Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021274--08407-3032785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 920 Vr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 50 erschütternden Todes unserer verewigten Kaiserin, wobei sich zum Zeichen innigsten Beileides die anwesenden Damen von ihren Sitzen erhoben. Nun exstattete die Frack Schriftführerin Gallia den Jahresbericht, dem wir entnehmen, daß der Verein anläßlich des Regierungs- Jubiläums unseres Monarchen eine Stiftung von 2000 Kronen Nom. Jnvestitionsrentc errichtet hat, deren Zinsen alljährlich am 2. December an zwei würdige arme israelitische Wöchnerinnen vertheilt werden sollen, daß ferner dieser Verein in den ersten Trauertagen unmittelbar nach dem Ableben unserer Kaiserin 250 fl. an arme Glaubensgenossen zur Vertheilung brachte, und daß der Vorstand überhaupt nach Kräften thätig war, um möglichst viele Arme in der Brigittenau möglichst ausgiebig zu unterstützen. Es constatirte dann auch die Frau Cassierin Gvldner in dem von ihr vorgetragenen Bericht, daß die Zahl der Mitglieder auf 318 gestiegen ist, daß der Verein im Berichtsjahre 1907 fl. und seit den 2'/, Jahren des Bestandes über 5500 fl. wohlthätigen Zwecken in der Brigittenau zugesührt hat. Die Frau Cöntrolorin Katharine Kohn hob nun die musterhafte Führung des Vereines hervor und betonte in warmen Worten die Verdienste des Vorstandes und bat die Mitglieder, auch fernerhin für den Verein nach Möglichkeit zu werben und zu wirken. Hieraus hielt Herr Dr. Schreiber einen mit großem Beifall aufgenommcnen, sehr geistreichen Vortrag über Armenpflege im Allgemeinen und bei den Juden insbesondere, woraus Herr Secretär Kohn nochmals auf das wohlthätige Wirken des Vereines hinwies und den Wunsch aussprach, daß immerdar sein und bleiben möge die Devise des Vereines der schöne goldene Spruch unserer Väter: „Weit offen sei die Thüre Deines Hauses den Bedürftigen; und die Bedrückten seien Deine Hausgenossen." Sodann fanden die Wahlen in den Vorstand statt und es wurden gewählt die Frauen: Louise Gallia, Anna Goldner, Katharina Kohn, Marie Kohn, Mathilde Ottc, Anna. Polmlschek, Johanna Renner, Clotilde Rosner, Adele Stern, Therese Spitz, Emilie Weiß und Regine Weinstein. Es ist zu erwarten, daß dieser Vorstand nach wie vor seine Aufgabe sehr ernst nehmen und nichts außer Acht laßen wird, was geeignet sein könnte, die Ziele des Vereines zu fördern, es ist aber auch sehr zu wünschen, daß dieses Streben des Vorstandes durch werkthätige Unterstützung zahlreicher Wohlchäter und Förderer ausgiebige Anerkennung findet. Budapest, 11. December. Gestern, als am Sabbat- Chanuka, hielt im hiesigen großen Tempel in der Tabakgasse Rabbiner Dr. M. K a y s e r l i n g die Festrede. Ausgehend voil dem ersten Satze, mit dem der laufende Wochenabschnitt beginnt: „Jacob wohnte im Lande des Aufenthaltes seines Vaters", zeichnete er das Bild Israels durch den Gang seiner mehrtausendjährigen Geschichte, das sich stets mit dem angeführten Texte identificirte. Der als Geschichtsschreiber wie nicht minder als Gelehrter und als Kanzelredner berühmte Redner konnte nicht umhin, bei dieser^Gelegenheit über den Zionismus den Stab zu brechen. Dr. Kayserling sagte ungefähr das Folgende: „Einige Schwärmer haben sich zu dem Zwecke vereinigt, um eine Naturalisations- und Colonisationsbank mit großen Capitalien zu gründen, obgleich es erst in den jüngsten Tagen allgemein bekannt wurde, daß Palästina überhaupt nicht käuflich ist. Sie fordern die armen, hartbedrängten Juden zur Auswanderung auf. Wer folgt ihrem Rufe? Die Elenden und die gänzlich Mittellosen! Man verspricht ihnen, sie in ein Land zu führen, wo „Milch und Honig" stießen, während man in Wirklichkeit seinem steinigen Boden nur ungemein schwer etwas abzuringen vermag. Es ist lmr ein Traum — ein schöner Traum!" D, H. Spitzer. Constantinopcl. (Jüdischer N a t i o n a l r a t h.) BekannÜich genießen die einzelnen Religionsgenossenschaften in der Türkei die weitestgehende Freiheit in allen ihre Selbstverwaltung betreffenden Fragen, und deren geistliche Oberhäupter gelten der Pforte gegenüber nicht nur als geistliche sondern auch als politische Führer ihrer Connationalen. Seit Jahren nun ist in Bezug auf die organische Regelung der Verwaltung bei den Juden eine ziemlich arge Vernachlässigung eingetreteu. Um die Repräsentationskosten zu sparen, nahm man von der Ernennung eines Großräbbiners, der gleichen Rang mit dem Patriarchen hatte, Umgang und begnügte sich mit einem Locumtenens, als welcher der gelehrte und hochgeachtete Moses Lew y fungirt, der Nationalrath trat gar nicht zusammen, existirt vielleicht ^gar. nicht und dgl. mehr. Man scheint nun dieses nicht sehr schmeichelhaften Zustandes satt zu sein und schritt deshalb zur Nominirung von Candidaten für den Nationalrath. Die Wahl fiel aus Generalstabsarzt Elias Pascha, Staatsrath B o h o r Efendi Askenazy, Contre-Admiral Dr. Jsak Pascha Molko und Kammer-Juwelier Aronatschi Efendi. („Freie Post.") Florenz. Hier wird demnächst ein jüdisches Waisenhaus entstehen, das erste in Italien. Die dazu nöthigen Fonds werden aus einem Legat bestritten, welches die verstorbene Signora Regina Attias der jüdischen Gemeinde in der Höhe von 300.000 Francs hinterlassen hat. Stockholm. Der hier verstorbene Kaufmann Ä. Ursell hat von seinem 600.000 Kronen betragenden Vermögen je 106.000 Kronen der jüdischen Gemeinde in Soest, dem jüdischen Krankenhaus in Soest oder Paderborn, dem katholischen Krankenhaus in Soest und dem katholischen Krankenhaus in Paderborn hinterlafsen.. Der Rest seines Vermögens ist für andere wohlthätige Zwecke bestimmt. Der Verstorbene war, obwohl Jude, Officier in der deutschen Armee, hat als solcher den Feldzug 1870-71 und den Einzug in Paris mitgemacht und auch das eiserne Kreuz erhalten. St. Petersburg. Der Staatsrath beräth zur Zeit über ein Gesetz betreffend die Naturalisation fremder Unterthanen in Rußland. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß in diesem neuen Gesetzentwurf den Juden jedes Recht auf die Naturalisation abgesprochen wird; nur das Gegentheil könnte überraschen. Auch von einem zweiten Gesetz, das mit Spannung erwartet wird, dem über die Koscher-Fleischtaxe, haben wir wenig zu hoffen. Nur eine wichtige Veränderung wird es gegenüber dem jetzigen Zustand bringen. Die „aufgeklärten Juden", welche kein Koscher-Fleisch verzehren, daher auch die Taxe darauf nicht tragen, sollen mit einer ausgleichenden Steuer belegt werden. — Die Regierung hat einen neuen Oberbeamten für die jüdischen Ackerbaucolonien im Gouvernement Cherson ernannt. ‘ Der neuernannte Oberinspector Mokovetzky scheint den Juden günstig gestimmt zu sein. Gleich nach seiner Ernennung hat er eine Reife durch die Colonien gemacht, überall die Colonisten zusammenberufen und sich ihre Wünsche. vortragen lassen, sowie ihnen gute Lehren gegeben. London. Unser berühmter Glaubensgenosse Dr. S. S ch e ch t e r, zur Zeit Lector des Hebräischen an der Universität zu Cambridge, hat einen Ruf als Proseffor des Hebräischen an die Londoner Universität erhalten. — Am 18. December wird das neue Genesungsheim der Baronin Hirsch in Hampstead eröffnet werden. Dasselbe ist im Tudor House installirtwelches für 320.000 Mark erworben wurde, und wird den Namen der Baronin Hirsch führen, die die Mittel zu seiner Errichtung gespendet hat. Vermischtes. Wien. Samstag den 17. December l. I., 7 Uhr Abends präcise, findet im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, 1. Eschenbachgasse 11, in der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums folgender Vortrag statt: „Eine Palästinareise in Scioptikonbildern." Vorführung und Erläuterung eigener Aufnahmen von Josef Beck. Wien. (T r a u u n g e n.) Donnerstag den 15. December, - Nachmittags, fand im israelitischen Tempel in der Leopoldstadt die Trauung des Fräuleins Emilie Kantor, Tochter des Herrn Ignaz Kantor, mit Herrn Dr. Emil Steinschneider statt. — Mittwoch am 14. December fand im Stadttempel die Trauung des Baumeisters Edmund Melcher mit Fräulein Martha Bloch aus Zürich statt. — In der Synagoge des 18. Wiener Bezirkes fand Somrtag um 3 Uhr die Trauung des Fräuleins Adele Katz, Tochter oes Tempelvörstehers Herr Ignaz Katz, mit Herrn Emil Hoffmann statt. Wien. Für die kranke blinde Witwe sind uns zugekommen von Anonym, Wien fl. 2.—, Motto: „Wer schnell hilft, hilft doppelt" st. -2.—, Charlotte Schwarz, C. Kreutz st. 1.50, Albert Kahane, Wien ffl. 1.50, Theresia Feith, Wien st. -.50. Wien. (Spende.) Für einen armen jüdischen Handwerker sind uns von einem Freund der „Wochenschrift" 5 st. zugegangen. Wien. An. Spenden für die armen Tallisweber in Kolomea sind uns zugekommen: Eine Sammlung durch Herrn Philipp Häusler von den Herren: Dr. Funk, Moriz Zeißl Paul Zgabay, Georg Ticho, Emil und Israel Werner, Lud.