Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 953 Stiaßny von diesem Entschlüsse abzubringen, wenn er auch im Voraus weiß, daß der Versuch vergeblich sein werde. Vicepräsident Dr. Alfred Stern erklärt, die Enunciation des Vaurathes S t i a ß n y im Vezirksschulrathe war eine durchaus würdige und correcte, und beantragt dementsprechend Herrn Baurath Stiaßny die Zustimmung des Cultusvorstandes zu seiner @mincicitiou und den Dank dafür auszusprechen, daß er unseren eigenen Rechtsüberzeugungen über die Ungesetzlichkeit des Bezirksschulraths-Erlasses einen ebenso energischen als würdigen Ausdruck verliehen hat. Herr Dr. Stege r ist der Meinung, daß Baurath Stiaßny in diesem Falle nur das gethan hat, was seine Pflicht war, was jeder andere in seiner Lage ebenfalls gethan hätte. Dafür gebühre ihm kein besonderer Dank. Vicepräsident Dr. Alfred Stern beharrt daraus, daß es wichtig sei, daß der Cultusvorstand den Ausführungen des Herrn Baurathes S t i a ß n y im Vezirksschulrathe öffentlich die Zustimmung ausspreche. Der Präsident kaiserlicher Rath K l i n g e r bemerkt, daß der Baurath S t i a ß n y keinen Dank beansprucht und enuncirt die einstimmige Annahme des Antrages, daß der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Baurath S t i a ß n y zu seiner Rede in der letzten Sitzung des Bezirksschulrathes die vollste Zustimmung ausspricht. Der Präsident richtet zum Schluffe der Sitzung an die Versammlung eine Ansprache, worin er betont, daß es in Hinblick auf die heute in diesem Jahre letzte stattfindende Plenarversammlung von Wichtigkeit erscheine, einen Rückblick über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelausenen Jahre zu halten. Dieser Rückblick empfehle sich umsomehr, als ja die Neuconstituirung des Vorstandes unmittelbar bevorstehe. All den acht Herren, welche durch das Los zum Austritte aus dem Vorstande mit Ende dieses Jahres bestimmt sind, gebühre für ihre ersprießliche Thätigkeit der beste Dank des Vorstandes. Er begrüße es freudig, daß von diesen acht Herren sechs dem Vorstande auch weiterhin angehören werden, und gebe gewiß im Sinne des Gesammtvorstandes dem Bedauern Ausdruck, daß die Herren Hofrath Ritter v. Hahn und Carl Kohn aus der Mitte des Vorstandes scheiden^ was wohl auch auf den Umstand zurückzuführen sein dürfte, daß diese letzteren Herren erklärt hatten, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können. Was aber die Rückschau anlangt, müsse, wie im Privatleben, so noch mehr bei der öffentlichen Thätigkeit einer Körperschaft Rechenschaft über das Wirken derselben abgelegt werden, und er könne, dies betreffend, wenn auch das Jahr 1898 im Allgemeinen kein günstiges Bild und eine wenig erfreuliche Lage darstellt, doch mit Recht betonen, daß die Thätigkeit des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde in diesem Jahre eine im wahren Sinne des Wortes anstrengende und umfangreiche gewesen sei. Allerdings wäre es nicht möglich gewesen, alle Wünsche und alle Anforderungen in gleichem Maße voll zu befriedigen. Man dürfe nicht vergessen, daß ein Gemeindeleben nicht mit der Thätigkeit eines Einzelnen verglichen werden kann. Viele Agenden müssen dem Arbeitsprogramm des nächsten Jahres übertragen werden. Immerhin aber könne er es nicht unterlassen, in großen Zügen ein Resume der Thätigkeit und des Schaffens des Vorstandes zu geben. Er sehe sich veranlaßt, auf die großen Schwierigkeiten hinzuweisen, welche insbesondere die Wünsche einzelner Bethausvereine bereiten, deren Wirken gewiß anerkennenswerth sei. Der Vorstand sei ja vollauf bestrebt, den Intentionen wegen Schaffung neuer würdiger Betstätten und wegen Erhaltung erhebender Gottesdienste nach Möglichkeit gerecht zu werden, wenngleich selbstredend zu unterscheiden ist zwischen Bethausvereinen mit größerer und mit geringerer Mitgliederanzahl. Die topographische Gliederung und die Wohnungsverhältnisse in Wien seinen nicht zu vergleichen mit den Verhältnissen in anderen Großstädten wie Berlin und Budapest. Die Wirksamkeit des Vorstandes, dies könne er versichern, umfaßt die Bedürfnisse aller Bezirke. So habe der Vorstand, abgesehen von den vielen Bethausvereinen zugewendeten im Budget vorhergesehenen Jahressubventionen, in diesem Jahre für die Tempelbauten in Simmering und in der Brigittenau je 15.000 fl. als Kostenbeiträge votirt. Man muß angesichts gewisser Decentralisirungs-Bestrebungen den Gesichtspunkt im Auge behalten, daß die Kraft einer großen Gemeinde nur in ihrer Einheit liege und auch davon sich leiten lassen. Der Präsident erwähnt im weiteren Verlause der Rede die Thätigkeit des Vorstandes auf dem Gebiete des Schulwesens, er gedenkt der vorgenommenen Renovirunasarbeiten bei den Tempel- und Gemeindegebäuden, der bewilligten bedeutenden Subventionen für mehrere Tempelvereine, der Erhöhung der Dotation des Armenamtes, der Bestellung eines Functionärs zum Besuche der jüdischen Kranken in den Spitälern, der Herstellung des zweiten Stockwerkes im Altersversorgungshaus, der Grundsteinlegung für das Siechenhaus, der Vorarbeiten für das Pflegerinnenheim. Für eine große Zahl bedeutender, neuer Stiftungen sind Stistbriefe in Ausarbeitung. Auch auf dem Gebiete der Abwehrbestrebungen hat der Vorstand wiederholt im abgelausenen Verwaltungsjahr eine Thätigkeit entwickelt, an den Hilfsactionen für die geplünderten Juden in Prag und Galizien sich betheiligt. Außer den Jubiläumsveranstaltungen, den Vorarbeiten für die Steuerreform wurde der Allgemeine österreichischisraelitische Bund bis zur Constituirung persectionirt. Der Vorstand hielt im abgelausenen Verwaltungsjahr 199 Sitzungen ab, erledigte 10.000 Stücke nebst 1500 Gesuche, erstattete 62 Referate und brachte 62 Stiftungen mit einem Zinsenbetrage von 33.000 fl. zur Vertheilung. Im Anschlüsse daran bemerkt der Präsident: „Nur durch das thatkräftige Zusammenwirken aller Mitglieder des Vorstandes, dessen Thätigkeit durch den Umstand allein, daß im abgelaufenen Jahre nicht weniger als 199 Sitzungen abgehalten wurden, illustrirt wird, also nur durch ein derartig unermüdliches Wirken, unterstützt durch die Bethausvorstände, durch die Mitglieder der Schätzungs- Commissionen, durch den emsigen Fleiß des mustergiltigen Bureaux war die Bewältigung der hier geschilderten und den Vorstandsmitgliedern am besten bekannten Thätigkeit überhaupt ermöglicht und er fühlte sich heute veranlaßt, als Ausdruck wahren Empfindens den verehrten College» den herzlichsten Dank auszusprechen; es müsse diesen Dank insbesondere seinen Collegen im Präsidium, den Herren Vicepräsidenten ausdrücken, welche ihm während des Jahres mit Rath und That zur Seite gestanden und die Führung der Geschäfte ermöglichten; auch den Herren Sectionsobmännern und deren Stellvertretern danke er vielmals für ihre anstrengende Thätigkeit, ebenso dem Secretariate, insbesonders dem Herrn kaiserlichen Rathe Dr. Lieben und seinem Stellvertreter Herrn Dr. Adler und dem Herrn Amtsvorstande Wiener wie dem ganzen Beamtenkörper. Nicht schließen aber könne er, ohne anerkennend der jüdischen Publicistik zu gedenken, welche durch Mittheilung aus unseren Sitzungsverhandlungen in dankenswerther Weise dazu beiträgt, den gewünschten Contact mit den Gemeindemitgliedern zu fördern. Wir aber, meine Herren Collegen," so schließt der Präsident, „finden unfern Dank und unsere Anerkennung in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht, einen Dank, welchen ich gerne mit Ihnen theile". Hierauf ergreift Cultusvorsteher Herr Dr. S t e g e r das Wort. „Sehr geehrter Herr Präsident! Die Rückschau, welche Sie soeben über die Thätigkeit des Cultusvorstandes im abgelaufenen Jahre 1898 gehalten haben, ist aus tiefe Bedürfnisse zurückzuführen. Es ist nämlich unbedingt nothwendig, daß in den Reihen unserer Glaubensbrüder die genaue Kenntniß davon Platz greife, was der Cultusvorstand auf den mannigfachen Gebieten seiner zahlreichen Agenden an Arbeit vollbracht hat. Entgegen den, in beu letzten Wochen von Seite Unwifsender in zahlreichen Conventikeln verbreiteten einseitigen und unrichtigen Darstellungen muß nämlich eonstatirt werden, daß der Cultusvorstand thatsächlich Alles aufgeboten hat, um die jüdischen Interessen nach jeder Richtung hin zu fördern. Wenn Sie, sehr geehrter Herr Präsident, uns für unsere Mitwirkung lebhaften Dank gesagt haben, so erlauben Sie mir im Namen meiner Collegen auch Ihnen den innigsten Dank auszudrücken, für den unermüdlichen Fleiß, für die unbedingte Hingebung, mit der Sie stets fördernd und anregend die Leitung der Geschäfte der Wiener Cultusgemeinde besorgt haben.