Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 898 Dr. Bloch's Wychenfthrisk. Nr. 49 Wir haben um unserer diesjährigen Generalversammlung ein Lustrc zuZ geben und sie dem Gedächtniß der Nachfolgenden besser zu markiren, beschlossen, dieselbe auf den heutigen Abend zu verlegen, aus den Tag, wo wir des geliebten Monarchen huldigend gedenken, sein Allerhöchstes Jubiläum im Tempel in feierlichster Weise begangen haben und den Segen vom Allvater für ihn erflehten. Wir haben beschlossen, zur Erinnerung an die Jubelfeier unseres geliebten Monarchen unseren Beamten und Functionkren ein Angebinde zu bringen, dies heute zu verkünden und in Kraft treten zu lassen. Wir haben beschlossen, die Geschichte unseres Vereines und Tempels zu verfassen, herauszugeben, dieselbe in Druck zu legen und den Mitgliedern, Gönnern, Freunden und solchen Instituten zu übergeben, die sich für derlei Druckwerke interessircn. Dieses Werk soll Zcugniß ablegen für ein edles Ringen und Wirken um ideale Güter, soll Zeuge sein, wie ein Häuflein Glaubensgenossen eingetrcten ist für den Glauben der Bäter, wie man in Mariahilf-Neubau bestrebt war, den religiö en Gefühlen und Empfindungen Befriedigung zu verschaffen. Geehrte Versammlung! Mit einiger Gemlgthuung kann der Verein auf das abgelaufene Diertcljahrhundert seines loyalen Bestandes zurückblickcn, mit Befriedigung überblicken wir die Leistungen des Vereines, und wenn wir auch nicht glauben, daß da eine besondere Heldenthat ausgeführt wurde, .so erfüllt uns doch das beseligende Gefühl, an einem edlen Werk gewirkt zu haben. Möge der nunmehr beginnende neue Zeitabschnitt ein glücklicher und segensreicher werden, möge es dem Verein stets beschleden sein, an seiner Spitze Männer zu haben, die, begeistert für die heilige Sach^ den Verein von Erfolg zu Erfolg führen, Männer, die in Liebe und Eintracht das Gedeihen desselben fördern. Möge aber auch den Führern beschieden sein, stets so opferfreudige und opferwillige Mitglieder zu besitzen, wie dies bis heute Gott fei Dank der Fall war, und damit sei dieser Bericht geschloffen. Der Rechenschaftsbericht wurde mit lebhaftem Beifall der Generalversan.mlung begleitet. tierauf hielt der Präsident der Cultusgemeinde, kaiserath Heinrich K l i n g e r folgende Ansprache: Hochverehrter Herr Präsident! Verehrte Versammlung! Es mag mir vergeben sein, wenn ich bereits in diesem Stadium der Versammlung mir das Wort erbeten habe, und auch der geehrte Delegirte des Vorstandes Herr Salo E o h n möge mir verzeihen, wenn ich an diesem Festtag vor ihm einige Worte spreche, ohne ihm jedoch das Wort streitig machen zu wollen. Wenn der Herr Präsident, mein hochgeehrter und vielgeschätzter College Max Fleischer, in dem eben erstatteten. Bericht erwähnt hat, daß der Verein mit einiger Genugthuung auf das abgelaufene Vierteljahrhundert zurückblicken kann, so möge er verzeihen, wenn ich ihn dahin eorregire, daß er als Präsident und die Vereinsleitung nicht nur mit einiger, sondern mit voller und hoher Genugthuung aus diesen Zeitraum schauen können, denn Ihr Verein ist für unser Gemeinwesen eine Zierde (Beifall), ja er ist geradezu das Ideal eines Vereines, und wenn wir heute in ganz Oesterreich nach einem Muster Umschau Hallen, so können wir Ihren Tempelverein sicherlich als solches hinstellen und das Alles Dank der hervorragenden Führung durch seinen Präsidenten Max Fleischer. (Lebhafter Beifall.) Ja, der Name Max Fleischer — wenn ich diesen Namen öfter nenne, so documentire ich damit nur, wie geläufig er mir ist, denn ich habe doch die Ehre, mit diesem geschätzten Collegen seit vielen Jahren im Cultusvorstande zusammen zu sein — dieser Name Max Fleischer ist mehr als ein bloßer Name, er ist ein Typus, und wenn man im Vorstand für etwas Gutes und Edles die Form sucht, so wendet man sich zuerst an Max Fleischer (Lebhafter Beifall), weil man weiß, bei ihm ist Wissen und Judenthum, Geist und Herz zu finden. (Zustimmung.) Es bedarf hier keiner Schilderung der Wirksamkeit Ihres Vereinspräsidenten, denn Sie kennen ihn selbst sehr genau, aber ich muß betonen, daß sein Wirken im Vorstand zu allen Zeiten der vollsten Anerkennung sicher ist. (Beifall.) Ihr Tempelverein hat sich aus kleinen Anfängen zu einer Achtung gebietenden Stellung ausgeschwungen und ist infolge der ausgezeichneten und mustergiltigen Leitung nie auf eine Beihilfe der Cultusgemeinde angewiesen, er ist heute ein mächtiges Glied unseres großen Gemeinwesens. Unter der Mithilfe solcher hervorragender Theile kann oas Ganze nur gedeihen. Ich schätze mich glücklich, daß es mir vergönnt ist, heute persönlich namens des Vorstandes dem Verein und seiner Leitung, insbesondere seinem geehrten Präsidenten unserer vollsten Anerkennung Ausdruck verleihen zu können, und ich schließe mit den besten und aufrichtigsten Wünschen für sein ferneres Wohl und Gedeihen. (Lebhafter anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Der Vorsitzende dankt dem Präsidenten der Cultusgemeinde für seine außerordentlich herzlichen Worte. — Der langjährige Delegirte des Cultusvorstandes Herr Salo Cohn erwähnt, in welch hohem Ansehen der Verein bei der Gemeinde steht, wenn deren Präsident heute persönlich hier erschien. (Beifall.) Der Verein könne mit Stolz auf seine Vergangenheit zurückblicken, da er nur durch die Opferwilligkeit seiner Mitglieder ohne eine Subvention so Ersprießliches vollbracht habe. Redner gedenkt in erster Linie des Präsidenten Fleischer und des Vicepräsidenten Commercialrathes Eisenberger und schließt mit den besten Wünschen für die Vereinsleitung und den gesammten Verein. (Beifall.) Der Vorsitzende dankt dem Redner für die anerkennenden Worte und gibt bekannt, daß derselbe zum Andenken an seine selige Mutter dem Verein 2000 Kronen gespendet habe. (Lebhafter Beifall.) Der Jahresbericht wird sodann zur Kenntniß genommen. Der Casseverwalter kais. Rath Friedrich P o l l a k legt den Rechnungsabschluß und die Bilanz pro 1898 vor und gibt gleichzeitig an der Hand statistischer Daten ein erfreuliches Bild der ausgezeichneten Finanzgebarung des Vereines. Anläßlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers sei der Verein endlich an die Verwirklichung eines langgehegten Wunsches geschritten, indem beschlossen wurde, sämmtlichen Angestellten des Vereines eine anständige Altersversorgung zu gewähren. Hiedurch erwächst für den Verein eine jährliche Ausgabepost von 1100—1200 fl. Die Berichte werden unter lebhafter Zustimmung genehmigt und nach dem Referat des Herrn Leopold Stowass e r über die Revision das Absolutorium einstimmig ertheilt. — Für das nächste Verwaltungsjahr werden dieselben Revisoren w i e d er g e w ä h lt. Der Jahresbeitrag der Mitglieder wird für 1899 in der bisherigen Höhe von 6 fl. ohne Debatte festgesetzt. Als letzter Punkt der Tagesordnung folgen die Neubezw. Ersatzwahlen in oen Vereinsvorstand. Die scheidenden Vorsteher Herr Hermann Liebermann und Friedrich P o l l a k werden unter Berücksichtigung ihrer weit mehr als zwanzigjährigen ersprießlichen Thätigkeit wiedergewählt, ebenso Herr Joses Toffler. Herr Leo Bauer wurde nach einer wirkungsvollen und beifällig aufgenommenen Candidatenrede neu in den Vorstand gewählt. Sämmtliche Wahlen erfolgten mit Stimm e neinhelligkeit. Der Vorsitzende glaubt, das ihm von den Vorstandscollegen aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des Tempelvereins dargebrachte kostbare Geschenk nicht ohne Zustimmung der Versammlung annehmen zu können, er habe als freigewählter Vorstand nur seine Pflicht gethan, aber kein Recht auf eine Belohnung. Herr Werter dankt dem Vorsitzenden für sein bisheriges ersprießliches Wirken zum Wohl des Vereines,. und Herr Cultusvorstand Salo Cohn lobt dessen selbstlose Thätigkeit und bittet, das Ehrengeschenk anzunehmen, — Der Vorsitzende nimmt mit tiefgefühlten Dankesworten das Ehrengeschenk entgegen und schließt sodann die Generalversammlung um 9 Uhr mit dem Ersuchen, sich bei dem nun folgenden Festmahl einzufinden. * * * Das Festmahl des Mariahilfer Tempelvereines fand im Anschluß an die Generalversammlung im Restaurant Khuner in der Adlergasse statt uno waren bei hundert Theilnehmer im Festkleid erschienen. Unter den Erschienenen bemerkten wir den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, den Cultusvorstand Herrn Salo Cohn, den ersten Secretär kais. Rath Dr. Lieben, dessen Stellvertreter Dr. Adler und Amtsvorstand Wiener, Dr. I. S. Bloch, Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift", Rabbiner Löwy u. A.m. Als der Champagner credenzt ward, wurden mehrere Toaste