Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 50 Seite 919 Dr. Bloch's Wochenschrift stand, der Vorstand des Vereines der Kinderfreunde, der Vorstand des „Gemiles-Chesed"-Vereines und Vertreter aller Bezirke. Herr Oberrabbiner Dr. Gnbemann führte in kurzen aber inhaltsreichen Worten den neuen 'Rabbiner ins Amt ein. Herr Dr. Bach ^dankte Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann für die herzlichen Worte und hielt sodann seine Antrittsrede, die allgemeinen Beifall fand. tierauf wurden vom ersten Cantor M. Schlesinger die hanuka-Lichter angezündet und damit schloß die Feier. Wien. Man schreibt uns aus Bern: Am 21. November 1896 schrieb die hiesige Universität zur Preisfrage der L az a r u.s st i f t u n g folgende Preisausgabe aus: „Philosophie der Geschichte, Völkerpsychologie und Sociologie in ihren gegenseitigen Beziehungen." Fällig auf 1. October 1898. Preisgekrönt wurde eine Arbeit mit dem Motto: „Siehe, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, sind wie ein Stäubchen an den Wagschalen geachtet." (Jesaias, Cap. 40, V. 15.) Verfasser dieser Arbeit, welcher der Preis zuerkannt wurde, ist ein Herr Lazarus Schweiger, stucl. phil. aus Ungarn. Das Urtheil der Facultät war ein überaus günstiges. Es lautete, daß der Verfasser das Thema vollständig beherrsche und habe er seine Ausgabe mit logischem Scharfsinn und mit schriftstellerischer Gewandtheit gelöst. Herr Schweiger wurde auch noch in anderem Fächern seines Studiums ausgezeichnet. So wurde eine Monographie über Herder („Briese zur Beförderung der Humanität") ebenfalls von der Universität Bern preisgekrönt; ferner eine Abhandlung, betitelt: „Die Statistik als Gesetzeswissenschast", die er im Seminar für Volkswirthschaftslehre und Consularwesen vorgetragen, von der Erziehungsdirection des Cantons Bern mit einem Preise ausgezeichnet. Herr Schweiger ist der Sohn eines bedeutenden Talmud-Gelehrten aus Ungarn und widmete sich von frühester Jugend an dem Talmudstudium, dem er heute noch fleißig obliegt, absolvirte ferner in Budapest die Realschule und besuchte 5'|, Jahre lang die Preßburger „Jeschiwah", wirkte dann ein Jahr in Baden (Schweiz) in dem Verein „Kium- Hoenumah" als Lehrer und besucht seit 2'!- Jahren die Universität Bern. Wir wünschen dem jungen Gelehrten, der auf allen Gebieten seines Studiums preisgekrönt wurde und nun bald seine Studien abschließen wird, daß er sein Wissen mit gleichem Erfolge im Dienste des Judenthums verwende. Wien, den 12. December. (Ein Ch anukafest im israelitischen Blindeninstitute.) Ein Lichtfest für Blinde? hören wir fragen. Gewiß, wer Augenzeuge dieser, Sonntag den 11. d. M., 4 Uhr Abends, im Blindeninstitute auf der Hohen Warte abgehaltenen Feier war, der mußte alsbald überzeugt sein, daß auch in das umnachtete Leben dieser Blinden der Strahlenglanz des Chanukafestes hinein- - leuchtet. Ein blindes Kind zündete, mit Heller, schöner Stimme die Segenswünsche singend, die Lichter an, worauf in gutgeschultem Gesänge die Chanukahymne „haneros halolu“ von den Kindern vorgetragen wurde. Die hierauf vom Herrn Director Heller gehaltene Ansprache über die Bedeutung und Würdigung des Festes machte allgemein Eindruck, worauf die Zöglinge unter Orgelbegleitung einen Psalm „Auf, meine Seele" ganz ausgezeichnet zum Vortrage brachten, nach dessen Beendigung durch Herrn Director Heller die Geschenke an die, Kinder überreicht wurden. Außer den Mitgliedern vom Curatorium, Frau Cäcilie Achter, Frau Fanny Bächer, welch beide Damen sich besonders große Verdienste um das Institut erworben, Frau Weisweiler, Herren Dr. G r ü n b a n m und Dr. Stein, bemerkten wir unter den Anwesenden noch Herrn Rabbiner L ö w y, Director Langbank, Herrn Rabbiner Dr. T a glicht sammt Frau, Herr Friedhof-Amtsleiter Bäcker u. v.A. Es war ein schönes, edles Fest und soll den Herren und Damen vom Curatorium, sowie auch Herrn DirectorHeller für all die den Zöglingen entgegengebrachten Freundlichkeiten der öffentliche Dank nicht vorenthalten sein. Gelegentlich der wirklich exact ausgeführten Gesangschöre erinnerten wir uns auch des Herrn Obercantors Singer, der seit vielen Jahren seine stille Thätigkeit als Gesangslehrer der Anstalt ausübt, mit dankbarer Anerkennung. Sch.... Wien. (Chanukafeier im israelitischen M äd ch enw a isenh au se in Döbling.) In dem hellerleuchteten Turnsaal der Anstalt versammelte sich Donnerstag den 8. December wie alljährlich eine stattliche Anzahl illustrer Persönlichkeiten, um Zeugen des herzerquickenden Actes zu sein, wie arme, verlassene Kinder erzogen und durch die Fürsorge edler Damen und Herren erfreut werden. Zur Feier waren erschienen der Erbauer der Anstalt Herr David Ritter v. G u t m a n n nebst Gemalin, Frau Baronin Königswarte r, Frau Hofräthin Pfeiffer, Frau v. W e i ß, Frau v. Wollt) e im, Frau Ottilie Bondy, Herr und Frau Director v. Baue r, Herr Baurath Stiaßny, Herr Dr. L. v. G u t m a n n nebst Gemalin, Herr Dr. H e r z k a, Herr Director Mauthner, Herr Friedhof-Amtsleiter Bäcker rc. Nach dem Vortrage mehrerer trefflicher Chorgesänge seitens der Zöglinge unter Leitung ihres langjährigen verdienstvollen Lehrers des Herrn Obercantors Singer ergriff Frau Ottilie Bondy das Wort, um in erhebender Rede auf den vor einigen Wochen erfolgten Heimgang der früheren Jnstitutsleiterin Frau. Bruck s. A. hinzüweisen und die Kinder gleichzeitig an ihre Lebenspflichten als treue Anhänger an das Judenthum zu gemahnen. Nach einem gut ausgeführten vierhündigen Clavierstücke und nach dem weiteren Vortrage mehrerer, theils ernster, theils heiterer Chorlieder, für deren exacte Vorführung Herrn Obercantor Singer seitens der anwesenden Damen und Herren schmeichelhafter Dank ausgesprochen wurde, geleitete die provisorische Anstaltsverweserin Frl. D i e t r i ch st e i n unter Assistenz der beiden Lehrerinnen die anwesenden Gäste und Kinder in den festlich erleuchteten Arbeitsfaal, allwo die reichen Spenden für die Kinder vertheilt wurden. Das war eine helle Freude, die aus dem Antlitze der Zöglinge leuchtete: aber auch die edlen Spender freuten sich mit tiefer Rührung ihres Werkes. Möge ihnen diese echt menschenfreundliche Bethätigung noch lange, lange beschieden sein. Amen! -I. Wien. (Verein „Zwanglo s".) Am Sonntag den i. December fand im Festsaale des Wiener kaufmännischen Vereinshauses, I. Johannesgasse, durch den unter dem Protectorate der Frau Gräfin Anastasia Kielmansegg stehenden Verein „Zwanglos" die Bekleidung von 140 armen Schulkindern ohne Unterschied der Consession statt und wurden die Kinder mit vollständigen Winterkleidern, Schuhen und Wäsche versehen, ebenso auch mit einer reichlichen Jause, welche vom Cafetier Herrn Ludwig Riedl gespendet wurde, beschenkt. Der Obmann des Vereines Herr Julius Ehrlich hielt, bezugnehmend auf das Jubiläum des Kaisers, eine patriotische Ansprache und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Herr Dr. Julius W i n t e r n i tz hielt die Festrede, in welcher er den Zweck des Vereines besprach, und richtete herzliche Worte an die Kleinen. Als Ehrengäste waren erschienen: Herr Dr. Julius Ofner, Landtagsabgeordneter, welcher auch herzliche Worte an die Versammelten, sowie an die Kinder richtete und dem Vereine den Dank für seine Mühewaltung aussprach, ferner Herr Reichsrathsabgeordneter Tr. Ferdinand Kronawetter, Herr Bezirksvorsteher Picker, die Herren Bezirksausschüsse Tr. Oscar Hein, Ludwig Waldstein, die Herren Armenräthe Max Zerner und I. Salter, sowie Vertreter verschiedener Vereine. Um halb 9 Uhr Abends fand im selben Locale eine Wohlthätigkeitsakademie statt, welche anfs beste gelungen ist und wollen wir besonders hervorhebcn die Vorträge des Fräuleins Josefine Glöckner vom Deutschen Volkstheater, sowie des Herrn T. Weiß vom Deutschen Volkstheater und des Violinvirtuosen Herrn Carlo. Ein animirtes Tanzkränzchen, welches bis zum Morgengrauen währte, schloß den so schönen Abend. Um den Abend selbst haben sich besonders bemüht die Herren des Executivcomitös Carl Beck, Mar Waldapsel, Sigmund Wurzel und Gustav Westreich, von den Damen Frau Julie Zerner, Frau Morberger, Frau Louise und Frau Irma Beck, Frau Westreich, Fräulein Lotte Beermann und Fräulein Schwestern Wertheimer. Wien. (Israelitischer F r a u e n w o h l t h ä t i g k e i r sverein in der Brigittenau.) Am 4. d. M. fand im Gasthaussaal des Herrn Kohn in der Standingergasse die dritte ordentliche Generalversammlung des Brigittenauer Frauenwohlthätigkeitsvereines statt, welche sehr gut besucht war. Bor Uebergang zur Tagesordnung gedachte die Vorsitzende Frau Therese spitz mit warmen Worten des