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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-16 · 50 (16.12.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
50 (16.12.1898)
Date
1898-12-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr^ 50 Dr. Bloch's Wochenschrift UM durch ein scharfes Schnäpslein die Laune aufzufrischen. Das gab Kraft zum Warten und den nöthigen Humor. So zehrte sich fein Vermögen langsam auf, aber er gab nicht nach; diesen Triumph sollten die übermüthigen Drillichauer nicht erleben. Er verachtete sie nicht mehr, er haßte sie tief und leidenschaftlich, sie alle waren seine Feinde, die ihm Hab urld Gut gebrandschaht hatten. An dieser Zeit geschah es, daß seines Gegenübers Sohn sich mit einem Mädchen aus Schlesien verlobte. Man erzählte Wunder, was für Reichthümer sie ihm zubringe und wie seines Vaters Geschäft wieder crufblühen werde. Das konnte Forches unmöglich zugeben, er mußte sich dagegen sträuben mit aller Gewalt, mit dem ganzen zurückgehaltenen Grimm seines verwundeten Stolzes. Damals schrieb er den ersten anonymen Brief . . . Sieh' da, er wirkte. Drüben gab's enttäuschte lange Gesichter und nach einiger Zeit erzählte man, daß die Sache sich eines Briefes wegen zerschlagen hätte, über dessen Inhalt die Brauteltern ein für den Ex-Bräutigam geradezu beleidigendes Stillschweigen beobachteten. Der junge Mann wurde bedauert, auch seine Wuth gegen den unbekannten Correspondenten theilte man, aber nur äußerlich. Im Grunde genommen hatten die Leute sehr wenig Interesse an dein ganzen Vorfall. Was ging sie das weiter an! Höchstens, daß einige etwas wie Schadenfreude darüber empfanden . . . Aber das gab sich mit der Zeit. Der anonyme Correspondent wurde eine Macht, furchtbar in seiner Unsichtbarkeit, ein Dämon, der Alles wissen und kennen mußte, ein Gespenst, das sich grausam zwischen zwei junge Herzen stahl und sie von einander riß ... ein Heiratsgespenst. Das waren glückliche Tage für Forches. Hatte er sie endlich in der Tasche, alle die Menschlein, die ihn gezwungen, sich von seinem geliebten Geschäfte znrückzuziehen und von den Unterstützungen seines Sohnes zu leben? Spürten sie ihn? Es that ihm gar wohl, zu wissen, wie sehr dieses Heiratsgespenst gefürchtet werde; war es doch nichts anderes als sein Geist, sein Witz, der die Leute im höchsten Grade beängstigte, der ihm die ahnungslosen Opfer in die Arme trieb, daß er sich an ihrer Sorge ergötzen konnte. Wie freundlich wußte er sie zu bemitleiden üüd gegen den anonymen Briefschreiber aufzuhetzen! Hielt man es einmal des Gespenstes wegen für nothwendig, eine Verlobung geheim zu halten, so war er es, dem man sie unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit anzuvertrauen für gut fand. Er war so vertrauenerweckend, der Ehrenmann Forches, er lachte so freundlich und war gleich ihnen so empört über die verleumderischen Pasquille, deren Inhalt man mit schweren Hunderten aufwiegen mußte. So hatte der reiche Holzhändler und Gemeindevorsteher Benjamin Rosenfchütz fernem Schwiegersohn einen neuen Tausender dafür geben müssen, daß dieser über den Brief, den er am Hochzeitstage erhielt, um Gotteswillen schweige. Der Brief aber lautete: „Werther Herr! Sie wollen Herrn Benjamin Rosenschütz zu Ihrem Schwiegervater machen. Das ist zu loben. Sie müssen ein ehrenwerther Mann sein, ein Mann von Charakter. Zwar ging vor einigen Jahren ein schelmisches Liedchen auf ihn um, ein Liedchen, das man eines Morgens an allen Hausthüren angeheftet fand. Es singt sich recht hübsch, besonders die Stelle, in der es heißt: „Wenn einer' stiehlt Bretter — Und der eigene Bruder — Ist der Verräther — So darf er nicht sein — Der Gemeindevertreter!" Das bildet, selbst wenn es wahr wäre, kein Ehehinderniß für einen Mann von Charakter. Aber es ist gar nicht wahr. Man hat Ihren zukünftigen Schwiegervater verleumdet. Er hat niemals Bretter gestohlen — es waren ganze Baumstämme. Fragen Sie ihn nur selbst. Und somit viel Glück zur Hochzeit!" Und Joachim Bagder, einer von den neueren Krämern mußte auch ein schönes Stück Geld draufzahlen, als das Heiratsgespenst sein schönes Töchterlein.folgendermaßen anempfahl: „Sie riecht aus dem Munde,-Herr; das wissen mehrere junge Leute in Drillichau. ganz gut. Jndeß ist sie immer tugendhaft geblieben, denn weiter als bis zum ersten Kuß ist es in keinem ihrer zahlreichen Verhältnisse gekommen." Forches besaß Talent für derartige kleine Satiren und er verstand es auch, sie mit allerlei lustigem Beiwerk auszu- Seite SW putzen. Man muß aber sagen, daß er sich ziemlich streng an die Wahrheit hielt, wo dies anging; nur wo es an compromittirenden Thatsachen fehlte, half er sich mit ganz artigen Erfindungen, denen er durch Angabe von Daten und überaus genauen Details den Schein der Wahrheit zu geben wußte. Er kam sich jetzt ordentlich groß vor in dieser Umgebung von kleinen, zitternden Menschenkindern, von diesen Mäusen, die sein stilles Glück, seinen langsam erworbenen Reichthum zernagt und zerfressen hatten. Allerdings war ihm nicht sehr wohl dabei, denn der Gedanke, daß mau einmal auf seine Spur kommen könne, hatte etwas Unbehagliches an sich, das ihn scheu und mißtrauisch machte. Er sprach auch infolgedessen häufiger dem Gläschen zu, und im Städtchen hieß es: Forches trinkt! Tiefer konnte er nicht sinken, der alte starre Mann, der täglich hochmüthiger wurde und dabei eine tödrliche Angst in seinem Herzen verbarg. Wahrlich, man durste ihn nicht prügeln, als man durch einen Zufall in Erfahrung brachte, daß er und das Heiratsgespenst ein und dasselbe Wesen seien, als man nach zehn Jahren hinter seine Schliche kam. Der Verkehr mit ihm änderte sich nicht, ja er wurde noch viel vertraulicher, allerdings nur scheinbar. Die Leute stießen sich gegenseitig mit den Ellbogen an, wenn ihn Jemand zur Seite zog, um ihm mit der ernstesten Miene von der Welt zu erzählen, sein Kind habe sich da und da mit Dem und Dem verlobt. Natürlich war dies erlogen, aber sie hätten nichts für den Genuß genommen, den chnen Forches durch seine dergestalt herausgelockten anonymen Briefe bereitÄe. Noch ein Ereignis; ist in dem Leben dieses merkwürdigen Mannes zu verzeichnen. Es geschah, daß sein Sohn, der irgendwo in einer großen Stadt Kaufmann war, sich verheiraten sollte. Die Partie war in jeder Beziehung glänzend und Forches, dessen Gesicht vor Freude strahlte, machte sich auf die Reise, um der Hochzeit beizuwohnen. Nach einer Woche kehrte er zurück, stiller und gebrochener denn je . . . Er hatte sich umsonst bemüht; sein Sohn war ledig geblieben. Es gab Leute, welche behaupteten, daß Forches selbst lediglich aus Gewohnheit seinen eigenen Sohn durch einen anonymen Brief gründlich angeschwärzt habe; aber dies ist nicht recht zu glauben; gewiß hat es ein Anderer gethan. Unterdeß war die Zeit wieder ein gutes Stück vorwärts geschritten. Drillichau hatte sich großartig entwickelt. Es besaß jetzt bei 1500 Einwohnern dreißig und einige Gewürzkrämer, die alle über schlechte Geschäfte sich beklagten, ein Bezirksgericht, zwei Polizeimänner und ein Kaffeehaus. Dort saßen sie an Feiertagen alle beieinander, auch Majer Forches. Sie sprachen von der alten Zeit und von der neuen. „Heutzutage," sagte Forches, „hat jedwedes Ding seine Concurrenz." „Selbst das Heiratsgespenst!" rief das mager gewordene ehemalige Gegenüber giftig. > Die Leute lachten ganz laut, den alten Forches aber durchzuckte eine wilde Freude. Jetzt erst war er voÜkommen gerächt, jetzt wußte er, daß der Giftsame, den er für das junge, übermüthige Geschlecht ausgestreut, auf guten Boden gefallen sei. Dort saß sein Nackfolger; er blickte ihn fest und scharf an und dachte: „Schade, daß er nicht ein wenig klüger ist." Dann lächelte er; wahrhaftig, er wurde ganz vergnügt. . Briefkasten. Ein alter Buchhändler, Wien. Daß die sogenannte „Central":Buchhandlung Ma; Herzig ibr flaues, farbloses Machwerk „Das Buch vom Kaller" im „Deutschen Polksblatt" unter den Localnachrichten (Nr. 3569 vom 8. December) anzeigt, ist sowohl für den Vergani als auch für den Herzig ungemein bezeichnend. A. H. Hl. Der Erblasser Lazar Jsak Goldstein, gestorben am 4. August 1850, hinterließ unter anderen Stipendien auch solche für Bildhauer und Mathematiker kath Confessio». Selbstverständlich müssen die Bettimmuugen des Stifters respectirt werde». Eduard St—h in Kr. (Nähmen). Wir glauben ganz gern, daß Ihnen die Festpredigt Ihres Herrn Rabbiners ausMeichnet gefallen hat und daß sie gehaltmtb schwungvoll gewesen ist. ES

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