Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021274--08404-3032782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 50 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 917 Ich muß es meinem, geehrten College» Dr. Alfred Stern, der in dieser Sache besonders thätig war, überlassen, über die heutige Versammlung sich näher auszusprechen, ich möchte aber nochmals seitens des Vorstandes versichern, daß so wie wir der Gründung dieses Bundes vom ersten Monlent an das regste Interesse entgegengebracht haben, wir auch weiterhin vollauf bestrebt sein werden, die Ziele des Bundes nach jeder Richtung hin zu fördern. (Beifall.) Meine sehr geehrten Herren! Bevor wir in die Tagesordnung eingehen, obliegt es uns, zumal in einer Versammlung, zu welcher sich zahlreiche Vertreter auswärtiger Cultusgemeinden eingefunden haben, in einer Versammlung, welche die Vereinigung aller Juden des Reiches bezweckt, jenes tieferschütternden Ereignisses zu gedenken (die Versammlung erhebt sich), welches gerade heute vor drei Monaten die Herzen aller Oesterreicher und nicht zun: Mindesten uns Juden in tiefste Trauer versetzt hat. Die Trauer um den .Hingang weilattd Ihrer Majestät unserer allgeliebten edlen Kaiserin Elisabeth ist eine andauernde und unvergängliche, und ich bin überzeugt — rmd ich spreche Ihnen aus der Seele — daß das Andenken an diese erhabene Landesmutter nicht mit der Zeit verblassen, sondern für alle Generationen unverändert und gesegnet bleiben wird. Wir Alle, geehrte Herren, haben erst vor wenigen Tagen des seltenen und glücklichen Ereignisses des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät feierlichst gedacht, und hier wie in sämmtlichen Cultusgemeinden der Monarchie haben die Herzen Aller unserem geliebten Kaiser entgegengeschlagen. Wir Juden hängen ja unverbrüchlich an unserem allergnädigsten Herrn und Kaiser und an unserer erlauchten Dynastie und sind stets treue Staatsbürger, und wenn man den Edelsinn unseres geliebten Herrschers nicht schon gekannt hätte, durfte man nur jenes a. h. Handschreiben lesen, welches unser erhabener Monarch an den Ministerpräsidenten gerichtet hat, in welchem er in wahrhaft erhebender Weise erklärt, daß er die schönste Ehrung in den Werken der Nächstenliebe gesehen, welche seinem Wunsche gemäß die willkommenste Huldigung war. Ich glaube mit Bestimmtheit es sagen zu können, daß alle Juden dieses Staates diesen allerhöchsten Intentionen Rechnung getragen haben; überall hat die österreichische Judenschast gezeigt, daß sie zu geben versteht und so mit ganzem Herzen dem Wunsche ihres Kaisers nachgekommen ist. Heute versammeln wir uns thatsächlich im Sinne des Wahlspruches unseres erhabenen Herrn, der seine Regierung mit der Devise „ Viribus unitis“ angetreten hat (Beifall), und auch unser Statut bewegt sich unter diesem Wahrzeichen, und wenn auch der Bund nicht jenen Namen trägt, welchen die Proponenten ursprünglich in Aussicht genommen haben, kann sich seine Thätigkeit dennoch in der Weise entfalten, daß er wirklich ein Gemeindebund wird und die Interessen der Gesammtheit der Juden umfaßt und zur Geltung bringt. (Beifall.) Auch diesfalls überlasse ich die nähere Ausführung meinem geehrten College». Wenn Sie aber die einzelnen Punkte, betreffend die Zwecke des Bundes, durchgehen, finden Sie eine reiche und umfassende Thätigkeit dargestellt; leider leben wir auch — wie Sie alle zu gut wissen - in so traurigen Zeiten, daß wir auch jenen Punkt aufnehmen mußten, welcher dahin zielt, jede Beeinträchtigung der uns gewährten Rechte abzuwehren. Dies betreffend möchte ich es auch als symptomatisch bezeichnen, daß wir uns heute am Chanukafeste, das der Erinnerung an jene Zeit gewidmet ist, wo einst unsere Vorfahren sich in heldenmüthiger Weise und siegreich gegen die Feinde ihres Glaubens zur Wehre gesetzt haben (Sehr gut!), daß wir uns an diesem Weihefeste hier vereinigen und so als Nachfolger dieser Vorfahren bekennen. (Beifall.) Ich schließe mit dem innigen Wunsche für das Gedeihen und Aufblühen dieser neuen Vereinigung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der erste Vicepräsident der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern ergreift das Wort und theilt mit, daß Entschuldigungsschreiben eingelaufen sind von Herrn David Ritter v. Gutmann, der Cultusgemeinde Linz und Herrn Dr. Lederer in Jamnitz. Ein Verzeichniß der Ge- ' meinden, welche dem Bunde bereits beiaetreten sind, wird verlesen. Dr. Alfred S t e r n schildert sodann die lange Leidensgeschichte, die der Bund durchgemacht hat, bis er endlich die behördliche Genehmigung seiner Statuten erlangt hat. Gegenüber den Vorwürfen eines verspäteten Beginnes dtzr Vorarbeiten, bemerkt der Redner, daß man vorerst die gesetzliche Constituirung der Cultusgemeinden auf Grund ihrer neuen von der Behörde genehmigten Statuten nach Erlassung des Gesetzes über die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft abwarten mußte. Erst nach erfolgter Constituirung der Cultusgemeinden auf Grund der behördlich genehmigten Statuten war eine Basis für den Gemeindebund gegeben. Redner rechtfertigt auch eingehend den von der Wiener Cultusgemeinde bei der Schasftmg des Statuts verfolgten Weg und zeigt gegenüber einzelnen Anwürfen, daß der betretene Weg der allein richtige war, wenn man anders das Ziel erreichen wollte. Bei allen Mängeln ist das Statut das einzige und beste, welches bei den gegebenen Verhältnissen geschaffen werden konnte; jeder einzelne Paragraph ist das Resultat eines Kampfes mit Hindernissen, aber das Resultat ist werthvoll genug, daß man es nicht den unsicheren Chancen eines Urtheilsspruches bei den obersten Gerichtsbehörden auslieferu durfte. Redner betont nochmals den Charakter des Bundes als eine Vereinigung von israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs. Nur ausnahmsweise sollten einzelne Personen als Mitglieder Aufnahme finden und ersucht, bei der provisorischen Constituirung, beziehungsweise bei der Wahl des provisorischen Bundesausschuffes diesen Charakter des Bundes zu berücksichtigen. Der Vorsitzende kais. Rath Heinrich K l i n g e r constatirt, daß nach § 11 des Statutes die Wahl des Ausschusses zu den Obliegenheiten des einzuberufenden Bundestages gehört, deswegen kann die heute vorzunehmende Wahl nur einen provisorischen Charakter tragen bis zum Zusammentritt des nächsten Bundestages. Der Delegirte Dr. H o r o w i tz, Präsident der Krakauer Cultusgemeinde, bemerkt: Wir befinden uns eigentlich in einem eireulus vitiosus. Zur Wahl des Ausschusses ist statutengemäß blos der Bundestag berechtigt, die Einberufung des Bundestages aber erfolgt wieder nur erst durch den Ausschuß, für eine provisorische Constituirung ist im Statut weder ein Rechtstitel, noch auch nur eineAnd eutung enthalten. Er beantragt deswegen: die Versammlung constituirt sich als erster Bundestag und nimmt die Wahl eines definitiven Ausschusses vor. Zu diesem Antrag sprachen die Delegirten Dr. Adolf S t e i n, Dr. Joses G r ü n f e l d, Dr. Emil Byk und Dr. Marcus Spitzer, welche übereinstimmend darauf verweisen, daß nach S 11 des Statuts: „Ort und Zeit des Bundestages" den Mitgliedern unter Bekanntgabe der Tagesordnung spätestens 14 Tage vorher mitgetheilt werden müssen. Als Bundestag würde die heutige Versammlung der gesetzlichen Erfordernisse entbehren. Delegirter Dr. Steiner aus Wien erinnert daran, daß die heutige Zusammentretung lediglich den Charakter einer Berathung der Proponenten hat. Der Delegirte Dr. H o r o w i tz, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde in Krakau, accommodirt sich dem Antrag des Referenten in dem Sinne, daß die Proponenten ihre Rechte auf die heutige Versammlung übertragen, welche in der Eigenschaft als Vereinsproponenten die Wahl eines provisorischen Ausschusses vornimmt, um die Einberufung des Gemeindetages vorzubereiten. In solchem Sinne wurden die Wahlen vollzogen. In den Ausschuß wurden gewählt: Bernhard Bille r- Graz, Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil B y k-Lemberg, I. PH. G l e s i n g e r-Teschen, Ignaz H a h n-Linz, Tr. Leon H o r o w i tz-Krakau, kais. Rath Heinrich Klinge r-Wien, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn-Wien, Dr. Gustav L e d e r e r- Jamnitz, kais. Rath Adolf L e v i t-Pilsen, Tr. Moriz L i cht e n st e r n-Prag, Wilhelm Pappenhei m-Wien, Tr. Armold Rosenbacher-Prag, Gemeinderath Dr. Alfred Steru- Wien, Dr. Maximilian Steine r-Wien, Reichsrathsabgeordneter Dr. Benno Strauche r-Czernowitz, ReichsratWabgeordneter kais. Rath DavidT i t t i n g e r-Czernowitz, Dr. Josef W e ch s b e r g-M.-Ostrau. Delegirter Vorsteher G l e s i n g e r beantragt, dem Präsidenten kais. Rath Heinrich Kling er für seine taktvolle