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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-09 · 49 (9.12.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
49 (9.12.1898)
Date
1898-12-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 897 Geehrte Versammlung! Indem wir zu Punkt 2 unserer Tagesordnung schreiten, obliegt es mir, Ihnen einen übersichtlichen Bericht über die Ereignisse im Vereinsleben des abgelausenen Jahres, sowie über die Thäsigkeit und das Gebaren des Vorstandes zu geben. Wir verzeichneten im vorigen Jahre einen Mitgliederstand von 279, davon sind im Laufe dieses Jahres 9 ausgetreten, theils wegen Domicilwechsels, theils aus anderen ursächlichen Umständen, weiters sind leider mit Tod abgegangen 3, dagegen sind 10 Mtglieder neu eingetretcn, so daß wir gegenwärtig einen Stand von 277 Mitgliedern haben. Bon diesen zahlen an Jahresbeitrag: X OSIUIJUCI/ 2 Mitglieder ä, . . 20 „ . 40 „ 7 „ ä . . 15 „ . . 105 „ 3 „ ä . . 12 „ . . 36 „ 60 „ ä . . 10 „ . 600 „ 7 „ ä . . 8 „ . 56 „ 197 „ ä . 6 „ . 1182 „ Zusamnien 277 Mitglieder . . 2044 fl. Einige sind von uns geschieden, deren Manen wir ein treues Gedenken widmen. Herr Adolf Goldberger, ein treues langjähriges Mitglied verschied am 26. September. — Herr Moses Feßler, unser langjähriger, pflichttreuer College und Mitarbeiter, zugleich Präsident des Vereines „Nachlath Jeschurun" war durch 21 Jahre Vorstand des Vereines. Er war eine Persönlichkeit, die volle Aufmerksamkeit und den vollsten Dank und ein ehrenvollstes Gedenken des Vereines verdient. Nach seinem mit aller Auszeichnung vom Verein gefeierten 80. Geburtstag hat er vor drei Jahren gerade mit Hinweis auf sein hohes Alter von der Generalversammlung sein Mandat erwünscht und erhalten und selbst mit dem Todeskeim bchaftet, nahm er noch regsten Antheil an den Berathungen. Wir würdigen noch weiter an anderer Stelle sein Verhältniß zum Verein. Nach langem schweren Leiden verschied er am 2. Mai d. I. Sofort nach erhaltener Todesnachricht versammelte sich der Vorstand zu einer außerordentlichen Sitzung, um eine würdige Leichenfeier zu veranlassen. Am Grabe hielt ihm in Verhinderung des Präsidenten College Kammerrath Alb. Janowitzer, umgeben von sämmtlichen Vorstehern, den siefempfundenen Nachruf. Am 16. Mai fand im Tempel ein Requiem statt und wurde durch vier Wochen das Seelenlicht unterhalten. Am Tage des Leichenbegängnisses unseres Collegen Feßler hatten wir noch den Schmerz, die Frau Caroline P o l l a k, die Gatsin unseres allverehrten Casfeverwalters Herrn kais. Rathes Friedrich P o l l a k zu Grabe zu geleiten. Sie war unser langjähriges treues Mitglied, eine liebevolle Mutter und zärtliche Frau von ganz ungewöhnlicher Bescheidenheit und Einfachheit, sowie von besonderer Herzensgüte. Unser innigstes Beileid haben wir dem geehrten Collegen seinerzeit schriftlich ausgedrückt. Wir nehmen noch hier Anlaß, ihm unser Mitgefühl zu bekunden. Allen den Hingeschiedenen bewahren wir ein treues ehrendes Angedenken! Uebergehend auf die Thätigkeit des Vorstandes, hat derselbe die Agenden in 12 Plenarsitzungen, zahlreichen Secsions- und Comitöberathungcn, wozu in diesem Jahre besondere Anlässe gegeben waren, erledigt. Eine sehr intensive und schwere Arbeit ergibt sich aus der Bermiethung der Betsitze zu den hohen Feiertagen und geziemt es sich, hier der aufopfernden Thätigkeit des Sitzvermiethungs-Comitös insbesondere dessen Obmannes, Collegen Liebermann, dankbarst zu gedenken. Leider konnten wir in diesem Jahre zu den hohen Feiertagen das seit Langem eingerichtete Betlocal für die minderbemittelten Andächtigen nicht beistellen, da dasselbe zur Demolirung kam; dagegen hat der Cultusvorstand auf unsere Befürwortung an anderem Orte die Einrichtung eines Betlocales durch einen würdigen Glaubensgenossen gestattet, so daß ein fühlbarer Mangel nicht eintrat. Wir wollen es jedoch an Bemühungen nicht fehlen lassen, im Bedarfsfall zu den nächsten hohen Feiertagen, wenn wir ein geignetes Local erlangen sollten, wieder für die ärmere Bevölkerung einen würdigen Gottesdienst zu veranstalten. Wir haben Ihnen im vorigen Jahre in Aussicht gestellt, daß wir die eingetretenen Uebelstände beim Simchas-Thorafeste abzustellen Absicht haben, thatsächlich haben wir in diesem Jabre die Einrichtung getroffen, daß unsere Betsitzmiether zur Benützung ihrer Sitze gelangen konnten, und daß die lebensgefährliche Ueberfüllung abgehalten wurde. Leider sind wir nicht so glücklich, unsere ursprünglich gepriesene schöne Ordnung im Tempel aufrecht zu erhalten. Alle bisherigen angewandten Mittel, zuletzt das Auflegen von Zetteln auf die Betpulte mit der Bitte um Rühe beim Gottesdienst, nützten nichts. Wir müssen nun noch reiflich erwägen, wie wir zum Ziele gelangen sollen. Eine Aufgabe, die besonders schwierig ist auf den Frauengalerien. Bezüglich der Ordnung bei den Trauungen ist es uns einigermaßen unter Mitwirkung der betreffenden Parteien gelungen, Wandel zu schaffen. Auf vielseitigen Wunsch haben wir auch im Einvernehmen mit unseren Functionären Vorsorge getroffen, daß in der Folge an den Festtagen der Gottesdienst sich nicht über 11 Uhr Vormittags hinausdehnt. Natürlich gilt das für die hohen Feiertage nicht. Von den im Tempel vorgekommenen Functionen waren in diesem Jahre: Trauungen 41, Barmizwah 33, Namengebungen 22. An Spenden im Tempel sind eingeflossen 5297 fl., nur um ein Geringes weniger als im Vorjahre, wo 5428 fl. fielen. Ueberdies steht noch eine Fensterspende des Baumeisters Herrn Alois Schwcinburg im Betrage von 600 fl. uns in sicherer Aussicht. Wir können also wie stets auch heuer dankbarst anerkennen, daß unsere geehrten Mitglieder und Bcthausbesucher unserer Institution in Liebe gedachten, in dieser Weise unser Bestreben fördern. Der 1. Februar gab uns Gelegenheit, dem verdienstvollen Secretär unserer Cultusgemeinde zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum durch eine Adresse zu beglückwünschen. Wir erneuern heute diese Glückwünsche aus Anlaß der von Sr. Majestät ihm verliehenen Auszeichnung. (Lebhafter Beifall.) Wir stehen doch in regem Verkehr mit dem Centrum der Gemeinde und kennen das Wirken ihres ersten Beamten. Auch sonstige die Gemeinde und uns nahegehende Ursachen veranlaßten uns zu Kundgebungen. So drückten wir unsere Antheilnahme an dem Schmerz unserer verehrten Mitglieder Herrn Salo Cohn anläßlich des Ablebens seiner Mutter, den: Vorstand der Cultusgemeinde anläßlich des Ablebens des Obmannes der Section für Bethäufer Herrn Josef Hieldburghäusser aus. Erschütternd traf uns die Trauernachricht vom Ableben unseres ehenmligen und ersten Chordirigenten, des Capellmeisters Herrn Josef Großmann. Eingedenk der vielen Verdienste seines Vaters und seiner selbst um den Verein hat Ihr Präsident namens des Vereines einen Kranz auf die Bahre nicderlegen lassen und sich auch persönlich am Leichenbegängnisse betheiligt. Josef Großmann war ein junger tülentirrer, vielveifiprechender Musikkünstler, der leider viel zu früh zum Schmerze seiner ihn zärtlich liebenden Eltern und jungen Gattin geendigt hat. Wir haben noch an anderer Stelle seiner gedacht und ehren sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. In freudiger Stimmung theilen mir Ihnen die Ernennung unseres Vorstands-Collegen Herrn Alois Ruöicka zum Richter und kaiserlichen Rath mit und wir sind überzeugt, daß damit auch bei Ihnen freudiger Widerhall geweckt wird. Jede Ehre und Auszeichnung, die heute einem Juden widerfährt, durchzittert theilnahmsvoll die ganze Glaubensgemeinschaft und hilft die gedrückten und verstimmten Gemütber aufzufrischen. _ Am 16. Mai d. I. fand im Tempel durch unseren Prediger Herrn Dr. I. T a g l i ch t die feierliche unentgeltliche Consirmatwn von 33 Mädchen statt. Die von Jahr zu Jahr stetig zunehmende Zahl (im Vorjahre waren 28) beweist die Ersprießlichkeit der Einrichtung. Wir haben auch heuer eine neue Auflage der Erinnerungsblätter, die wir bei diesem Anlaß an die Confirmandinnen vertheilen lassen, veranlaßen müssen, ebenso haben wir auch neue Gebetbücher als Geschenke an die Barmizwahknaben angeschafft, wenn auch hiedurch eine nennenswerthe Belastung unseres Budgets eintritt, glauben wir auf Ihre Zustimmung rechnen zu dürfen, da der Werth solcher Andenken bei dem heiligen Act gewiß nicht zu unterschätzen ist, und eine solche Aufmerksamkeit auf unsere Jugend einen guten Eindruck macht. Der 18. August bietet uns alljährlich freudigen Anlaß, um unseren patriotischen Gefühlen gegen Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser im Tempel Ausdruck zu verleihen. Wir versammeln uns da stets gerne, um für Sein Wohlergehen zu Gott zu beten. Was unsere Beziehungen zum Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde betrifft, so sind wir überzeugt, in Ihrem Sinn zu handeln, wenn wir bemüht sind, das herzlichste Einvernehmen zu pflegen, gerade weil unser Verein sich gottlob in pecuniär vollkommener Unabhängigkeit befindet. Wir legen den größten Werth darauf, daß die Würde und das Ansehen der größten Gemeinde des Reiches hochgehalten werde, und dies kann nur geschehen, wenn ihr Vorstand geachtet und geehrt und in seinen Unternehmungen im Interesse der Gemeinde unterstützt wird. Der Vorstand seinerseits muß ja auch stets bestrebt sein, unser Wirken anzuerkennen, da der Verein in opferfreudigster Weise einen Theil der Lasten der Gemeinde trägt, und so sind wir auch überzeugt» daß gerechte Wünsche unsererseits stets Berücksichtigung finden werden. Bor Kurzem haben die Ergänzungswahlen fiir den Vorstand der Cultusgemeinde stattgefunden. Die V. Wahlsection hatte unser Vereinslocal zum Wahlort und haben wir gerne dasselbe dem Vorstand zur Verfügung gestellt. Wir hoffen, daß auch der neu sich constituirende Vorstand unserem Verein sein Wohlwollen entgegenbringen wird. Möge der geehrte Delegirte, selbst Mitglied und warmer Förderer unseres Vereines, der Dolmetsch unserer Sympathien beim Vorstand sein, möge auch er unseren Dank für seine Zuneigung und Förderung entgegennehmen. Geehrte Versammlung! Unsere letzte Thätigkeit hat heute Vormittags mit einem solennen festlichen Act geschloffen. Wir feierten heute in unserem Tempel das 50jährige Regierungs-Jubiläum unseres güttgen Monarchen. Man kann den Abschluß einer 25jährigen Thätigkeit nicht schöner, nicht erhebender, nicht würdiger denken und in Generasionen wird es kaum sobald Jemand beschieden sein, eines gleichen Glückes theilhaftig zu werden.

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