Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 50 Seite 916 I. B. Mos. Cp. 32, B. 7. Text: Die Boten kehrten zu Jakob zurück und sprachen: „Wir sind gekommen zu Deinem Bruder, zu Esau." Raschi: (Die Boten sagten zu Jakob:) „Du hast gesprochen, „er ist mein Bruder", er benimmt sich aber Dir gegenüber als Esau, als Bösewicht, der an seiner Feindseligkeit festhält." Um diese Bemerkung zu verstehen, muß Folgendes in Erwägung gezogen werden. Raschi war auffallend, daß die Boten nicht einfach sprachen: „Wir sind zu Deinem Bruder gekommen", sondern mit besonderem Nachdruck hervorhoben: „Wir sind gekommen zu Deinem Bruder, zu Esau (die zweimalige Wiederholung der präposition „zu" -;el” fällt ebenfalls auf). Raschi zeigt mit dieser Bemerkung sein feines Sprachgefühl; auch für uns ist es nicht dasselbe, ob wir sagen: Wir sind zu Deinem Bruder Esau gekommen, oder „wir sind zu Deinem Bruder, „zu einem Esau" gekommen." lll. B. Mos. Cp. 19, V. 14. Vor den Blinden sollst Du keinen Anstoß legen und Du sollst Ehrfurcht haben vor Deinem Gotte. Raschi: Dem, der in einer Sache blind ist, darfst Du keinen nachtheiligen Rath ertheilen; so darfst Du z. B. nicht sagen: „Verkaufe Dem Feld und tausche Dir dafür Vieh ein, wenn Du ihn dabei überlisten willst, unl Dir sein Feld anzueignen." Der Mensch kann nicht in die Gesinnung des Nebenmenschen eindringen und wissen, ob sie gut oder böse ist; er kann zu seinem Nächsten sagen: „Ich habe die beste Absicht gehabt." Darum heißt es: „Du sollst Ehrfurcht haben vor Deinem Gotte; denn Gott kennt Deine Gedanken und Gesinnungen; so heißt es auch bei allen Geboten, bei denen es auf die innere Gesinnung ankommt. „Dusollst Ehrfurcht haben vor Deinem Gott." Wir glauben, daß auf diese Weise der Schüler einen klaren Einblick in eines der Hauptwerke Raschis erhält. Da aber bei der Abfassung eines Werkes über die jüdische Geschichte und Literatur trotz der vorhandenen Vorarbeiten immer auf die Quellen selbst zurückgegangen werden muß, so wäre es wohl am geeignetsten, wenn eine Commission von etwa 4—5 Fachgelehrten, die zugleich Fachlehrer sein müssen, zusammentreten, über die Hauptgesichtspunkte sich einigen und jeder von ihnen ein bestimmtes Capitel bearbeiten würde. Dies gilt, besonders von den Literaturproben; denn die Geschichte selbst ist bereits, besonders von Braun sehr treffend eschildert. Die jüdische Literatur von „Winter und Wünsche" ildet eine sehr gute Vorarbeit, doch sind die Proben daselbst nicht immer für ein Lehrbuch geeignet; deshalb muß man immer auf die Quellen zurückgehen. Dies kann aber nur durch vereinte Arbeit geschehen. (Korrespondenzen. Sitzung des Cultusvorstandes vom 8. December 1898 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rathes Klinger. Beginn 12 Uhr Mittags. An Spenden werden bekanntgegeben die für den Bau des Siechenhauses seit der letzten Plenarsitzung eingelaufenen und in den jüdischen Wochenblättern bereits publicirten Beiträge. Weiters von einem ungenanntseinwollenden Wohlthäter aus Anlaß des 200 jährigen Jubiläums des Spitales der Cultusgemeiude für die Insassen und Zöglinge verschiedener Humanitätsanstalten fl. 300.—. Vom Vereine „Maskil El Dal" zur Unterstützung von Armen der Bezirke Xll.—XV. fl. 100.—. Zu demselben Zwecke von der „Chewa-Kadischa" fl. 50.—. Vom Frauen-Wohlthätigkeitsverein XV. fl. 50.—. Vom „Talmud-Thora-Verein" XV. fl. 25.-. Von einem „Anonymus" unter der Chiffre ,,8. W. II Bezirk" für das Blindeninstitut, für den Waisenverein, für arme Wöchnerinnen, für den „Talmuo-Thora-Verein" je fl. 5.—. Von den Gebrüdern Ritter von Gutmann für arme Kinder der Bezirke Xll.—XV. fl. 100.—. Den Spendern wird der Dank votirt. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt die nach ß 17 der Wahlordnung vorzunehmende Ägnoseirung der am 27. November 1898 stattgesundenen Neu- und Ersatzwahlen in den Cultusvorstand. Nach Verlesung des Protokolles der öffentlichen Sitzung des Vertretercollegiums vom 28. November 1898 über die Ermittlung des Ergebnisses dieser Wahlen wird das Schlußscrutinium verlesen und verisicirt. Der Präsident gibt bekannt, daß Einwendungen gegen die Giltigkeit dieser Wahlen innerhalb der achttägigen Fallfrist nicht eingelaufen seien. Sohin werden die vorgenommenen Wahlen, deren Ergebniß bereits publicirt wurde, Don der Versammlung agnoscirt. Herr I. Vicepräsident Dr. Alfred Stern referirt namens des Comites der Dr. Moriz Rappaport'schen Stiftung über die stiftbriefgemäß alle drei Jahre Vorzunehmende Preisausschreibung „für Schriften und Abhandlungen, welche die Juden betreffen, insbesondere historischen oder socialpolitischen Inhaltes". Für die diesmalige Ausschreibung empfiehlt das Comitä als Preisaufgabe: „Geschichte der jüdischen Apologetik." Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Vicepräsident Dr. Kohn, Dr. Steiner, Salo Cohn, Dr. Grünfeld und Dr. Spitzer betheiligten, werden die'Anträge des Comites genehmigt, wonach als Preis für die beste Arbeit der Betrag pon 2500 Kronen ö. W. bestimmt, als Präclusivtermin für die Einreichung der Preisschriften der 30. Septenrber 1900 festgesetzt wird. Nach Erledigung mehrerer Personalieiuwird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags geschlossen. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde. * Bei den auf Grund des Statutes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien (genehmigt mit Erlaß der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei vom 15. Juli 1896, Z. 57008) am 27. November d. I. vorgenommenen Neu-, beziehungsweise Ersatzwahlen wurden nachstehende Herren mit absoluter Majorität irr den Cultusvorstand gewählt: X. Bei den Neuwahlen: Theodor Ritter v. Goldschmidt, k. k. Baurath und behördlich autorisirter Civilingenieur, I. Kärntnerring 15; Dr. Josef Grünfeld, k. k. Universitätsdocent, I. Schottenring 2; Moriz Hirsch, kais. Rath, I. Rathhausstraße 1; Emil Horner, Prokurist des > Hauses S. M. v. Rothschild, II. Praterstraße 47; Arthur Edler v. Mises, k. k. Oberingenieur, I. Friedrichstraße 4; Julius R e i t l i n g e r, Fabriksbesitzer, I. Rathhausstraße 3; jur. & phil. Dr. Marcus Spitze r, Hof- und Gerichtsadvocat, II. Obere Donaustraße 28; Wilhelm S t i a ß n y, k. k. Baurath und Architekt, I. Rathhausstraße 13. B e i den E r s a tz w a h l e n (an Stelle der verstorbenen Herren Gustav Simon und Josef Hieldburgh äuss er): Dr. Benjamin Rappaport, k. k. Obersinanzrath, l. Mölkerbastei 12; David S i m o n, Jnstitutsinhaber, I. Hoher Markt 3. , Diese Wahlen wurden gemäß § 17, al. 3 der Wahlordnung in der Plenarsitzung am 8. December l. I. vom Vorstande anerkannt, was hiemit verlautbart wird. Wien, am 9. December 1898. Der erste Seeretär: . Der Präsident: Dr. Lieben. H. Klinger. Allgemeiner österreichisch-israelitischer Bund. Sonntag den 11. December 1898, Vormittags, fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde, I. Seitenstettengasse Nr. 4, die erste (constituirende) Sitzung des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes statt. Der Präsident der Wiener israelitischen Cultusgemeinde kais. Rath Heinrich Klinger begrüßte die Versammlung mit folgender Ansprache: Sehr geehrte Herren! In dartkenswerther Weise haben Sie der Einladung der Proponenten des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes Folge geleistet, und ich kann es mir nicht versagen. Sie namens der Wietrer Cultusgemeinde herzlichst und freundlichst. zu begrüßen.