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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-30 · 52 (30.12.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
52 (30.12.1898)
Date
1898-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 Dx. Bloches WochenfchrM« Seite 947 oder sich ihrer zu schämen begannen, da trat ein Rückschlag ein. Die Völker, unter denen sie wohnten, wurden ungeduldig, wollten beit begonnenen Auslösungsproceß beschleunigen oder erblickten in den Juden gefährliche, überlegene Concurrenten, deren man sich entledigen mußte. Und dies hatte gerade ein dem beabsichtigten entgegengesetztes Resultat. Das Judenthum besann sich aus sich selbst, erinnerte sich an seinen Berus und zog aus der Verfolgung neue Lebenskraft. So geschah es, als der Syrerkönig die Gräeisirung, als die römischen Kaiser die Latinisirung der Juden beschleunigen wollten, als Ferdinand und Jsabella sie gewaltsam zu Christen machen wollten, und dasselbe wiederholt sich in der Gegenwart, wo die sogenannten Arier, nachdem sie Jahrzehnte lang den Juden vorgeworfen haben, daß sie keine Deutsche, Polen oder Russen werden wollen, ihnen jetzt jede Möglichkeit, solche werden zu können, bestreiten, die „Affimilirten" fast mit Gewalt zwingen möchten, wieder ganz Juden zu werden. Es ist begreiflich, daß es bei solchen Kämpfen und Verfolgungen, bei solchen tiefgreifenden Wandlungen nicht ohne schwere Leiden für die Juden abgehen konnte; aber wir tonnen sie als göttliche Erziehungsmittel betrachten, nach den Worten des werfen Königs: „Wer seiner: Sohn liebt, züchtigt ihn", rmd irr ihnen das von urrserem menschlichen Verstände rricht zu beurtheilende Wallen der Vorsehung zur Erhaltung des Judenthums bewundern. Rein menschlich betrachtet läßt sich aber darin die Wirkung der von der modernen Wissenschaft aufgestellten Theorie von dem Kampfe ums Dasein und der Auslese der Besten erblicken. Was schwach und unfähig war, die Verfolgungen und Leiden auszuhalten, ging zu Grunde oder fiel ab. Nur die Ausdauerndsten und Widerstandsfähigsten erhielten sich und bildeten im Lause zweitaufendjährigen Kampfes ein unzerstörbares, sich allen Climaten und Lebensbedingungen anpassendes, sich alle Errungenschaften der Civilisation leicht aneignendes und diese förderndes Volk. Ungefähr in dieser Weise wird auch die Geschichte der Jrrden seit den: Untergange ihres Staates in einen: vor Kurzem erschienenen Werke „Geschichte des Untergänz es der antiken Welt" von dem Universitäts- Professor Otto Seeck in Greifswald betrachtet. Es ist ein Beweis für die Vortrefflichkeit dieses gründlichen wissenschaftlichen Werkes, daß, bevor es noch vollständig erschienen ist, schon im vorigen Jahr eine zweite Auflage des ersten Bandes veranstaltet werden mußte. Wir tonnen hier selbstverständlich keine Kritik dieses Werkes geben, in dem nur einige Seiten dem Judenthum gewidmet sind. Aber dieses Wenige ist so richtig und treffend, zeigt von solcher Sachkenntniß und Unparteilichkeit, ja man tonnte fast sagen, von solcher Sympathie dieses Gelehrten, der ein besserer und echterer Deutsche ist als mancher hypernationaler Schreier für die Juden, daß wir es fast vollständig wiedergeben müssen. Gegenüber dem Hochmuth mancher Arier, die zu einer bevorzugten Menschenrasse zu gehören glauben oder vorgeben, wirkt wohlthuend die Anerkennung, welche Seeck den Semiten überhaupt, zollt. Freilich hat schon der Anthropolog und Ethnolog I. Ranke in seinem Werke „D er Mensch" den hitzigen Hochmuth der Arier mit einem kalten Wasserstrahl abzutuhlen versucht, aber er hat sich n:ehr der Turanier als der Semiten angenommen, Letztere mehr als Ueberbringer der Cultur von den Turaniern zu den Ariern betrachtet. „Die Culturfortschritte", sagt er, auf welche sich Europa vor Entdeckung der Dampskraft und des Telegraphen am meisten zugute zu thun pflegte: Buchdruck, Conrpaß, Schießpulver und andere sind aus dem Südosten Asiens, und zwar speciell von den braun- oder gelbhäutigen Chinesen nach dem Westen gewandert. Auch die Egypter, die theils direct, theils durch die Vermittlung der Phönicier die uralte Cultur des Orients in vorhistorischen Zeiten den Ländern der Barbaren der Mittelmeerküsten, auch Griechenland und Italien, vermittelten, gehören nicht zu Linnes weißer Varietät mit gelben Lockenhaaren und blauen Augen. Die Cultur ist bei schwarzhaarigen Völkern bräunlicher Haut in Asien und Afrika zu ihrer ersten Blüthe gekommen, und erst zuletzt den blauäugigen, blondlockigen europäischen Nordvölkern weißer Haut __ von außen her als ein im Wesentlichen schon fertiges Geschenk zugetragen worden. Dagegen sagt Seeck: „Jeder Fortschritt der Speculation auf heidnischem wie auf christlichem Gebiete ging (in den ersten Jahrhunderten des Christenthums) von denjenigen Provinzen aus, in welchen eine tiefe Schicht semitischen Volksthums mit einem dünnen Firniß griechisch-römischer Bildung überkleidet war, von Syrien mit seinen Nachbarlandschaften, von dem phönicischen Afrika, namentlich von dem halbjüdischen Alexandria." „Auch wo sich in der weltlichen Literatur eine Kraft regt, die über die allgemeine Mittelmäßigkeit hervorragt, da ist ihre Heimat immer semitisch oder dock) halbsemitisch." Luzian, der geistvollste Satiriker des Zeitalters, Libarius, der sreimüthigste und formgewandteste Redner, Ammianus Marcellinus, der tiefsinnigste Geschichtsschreiber, stammen alle aus Syrien; Claudius, der geschmackvollste Poet, war Alexandriner." Aber auch ein Zweig der gelben Raffe ist vielleicht von semitischer, speciell jüdischer Cultur beeinflußt worden. So sagt Ranke in seinem bereits erwähnten Werke von Japan sprechend: „Während die Gesichter aus dem Volke für den Europäer etwas Fremdartiges und in der Regel wegen der uns anerzogenen ästhetischen Begriffe etwas Häßliches, oft Abstoßendes haben, begegnen wir unter den höheren Standen nicht selten Gesichter, die uns bekannt scheinen, man glaubt hier Judenphysiognomien zu erkennen. Die eigenthümlich gekrümmte Nase, die Gestalt der Oberlippe, die vorstehenden Augen bilden die wichtigsten Aehnlichkeitsmerkmale. Solche Gesichter finden sich im ganzen Kriegs- und Hofadel bis zur kaiserlichen Familie hinauf hie und da zerstreut. Der muthmaßliche Thronerbe Japans hat ausgeprägte, feine jüdische Gesichtszüge, und viele der schönsten Frauen Tokios würden in Europa unzweifelhaft für jüdischen Geblüts gehalten werden. Das Vorkommen derartiger Gesichter unter den herrschenden Classen hat bekanntlich gewissen Autoren Veranlassung gegeben, die Japaner von den verlorenen zehn Stämmen Israels abzuleiten." Die große Begabung der Japaner, die Raschheit und der Eifer, womit sie sich alle Errungenschaften der modernen Cultur aneigneten, spräche wohl für ihre israelitische Abstammung, aber das Fehlen jeder Spur mosaischer Religion spricht wieder dagegen. Und so dürste diese Frage wohl zu jenen gehören, die erst „nach Ankunft des Messias" zur Entscheidung gelangen. Dagegen hat eine in England zur Zeit Cromwells entstandene Secte, deren Anhänger sich „Gleichmacher" (levellers) nannten, ihre Abstammung von den Juden behauptet. Ja, sie erklärten sogar in einer Petition, daß alle rein sächsischen Einwohner Englands jüdischen Stammes seien, die durch die normännischen Eroberer ihrer Freiheit beraubt worden seien. „Wir werden unter ärgerer Sclaverei gehalten als unsere Vorväter in Aegypten, aber jetzt ist die Zeit der Befreiung gekommen und Gott wird sein Volk aus der Sclaverei erlösen." Die Levellers beschäftigten sich nur mit Ackerbau, predigten Gleichheit, Brüderlichkeit und Frieden, ihre Führer behielten auch vor Höherstehenden ihre Hüte auf. Carlyle sieht in den Grundsätzen der Secte die Keime des Quäckerismus. Auch sonst pflegte man sich in früheren Zeiten jüdischer Abstammung nicht zu schämen und sich nicht ungern auf jüdische Beispiele zu berufen. So sagte Karl der Große in dem Eingang zu einem Gesetze, sich auf König Josia (Joschijahu) berufend: „Nicht etwa, daß ich mich mit dem heiligen Könige vergleiche, sondern weil wir stets uns die Heiligen zum Beispiel nehmen sollen." Seeck meint freilich an einer Stelle, „daß man es in der (römischen) Kaiserzeit schon als einen Vorzug betrachten konnte, nicht von Semiten abzustammen". Allein das Einzige, was er als Beweis dafür anführt, die Worte „non externa satus Scythica de gente Syrorum“ in einer Grabschrift, kann doch keine allgemeine Geltung beanspruchen, abgesehen davon, daß die Bezeichnung der Syrer als Scythen das ethnologische Wissen des Verfassers der Inschrift sehr verdächtig macht. Dock) hat übrigens die Verwechslung mit anderen Semiten, besonders mit den Syrern, dem guten Ruf der Juden wohl oft geschadet. Seeck selbst kennt freilich den Unterschied zwischen Juden und anderen Semiten sehr gut und hebt ihn genügend hervor. Er hat ja auch von letzteren im Allgemeinen eine gute Meinung, aber von den Egyptern sprechend sagt er: „Hier bi»

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