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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-30 · 52 (30.12.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
52 (30.12.1898)
Date
1898-12-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 954 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 52 Wir betrachten Sie alle aus innerster Ueberzeugung als unser Haupt und wünschen herzlichst, daß Sie zum Heile der Gemeinde noch sehr lange mit uns fortwirken mögen." (Lebhafter Beifall.) Der Präsident erklärt hierauf die Sitzung für geschlossen. Vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Der Verein veröffentlicht Nachstehendes: „Geehrte Redaction! Kürzlich machte in allen antisemitischen Blättern die Notiz die Runde, daß in S a n o k (Galizien) ein jüdischer Wucherer Namens Nathan Lieber in der Wohnung eines verstorbenen Schuldners, während dieser aufgebahrt lag, eine gerichtliche Execution durchführte, und zwar in der unglaublich rohen Weise, daß er Hand an das Crucifix legte, welches man dem Todten auf die Brust gegeben hatte. Unser Verein fühlte sich verpflichtet, sofort Recherchen a n z u st e l l e n, und wir erlauben uns das Ergebniß unserer Nachforschungen vorzulegen, um wieder einmal den Beweis zu erbringen, wie die antisemitische Partei vor keiner Lüge und Verleumdung zurückschreckt, um ihre Zwecke zu erreichen." Das Schreiben der israelitischen Cultusgemeinde in Sanok, das mit einer Abschrift des Bescheides des k. k. Bezirksgerichtes belegt ist, lautet: „Hochverehrlicher Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien. _ Erst heute sind wir in der Lage, nach eingeholten genauesten Informationen an competenten Stellen mit nachstehenden Mittheilungen über die angefragte Angelegenheit zu dienen. Der in dem, uns mit Ihrem Werthen vom 3. d.M. übermittelten, hier beiliegenden Ausschnitte geschilderte Vorfall hat sich wirklich hier ereignet, aber nicht so, wie derselbe in dem von einem anscheinend antisemitischen Blatte herrührenden Ausschnitte in tendenziöser Weise entstellt wurde. Es ist wahr, daß bei dem verstorbenen Ladislaus Mlodecki (und nicht Klodecki), während derselbe auf dem Katafalk aufgebahrt lag, die gerichtliche Transferirung der bei ihm zu Gunsten des hiesigen Bezirksvorschußvereines früher gepfändeten Mobilien vorgenommen wurde, dagegen ist es eine bodenlose Lüge, daß bei dieser Amtshandlung irgendwelcher Jude intervenirt hätte, ebenso unwahr und ganz aus der Luft gegriffen ist es, daß die exequirte Forderung 81 fl. <>0 kr. (nicht 50 fl.) von einem jüdischen Wucherer Nflthan Lieber herrührte, da hier eine Person dieses Namens, sowie des angeführten Steinig überhaupt nicht existiren. Wir legen Ihnen im Anschlüsse eine Nummer des in Lemberg erscheinenden „Slowo Polskie" vom 4. November d. I., worin der Sachverhalt, wie oben geschildert, von dem hiesigen Correspondenten des genannten Blattes Dr. Linde, Secretär der hiesigen Waggonfabrik, wahrheitsgetreu geschildert wurde, bei, ebenso eine wortgetteue Abschrift des betreffenden Bescheides des hiesigen Bezirksgerichtes vom 28. October 1808, aus welchem unzweifelhaft zu ersehen ist, daß die mehrmals erwähnte Amtshandlung zu Gunsten des hiesigen Bezirksvorschußvereines vorgenommen wurde, wie es ebenso unbestritten wahr ist, daß dem genannten Institute kein einziges Mitglied der jüdischen Confesston angehört, wobei noch zu bemerken ist, daß der bei der erwähnten Amtshandlung intervenirende Beamte und Bevollmächtigte des genannten Instituts ein eifriges Mitglied des hiesigen antisemitischen Vereines „Ogniowo" ist. Inwiefern die in dem Ausschnitte enthaltene Mittheilung über angebliche, von Seiten der intervenirenden Personen vorgekommenen Roheiten aus Wahrheit beruhen, sind wir selbstverständlich nicht in der Lage, authentische Mittheilungen angeben zu können, wie uns aber von mehreren Seiten versichert wurde, soll sich der genannte Beamte des Instituts wirklich äußerst herzlos benommen haben, was die Mutter des Verstorbenen zu der berechtigten Bemerkung veranlaßte, daß die Christen bei den Juden Barmherzigkeit lernen mögen, da während ein christliches Jnstttut so unbarmherzig vorgeht, der jüdische Miethgeber des Verstorbenen keine Schritte unternommen hat. um den rückständigen Miethzins für ein volles Jahr einzubringen oder sicherzustellen, welches letztere die Mutter des Verstorbenen Frau Katharina Mlodecka in Krotoszyn, Post Davidow, zu jeder Zeit gerne bezeugen wird. Hochachtungsvoll Israelitische Cultusgemeinde (Stempel) Unterschrift unleserlich. Fürsorge für geistig zurückgebliebene Kinder. Mit Bezug auf die diesbezügliche Notiz in der vorigen Nummer unseres Blattes wird uns mitgetheilt, daß auch in Wien zwei Anstalten bestehen, welche sich mit der Erziehung und Ausbildung von geistig zurückgebliebenen Kindern befassen, und zwar die 'Anstalten der Herren Dr. Theodor Heller, XIX. Langackergasse 12 und Dr. S. Krenberger, XIII. Auhofstraße 222. Bon der Budapester Orpheum-Gesellschaft. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: „Geehrter Herr Redakteur! In Ihrer so viel und gern gelesenen Wochenschrift war in einem „Eingesendet" der unter meiner Direction schon seit 10 Jahren bestehenden Budapester Orpheum-Gesellschaft in einer Weise gedacht, die — wenn sich die Sache wirklich so verhielte — die maßgebenden Behörden zum Einschreiten gegen solche Vorstellungen veranlassen müßte. Die veröffentlichte Kritik beruht jedoch auf einer einseitigen und ungerechten Auffassung. Mir und meiner Gesellschaft liegt es gänzlich ferne, die Juden zu verhöhnen. Das geschieht in gewissen Tageblättern, welche ich, obgleich ich nicht Jude bin, stets mit Entrüstung zurückweise. Die Darsteller der angegebenen Komödie sind Juden und ich habe in meiner Gesellschaft überhaupt stets Juden gehabt. Ich bitte, meine Mitglieder selbst zu fragen. Hochachtungsvoll M. B. Lautzky, Director." Abermals eine Widerlegung. Herr Leo H e r z b e r g - F r ä n k e l hat in seiner in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" ab gedruckten Widerlegung meiner Ausführungen über das galizische Elend und die Schulstiftung des Baron Hirsch eine eigentliche Widerlegung gar nicht versucht, so daß eine weitere Entgegnung auf seinen Artikel kaum nothwendig wäre. Allein wir glauben es den Manen des seligen Baron Hirsch schuldig zu sein, auf eine Bemerkung zu reagiren, um nicht den Scheu: aufkommen zu lassen, als ob der Stifter, ohne die Verhältnisse Galiziens genau zu kennen, an sein großes Culturwerk gegangen sei. Sein Werk selbst spricht vielmehr mit lapidaren Worten dafür, daß er eine gründliche Kenntniß der galizischen Verhältnisse besaß. Auch der Stifter hat es zunächst versucht, parallel mit seiner Schulaction dem Elend seiner galizischen Glaubensbrüder, für dir er ein warmes Herz und eine offene Hand hatte, durch Gewährung materieller Hilfe zu steuern. Nach einem siebenjährigen fruchtlosen Versuch und der Opferung eines Capitals von mehr als einer Million Gulden festigte sich immer mehr und mehr seine Ueberzeugung, daß nur durch die Schule die junge Generation der Cultur und der Arbeit zugeführt und dem Elend der galizischen Juden dauernd und wirksam entgegengearbeitet werden kann. Er hat somit die Quelle des galizischen Elends, das schon damals sehr groß war, erkannt und gekannt und auch vorausgesehen, daß dieses Elend progressiv steigen muß, wenn es nicht an der Wurzel gefaßt und die junge Generation aus eine höhere Culturstufe und größere Arbeits- und Widerstandsfähigkeit gebracht wird. Dieser seiner Ueberzeugung hat der Stifter oft und oft auch publicistisch öffentlich Ausdruck gegeben, seinen Standpunkt und seine Erfahrungen wiederholt betont, so daß man getrost sagen kann: Wenn der Stifter heute leben würde und die Wahl dazu hätte, er würde nicht seine 50 blühenden Schulen und ihre segensreiche Thätigkeit in Hausindustrien mit ihren, wie wir in unserem vorigen Artikel auseinandergesetzt, ganz zweifelhaften Aussichten umwandeln; er würde vielmehr, wenn er die Absicht hätte, noch etwas für seine Glaubensgenossen zu thun, nur auf dem Wege des Ausbaues der Stiftungsschulen sortfahren.

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