafter Beifall.) Der Obmann erstattet sodann den Bericht über die Thätigkeit des Verbandsausschusfes. Ein erhebende' Ermunternng für seine Bestrebungen wurde dem Verbände schon in den ersten Tagen nach feiner Constitnirnng zutheil, indem eine Mittheilung an ihn gelangte, daß der Kaiser für das an Allerhöchstdenselben am 28. December 1898 abgesandte Huldigungstelegramm den Allerhöchsten Dank auszusprechen geruhte. Auch die Begrüßung, die der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde an den Verbandsattsschuß unter dem 11. Jänner 1897 gerichtet hat, sowie die thatkrästige Unterstützung, die derselbe Vorstand dem Verbände angedeihen ließ, ferner die Mnnificenz, mit welcher Frau Baronin Hirsch und Freiherr Albert von Rothschild den Verband unterstützten, waren freudige Momente im Vereinsleben. Der Ausschuß habe sein Harrptaugenmerk auf die dem hohen Unterrichtsministerium zu überreichende Petition gerichtet, welche dahin ging, daß l. an solchen Lehranstalten, an denen die gesetzlichen Bedingungen vorhanden seien, Lehrstellen für den israelitischen Religionsunterricht spstemisirt werden mögen; 2. an Orten, wo mehrere Mittelschulen vorhanden sind, für mehrere Anstalten zugleich, insoferne für diese zusammen eine Lehrkraft mit voller Dienstleistung erforderlich ist, Lehrstellen spstemisirt werden mögett; 8. daß, wo keine Spstemifirung stattfinden kann, den Rcligionslehrern eine nach der durchschnittlich geleisteten Stundenzahl bemessene Altersversorgung zuerkannt werde; 4. daß dem israelitischen Religionsunterrichte die gesetzliche Stundenzahl eingeränmt werde, ttnd 0. daß der Titel „Hilfslehrer" abgestellt werde. Diese Petition konnte erst im Mai 1898 überreicht werden. Von hauptsächlichem Interesse war die Rücksprache mit dem Herrn k. k. Sectionsrathe v. Wiener, der die Abstellung der amtlichen Bezeichnung „Hilfslehrer" als eine theilweise Gewährung unserer Wünsche'bezeichnete, jedoch die Spstemifirung von Lehrstellen für den israelitischen Religionsunterricht von der Vorbedingung abhängig machte, daß die Frage der Vorbildung der israelitischen Religionslehrer geregelt werden müsse. Allerdings sei das hohe Ministerium nicht abgeneigt, für bestimmte Personen und Orte definitive Lehrstellen zu verleihen. Daran knüpft der Obmann die Bemerkung, daß, wenn auch die definitive Ernennung eittzelner Religionslehrer mit Dank zu begrüßen seilt werde, dem Verbände dennoch die Aufgabe zufalle, für die Gesammtheit zu wirken, und deshalb gedenke der "Ausschuß mit denjenigen Factoren, die die in Wien bestehende jüdisch-theologische Lehranstalt leiten und verwalten, in Fühlung zu treten. Die vom Ausschüsse an die Collegen versendeten Fragebogen, die dazu bestiinmt seien, eine statistische Kenntniß von den Verhältnissen des Religionsunterrichtes zu ermöglichen, etwaigen Uebelständen Abhilfe zu bringen und einen einheitlichen Lehrplan vorzubereiten, seien in Folge der tadelnswertsten Indolenz zahlreicher Collegen bisher nur ztt einem Trittheile beantwortet worden. ' In der über diesen Bericht eröffneten Debatte ergreift ztmächst das Wort Herr Rector D r. Schwarz. Er habe vorausgesetzt, daß die Religionslehrer über die Forderungen der hohen Regierung informirter sein werden als er. Soviel er iviffe, sage die Regierung, der Grund, weshalb die Lehranstalt das Oeffentlichkeitsrecht nicht erlange, liegt darin, daß sich die Gemeinden über daß Maß ihrer Forderttngen an den Rabbiner und Religionslehrer nicht einigen können. Es wäre Sache des Verbandes, sich mit den Geineindevorständen in Verbindung zu setzen, um zu erfahren, mas die Genteindeu fordern. Der Obma n n dankt dem Redner für seine Anfklärungen. R a b b i tt e r D r. K i s ch (Prag» bespricht zunächst die Frage des einheitlichen Lehrplanes und erwähnt die Schritte, die von Prag, resp. Böhmen ans bei der Regierung geschehen seien. Er stellt den "Antrag, mit dem „Allgemeinen 'israelitischen Bunde" in Fühlung zu treten. Redner schildert die trostlosen Verhältnisse im Falle des Ablebens oder der Invalidität und meint, es möge nicht so sehr nach Spstemifirung als nach Pensionsberechtigung gestrebt werden. Der O b m a n tt begrüßt die erschienenen Ehrengäste, den Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann, sowie Herrn Tr. Bloch, die beide früher in verdienstlichster Weise im Religionsunterrichte thätig waren. Herr D r. Bloch spricht unter Tank für die anerkennenden Worte des Obmannes seine Theilnahme für die Bestrebungen der Religionslehrer aus, von deren äußerer Stellung auch ihre Autorität und ihr Erfolg abhänge. Er empfiehlt inniges Einvernehinen mit den Gemeinden. Soll aber eine Einhelligkeit erzielt werden hinsichtlich des Lehrplanes ttnd hinsichtlich der Ausbildung von Religionslehrern, so müßten die Vorschläge vom Verbände dem Gemeindebunde vorgelegt werden. Der O b m a n tt erbittet von der Versammlung die Zustimmung, die Debatte abzubrechen und dem Vortrage des Herrn Religionsinspectors für Mittelschulen Rabbiner D r. Jonathan Wolf über das Thema „Vergleich e n de S ch u l st a t i st i k" Raum zu geben. Der Vortragende, mit lebhaftem Beifall ^begrüßt, erörtert den Werth statistischer Erhebungen in der Schule an