Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 890 Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift. Gleich darauf versammelte sich der Gesammtvorstand im Ceremoniensaal der Synagoge zu einer feierlichen Kundgebung, bei welcher der greise Obmann des Vereines Herr S. Meise ls in aus dem Herzen fließenden, innigen und warmen Worten der Liebe, Dankbarkeit und Verehrung für unseren Kaiser Ausdruck verlieh. Diese so schlichte und erhebende Ansprache machte auf alle Anwesenden einen unvergeßlichen Eindruck. ' Darauf folgte um 11 Uhr die Trauung eines unbemittelten Brautpaares, welchem aus Anlaß der Jubiläumsfeier nicht nur die Heiratsausstattung vom Verein gespendet wurde, sondern auch die Ceremonie I. Elaste in der Vereins- Synagoge mit Nachsicht aller Taxen vollzogen wurde. Der Gesammtvorstand erschien in corpore, ebenso viele geladene Gäste. Nachmittags fand im israelitischen Gotteshaus amVolkert, II. Fugbachgaste 7, ein feierlicher Festgottesdienst statt. Zu diesem Behuf war das Gotteshaus festlich illuminirt. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Weiß. Hierauf verrichtete Eantor Weiß, bei geöffneter Bundeslade, das Kaisergebet und recitirte mit seinem Chor in ergreifender Weise Psalm 91 von S u l z e r. Mit Absingung der Volkshymne schloß die erhebende Feier. Im Prachtsaal des „Hotel Central" fand am 30. v. M. die von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" veranstaltete Kaiser-Huldigungsfeier statt. Die Stirnseitedes Saales war mit der Kaiserbüste inmitten reicher Blattpflanzen geschmückt. Unter dem zahlreichen, distinguirten Publicum bemerkten wir unter Anderen den Reichsrathsabgeordneten Hofrath Kareis, den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, die Cultusvorsteher Dr. G r ü n s e l d, Edlen von Mises und Dr. M. Spitzer, Herrn kais. Rath N. Schefftel, Herrn Bezirksausschuß Dr. Oscar Hein, die Präsidentin des ..Ferienheim" Frau Sofie Grünseldrc. Nachdem der Vorsitzende kais. Rath A n n i n g e r die Festversammlung begrüßt hatte, begann der Festact mit dem von Herrn Siegfried Fleischer verfaßten und vorgetragenen Prolog. Sodann nahm Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Wilhelm Schneeberger das Wort zu einer Festrede und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Die Versammlung stimmte in ein dreifaches, begeistertes Hoch ein. An die Huldigungsseier schloß sich ein Vortrag: „Die Hochschulen in Palästina und Babylon" des Rectors der jüdisch-theologischen Lehranstalt Herrn Dr. Adolf Schwarz. — („F e r i e n h e i m.") Der Feriencolonien - Verein „Ferienheim" veranstaltete am 2. December l. I., halb 3 Uhr Nachmittags, im Baalsaal Ronacher für seine Schützlinge, 400 an der Zahl, eine Festjause, welche einen sehr erhebenden Verlauf nahm. Pünktlich zur angesetzten Stunde marschirten die kleinen Colonisten, die Knaben mit Blouse, Kappe und Gewehr, die Mädchen in ihren Feiertagskleidern, in sttammer Haltung und bewegten Herzens in den Saal, dessen Parquet sie vollständig füllten. Nachdem sie aus Commando sich in Reihen geordnet hatten, trat eine der Kleinen auf das Podium und hielt eine auf die Festlichkeit Bezug nehmende Anrede mit inniger Empfindung. Am Schluß derselben, bei den Worten: „Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser, unser Land", fielen sämmtliche Kinder mit der Volkshymne ein, welche mit Begeisterung abgesungen wurde. Hierauf ging's an die Jause. Schleunigst wurden Tische herbergeschafft und waren sofort besetzt. Die Damen des Vorstandes, sowie das dem Verein attachirte Mädchencomite theitten sich in die Aufgabe der Vewirthung. Gegen 5 Uhr entfernten sich die Kleinen wieder, vollauf befriedigt, mit der freudigen Erinnerung, auch theilgenommen zu haben an der festlichen Begehung dieses ewig denkwürdigen Tages. — Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten veranstaltete am Sonntag den 4. December'l. I. einen Festgottesdienst im Tempel, IX. Grüne Thorgaste, an welchem circa 500 Zöglinge des Vereines theilnahmen. Nach dem Vortrag der Kaiserhymne hielt der Religionslehrer Herr Antscherl die Festrede, in welcher er die Stellung der Juden und insbesondere der Handwerker in der vormärzlichen Zeit den heutigen Verhältnissen entgegenstellte und darauf verwies, daß es durch die Beseitigung der früher bestandenen Schranken unter dem Schutz der Gesetze dem'Verein ermöglicht wurde, viele tausende jüdische Knaben dem Handwerk zuzuführen. Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein Josefstadt hielt am 30. November l. I. eine Kaiser-Jubiläumsfeier im Ballsaal Ronacher ab, unter der Leitung der Präsidentin Frau Amalie Beck. Daselbst wurden über 100 Kinder, Knaben und Mädchen, mit vollständigen, warmen Kleidern, Wäsche und Schuhe betheilt. Herr Obercantor Bauer leitete den Festgesang mit Harmöniumbegleitung, Herr Rabbiner Löwy hielt die Festrede. Die Frau Präsidentin Amalie Beck hielt eine Ansprache an die Kinder. Mit Begeisterung wurde die Volkshymne von allen Kindern gesungen. Die Kinder wurden von den Vorstandsdamen mit einer Jause bewirthet. Wien. Im Gefangenhause des Landesgerichtes wurde ein Fest- ~ gottesdienst für die jüdischen Häftlinge abgehalten. Lector M. Friedmann hielt eine Predigt und Vorbeter Herr Jacob Singer trug den Psalm 21 vor. Floridsdorf. Am 2. December, Abends halb 5 Uhr, fand rm Floridsdorfer Tempel ein Festgottesdienst statt. Außer dem k. k. Vezirkshauptmann Statthaltereirath Freiherrn v. Hock bemerkten wir noch einige Herren der politischen Gemeindevertretung. Der Predigt unseres Herrn Rabbiners Dr. Rosenmann präludirte der wirksame Vortrag des Königspsalmes durch unseren Eantor Weiß mit seinem trefflich geschulten Chor. In der Predigt verband Herr Dr. Rosenmann mit einem Rückblick auf die letzten fünf Decennien einen Ausblick auf die Zukunft. Waidhofen a. d. Thaya. Unsere Gemeinde hat am Jubiläumstag durch unseren Vorsteher Herrn Josef Pollak einen prachtvollen Kranz am hiesigen Kaiserdenkmal niederlegen lasten. Vormittags begab sich der Vorstand mit dem Rabbiner Dr. Kahan zum Vezirkshauptmann Ritter v. Keller, um die Glückwünsche der Gemeinde für Seine Mmestät auszusprechen. Auf oie begeisterte Ansprache des Rabbiners erwiderte der Bezirkshauptmann Folgendes: „Ich danke Ihnen bestens für diese loyale Kundgebung, die sichtlich vom Herzen kam. Daß die Israeliten loyale uno treue Bürger sind, ist zu bekannt, als daß man darüber er st Worte verlieren müßte. Aber dies ist auch begreiflich. Denn Se. Majestät der Kaiser war es ja, der den Israeliten die Freiheit der Bewegung verliehen hat. Und wenn aucheineStrömung ausgekommen ist, welche diese Freiheit auszuheben an strebt, so können die Israeliten fest auf den Kaiser vertrauen, der ihre Rechte wahren wird. Ich werde nicht ermangeln, Ihre loyale Kundgebung an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lasten." — Abends 4 Uhr fand ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Herr Dr. Kahan die Festrede hielt. In Amstetten wurde Vormittags mit 10 Uhr ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, dem auch Herr Vezirkshauptmann Freiherr v. Lederer, mehrere Beamte und Gemeinderäthe beiwohnten. Herr Bezirksrabbiner Löwy hielt eine formvollendete Rede über die Bedeutung des Tages, an welche sich ein Gebet für Se. Majestät und das Allerhöchste Kaiserhaus anschloß.- In Baden begann am 2. December, Nachmittags, präcise 3 Uhr, die solenne Feier im hellbeleuchteten, mit exotischen Pflanzen decorirten Gotteshause, das von einem distinguirten Publicum bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Auch die politischen Behörden waren hervorragend vertreten. Mit ihren Directoren und Lehrern waren sämmtliche jüdische Schüler des Gymnasiums und der Volks- und Bürgerschule erschienen, welch Letztere, d.ecorirt mit Jubiläumsmedaillen, die ihnen vom Cultusvorstand zur Erinnerung an diesen ausgezeichneten Tag gespendet wurden, einen sehr angenehmen Eindruck machten. Der Gottesdienst begann mit einer Recitation des Ma-tauwu von Cantor Schäfer, worauf Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich die Festrede hielt. Wie immer bei solchen Anlässen gestaltete sich dieselbe zu einer wahrhaft hohen patriotischen Kundgebung, in welcher der begabte Redner das Lebensbild des heißgeliebten Monarchen glänzend und kraftvoll entwickelte. Nach