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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 938 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 51 der Kaballa. welche er in Wort und Schrift mit Erfolg bekämpfte. In seine« Familienleben machte er die bittersten-Erfahrungen. Sein ältester Sohn, Angela, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, starb im 20. Lebensjahre, fein zweiter Sohn, Sebulon, war leichtfertig und endete als Opfer der Rache, sein dritter Sohn war ein reiselustiger Abenteurer und verscholl gänzlich. Seine Lieblingstochter Dina, sowie seine beiden Schwiegersöhne, welche tüchtige und geachtete Männer waren, mußte er überleben und deren unversorgte Kinder in seine Obhut nehmen. Auch seine gute, sanfte Gattin, Rahel, verschied vor der Zeit,'Er batte in seinen alten Tagen gegen drückende NahrungSsorgen anzukämpfen, welche eS erklärlich, wenngleich nicht gerechtfertigt erscheinen laffen, daß er sich der Alchymie und dem Hazardspiele zuwandte. Bei alledem muß man bei Leon da Modena die Geistesschärfe. Vielseitigkeit und GemüthSruhe bewundern, welche er sich bis an sein Lebensende zu bewahren wußte. Durch volle 57 Jahre wirkte er als erster Rabbiner und Obercantor in Venedig; er war ein begabter Sänger. Componist und Dichter, dabei Inspektor des jüdischen Religionsunterrichtes für die ganze venetianische Republik. Obmann verschiedener Literaturvereine und behördlich autorisirter Translator für mehrere Sprachen. Als Schriftsteller war er überaus fruchtbar. Ungefähr 70, meist umfangreiche Werke bat er geschaffen, welche die mannigfachsten Gebiete behandeln. Die hebräische Sprache beherrschte er meisterhaft und stand als Kenner und AuSleger des Talmud unerreicht da; wahrhaft verdienstvoll ist sein Werk ..Beth Jehuda" zu nennen, in welchem er die Humanität und Toleranz des Talmud nachwies. Seine Schaffenskraft äußerte sich auch darin, daß er oft an einem und demselben Sabbat oder Festtag in drei Synagogen Venedigs über verschiedene Themata Reden hielt. Leon da Modena war bis zu seinem Tode rastlos thätig und starb am 27. Adar 5408 (16 März 1648) im Alter von 78 Jahren. Tropstau. Aus Anlaß des Regierungs - Jubiläums unseres Monarchen veranstaltete der jüdisch-literarische Verein am 2. d. M. ein Festbankett, welches bei Abhaltung von patriotischen Reden einen' ebenso erhebenden als würdigen Verlauf hatte. — Am 12. d. M. fand in demselben Vereine ein Vortrag des berühmten Literarhistorikers und Heineforschers Dr. Gustav Karpeles aus Berlin über das Thema: „Heinrich Heine und das Judenthum" statt. In formvollendeter Rede schilderte der Vortragende das Leben und Wirken des vielfach fo sehr verkannten und verlästerten Dichters, erörterte deffen Beziehungen zum Judenthume und wies nach, daß Heine trotz seines äußerlichen Abfalles stets seine Anhänglichkeit zum angestammten Glauben bekundete. Ferner erwähnte der Redner die glühende Vaterlandsliebe des Dichters für Deutschland, das er nicht groß genug sehen konnte und der in diesem Bestreben die Geißel feiner Satyre nur zur Bekämpfung der zu seinen Seiten in Deutschland herrschenden llebelstände schwang. Die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer lohnten die nrehr als eine Stunde füllenden fesselnden Ausführungen des Vortrabsmeisters mit begeistertem Beifalle. -- Für den 27. d. M. ist die diesjährige statutengemäße Hauptversammlung des jüdisch-literarischen Vereines anberaumt. 8. 6. Znaim. Wahrhaft solenn war der Festgottesdienst am Vorabende des Jubiläumsfestes in unserem Gotteshause. Unter den Besuchern sind hervorzuheben: Herr Bürgermeister- Stellvertreter Landtagsabgeordneter I. Haase mit den Herren Gemeinderäthen Dr. Homma, Dolezal und Kulha, der k. u. k. Generalmajor Niklas mit mehreren Ofstcieren, Herr Oberbezirksarzt Dr. Wolfenstein in Vertretung der Bezirkshauptmannschaft, Herr Gymnasiäldirector W. Saliger u. m. A., sowie eine stattliche Anzahl festlich gekleideter Damen. Herr Rabbiner Jg. Holzer hielt eine ausgezeichnete Festtede. Aus Anlaß des Festes wurden vom Vorstande im Vereine mit der Chewra-Kadrscha und dem Frauenvereine fämmtliche armen Schulkivder vollständig bekleidet. Außerdem hat der Vorstand derGhewra-Kadischa einen namhaften Bettag-an die Armen vertheilt. Marienbad. Auch hier, wie in ganz Oesterreich, wurde aus Anlaß des 50jährigen' Regierungs-Jubiläums unseres Kaisers am 2. December im Tenrpel ein Festgottesdienst abgehatten. Herr Rabbiner D. Ph. Goldberger hielt eine von patriotischem Geiste getragene Festtede. Zum Schluß sang die ganze Gemeinde die Volkshymne. — Der Vorstand der hiesigen Gemeinde, an deren Spitze Herr MUDr. M. Lang steht, läßt sich die Förderung des Gottesdienstes nach jeder Richtung hin angelegen fein. So hat derselbein letzter Zeit mit großem Kostenaufwande die elektrische Beleuchtung im Tempel eingeführt. Besondere Verdienste um die Jnstallirung der Beleuchtung hat sich Architekt S t e r n erworben. Kuttenberg. Für die Jugend ist das Beste gut genug, lautet ein alter pädagogischer Grundsatz, und darum bemüht sich der bestbekannte Rabbiner Dr. Biach in Brüx, für unsere Jugend dahin zu wirken, gute Lehrbücher für den Religionsunterricht zu verfassen, resp. andere Eollegen zu veranlassen, dies zu thun, damit die Heranwachsende Generation Einblick gewinne in die Geschichte des Judenthums und dessen literarische Producte. Wie beneide ich den Herrn Doctor um seinen Idealismus, obwohl er doch nicht so zu bedauern ist, als es den Anschein hat; denn für die deutschen Schüler gibt es doch wenigstens einige Lehrbücher, von denen man zur Noth eines oder das andere auswählen kann. Was sollen wir Religionslehrer in czechischen Schulen thun? Die Herren, die die Eitziehung der Jugend in den czechischen Schulen wünschen, vergaßen, daß ein Handwerker ohne Werkzeug nicht arbeiten kann, daß der Religionslehrer ohne Lehrmittel nichts oder blutwenig erzielen kann. Als Religionslehrer einer Staats- Oberrealschule kann ich ein Liedchen hievon singen. Denn vor Allem existirt bis heute keine böhmische Uebersetzung der Bibel, kein Lehrbuch der biblischen Geschichte ausschließlich für Mittelschulen, die mir bekannten von Stein, Hoff sind für Volks- und Bürgerschulen, also für Mittelschulen nicht sehr geeignet. Das einzige übersetzte Buch „Bräsers Glaubens¬ und Pflichtenlehren" ist seit zwei Jahren ganz vergriffen und wird nicht mehr verlegt. Das Wenige, was man in der Stunde nehmen kann, muß dem Schüler direct dictirt werden, wodurch viel Zeit verloren geht. Für alle Gegenstände gibt's Lehrbücher, nur für uns Juden an böhmischen Schulen nicht. Ich stellte an Herrn Dr. Biach die Bitte, falls er Männer für seine Arbeit gewinnt, Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Zalud oder einen anderen tüchtigen Mann zu ersuchen, die Uebersetzung seines Werkes ins Böhmische zu übernehmen. Selbst das Gebetbuch mit böhmischer Uebersetzung zeigt große Lücken im Hebräischen, obwohl es als Schulbuch genug theuer ist; denn der bisherige Preis von W kr. wurde ungerechtfertigterweise vom Verleger auf 1 st. 20 kr. erhöht. Pisek. Am 2. December hat hier anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers im Tempel um 4 Uhr Nachmittags ein solenner Gottesdienst stattgefunden. Der prachtvoll geschmückte und hell erleuchtete Tempel war in allen seinen Räumen von einem distinguirten Publicum gefüllt. Vorerst wurden von dem Obercantor Herrn M. Rosenfeld und dem Tempclchore die Gesänge und Psalmen in würdiger und erbauender Weise vorgetragen. Sodann hielt der Rabbiner Dr. Friedländer die Festrede und sprach nach Beendigung derselben vor der offenen Bundeslade das Kaisergebet. Bei dieser Gelegenheit können wir es nicht unterlassen zu bemerken, daß-Pisek seit dem Jahre 1785, wie aus der Matrike zu entnehmen ist, eine Eultusgemeinde bildet. Es muß jedoch erwähnt werden, daß aus der Inschrift eines Poranches, welches noch gegenwärtig hier im Gebrauche ist, klar unddeutlich hervorgeht, daßschon gegen Ende des 17. Jahrhunderts jüdische Familien hier ansässig waren, ferner daß im 15. Jahrhundert in Pisek bereits eine große Judengemeinde war, während der Hussitenkriege jedoch wurden (1424) die Juden aus Pisek vertrieben. Gegenwärtig zählt die Gemeinde ungefähr 500 Seelen. Die Repräsentanz bestehtaus den Herren: M. Dr. Sachs (Präses); JUDr. Bloch (Stellvertreter); Fabrikant M. Spitz (Tempelvorsteher); Fabrikant A. Stransky, Rechnungsführer; Kaufmann W: Bloch, Cassier; Großhändler Jakob Fantl (Präses des Schulausschuffes); Fabrikant I. Klein, G. Rdbicek, W. Adler, L. Löbl, Vorstandsmitglieder. Die Gemeinde besitzt fämmtliche zur Erhaltung des Cultus erforderlichen Anstalten und Institutionen, die von der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder wie von der umsichtsvollen Leitung der Repräsentanten zeugen. Testlitz. (Tep litzer T e m p e l v e r e i n.) Vor einigen Tagen veranstaltete der Tempelverein ein Eoncert in den Sälen des neuen Vereinshauses zum Besten armer Schulkinder, welches sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte und einen äußerst günstigen Verlauf nahm. Der Beginn des reichen, sorgfältig zusammengestellten Programmes war ein Claviervorttag Ks-ciur - Polonaise von

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