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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Date
1898-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 934 Dr. Bloches Wochenschxlft. Nr. 51 gewimren. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das fogenamrte vierte MakkaLäerbuch dieser Zeit angehört, welches nach Freudenthal eine Art alexandrinifcher Predigt oder religiösen Vortrags ist, zu einem frommen Leben und zur Herrschaft der Vernunft über die Triebe mahnt und zu diesem Zwecke auf das Martyrium der Makkabäer hinweift. Dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gehört es unzweifelhaft an. Höchst wahrscheinlich gehört aber das sogenannte Phokylideische Gedicht, dessen Bedeutung und jüdischer Ursprung von Bernays entdeckt wurde, dieser Zeit an. Es enthält im Anschlüsse an den Pentateuch eine größere Anzahl moralistischer Lehren. Ein längeres Verweilen bei dieser Art von Schriften, deren Zeitgrenze nicht feststeht, und von denen noch manche unserer Zeit angehören dürften, wäre überaus interessant; allein der lange Weg, den wir noch vor uns haben, verbietet mir dies. Jetzt gilt's wieder nach Palästina zurückzukehren, um unser Augenmerk auf eine ganz eigenartige Literatur zu lenken, die zwar nicht neu ist, aber doch das besondere Gepräge dieser Zeit an sich trägt, und das sind die pseudepigraphischen Apokalypsen, das sind Offenbarungen, welche den Männern der Vorzeit und alten Propheten in den Mund gelegt wurden. Diese Offenbarungen sind formell Darstellungen kommender Ereignisse, die aber für den späteren anonymen Verfasser bereits eingetroffen waren. In dunkler mystischer Form werden Andeutungen auf seine Zeit gemacht und daran Weissagungen für dre Zukunft geknüpft. Der Zweck dieser Offenbarungen ist, das Volk in seinem Drucke zu trösten, und der Inhalt ist vorwiegend die Theodicee, das ist die Rechtfertigung der göttlichen Gerechtigkeit wegen der vielen Nebel in der Welt und des großen Elends, in welchem Israel schmachtet. Die Frage der Theodicee ist eine uralte und beschäftigte auch die heidnischen Denker. Nur war bei diesen die Frage mehr nach dem Ursprung oder auch nach dem Wesen des Nebels, nämlich woher das Nebel kommt oder was man als ein Nebel anzusehen habe? Für den Mosaismus war aber die Frage nach Ursprung des Nebels ausgeschlossen, da Alles, das Böse wie das Gute, von Gott kommt, wie die Finsterniß und das Licht von demselben Schöpfer und Bildner ansgehen. Da aber Gott gerecht, weise, gütig und frei von jeder Willkür ist, so lautete hier die Frage: aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke sind die Nebel in der Welt? Die Antwort im Pentateuch, das; das Nebel eine Strafe für die Sünde oder eine Züchtigung Gottes fei, wie der Vater seinen Sohn züchtigt, befriedigte nicht immer. Wird doch erfahrungsgemäß der Fromme sehr oft vom Unglück heimgesucht, während der Frevler häufig gute Tage genießt. Wie läßt sich das mit dem Glauben an eine göttliche Gerechtigkeit vereinen? So lautete die Frage, die seit aller Zeit den frommen Sinn der Israeliten beschäftigte. So kehrt sie in den Psalmen und bei den Propheten immer wieder, und so diente sie auch Kohelet zur Begründung seines Skepticismus. Das classische Buch für die Frage der Theodicee in diesem Sinne ist ja bekanntlich das Buck) Hiob. Diese Frage, welche die denkenden Kreise schon in alter Zeit beschäftigte, wurde aber nach dem furchtbaren Ausgang des Römerkrieges und während der schweren Leidenszeit nach der Zerstörung Jerusalems eine allgemeine und eine tief in das Gemüth des Volkes eingreifende und daher zugleich eine Frage über den Bestand des Volkes und seiner Rel gion. Die Frage, die sich jetzt dem ganzen Volke aufdrängte, lautete: Ist denn Jerusalem schlechter als Rom? Warum ist jenes ein Trümmerhaufen, während dieses mächtig und glänzend ist? Die Israeliten sind doch nicht sündhafter als die Heiden; warum sind diese im Glücke, während jene gemartert und verfolgt werden? Diese Frage bildete jetzt das Thema der gottesdienstlichen Vorträge «t den Synagogen und auch zahlreicher Schriften, von denen uns noch eine Anzahl erhalten ist. Das Eigentümliche bei diesen Vorträgen mrd Abhandlungen war aber, daß man in der Wahl der Form und,des Ausdrucks überaus vorsichtig sein mußte. Dre Spitze war doch immer gegen Rom und seine Gewalthaber gerichtet; aber das Denunciantenthum und die Verfolgung wegen Majestätsbeleidigungen war bekanntlich während der Regierung Domitians an der Tagesordnung und überaus gefährlich. D-s war ja auch der Grund zur Einführung des Gebetes. gegen die Delatoren.in jener Zeit, und derselbe Gruuü suyrre auch zur Entstehung einer eigenartigen literarischen Form, die ich. nach Börne als den Zensurstyl jener Zeit bezeichnen möchte, d. h, als eine Stylart, welche durch die römischen Zensoren und Aufpasser ohne ihren Willen hervorgerufen wurde. Eine feindselige Meinung gegen Rom wagte man nicht öffentlich zu äußern. Das war zu gefährlich. - Man sprach daher in den Predigten und Vorträgen von Pharao, von Egypten, von Esau, von Nebukadnezar, von Edom und Babylon und meinte damit Rom und seine Herrscher. In den Büchern, bei denen wegen ihrer Verbreitung noch größere Vorsicht nöthig war, gebrauchte man daher auch den dunklen und mystischen Styl der Apokalypse, die Form von rätselhaften Weissagungen aus alter Zeit, welche den doppelten Vortheil boten, daß sie die Meinung nach außen verhüllten und nach innen zum Nachdenken anregten. Von Schriften solcher Art besitzen wir eine erhebliche Anzahl; sicherlich gab es aber deren noch mehrere, die spurlos verschwunden sind. Der Boden für diese Literatur ist Palästina oder Syrien, und als ihre Ursprache ist Hebräisch oder Aramäisch änzunehmen, obgleich sie nur in der griechischen oder lateinischen Uebersetzung erhalten sind. Von den apokalyptischen Büchern, welche in das erste christliche Jahrhundert und nach der Zerstörung des Tempels fallen, will ich Ihnen als Muster nur die beiden hervorragendsten vorführen, die auch noch.dadurch merkwürdig sind, daß sie in ihren politischen und zum Theil auch in ihren religiösen Tendenzen einander als schroffe Gegner gegenüber stehen. Die beiden Bücher sind die Assumptio Mosis und das vierte Buch Esra. . Die Assumptio Mosis legt die Weissagung dem Propheten Mose in den Mund. Mose beruft vor seinem Tode seinen Diener Josua zu sich, um ihm die zukünftigen Geschicke Israels zu verkünden. Unter dem Bilde von Jahren, die aufeinander folgten, geht er in kurzen Zügen die Geschichte bis zum Untergange des ersten Tempels durch. Während der ersten 18 Jahre herrschen Vorsteher und Tyrannen über das ganze Volk. Damit sind offenbar die 15 Richter und 3 Könige gemeint. Hierauf die Trennung des Reiches, und es folgen 19 Jahre für die 10 Stämme und 20 Jahre für die zwei Stämme der Heiligkeit. Das weist aus die 19 Könige, welche über Israel, und auf die 20 Könige, welche über Juda herrschten. Dann kommt ein König vom Osten (Nebukadnezar), zerstört das heilige Haus durch Feuer und führt die zwei Stämme zu den zehn Stämmen, die miteinander tiefe Klage anstimmen. Dann kommt für einen Theil die Erlösung durch einen anderen König (Cyrus). Ueber die heidnischen Machthaber (die Perser) komnit ein großes Strafgericht (durch Alexander den Großen); aber die Juden selbst werden uneins untereinander. Der Altar wird befleckt durch Solche, die nicht Priester \\nb, sondern Sclaven, von Sclaven geboren (die Hellenisten); aber auch die Schriftgekehrten (die Makkabäer) werden parteiisch sein und das Recht verdrehen, und ihr Land wird voll Ungerechtigkeit sein. Dann werden ihnen Könige erstehen, die sich Priester des höchsten Gottes nennen und Frevel üben im Heiligthum (die hasmonäischen Könige). Diese werden, wie sie es verdienen, von einem frechen König ausgerottet, der nicht sein wird von dem Geschlecht der Priester, ein verwegener und gottloser Mensch. Seine Herrschaft dauert 34 Jahre (König Herodes). Seine Söhne werden kürzere Zeit herrschen. In das Land kommen Eohorten eines mächtigen Königs des Abendlandes, der sie unterwerfen, gefangen nehmen und einen Theil des Tempels durch Feuer Zerstören wird. Das stimmt für das Jahr 4 nachchr. Zeit und geschah unter Augustus durch Varus. Hierauf gehen die Zeiten zu Ende. Es folgt noch, ein zweiter Lauf. Vier Zeiten kommen noch bis zum Ende. Nach der Analogie der Jahre bedeuten auch die vier Zeiten vier Kaiser, die auf Augustus folgen. Diese sind Tiberius, Ealigula, Claudius und. Nero, und dann kommt das Ende unter Vespasian. Die zukünftige Schilderung der Zeiten reicht also bis zum Ende Jerusalerns unter Vespasian, unter deren schmerzlichen Eindruck der anonyme Verfasser lebte. Pseudomose beschreibt aber auch die inneren Parteizustände gegen das Ende. Hier heißt es wörtlich: „Und es werden herrschen unter ihnen verderbliche und gottlose Menschen, welche sagen, sie seien gerecht. Trügerische Menschen sind sie, die nur sich zu Gefallen leben, verstellt in allen ihren Dingen und zu jeder Stunde des Tages Liebhaber von Gelagen, Schlemmer

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