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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-16 · 50 (16.12.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
50 (16.12.1898)
Date
1898-12-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Eeite 909 Nr, 50 Dx. Bloch's Wvthrnschrist. dienste auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes und des jüdischen Cultus, und die vom Kaiser ausgesprochene Anerkennung dieser Verdienste ist ein erhebender Trost gegenüber allen Anfeindungen der Intoleranz und gegenüber aller: Bestrebungen, die darauf abzielen, die Juden der bürgerlichen Gleichberechtigung zu berauben. * * * In der Gemeinderathssitzung am Dienstag wurden rvieder drei Gemeinderäthe ausgeschlossen und zwei derselben durch Amtsdiener hinausgeführt. Was Dr. Lueger in dieser Sitzung an Gewaltacten gegenüber der Opposition und an unwürdiger Handhabung seines Amtes überhaupt leistete, reiht sich seinem sonstigen Gebaren durchaus würdig an. Gin Chor von Zwischenrufen wie: „Hinaus Jud! Halt's Maul Jud" rc. begleitete die Aetion des Herrn Bürgermeisters, und einer der lautesten Zwischenrufer war — Herr Alexander Purscht. Gemeinderath Mittler hat die Situation durch ein zutreffendes Wort gekennzeichnet. Cr sprach von einem „Hochgebirge der Gemeinheit". * * * Sie sind herrliche Menschen, diese Antisemiten, nicht blos in moralischer, sondern auch in physischer Beziehung. Man betrachte doch einmal die fascinirende Erscheinung des Prinzen Alois L i e ch t e n st e i n, der jetzt wieder vor Weihnachten in die Versammlungen geht, um vor jüdischen Geschästslocalen zu warnen. Da sagte er beispielsweise in einer Frauenversammlung in Floridsdorf, daß die Wiener Frauen früher in den glänzend beleuchteten Geschäften kauften, „ohne auf die verdächtigen Physiognomien, die X- und 0-Füße und die krummen Nasen der Besitzer dieser Geschäfte zu achten." X- und 0-Füße sowie krumme Nasen sind nun freilich nicht die Attribute männlicher Schönheit, aber nicht Jedem war die Schöpfung so hold gesinnt, ihn mit körperlichen Vorzügen so reich und verschwenderisch und daher tadellos anszustatten wie den Prinzen Alois Liechtenstein. Es ist unschicklich, sich über die körperlichen Gebrechen von Menschen lustig zu machen; dafür kann ja Niemand, wie die Natur ihn gestaltet hat, und Jeder mag froh sein, der gesund und nicht verkrüppelt ist. Wenn man aber schon sich berufen ftihlt. Andere wegen ihres Wuchses und ihrer Nasen zu verspotten, so sollte das am allerwenigsten Jemand thun, der — Durchlaucht verzeihen schon — so „windverdraht" ausschaut wie der lange Alois. Wenn wir seine Nase betrachten, so kommen wir in Versuchung, die Möglichkeit zu erwägen, ob nicht eine seiner Urgroßmütter einst, als der Genius der Gattmig Liechtenstem in ihr erwacht war, sich an einem jüdischen Privatgelehrten verschaut hat. Der Anblick seiner langen Beine widerspricht keineswegs dem Problem des Zusammentrefferls paralleler Lillien, und unwillkürlich denken wir, wenn wir mrs die ganze Figur vergegenwärtigen, an den Wienerischen Gassenhauer: „Auf der Simmeringer Had — hat's an Schneider verwaht." Ein solcher Mensch sollte, von der Frage der Schicklichkeit abgesehen, denn doch nicht so vorwitzig sein, von X- und O-Füßen Anderer zu sprechen. Storchenbeine sind auch nicht wunderschön. Davon abgesehen, haben wir es immer für die Aufgabe eines Abgeordneten angesehen, sein Publicirm zu sich emporzuheben, es in edlerem Sinne anzuregen, ihm den Weg zu zeigen zu einer höheren Gedankenrichtung. Prinz Liechtensteirr steigt aber zur Roheit herab, indem er seine Zuhörer anleitet, über körperliche Gebrechen Anderer zu spotten, u:rd er ist seinem „Volk" ein leuchtendes Vorbild in der Geschmacklosigkeit und in der Trivialität. Was nach den Gesetzen der Aesthetik schöner ist, ob X-Beine oder Storchenbeine, ist in der Sache selbst nebensächlich, und was seine Nase betrifft, durch welche sich Prinz Liechtenstein zu seinem Vortheile von den Inden zu unterscheiden glaubt, so empfehlen roir ihm gewisse Lessing'sche Epigramme als nützliche und zur Selbsterkenntniß beitragende Lectüre. Robert Wolf. Die Budapestcr Orpheumgesellschaft. - Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Geehrte Redaetion! . .■/- -- •; -»>AVAHonttentJtzres; geschätztest Blatteserlaube ich mir JHr^ÄuftNerrsämkeit auf Munffarrsche „OrpheNM-Gesellschäft" zu lenken, welche jetzt allabendlich im „Hotel Stefanie", Taborstraße, Vorstellungen gibt; diese Vorstellungen sind derart, daß jedem Feinde der Juden das Herz im Leibe lachen muß, denn da wird Alles geboten, was den jüdischen Charakter tief herabsetzt und entwürdigt. Als ein Beispiel Folgendes: In einem Heiratsvermittlungs-Bureau auf der Buhne sitzt der Chef; herein stürzt ein fremder junger Mensch, der sofort allerlei Unverständliches zu declamiren beginnt; plötzlich spuckt er auf den Boden aus, was ihm der „Chef" strenge verweist: daraufhin spuckt er in die Höhe, was gleichfalls dem strengen Tadel des „Chefs" begegnet; nun aber spuckt der Fremde dem „Chef" ins Gesicht; dieser nimmt das ganz ruhig hin, wischt sein Gesicht ab und geht an die Fortführung des Stückes, wie wenn absolut nichts passirt wäre. Diese „Handlung" ist doch selbstredend mit Absicht in dieses Stück eingeschoben, steht aber in gar keinem Zusammenhang mit dem Stücke; daher muß man selbstredend denken, daß mit dieser garstigen, schimpflichen Scene blos der Wiener judenfeindlichen Strömung eine Concession gemacht wird, damit auch von dieser Seite Besucher angezogen werden. In dem ziemlich großen Saale faßen viele Nichtjuden, Osficiere, Herren und Frauen. Sie müssen natürlich glauben, daß ein solches Benehmen, wie es in dieser Production den Juden angedichtet wird, allgemein gebräuchlich ist. Achtungsvoll D.* Namen und Adresse des Einsenders sind der Redaction bekannt. Die famose antisemitische Nüance ist übrigens nicht einmal Original, sondern dem „Simplicissimus" — entlehnt. Zur zionistischen Bewegung. Der über ganz Großbrittannien verbreitete Verband „C h o v e v i Z i o n Association" in London, ein zionistischer Verein, an dessen Spitze Oberst G o l d s m i d steht, veröffentlicht folgenden Aufruf: „Angesichts der Vorgänge, die sich in jüngster Zeit zwischen den Ziollisten abgespielt haben, wurde es nothwendig, der Oeffentlichkeit jene Gesichtspunkte zu unterbreitelr, von denell sich die „Association" leiten läßt und immer leiten ließ. Es geschieht dies nicht im Hinblick auf Diejenigen, deren Meinungen von den rrnserigen abweichen, sondern zu dem Zwecke, daß die Bestrebungen und die Methode unserer Affociatioll von keiner Seite mißverstanden werden. Die „Chovevi Zion Association" ist kein politischer Verein. Welche Zwecke wir immer — mögen sie religiöser, nationaler oder philanthropischer Natur sein — verfolgen, inimer sind lvir der Ansicht, daß dieselben nur durch eure verllüllftige Action und durch einen langsamen Bau von: Fundamente auf verwirklicht werde:: können. Voreilige :u:d gewaltsame Mittel haben wir immer verpönt, weil wir der Üeberzeugung sind, daß sie den natürlichen Prozeß hindern könnten, durch den allein unsere Hossimngen in Erfüllung gehen werden. Wir kannten die Schwierigkeiten, die sich einem solchen Unternehmen in den Weg stellten, und wir fühlten die Größe der Verantwortung, die Jeder auf sich nin:mt, der bei diesem Werke einen günstigen Erfolg erreichen will. Nicht mittelst eines Federstrichs läßt sich eine Nation wiederbeleben, und die Diplomatie der ganzen Welt ist nicht im Stande, iu einem Moment wüste Ländereien einer längst vernachlässigten Provinz fruchtbar zu machen. Dazu gehört eine geduldige Arbeit. Das ist unser Wegweiser. Unser Bestreben war es daher, soweit als möglich über Palästina und seine Vorzüge Nachrichten zu verbreiten, sowie andere Vereine für die Ansiedelung jüdischer Colonisten in: heiligen Lande zu gewinnen. Diese Bewegung hat sowohl hier als am Continent stark zugenommen. Die Colonisationsvereine, die in vollständiger Eintracht mit dem Centralcomitö in Paris und dem Executivcomite in Palästina arbeiten, gründeten und unterstützten auch mehrere Colonien in Palästina. Allein infolge von Vorgängen, die sich in den letzten zwer Jahren außerhalb unseres Verbandes abgespielt haben, hat sich die türkische Regierung veranlaßt gesehen, einschränkende Gesetze gegen die jüdische Colonisation, die eineZeitlang außer Kraft waren> wieder ins Leben zu rufen. Wir find jedoch emschlsfie», unser Werk fortzusetzen und Alles anzuwenden, um diese schweren Hinderniffe zu beseitigen. Nichts kann so sehr dazu fuhren, als die Fortsetzung unserer Taktik,

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