Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 51 (23.12.1898)
- Date
- 1898-12-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021275--08430-3032809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 942 " bi Or. Bloch's Wochenschrlst. Liebe» bei Prag. Sonntag den 18. d. M. überreichte eine Deputation des Ausschusses der hiesigen Eultusgemeinde, des Vereines zur Erhaltung des Liebetter Tempelchores und der Beerdigungsbrüderschaft dem Vorsteher Herrn Friedrich Schönberger anläßlich des ihm vom Kaiser verliehenen goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone eine künstlerisch ausgestattete Adresse und hob Herr Ingenieur Schick in seiner Ansprache an denselben dessen Verdienste um die hiesige Eultusgemeinde hervor. Herr Schönberger dankte gerührt sur die chm zutheil gewordene Ehrung und überreichte dem Eassier 50 st. zur Verkeilung für die Armen der hiesigen Cultusgemeinde mrd 50 st. für den Verein zur Erhaltung des Liebener Tempelchores, wofür chm vom Ausschüsse der beste Dank abgestattet wurde. Lemberg. (T o d e s s a l l.) Das langjährige Mitglied der hiesigen Eultusgemeinde, Präsident des hiesigen Tempels Herr Jonas Beiser, wurde vor einigen Tagen zu Grabe getragen. Mit ihm verlor die hiesige israelitische Gemeinde em sehr verdienstvolles Mitglied, das fortwährend für Wohlrhätigkeit und Humanität gearbeitet hat und dem ein ehrendes Gedenken gesichert blecht. An dem Leichenbegängnisse nahmen Me Vereine, alle Eultusräthe, Honoratioren, Liberrabbiner I. Schmelkes, Gemeinderäthe rc. theil. Am israelitischen Friedhof hielt Herr Dr. Rabbiner Caro für den Verstorbenen einen warmen Nachruf. Sarajevo. Die hiesige österreichisch-ungarische israelitische Eultusgemeinde hat bei der jüngst abgehaltenen Generalversammlung Se. Ehrwürden Herrn Dr. Samuel Wesse l, der seine Rabdmatsstudien in Preßburg und die Universität in Bern absolvirte, mit Acclamatiou als Prediger und Rabbiner gewählt. Er« Leichenbegängnis) in Bosnien. Aus Banjaluka, 14. beschreibt man: Heute wurde unter lebhafter Betheiligung aller Kreise der Bevölkerung der allgemein geachtete Rabbinatsverwefer der hiesigen israelitischen Eultusgemeinde, Herr Wilhelm Heruler, zu Grabe gettagen. Dem Sarge folgten sämmtliche Vorstmrde der hiesigen politischen und Gerichtsbehörden, an der Spitze der KrerSvorsteher Lazzarini. Bei der gegenwärtigen Strömung und für das gute Einvernehmen zwischen den verschiedenen Eonfessionen im sOccupationsgebiete verdient als besonders charatteristtsch hervorgehoben zu werden, daß unmittelbar hinter dem. Sarge der Pastor der hiesigen evangelischen Gemeinde Herr Gustav Zwernemann schritt, welcher am offenen Grave seinem Amtsgenossen, wie er ihn nannte, einen tiefempfundenen Nachruf hielt. In der Hauptstraße, welche der Lerchenzug passtrte und in der sich die Geschäftsloeate'der hiesigen vornehmsten katholischen und griechischorientalischen Kaufleute befinden, waren sämmtliche Läden von den Besitzern spontan gesperrt worden. Siffrk Aus Anlaß der Feier des 50jährigen Jubiläums unseres «msers-und Königs fand im hiesigen ffraelitischm Goneshaufe ein solenner Festgortesvienst starr, dem vre Vertreter aller hiMen polittschenBchöcden, Vereine und Eorporarionen bnwohnten. Radvimusoerwefer und Odercantor Herr H. N. H e l l e r leitete die Feier. Berlin. (Die erste Doctorin an der Berl in^r Mrriv e r sität) ist jüngst von der hiesigen philosophischen Facultät promovirt worden: Frl. Elsa Vteuman n. Die Dame wurde von den Professoren Plant' und Marburg.in Physik, Pros. Fuchs in Atathematik und Pros. Ditthey in Phiwsöphie geprüft. Berlin, 15. Deeember. (Zur Rabbinerwahl.) Die Rabbinerwahlcommission, an die der Vorschlag, Herrn Dr. G v ldsch mid t -Königshütte als Rabbiner nach Berlin zu berufen, W nochmaliger Prüfung zurückverwiesen worden war, hat ihren Vorschlag erneuert. Gestern Abend sollte der Vorstand zu dem orneuten Vorschläge Stellung nehuien, doch blieb ihm das erspart, da von Herrn Dr. Goloschmidt die Mittheilung vorlag, daß er seine Bewerbung zurückziehe. Koßchmi». (V eretns jud i l ä u m.) Am d. M. beging der chirsise Mische Kranren-Vttpflegimgs- und Brstattungsverem ,m Hirsch'fchru Locale das Fm sriars 25jährigen Bestehens. An Stelle deS durch Krankheit verhinderten verdienstvollen Vorsitzenden Herrn Adolf HonvG dkgsüßre zunächst der Hhren-Volsitzende Herr Radviner Dt. H c-pdu e r vre zahlreich Erschrmruen und brachte Hierauf in zündenden Morte» An Hoch, auf das Kaiferhaus aus,, in welches alle Anwesenden begeistert etnstimmten. Herr Dr. med. Fuchs beleuchtete vom medicinischen Standpunkte aus die Wichtigkeit und den Segen einer geordneten Krankenpflege. Herr Rabbiner Dr. Heppner wies auf den idealen Werch und vre religiöse Bedeutung einer solchen Ehewra hin und besprach die Wirksamkeit des Vereines von seiner Begründung an bis auf den heutigen Tag. Roch verschiedene andere Herren trugen im Laufe dev Abends durch Toaste und Reden dazu bei, daß die Stimmung bis zum Schlüsse eine gehobene blieb. Die Arrangeure deö Festes, die Vorstandsmitglieder Herr Marcus Fuchs uno Herr Samuel Langner, hatten sich um das Gelingen desselben verdient gemacht. Bern. Die Nachricht, daß der stud. phii. Alois Schweiger den Lazarus-Preis an der Universität erhalten, yat in vielen Kreisen freudige Genugthuung yervorgerusen. Es dürfte die Leser der „Oesterreichiscyen Wochenschrift" vielleicht interessiren, daß und bei weicher Gelegenheit Geh. Reg.-Rath Lazarus diesen Preis gestiftet hat. Während seiner Berner Professur hatte er einmal Veranlassung, sur ein Semester Urlaub zu nehmen, um in Berlin auf der Bibliothek Studien zu machen. Der Urlaub wurde dem in Bern ungemein geliebten und verehrten Lehrer gern bewilligt, aber sern Anerbieten, für dieses halbe Jahr auf feinen Gehalt zu verzichten, rundweg abgelehnt, ebenso rundweg erklärte Lazarus, daß er für Richtgeleistetes einen Lohn unmöglich anneymen könne! Es entspann, sich ein edler Wettstreit, bei dem beide Parteien eigensinnig auf ihrer Meinung beharrten, bis der damalige „Erzreyungsdirector" (Unterrichtsminister) Dr. Kummer kategorisch erklärterem solcher Einnahmeposten „von verweigerter Annahme des Gehaltes" wäre im Etat nicht vorgesehen und der Professor daher verpflichtet, das Honorar anzunehmen. Da bestimmte Lazarus das Geld zur Stiftung eines Preises in der philosophischen Facultät. Die Berner Facultät hat auch bisher immer pietätvoll daraus gehalten, dap die Specialgeviete, die Lazarus besonders angevaut: Psychologie, Völkerpsychologie uno Ethik, zum Gegenstände der Preisausgaben gewählt wurden. Mn unsere Leser! Anfangs Jänner k. I. beginnen wir mit der Veröffentlichung des sensationellen Ghetto-Dramas: „Msllrrr Zchwsr'zrnkriPf" Von G a b r y e l a v. Z a o t s k a. Autorisiere Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Dieses Theaterstück der berühmten polnischen Schriftstellerin und Schauspielerin, in dem zum ersrenmale das Ghetto-Milieu dramatisch behandelt wird, ist dem Namen nach bereits in den weitesten Kreisen bekannt. In Warschau wurde es ununterbrochen nacheinander 1i4mai, in Krakau und Lemberg wiederholt unter allseitigem Beifall ausgesührt. Juden und Ehristen sahen plötzlich eine neue Welt unsäglichen physischen und geistigen Elends vor sich, die ihnen bisher verschlossen war, wiewohl sie sich in ihrer Mitte abspielt. Mit einer seltenen dramatischen Kraft uno realistischen Wahrheit hat Frau von Zapotska das Judenprovtem des Ghettos dargestellt; wir finden da keine überflüssigen Raisonnements, wohl aber echte Typen aus dem wirklichen Leben, die sich alle um die Hauptgestalt, Malta, plastisch gruppiren, und tragische Situationen, dre aus die Zuschauer erschütternd wirken. Dieses Stück erscheint m unserem Blatte zuerst im Drucke.- Verl, drr Träger. Ein Blatt aus der jüdischen Armeleute- Literatur. Berls „Wohnung" besteht aus einer Kellerstube. Die beiden kleinen Fenster mit den schmutzigen, oft gesprungenen Scheiben, die Papierstreisen nur durstig Zusammenhalten, münden auf das Pflaster,, die Farbe der Wände, hat die