Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 Seite 891 fr» 7\ ~j -; Dr. Bloch's dem Gebet für den Kaiser bei offener Bundeslade und Recitation des 21. Psalms intonirte die Schuljugend die Volkshymne, womit der Festgottesdienst zum Abschlüsse kam. Doch war die Huldigungsseier noch nicht zu Ende. Nach Beendigung der weihevollen Andacht begaben sich die Honoratioren unter Vorantritt des Gesammtvorstandes in den mit Pflanzen geschmückten und mit einem zu Ehren dieses Tages angeschafften prachtvollen Kaiserbild decorirten Sitzungssaal, wo das als Ausdruck der Huldigung von der Cultusgemeinde gestiftete Stipendium von fl. 120 einem Gymnasialschüler aus der 8. Classe überreicht werden sollte. Kremsicr. Unsere Feier gehört zu den herrlichsten Festtagen, die wir gesehen. Sämmtliche Behörden sandten ihre Vertreter, Deputationen vieler Vereine, das Officierscorps der hierortigen Bataillone, die Commandanten Oberstlieutenant v. Pitter und Major Fox an d'er Spitze, der Bezirkshauptmann, sowie bte' Vertreter der Commune, erschienen bei dem Feste zu Ehren des geliebten Monarchen. Den üblichen Gebeten und Gesängen folgte die Morgenandacht, deren rührende Einfachheit auf sämmtliche Anwesende sichtbaren Eindruck machte. Die schöne Feier erreichte ihren Höhepunkt in der-Predigt unseres Rabbiners, Herrn Dr. Ad. Frankl, welcher ausgehend von dem 49. Ps.: „Die Macht des Königs liebt das Recht", die hohen Tugenden, den Gerechtigkeitssinn und die Friedensliebe des erhabenen Jubelkaisers pries, dem Millionen ihre Ehrfurcht und Treue weihen, der unvergängliche Werke der Wohlfahrt geschaffen und in Freud und Leid den Völkern ein Vorbild stets gewesen. „Mit stolzem Bewußtsein möge es Euch, die Ihr mit dem Jubiläum des Kaisers das Eurer Gleichberechtigung feiert, erfüllen, daß diese zu er st in den Mauern unserer Vater st adt verkündet wurde, und daß an dieser heiligen Stätte zuerst der Segen Gottes auf das Haupt des Monarchen herabgefleht wurde." Mit einem „Kaisergebet" schloß der Prediger. Hoch und Nieder eilte auf den Redner zu, um ihm zu danken. Die Würdenträger beglückwünschten ihn und die Gemeinde; es war eine würdige Kaiserfeier im Gotteshaus. Olmütz. Am 2. December fand die feierliche Enthüllung des von der Stadtgemeinde errichteten Kaiser-Monumentes statt. Die israelitische Cultusgemeinde war zu diesem festlichen Act geladen und die Herren Ausschußmitglieder unter Führung ihres Präses des Herrn Ed. Hamburger und Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Oppenheim corporativ vertreten. In der israelitischen Cultusgemeinde selbst wurden nachstehende Feierlichkeiten an diesem Tag anläßlich des 50jährigen Regierungs - Jubiläums unseres geliebten Kaisers veranstaltet. Nachmittags 2 Uhr fand ein feierlicher Jugendgottesdienst in Anwesenheit einiger Direktoren der hiesigen Unterrichtsanstalten und des Cultusvorstandes unter großer Betheiligung der Gemeindemitglieder statt. Rabbiner Dr. Oppenheim hielt die Ansprache, in welcher der Monarch als ein erhabenes Vorbild unentwegter Pflichttreue in begeisterten Worterl der Jugend zur Nachahmung und Nacheiferung geschildert wurde. Der israelitische Frauenverein unter der bewährten Präsidentschaft der Damen Sophie Zweig und Sophie Kaufmann beschenkten hieraus 24 arme Kinder von Kopf bis Fuß mit prächtigen warmen Winterkleidern und einige arme Greise mit Geld. Zu diesem Zwecke hat Frau Baronin Hirsch in hochherzigster Weise den Betrag von 300 fl. gespendet. Dieser Wohlthätigkeitsact wurde in Anwesenheit des Cultusvorstandes mit einer Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Oppenheim mit Bezugnahme auf dre hohe Bedeutung des Tages eingeleitet. Hierauf wurde bei festlicher Beleuchtung und in Anwesenheit fast aller Gemeindeangehöriger in Verbindung mit dem Abendgottesdienst die Feier dieses Tages in würdigster, erhebender Weise begangen. Die Gesänge wurden von unserem Damenchor unter Leitung des Herrn Obercantors Schlesinger wirkungsvoll vorgetragen. Die Festpredigt hielt Herr Rabbmer Dr. Oppenheim. Anknüpfend an Kohel. 10, 17 schilderte er die seltenen hervorragenden Tugenden unseres Herrschers und forderte zu unendlicher Dankbarkeit zur unerschütterlichen Treue und Liebe für Kaiser und Vaterland auf. (Seitens der Cultusgemeinde wurden 250 fl. an Arme vertheilt. Auch der Kaiser Franz Josef-Pensionsfond der Angestellten der israe- Wvchrnfchrift. litischen Gemeinde trat mit diesem Tag in Kraft. Herr Bernhard Kaufmann spendete ebenfalls 50 fl. zur Dertheilung an Arme. Unser hochgeehrtes Gemeirrdemitglied Herr Zuckerfabrikant Fritz May erhielt den Franz Josefs-Orden. Straßnitz, 2. December. Anläßlich des 50jährigen Regierungs-Jubiläums unseres allverehrten Kaisers fand heute in dem hellerleuchteten und entsprechend decorirten Tempel ein feierlicher Festgottesdienst statt. Nach den unter Leitung des Obercantors Herrn Segal abgesungenen Psalmen bestieg unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Dr. Friedmann die Kanzel zur Abhaltung einer tiefdurchdachten und patriotisch durchglühten, begeisternden Festpredigt, worauf derselbe bei offener heiliger Bundeslade ein in hebräischer und deutscher Sprache tiefempfundenes Dank- und Bittgebet für Kaiser und Vaterland verrichtete. Mit der Absingung der Kaiserhymne von der gesammten Schuljugend schloß oie erhebende und wirkungsvolle, wahrhaft schöne Festfeier im Tempel. Beim Verlassen des Tempels hielt der Cultusvorsteher und Bürgermeister Herr Max Reiß vor dem Portal des Tempels an die emer. Krieger der Jsraelitengemeinde eine patriotische Ansprache, worauf er an dieselben die Jubiläums-Medaille vertheilte. Unmittelbar auf den Festgottesdienst folgte unter großer Betheiligung des Publicums die Schulfeier für die Jugend, bei welcher der Oberlehrer und Schulleiter Herr S. Binder eine dem Auffassungsvermögen der Schuljugend entsprechende schöne, die hohe Bedeutsamkeit des großen, seltenen Festtages enthaltende Rede hielt. Erwähnenswerth ist noch, daß sowohl der Vorstand der hiesigen Cultusals auch der politischen Jsraelitengemeinde beschlossen hat, den hochherzigen Intentionen unseres edlen Kaisers Rechnung tragend, namhafte Beträge als Mildthätigkeitsstiftungen zur Verewigung des Jubiläumsfestes zu widmen. Tetzlitz. Es war eine wahrhaft erhebende Feier, die der hiesige israelitische Cultusvorstand zum Kaiserjubiläum veranstaltete. Der schöne Tempel erstrahlte in glänzendem Licht. Die autonomen, politischen, Gerichts- und Finanzbehörden, Deputationen der Vereine und eine feierlich gestimmte Menge füllten die weiten Räume des schönen Gotteshauses. Unter Begleitung der meisterhaft gespielten Orgel wurde von dem Obercantor Herrn Davidsohn und einem trefflich eingeschulten Chor das Ma-tauwu, der Königspsalm, der Psalm „Stimmet an das Jubellied" und Halleluja gesungen. Ergreifend war die Festrede des Rabbiners Herrn Dr. Adolf K u r r e i n, in welcher er das fünfzigjährige Geschichtsbuch des Kaisers durchblätterte und aus so viele denkwürdige Momente aus dem bewegten, viel geprüften Leben des geliebten “ errschers hinwies. Der Inhalt und der warme Ton des ortrages machten auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. — Ferner hat der Cultusvorstand über Veranlassung seines rührigen Präsidenten Herrn Dr. Oscar Willner zur Weihe des Festtages zweitausend Gulden humanitären Zwecken zugeführt. Bisenz. Am 2. December um 4 Uhr Nachmittags fand in dem reich geschmückten Tempel ein solenner Festgottesoienst statt, dem das Officierscorps, die freiwillige Feuerwehr, der Lehrkörper mit der Schuljugend, sowie der Gesammtvorstand beiwohnte. Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Josef Hoff hielt eine dem Inhalt und der Form nach gleich ausgezeichnete Festpredigt, welche die Herrschertugenden unseres erhabenen Monarchen in glänzender Weise kennzeichnet, und die von dem zahlreich erschienenen.Publicum mit gespannter Aufmerksamkeit und ungetheiltem Beifall ausgenommen wurde. Mit Absingung von Choralgesängen, die unter bewährter Leitung unseres Cantors Schulz exact vorgetragen wurden, und der Volkshymne fand die patriotische, Feier ihren würdigen Abschluß. Brüx. Am 1. December, 5 Uhr Abends, fand im hiesigen Tempel in Anwesenheit der Spitzen der Behörden ein solenner Festgottesdienst statt. Nach den trefflichen, vom Herrn Obercantor Lamm und dem Tempelchore vorgetragenen Gesängen hielt Herr Rabbiner Dr. B i a ch die Festrede. Redner wählte den 107. Psalm als Motiv seiner Betrachtung. Mit der Abfingung der Volkshymne fand die erhebende Feier ihr Ende. Am nächsten Tag, den 2. December, wurden die Zinsen der „FranziJoses-Regierungs-Jubiläumsstiftung" an zwei arme Handwerker verliehen. Die israelitische Beerdigungsbrüderschaft,