Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 910 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 50 d. h. der Versuche, aus den jüdischen Unterthanen des Sultans iy Palästina und Syrien eine Quelle der Kraft und Sicherheit für das Land zu schaffen, durch Förderung der Landwirthschaft und Erwerbung von Ländereien der Regierung den Werth der jüdischen Colonisten klarzumachen. Wir verpönen jede Handlung, die ein Präjudiz für die Stellung der jüdischen Colonisten schafft oder das langsame Werk der „Chovevi-Zion-Vereine" aufhalten will. Zur Mitarbeit auf diesem Gebiete laden wir Alle ein, die gleich uns T h a t e n den Worten vor ziehen und das Wohl des Landes Israels und seines Volkes fördern wollen. Präsident Oberst Albert G o l d s m i d m. p. Vicepräsident Josef Prag m. p. Major Barnett, Generaffecretär. Dr. H i r f ch, Secretär. Der deutsche Kaiser in Palästina. Die Antwort des deutschen Kaisers an die Adresse der Zionisten ist noch' immer Gegenstand der Erörterung in den jüdischen Blättern. In dem soeben ausgegebenen Hefte vom „Zion", „Monatsschrift für die nationalen Interessen des jüdischen Volkes", wird an erster Stelle in einem sehr bemerkenswerthen Artikel das Resultat der Kaiserreise in Erwägung gezogen. Wir heben aus dem Artikel nachstehend die wichtigste Stelle heraus: „Klar geht aus dieser kaiserlichen Antwort hervor, daß er Alles ablchnt, was wie eine Unterstützung der Pläne vom Judenstaat aussicht. Noch weiter, auch diejenigen Bestrebungen, die eine Garantie der' Großmächte oder etwas Aehnliches für die jüdischen Ansiedelungen in Palästina verlan gen, wurden rundweg abgelehnt. Wohlwollendes Interesse verspricht der Kaiser nur für die Bestrebungen, die zur Hebung der Landwirthschaft in Palästina zum Besten der Wohlfahrt des türüschen Reiches unter voller Respectirung der Souveränität des Sultans abzielen. Man sieht, es ist nur vom Interesse des türkischen Reiches die Rede, das Interesse der Juden wird nicht einmal berührt. Wir stehen nicht an zu erklären, daß wir in dieser Antwort des Kaisers eine ausgesprochene Absage an die jüdischen Bestrebungen sehen, wie solcke der Zionismus in der letzten Zeit betrieben hat. Noch auf dem ~ letzten Baseler Kongreß hat Dr. Herzl ausgeführt, daß nach seiner Meinung jede tvirthschastliche Stärkung der Türkei, wie solche durch Hebung der Industrie und Landwirthschaft seitens jüdischen Kapitals und jüdischer Intelligenz erfol t, zu unterbleiben habe, so lange nicht die öffentlich rechtlichen Garantien geboten seien. Wenn nun der deutsche Kaiser sein Interesse davon abhängig macht, daß die Bestrebungen zum Besten der Wohlfahrt des türkischen Reiches sind, und die Wohlfahrt der Juden gar nicht erwähnt, so ist der ausgesprochene Gegensatz zu den Ausführungen des Dr. Herzl auch dem blödesten Auge klar. Wir müssen wiederholen, wir sind von der Antwort des Kaisers nach keiner Richtun i hin befriedigt, aber auch die Auffassung, die in der ganzen nicht zionistischen jüdischen Presse zur Geltung kommt, scheint uns nicht ganz berechtigt. In diesen Zeitungen vertritt man allgemein die Auffassung von der kaiserlichen Antwort, daß dieselbe den Colonisationsbestrebungen alten Styles günstig, dem Zionismus ungünstig sei. Unsere persönliche Meinung ist aber, daß die Antwort des Kaisers eigentlich nichts weiter bedeutet, wenn man sie der freundlichen Form entkleidet, als: Ihr Jud en g eh t mich j a nich ts an, wollt Ihr dem türkischen Reich einen Dienst 1 h u n, s o s o l l m i ch d a s f r e u e n." Ueber die literarische Thätigkeit der Juden nach dem großen Kriege mit Rom. Bortrag, gehalten im jüdischen Literaturverein zu Breslau am 24. Novernber 1898. Von Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau. Hochgeehrte Versammlung! Auf der Höhe der via saera, der heiligen Straße, welche durch das alte Forum Romanum zum Capitol führte, steht seit mehr als 1800 Jahren der Titusbogen als ein Wahrzeichen des Triumphes/ den die siegende Roma über das besiegte Juda davongetragen. Als ein Denkmal der Schande für die , Juden wird dieser Bogen von den römischen Juden - noch heutigen Tages .empfunden, die den. Weg durch den Bogen meihenund chn peinlich umgehen, Ivie mir dies auch von .einem arme», jüdischen Hausirer amTitmsbogen zu/Ronr -persicherk, wurde. AU ich vor. diesem Bogen staM/b^chlich: Huch mich, als Israeliten anfänglich eme.. ähnlich' schmerzÄche .stkÜ» denrüthigende Enrpfindung. Als ich aber von da aus einexseits zu der hochragenden Spitze der architektonisch erhabenen Petruskirche emporschaute und aus die vielen anderen Wunderwerke hinfah, welche zu Ehren der, wenn auch wenig dankbaren Tochterreligion Israels errichtet wurden, während mein Blick andererseits zugleich auf das heutige Trümmerfeld des einst fo belebten und volkreichen Forum Romanum hinschweifte — da konnte ich mich doch eines gewissen Gefühles der Erhebung nicht erwehren. Die alte, übermächtige Roma ist in den Staub gesunken, und das Trümmerfeld des Forums erscheint als ihr ehrwürdiges Grabmal, während der Titusbogen mit seiner glänzenden Umgebung und den an ihm stehenden und noch bestehenden Juden mehr an den Sieg der Besiegten, als an den Sieg der Sieger erinnert! Neben der versunkenen Roma zogen aber an meinem Geiste auch Ninive, Babylon, Tyros und Karthago vorüber, jene gewaltigen, Länder und Meere beherrschenden Städte, die alle größer, volkreicher und mächtiger als Jerusalem gewesen. Wie ist doch mit ihnen das gesummte eigenartige Leben ihrer früheren Bewohner spurlos dahingegangen, während unser Volk den Untergang feiner Städte und feiner politischen Existenz noch bis zum heutigen Tage überdauert! Israel trauerte wiederholt auf den Trümmern Jerusalems, aber seine Eigenart gab es nicht auf. Ueber den Ruinen sammelte es sich vielmehr stets von Neuem, um sein ursprüngliches Wesen und seine ursprüngliche Aufgabe nach Möglichkeit zu hüten und wieder aufzunehmen. So war es nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar, wo die Exulanten am Euphrat den abgerissenen Faden der Prophetie alsbald wieder aufnahmen, um ihn zu dem herrlichen Gewebe der nachexilifchen Weissagungen weiter zu spinnen. Während die liebliche Harfe Zions trauernd an den Weiden hing, blieb auch im Lande des Exils das Herz wach und auch der Geist rege, und empfänglich für die tröstenden Verheißungen begeisterter Propheten, stellte es aus seiner Mitte Männer der Gelehrsamkeit und Männer der That, wie Esra und Nehemia, welche die Fundamente für einen neuen,- volksthümlichen Aufbau und Aufschwung legten. Und so war es auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels und Jerusalems durch Titus. Mit Jerusalem und dem Tempel hörte auch da das eigenartige Geistesleben des Volkes nicht auf. Es erhielt sich vielmehr in Palästina wie in der Diaspora und trieb überall sogar neue Blüthen. Man hat sich gewöhnt, das geistige Leben des jüdischen Volkes in dieser Zeit im Allgemeinen als verödet, und . nur auf das Lehrhaus zu Jabne, beschränkt anzusehen. Nichts, ist falscher als das. Was von so echtem Gottesgeiste und von so ursprünglicher Naturkraft ist wie das Volk Israel, kann durch Umstände und Verhältnisse, durch Druck und Elend eingeengt und von der Ursprünglichen Bahn zeitweise auch abgelenkt werden; aber ertödten läßt es sich nicht. Die Aufgabe meines Vortrages besteht nun darin. Ihnen einen Einblick in das geistige und literarische Leben der Juden jener Zeit zu ge-' währen, soweit sich dies bestimmen läßt, und mit der nöthi? gen Beschränkung mit Rücksicht auf Ihre Geduld. Unser Augenmerk wird sich dabei auf die Hauptcentren des damaligen jüdisch-geistigen Lebens lenken müssen, und zwar auf Palästina, Rom und Egypten. Die erste und Hauptthätigkeit der führenden Geister nach der gewaltigen Katastrophe Jerusalems galt der Sammlung, und zwar wie der inneren moralischen Sammlung und Aufrichtung, so auch der Sammlung - und Bergung der alten geistigen Güter der Nation. In Palästina hat diese Aufgabe R. Jochanan, Sohn Sakkais, mit seinen fünf Hervorragenden Schülern -übernommen. Niemand war für diese Aufgabe geeigneter als dieser kleine und ausgezeichnete Kreis. R. Jochanan war lange Zeit nicht nur Mitglied des Synedriums, sondern auch einer der bedeutendsten und angesehensten Oberhäupter dieser vornehmen Körperschaft. Mit dem gelehrten Wissen seiner Zeit ausgestattet und insbesondere mit dem gesummten Traditionsstoff der Schule Hillels, aus welcher er' hervoraegangen und deren großer'Meister er geworden, erfüllt, galt er auf diesem Gebiete als die erste Autorität seiner.Zeit. Sprachenkundig, weltmännisch gewandt im Verkehr mit Gegnern uudHeiden, und von hillelifcher .. .ajfe gageim; des aussichtslosen: Aufstandes gegen Rdm und ein dergeMcher