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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-16 · 50 (16.12.1898) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
50 (16.12.1898)
Date
1898-12-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 922 Dx. Blvch's Wochrnfchrrfl. Nr. 50 sich das Vermählungsfest zu einer solennen Kundgebung der Sympathie der Festtheilnehmer gestalten. Lemberg. Der langjährige Gemeindecassier der israelitischen Cultusgemeinde Herr Moriz Weiß hat aus Anlaß seiner mehr als 40jährigen treuen Dienstzeit die Ehrenmedaille erhalten. Raab. Am Chanuka-Vorabende fand die Winterkleider-" Vertheilung von Seite des Raab- und Raabszigeter israelitischen Frauenvereines an 126 Schulknaben und Schulmädchen statt. Frau Präsidentin Johanna Herzl-Keppich entledigte sich im Vereine mit sämmtlichen Ausschußdamen dieser humanen Sabe aufs allerbeste. Der ganze Act gestaltete sich zu einer enden Feier in dem glänzend beleuchteten Gemeindesaale. Der ehrwürdige Herr OberrabbinerDr. Moriz Schwarz apostrophirte die fröhlichen Beschenkten in innigen und warmen Worten der Liebe, sie zur Dankbarkeit und Anerkennung anspornend gegen ihre hier unter Anführung der Frau Präsidentin inschönstem Kranze versammelten Wohltäterinnen. Hierauf, sprach Wilhelm Lichtig, Schüler der fünften Elaste, im Namen sämmtlicher Betheiligten den tiefgefühlten Dank aus, welcher den Wohltäterinnen manche Thräne entlockte. Schließlich wurden Alle mit Backwerk und Obst reichlich beschenkt. , -Werttrr, 4. December. Der Missions-Zeitschrift ^vibre Emeth“ Ärtnehmen wir folgende nicht uninteressante Thatsache, welche abermals " Heroxqh Nne weit die Mission ihre Fangarme ausstreckt: „Die Mi sion des. PrÄigers Bischop unter den Juden von Kotschin (Südindien) Mch von den dortigen Katholiken angefeindet. In Mala predigte der WisswnLr vor der Synagoge. In der Vorhalle der letzteren wurde mit W Mischen Candidaten eine Missionsschule eröffnet. Auch an vier anderen Orten des Landes sollen Schulen errichtet werden. Als Mittelpunkt für die Arbeit soll Ernakulam dienen." Dresden, 3. December. Die Juden in Sachsen stellen schon seit Langem ein ungewöhnlich großes Contingent zu den Uebertritten zum Christenchum. Selbst in Berlin kommen im Verhältniß nicht annähernd so viele Tau en vor. Im Jahre 1d97 find nicht weniger als 32 sächsische Juden übergetreten, während nur ein Christ Jude wurde. Die Taufen erreichten affo 4I,„ Percent der jüdischen Bevölkerung, während in Berlin selbst die schlimmsten Jahre nicht mehr als 0*2 Percent Uebertritte von Juden zum Christenchum aufzuweisen haben. Das Heirstsgespenst. Eine Drillichcuer Geschichte von M a n u e l Schnitzer. (Schluß.) Wie über Nacht hatte die Herrlichkeit einen Riß bekommen, einen kleinen unscheinbaren Riß, Majer Forches fühlte ihn schmerzlich und tief. Es mochte ihm die leise Ahnung ausgehen, daß das Gebälke, auf welches er sein Glück gebaut, morsch zu werden beginne. Etwa hundert Schritte von seinem Haus entfernt und diesem schräg gegenüber, auf der linken Seite des weitläufigen Ringplatzes, gab es neu angestrichene Thür- und Fensterläden zn sehen, beide mit allerhand bunten Zetteln überklebt, auf denen groß und deutlich zu lesen stand, was für Waaren man hier verkaufe. Natürlich seine Waaren! Und die Leute, die dort mit leeren Körben hinein- und mit vollen herausgingen, kannte er auch ganz genau; das waren ja seine Leute, seine alten Kundschaften, und sie mußten auch gut wissen, daß sie nach Recht und Billigkeit zu ihm gehörten; hätten sie es denn sonst nöthig gehabt, so scheu an ihm vorüber zu eilen, als könnte es ihm einfallen, ihnen Vorwürfe zu machen? Pah, er blickte sie nicht an, er sprach mit ihnen nicht, er verachtete sie. Höchstens daß er ihnen mit einem bitteren Lächeln nachsah, wie etwa ein großer Wohlthäter seinen undankbaren Schützlingen, während seine Frau, eine' kleine, dicke Person, neben ihm stand und dem neuen Krämer und seinem ganzen Anhang die gefühlvollsten Verwünschungen hinüberrief. Dadurch wurde Niemand zurückgelockt, denn der Concurrent verkaufte billig, erstaunlich billiger als Forches; selbst die noch immer zahlreichen Getreuen sagten dies. Aber Forches, anstatt sich der neuen Ordnung zu fügen und die Preise ein wenig zu erniedrigen, ging seinen alten Weg; starr und zähe hielt er fest an dem, was er seit dreißig Jahren zu üben gewohnt war, nicht einen Schritt wich er zurück. Der Grünschnabel drüben sollte ihm rvas anhaben können — ihm Majer Forches? Er sollte sich zwingen — zu etwas, wovor seine Seele sich entsetzte? Seine geliebten Waaren sollte er fortschleudern. seine Waaren, als ob Waaren von Forches und Waaren von einem Wichte dasselbe wären! Da mochte die ganze Welt ihn bestürmen, er gab nicht nach — nicht das Geringste. Dazu war er der Mann. Unterdeß putzte sich das Geschäft gegenüber immer schöner heraus, das Gesicht des Krämers wurde rundlicher, freundlicher, und die breite grüne Schürze hatte bereits Mühe, das stattliche Schmerbäuchlein zu verdecken. Majer Forches aber stand öfter als je vor seinem Laden, die Hände geballt in den Taschen, die Zähne aufeinandergebissen, daß die eckigen Backenknochen scharf hervortraten, und finster schauend. „Die Katze stiehlt mein Fett," dachte er oft, „und trägt mein Ränzlein spazieren; wart', wenn ich über Dich komme!" Drüben stand die Geschäftsglocke auch nicht einen Augenblick still, er hörte ihr schrilles Läuten über den Ringplatz herüber, aber er zwang sich, nicht hinzusehen, denn es wären seine ehemaligen Freunde gewesen, die er erblickt hätte. Wie er sie verachtete und ihn, den neuen Krämer, diesen sogenannten Concurrenten! „Was das für eine einfältige Bezeichnung ist für einen Räuber," dachte er. .. Je mehr sich bie Miene des feindlichen Gegenübers erheiterte und klärte, desto düsterer erschien die seine; je höflicher und zuvorkommender sich dieses hergelaufene Bürschchen geberdete, desto schroffer und mürrischer wurde Forches, dessen Gesicht im Laufe einiger Monate abgemagert und runzelig geworden war. Die Kunden, welche noch zu ihm kamen, bediente er mit einem gewissen hochmüthigen Mitleid, einer höhnischen Herablassung/gerade so, als wollte er sich von vornherein ' Genugthuung dafür verschaffen, daß sie ihn eines Tages verlassen würden wie die anderen; alle seine Waaren jedoch behandelte er mit einer fast rührenden Zärtlichkeit, wie ein Vater seine geliebten Kinder, die er Hinausstoßen muß in die kalte, unbarmherzige Welt,'zu Menschen, die sie nicht lieben, nicht würdigen konnten. War ihm doch Alles, was sich in seinem Laden vorfand, ans Herz gewachsen, hatte er doch, um ein Beispiel anzuführen, die schlanken, spitzen Zuckerhüte nnzähligemale mit innigem Wohlgefallen betrachtet, sie täglich gezählt, vom Staub gereinigt und in neue, schöne Ordnung gebracht. Nicht einen davon mochte er missen, überhaupt nichts, nichts.' Daher blickte er auch jeden Käufer mit eigentümlichem Mißtrauen an, und seine erste Begrüßung war immer die skeptische Frage: „Werden sie denn was kaufen?" Er wendete die schlauesten Finten an, um von letzterem abzuhalten; war jedoch der Käufer.Unbarmherzig genug, nicht abzulassen, dann mußte er schon was Gehöriges dafür zahlen, denn es ist keine Summe zu hoch, wenn es sich darum handelt/ ein unruhiges Gewissen zu beschwichtigen. . Nein, Forches verkaufte nicht billiger, und ginge auch darüber die Welt zugrunde. Das geschah freilich nicht — im Gegentheil: es war als ob sie neu auflebe; selbst das winzige Drillichau begann, wie die Leute es ausdrückten, sich zu „machen". Das Rathhaus wurde frisch übertüncht, der Rinnstein, der bisher auf dem Ringplatz eine Pfütze gebildet hatte, in der barfüßige Kinder lustig umherpatschten, und nach stärkeren Regengüssen des Bürgermeisters Enten, wurde ausgepflastert, und in so manchen Häusern öffneten sich neue Geschäftsläden mit blinkenden Auslagefenstern, derer: Ausstattung die allgemeine Bewunderung erregte. Forches aber gab nicht nach. Mit hämischem Lächeln besah er das verrückte Treiben. Er hatte jetzt vollauf Zeit dazu; kein Mensch kam mehr zu ihm, und die strammen Zuckerhüte bedurften des Ordners nicht, sie standen da wie jene berühmte Garde, die sterben, aber sich nicht ergeben durfte. Trost gewährte ihm nur der Anblick seines.Gegenübers, der sehr besorgte Mienen zur Schau trug. „Schlechte Zeiten, Herr Nachbar!" rief er ihm einmal freundlich grinseno hinüber. „Weiß Gott, schlechte Zeiten," seufzte jener, „schlechte Zeiten und schlechte Menschen; gönnen einem nichts, reißen einem den Bissen aus dem Maul, Herr Nachbar, böse Eon-' currenz . . . Gott verdamme sie! ..." Hatte er ihn? Pfiff das Mäuschen schon so kläglich? O, es sollte noch besser kommen. Jndeß das mußte abgewartet werden. Immer vor dem Laden zu stehen und bie Vorübergehenden grimmig zu mustern, würde mit der Zeit langweilig und'schläferte ein; da schlich er denn in eine nahe Schänke,

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