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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 937 seinem Landgute in Waddesdon bei Lorrdon, wo er nur wenige Tage bettlägerig war. Vorigen Donnerstag beklagte er sich über neuralgische Schmerzen, welche jedoch keine Bedenken einslößten und auch von den Aerzten nicht als besorgnißerregendes Symptom angesehen wurden. 'Am l7. Früh trat plötzlich der Tod ein. Barori Ferdinand Rothschild hat vor einigen Jahren einen Band Novellen veröffentlicht, welche seinerzeit freundliche Benrtheilung fanden. In den letzten Jahren machte er eine Reise nach 'Afrika und publicirte als Frucht seiner Studien ein Buch über das Transvaal. Baron Ferdinand Rothschild gehörte als liberaler Unionist dem englischen Unterhanse an, in welchem auch noch zwei andere Mitglieder der englischen Familie Rothschild sitzen. Im Jahre 1884 wurde er zum Ober-Sheris von Buckinghamshire erwählt. Neben seiner politischen Thätigkeit widmete sich der Verblichene vornehmlich literarischen und künstlerischen Angelegenheiten; er besaß eine Sammlung von Kunstwerken, deren Werth sehr hoch geschätzt wird. Persönlich lebte Baron Ferdinand Rothschild ungemein einfach; er war aber dabei sehr gastfrei und wohlthätig. Mit dem Prinzen voll Wales war er intim befreundet; auf seinem Landgnte in Waddesdon zog sich der Prinz durch einen Sturz von der Treppe die Verletzung am Fuße zu, von der er noch nicht ganz hergestellt ist. Der Bruder des Verstorbenen, Albert Freiherr v. Rothschild, hat sich nach London begeben, um dem Leichenbegängnisse beizuwohnen. Krems. Unser Cultusvorstand hatte es sich zur Ausgabe gestellt, das Jubiläumsfest unseres geliebten Monarchen in solennster Weise zu feiern und ist ihm dies auch glänzend gelungen. Die schöne Feier wurde Freitag den 2. December Nachmittags abgehalten. Das geräumige festlich beleuchtete Gotteshaus vermochte die Zahl der Gäste kaum zn fassen. Eingeleitet wurde der Gottesdienst mit dem Ma-tamvu. Herr Obercantor S i l b e r m a n n, dessen wohltönendes kräftiges Organ die Zuhörer entzückte, wurde hiebei vom Chor, in welchem auch die beliebten Opernsänger unseres Stadttheaters Herr Friedland und F r a n e o n i, mitwirkten, unterstützt. Nachdem noch einige von Herrn Silbermann componirte Chöre wirkungsvoll vorgetragen wurden, hielt Herr Rabbiner Doctor Weiß die Festrede, in welcher er insbesondere aus die Wohlthaten hmwies, deren sich die Juden seit dem Regierungsantritte des Kaisers zu erfreuen haben. Mit dem Absingen der Volkshymne fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Nicht vergessen sei des Herrn Capellmeisters Rode r, der die Leitung der Chöre und das Orgelspiel in musterhafter Weise durchsührte. Mähr.-Weißkirchen. Aus Anlaß des 50jährigen Regierungs- Jubiläums Sr. Majestät wurden auch Mitglieder der israelitischen Eultusgemeinde Wall.-Meseritsch ausgezeichnet. So erhielt der wackere Direktor der Glasfabrik Wsetiu Herr Adolf S ch ö n b e ck das goldene Verdienst kreuz mit der Krone. Dies gereicht uns zur besonderen Genugthuung, da der genannte Herr ein warmfühlendes Herz für das Judenthum hat, muthig für dasselbe eintritt und es auch seiner rührigen Tbätigkeit zu dauken ist, daß in Wsetin ein schönes Gotteshaus erbaut wurde. — In Wall.-Meseritsch erhielt Herr Med. Dr. Moriz Ernst den Titel kaiserlicher Rath. An diesem Mann bewahrheitet sich der Ausspruch: „Wer Ehrung flieht, den sucht sie auf", indem er das geräuschvolle. Leben meidet und in seiner ruhigen Art seinem Berufe nachgeht, wobei der Arme womöglich mit noch größerem Wohlwollen von ihm behandelt wird. In Mahr.-Weißkirchen erhielt der greise Lehrer Herr Salomon Hessinger die Ehrenmedaille. Dieser wirkt seit 52 Jahren als Lehrer und ist noch gegenwärtig in seinem Berufe tbätig, in welchem er auch die besten Erfolge erzielte. — Am 2. Dccember wurde dem Bezirksrabbiner Herrn Dr. I. Rabbino wicz vor der Front der hiesigen Mannschaft gleich den activen Officieren vom Commandanten Herrn Oberstlieutenant Winkler die Jubiläumsmedaille angebeftet. und wurde auch der Rabbiner zum Officiers-Bankett an diesem Tage geladen. Zum Festgottesdienste am 2. December erschienen im Tempel die Officiere der hiesigen Militäranstalten mit dem Genera! Freiberrn von Königsbrunn an der Spitze; die Officiere der Landwehr mit dem Oberstlieutenant Winkler an der Spitze; die Beamten der politischen Behörde mit dem Statthaltereiratb Grafen Couden- Hove an der Spitze; der Stadlrath unter Führung des Bürgermeisters Herrn Dr Fritz P l a ch k y. DaS Gymnasium war vertreten durch einige Professoren und den Gvmnasialdirector Adolf Spanner; die höhere Forstlehranstalt und die anderen Schulen waren ebenfalls in üblicher Weise vertreten. Die Feier verlief programmgemäß in erhebender Weise. Prag, H>. December. Gestern eröffnete der älteste jüdische Literaturverein Oesterreichs, der „Anke Fehuda-Verein", dessen Erituierungen Vorträge der sei. Jelinek, Kämpf, Steiii :c. ausweisen, seine diesjährige Saison mit einem Vorträge des Rabbiners und Predigers von Leipzig, Tr. 'Nathan P o r g e s, „über die Unterhaltungen und Erholungen unserer Vorfahren im Ghetto". Das überaus zahlreich erschienene Auditorium, iu welchem ivir deu Oberrabbiner Dr. Ehrensels mit Familie, Feldprediger Dr. K i s ch mit Frau, Rabbiner Dr. F i f cf) c r, Dr. G r ü n, Tr. H i r s ch, Schriftsteller I. fto hn und viele andere Honoratioreti bemerkten, nahm den in Form und Inhalt vollendeten Bortrag mit reichem Beifall aus. Für die nächste Zeit sind zu Vorträgen angemeldet: Rabbiner Dr. Werner aus München („Philo und Josephus">, Rabbiner Dr. Fischer („Gabriel Rießer"). Rabbiner Dr. Grün („Ter beste Freund und Mitarbeiter M. Mendelssohns"», Dr. Hof mann «„Zionismus"», Dr. Stern «„Weltslucht und Judenthum"». Prag, 18. December. Am 10. d. M. 'Nachmittags ist hier der Landesadvocat Herr Jur. Dr. Moriz ä tz^ nach längerem Leiden im 71. Lebensjahre gestorben. Ter Dahingeschiedene war einer der bekanntesten und angesehensten Prager 'Advoeaten und erfreute sich wegen seines biederen Charakters in ben weitesten Kreisen der größten Achtung. Er war am 13. December 1828 zu Nachod geboren, absolvirte die juridischen Studien au der Prager Universitär und wurde hier am 27. Juni 1801 zum Doctor sämmtlicher Rechte promovirt. Schon früher hatte er sich der Advocatenpraris zugewendet und am 28. Jänner 1800 ließ er sich in Prag als Advocat nieder. Als solcher erfreute er sich bald einer angesehenen Clientei. Eine rege Thätigkeit entwickelte der Dahingeschiedene auch aus huinanitärem Gebiete. Er hinterläßt drei Töchter, von denen eine mit dem Advoeaten Tr. Richard Frankel, eine zweite mit dem Advoeaten Dr. Otto Falk vermählt ist. Das Leichenbegätigniß des Verblichenen fand heute vom hiesigen Badhofe unter überaus zahlreicher Betheiligung statt. Wir bemerkten unter den Trauergästen den Präses der hiesigen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Arnold R off e n b a ch e r, der selbst in der Kanzlei des Verblichenen die Coneeptspraris absolvirt hat, zahlreiche Advoeaten, Aerzte, Großindustrielle :c. Von der Kanzel des Badhofes hielt Herr Rabbiner Tr. Kisch dem Heimgegangenen, der auch Vorsteher und Rechtssreund der Meiseisynagoge war, einen tiefempfundenen, formvollendeten Nachruf. Troppau, Ende November 1893. Der hiesige jüdisch-literarische Verein eröffnete am 21. d. die Wintersaison mit einem Vortrag Sr. Ebrw. des Herrn Dr. L. Kulka aus Leipnik, der nunmehr das drittemal seine ausgezeichneten Dienste dem Verein lieh. Das behanvelte Thema „Leon da Modena" wußte der geschätzte Redner in äußerst anziehender Weise zu gestalten; die ausführliche, von einem tiefen Eindringen in die Geschichte unser, s Volkes zeugende Schilderung des hervorragenden Gelehrten und Dichters Leon da Modenas verfehlte nicht, den Zuhörern das lebhafteste Interesse abzugewinnen. Leon da Modena entstammte einer der vornehmsten jüdischen Familien Italiens. Sein Großvater Mordechai wirkte als berühmter R.chtslehrer an der Univeisiiät von Ferrara, er war nebstbei auch diplomatisch thätig und wurde in den Adelsstand erhoben. Dessen Sohn Isaak mußte wegen eines unglücklichen Duells nach Venedig flüchten, wo ihm am 7. Sivan 5330 (15. Juni 1570) unser Leon geboren wurde. Dieser kam als schwächliches Kind zur Welt, doch von seinem 5. Lebensjabre entwickelte sich sein Körper und Geist in überraschender Weise. Es wurde ibm die sorgfältigste Erziehung zutbeil. Er offenbarte eine unvergleichliche Auffassungsgabe, wurde in alle möglichen Wissenschaften eingcführt, beherrschte schon in jungen Jahren viele Sprachen und brachte es besonders in der italienischen, seiner Muttersprache, zu^ffeltener Meisterschaft. In seinem 10 Jahre hielt er in der großen Synagoge zu Venedig einen wisienschafllichen Vortrag, der als Meisterwerk der Rhetorik ungetheilte Bewunderung fand. Als Knabe von 13 Jahren verfaßte er ein formvollendetes Bühnenstück gegen das Hazaidspiel und erreichte in der Folge im Talmud und den einschlägigen Wissenschaften eine derartige Vertrautheit, daß er als Jüngling von 18 Jahren zum Rabbiner von Venedig ernannt wurde. Leon da Modena, eine Hünengestalt an Körper und Geist, wußte sich bei aller seiner Begabung und Gelehrsamkeit von den Vorurtheilen und Fehlern seines Zeitalters nicht frei zu machen. Er opferte trotz aller gegentheiligen Ueberzeugung fein ganzes Hab und Gut alchymistischen Versuchen, war der Astrologie und allerband Traumvorstellungen ergeben und verfiel schließlich der Leidenschaft des Hazardspieles. Dabei war er ein entschiedener Gegner

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