Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 956 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 52 des Ostends den Verkehr bei Gericht sehr erleichtern und manches unangenehme Mißverständniß verhüten wird. — Die Berichte aus Cypern, die vor Kurzem hier eingetroffen sind, bringen sehr günstige Nachrichten von den Colonisten, welche im September dorthin gegangen sind. Mr. W. S. Cohen, der die Colonisten dorthin geführt hat, ist noch dort, er wird aber bald nach London zurückkehren, sobald die rüstig fortschreitende Jnstallirung beendet sein wird, und will alsdann den Verein „Ahawath Zion", dessen Mitglieder jene Colonisten sind, Bericht erstatten. — Daß Juden Preise bekommen, ist keine Seltenheit, aber daß diese Preise für landwirthschaftliche Leistungen ertheilt werden, ist doch ein nicht häufig vorkommendes Ereigniß. Bei der jetzigen landwirthschaftlichen Ausstellung in St. Alban hat ein Mischer Farmer Mr. Abraham Solomons den zweiten Preis für Mastrindvieh erhalten. Der glückliche Gewinner dieses Wettbewerbes wohnt aus Clapgate-Farm in Bushey, Hertshire. — Sir Samuel Montague, der bekanntlich Vertreter des Londoner Bezirkes Whitechapel im englischen Unterhause ist, hat die Absicht, sobald sein Mandat abläuft, sich in das Privatleben zurückzuziehen. Zuvor aber hat er seinem Bezirke noch ein fürstliches Geschenk gemacht. Whitechapel ist überfüllt mit kleinen Leuten, so daß die Mietpreise für ganz kleine Wohnungen in den letzten Jahren enorm in die Höhe gegangen find und als eine fast unerschwingliche Last empfunden werden. Vergebens ist schon von verschiedenen Seiten auf diesen Uebelstand hingewiesen worden, die von vielen angesehenen Persönlichkeiten unternommenen Schritte, um die Miethspreise aus einer mäßigen Höhe zu halten, haben sich leider als nutzlos gegenüber der Profitwuth der Landlords, das heißt der Hausbesitzer, erwiesen. Am Montag den 19. d. M. fand wiederum ein Massenmeeting statt, aus Juden und Christen in gleicher Weise zusammengesetzt, bei dem von beiden Seiten die schärfsten Ausdrücke gegen die Hausbesitzer fielen und dieselben als die schlimmsten Wucherer bezeichnet wurden. Diese Gelegenheit benutzte Sir Samuel Montague, um seinen Wählern mitzutheilen, daß er als Abschiedsgeschenk für sie dem Londoner Grafschaftsrath ein Terrain geschenkt habe, auf dem 700 Häuser für kleine Wohnungen erbaut werden sollen. Dieselben müssen gegen ganz billige Miethzinse vermiethet werden, und werden Wohnungen für 200 bis 300 Personen enthalten, so daß ein gewisser Abfluß aus dem überfüllten Whitechapel möglich wird, auch find Verkehrungen zu treffen, um den Miethern die Möglichkeit zu geben, diese Häuser allmählig selbst zu erwerben. Confesston und Nationalität dürfen bei den Bewerbern nicht berücksichtigt werden, bevorzugt können nur diejenigen werden, die länger als drei Jahre in Whitechapel ansäßig sind. Bemerkt sei noch, daß diese hartherzigen Hausbesitzer sämmtlich Arier sind. New-Zork. Mit der Wahl des Herrn Josef Simon aus Portland, Oregon, in den Senat der Vereinigten Staaten ist der vierte Jude in diese hohe Körperschaft gelangt. Der erste jüdische Senator war David Lewy Iulee, welchen der Staat Florida 1845 bis 1851 und nochmals 1855 bis 1861 in den Senat schickte. Der zweite war der berühmte Jude P. B e n j a m i n, der als Vertreter für Louisiana, der als Advocat und Staatsmann gleich einflußreich war. Er vertrat seinen Staat von März 1853 bis Februar 1861 und trat aus, weil er sich auf die Seite der Südstaaten in dem damals beginnenden Bürgerkrieg stellte. Nach Beendigung dieses Krieges ging er nach England und später nach Frankreich, wo ihm seine juristische Gelehrsamkeit zu einer großen Stellung in der Gesellschaft verhalf. Sein Nachfolger als Senator von Louisiana wurde wieder ein Jude, Benjamin Franklin Jonas, auch ein bedeutender Rechtsgelehrter. Einige Zeit war dann kein Jude im amerikanischen Senat, bis neuerdings in Oregon der oben erwähnte Joseph Simon gewählt wurde. Philadelphia. Im Jewish Exponent veröffentlicht Louis Edward Lewy einen sehr interessanten Artikel über die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten, dem wir die folgenden Daten entnehmen. Die allgemeine Einwanderung ging von 230.800 auf 229.300 zurück. Dagegen stieg die Einwanderung der Juden von 22.000 auf 23.000. Mit dieser Steigerung correspondirt eine erhebliche Zunahme der Einwanderung aus Rußland und Galizien überhaupt. Speciell die Einwanderung aus Galizien hat sich im Berichtsjahr verdoppelt von 6000 auf 12.000 Seelen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese große Zunahme der wachsenden Auswanderung der Juden aus Galizien zuschreibt. Indessen auch die Zahl der russischen Juden, die nach Amerika flüchten, ist nicht unerheblich gestiegen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß aus beiden Ländern die Auswanderung auch in der nächsten Zeit weiter wachsen oder doch mindestens sich auf demselben hohen Standpunkte halten wird. Die genauesten Ziffern lagen aus Philadelphia vor. Hier ist die Ziffer der jüdischen Einwanderer von 1752 im Vorjahre aus 2079 gestiegen, während die Gesammteinwanderung sich auf 11.245 Seelen belief, so daß die Juden 18‘|, Percent aller Ankömmlinge stellen. Ebenso liegen die Dinge in Baltimor, während in New-Iork der Percentsatz der jüdischen Einwanderer etwas zurückgegangen ist. Von den Juden in Philadelphia kamen 433 mit Billets, die ihnen von ihren Angehörigen nach Ruß- land zugesandt waren. Mehr als die Hälfte der ganzen Einwanderer waren unter 20 Jahre und nur 59 waren über 50 Jahre alt. Bemerkenswerth ist das verhältnißmäßig junge Alter der jüdischen Einwanderer überhaupt. Nur 16 von den Einwanderern gingen auf die jüdischen Colonien in New- Iersey, da die Letzteren noch immer sehr schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben. Erst im letzten Jahre waren wieder erhebliche Unterstützungen aus dem Baron Hirsch-Fond nothwendig, um den nothleidenden Colonisten zu ermöglichen, die Zinsen ihrer Schulden zu bezahlen. Die wichtigste Frage für diese Colonien wird der Absatz ihrer Producte sein. Vermischtes. Wien. Einladung zur öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Freitag den 6. Jänner 1899, halb 11 Uhr Vormittags, im Sitzungssaale, I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Verhandlungsgegenstände: 1. Eonstituirung des Vorstandes: a) Wahl der Obmänner der Sectionen, b) Wahl der Obmannstellvertreter, e) Wahl der beiden Vicepräsidenten, d) Einzeichnung in die Sectionen, e) Wahl in die ständigen Comites des Vorstandes. 2. Bericht des Vertreter-Collegiums. 3. Berichte der Sectionen. Der Präsident. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Einladung zu der am Sonntag den 8. Jänner 1899, um 7 Uhr Abends, im großen Saale des niederösterr e i ch i s ch e n G e w e r b e v e r e i n e s, I. Eschenbachgasse 11, stattfindenoen Plenarversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des bekannten Schriftstellers Jacques Jäger: „Erzählungen von meiner eben zurückgelegten Reise durch England, Schottland und Irland". 2. Vortrag der Frau Antonie Graf, Schriftführerin des „Ferienheim": „Zur Frauenfrage". 3. Freie Discuss i o n e n, an welchen insbesonders Damen der verschiedenen Wiener Frauenvereine theilnehmen werden. Der Eintritt ist nur gegen Einladung gestattet. Hochachtungsvoll Der Schriftführer: Der Präsident: A. Kisch. S. Brod. Wien. (Auszeichnung.) Die bekannte Firma S. Th e umann, Wurst- und Selchfleischwaarenfabrik, hat auf der Ausstellung in Lyon eine Anerkennungsdiplom und auf der Ausstellung in Dijon den Grand prix erhalten. Wien. („Ferienheim".) Der wegen seines Humanitären Wirkens bekannte Verein „Ferienheim" veranstaltet am 19. Jänner 1899 in den Sofien-Sälen einen Elite-Ball und hofft mit Unterstützung seiner Gönner und Freunde im nächsten Sommer wieder einer beträchtlichen Anzahl armer, hilfsbedürftiger Schulkinder einen kräftigenden Landaufenthalt gewähren zu können. Wien. (Mädchen-Comite „Ferien hei m".) Dem Mädchen-Comite „Ferienheim" sind an Spenden zugekommen: Von Frau Antoinette Schwarzmann für Verpflegung eines Kindes 72 fl. Von Herrn Stadtbaumeister Edmund Melcher anläßlich seiner Vermählung 50 fl. -