Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 887 stimmung eines sehr großen Theiles der Wiener Bürgerschaft, daß er ihn nicht für die berufene und passende Persönlichkeit erachte, um bei einer so wichtigen Veranlassung der richtige Dolmetsch der Gesammtbevölkerung zu sein. Herr Brunner hat Tausenden aus der Seele gesprochen, indem er sagte, daß ein großer Theil der Wiener Bevölkerung in Herrn Dr. Lueger nicht nur einen politischen Gegner, sondern geradezu einen leidenschaftlichen und bösen Feind betrachtet. Das Traurige dabei ist freilich, daß dieser Mann Bürgernreister ist, und daß von ihm Tausende in einem gewissen Grade abhängig sind, die er haßt, die er verfolgt und deren Verfolgung er organisirt hat. Sehr unangenehm mag ihm freilich die Erinnerung daran sein, wie er die Finger zum Schwur erhob und erklärte: „Gott i st mein Zeuge, daß ich keinen Unterschied des Glaubens kenne. Christ oder Jude gilt mir gleich." Und noch unangenehmer ist die Reminiscenz an die Burghofscene. Da waren keine Millionäre und keine Juden dabei. Herr Brunner aber ist mit beiden Nebeln erblich belastet, und mm versteht man, warum Herr Dr. Lueger vor seiner Zuhörerschaft die „Millionäre und Juden" als unpatriotisch und nicht kaisertreu zu denunciren suchte. * * * Herr Dr. Lueger ist Bezirkshauptmann von Wien, und da wird es für ihn nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, wie einer seiner Collegen, der Bezirkshauptmann von Waidhofen a. d. Thaya, über die Kaisertreue der Juden denkt. Dieser sagte, wie unsere Leser an anderer Stelle finden, einer Deputation der Cultusgemeinde: „Daß die Israeliten loyale und treue Bürger sind, ist zu bekannt, als daß ich darüber viel Worte verlieren möchte. Aber 'das ist auch begreiflich, denn Se. Majestät der Kaiser war es ja, der den Israeliten die Freiheit der Bewegung verliehen hat, und wenn auch eine Strömung aufgekonunen ist, welche diese Freiheit aufzuheben anstrebt, so können die Israeliten fest auf den.Kaiser vertrauen, der ihre Rechte wahren wird." Das sind Worte, von denen mir nur gewünscht hätten, daß nicht ein einfacher Bezirkshauptmann, sondern der Chef der verantwortlichen Regierung sie ausgesprochen hätte. * * * Ueber die Behandlung der jiidischen Magistratsbeamten unter der Bürgermeisterschast des Herrn Dr. Lueger werden täglich neue Details bekannt, die zeigen, daß die Christlich- Socialen, allen voran Herr Dr Lueger, ohne dessen Zustimmung im Rathhause nichts geschehen kann, sich längst nicht blos jedes Rechtsgefühls, sondern auch jedes Schamgefühls begeben haben. Ein Beamter, der seit 25 Jahren dient und ausgezeichnet qualificirt ist, wird präterirt, weil er ein Jude ist. Seine Schüler, die er zum Dienste abgerichtet, werden seine Vorgesetzten. Aber Gott ist der Zeuge des- Herrn Doctor Lueger, daß er keinen Unterschied des Glaubens kennt. * * * Der Unterschied des Glaubens zeigt sich auch bei den Steinkohlen, nur sind uns die unterscheidenden Merkmale bisher nicht bekannt geworden. Die Gutmann'schen Kohlen sind „Judenkohlen", die des Grafen Larisch aber nicht, und um das „Deutsche Volksblatt" zu beruhigen, daß ja nicht „Judenkohlen" an die Gemeinde und den Landesausschuß geliefert werden, wird nichts Anderes übrig bleiben, als jede Kohlensendung mit einem Ursprungscertificat und einer legalisirten Abschrift des Taufscheines des Grubenbesitzers auszustatten. Ohnehin hat man christliche Firmen mit der Kohlenlieferung betraut, aber Vergani steht offenbar nicht mit ihnen in jener angenehmen „Geschäftsverbindung", die er mit den verschiedensten Unternehmungen unterhält, die seine Ueberzeugung souteniren, denn er hat bezüglich dieser Firmen die „Ueberzeugung" gewonnen, daß'sie die Kohlen von Juden beziehen. Die Gemeinde und das Land beziehen also beide „Judenkohlen". Die Lieferanten hätten dieser Denunciation so leicht Vorbeugen können, indem sie das „Deutsche Volksblatt" von der guten Qualität des Heizmaterials überzeugten. Sie hätten eben dem Vergani eine Anzahl von Recensionsexemplaren ihrer plombirten Säcke schicken sollen. Man weiß, Vergani hält was auf Recensionsexemplare, am meisten freilich auf solche der Oesterreichisch-ungarischen Bank. Robert Wolf. Auszeichnung für Baronin Hirsch. Wie aus Budapest berichtet wird, hat der Kaiser der Witwe des verstorbenen Baron Moriz Hirsch-Gereuth, der Baronin Clara Hirsch, geborenen v. Bischoffsheim, in Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit den Elisabeth-Orden erster Classe verliehen. In feierlicher Weise fand die constituirende Sitzung des Comites der Wohlthätigkeitsstiftung statt, welche Baronin Clara von Hirsch-Gereuth anläßlich des Kaiserjubiläums an Stelle des von ihr bisher durch freiwillige Beiträge erhaltenen Wohlthätigkeitsbureaus errichtete und mit einem Capital von anderthalb Millionen Gulden dotirt hat. Mit allerhöchster Bewilligung führt die Stiftung den Namen Kaiserjnbiläams- Wohlthätigkeitsstiftung und bezweckt die Unterstützung von Gewerbetreibenden und Handwerkern durch Gewährung unverzinslicher, in kleinen Raten rückzahlbarer Darlehen und in besonders rücksichtswerthen Fällen auch durch Verleihung von Geschenken. Auszeichnungen. Die „Wiener Zeitung" brachte am 2. December nachstehende Auszeichnungen unserer Glaubensgenossen. Der Adelsstand wurde verliehen: dem pensionirten Generalsecretär der „Generali" in Wien Ludwig Mekler; das Comthurkreuz des Franz Josef-Ordens wurde verliehen: dem Herrenhausmitglied und Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer in Brünn Julius Ritter von Gom» erz; der Orden der Eisernen Krone dritter Classe wurde verliehen: dem Director der Unionbank Herrn Leopold Altmann, dem Generalrath der Anglo-Oesterreichischen Bank in Wien Adolf Klein, dem Präsidenten der Handels¬ und Gewerbekammer in Krakau Albert Mendelsburg; dem Präsidenten des Kammermusikvereins in Prag Josef Edlen von P o r t h e i m, dem Präsidenten der Wechselstube „Mercur" in Wien Leonhard R o s e n t h a l, dem Präsidenten der Prager Börsekammer Sigmund Schlesinger, dem Director der Unionbank in Wien Adolf W e i ß h u t, dem Oberbaurath Sigmund T a u s s i g in Wien. Das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens wurde verliehen: dem Ge-, schäftsleiter der Anglobank in Wien Herrn Josef A l t m a n n, dem Landtagsabgeordneten in Lemberg Dr. Bernhard Goldmann, dem Badearzt in Teplitz Dr. Ignaz Hirsch, dem Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde in Krakau Doctor Leo H o r o w i tz, dem zweiten Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Landesschulrath Tr. Gustav Kohn, dem Landesadvocaten in Prag Dr. Moriz Lichtenstern, dem Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien Tr. Wilhelm Lichtenstern, dem Gemeinderath in Bielitz Dr. S. MarkuPfeld, dem Fabrikanten Isaak Mautner in Rachod, dem Fabrikanten in Wien Herrn Leopold P o l l a k, dem Großgrundbesitzer Berthold Freiherr v. Poppe r, dem Vorsteher der israeltischen Cultusgemeinde in Prag Tr. Arnold Rosenbacher, dem Papierfabrikanten in Krumau Emanuel Spiro, dem Dampfmühlenbesitzer und Cultusvorsteher in Wien kais. Rath Friedrich Vogel, dem Landesrabbiner von Mähren Dr. B. P l a c z e k, kais. Rath Wilhelm in Wien. Den Titel eines Regierungsrathes erhielten: der Schriftsteller Dr. Heinrich G l o g a u in Wien, der Procurist der Creditanstalt Alois Wiesmayer in Wien. Den Titel eines kaiserlichen Rath es: der Chefarzt der Freiwilligen Rettungsgesellschaft Dr. Heinrich Charas, der Secretär der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Theodor Lieben, der Publicift Johann Lichtenst a d t, der Publicift Josef P e n i z e k, der Inspektor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn H. Epler in Brünn, der Fabrikant Ignaz Fluß in Freiburg, Arzt Dr. Heinrich H e r z k a in Ischl, Arzt Dr. Aron L u z z a t t o in Görz, der Handelskammerrath Joachim P e r l e b e r g e r in Krakau, Dr. D. Podzohradsky in Baden, Herr Jakab Stroh in Lemberg, Polizei-Obercommissär Moriz Stnkart in Wien, Abgeordneter Dr. Tittinger in Czernowitz. Das goldene Verdien st kreuz mit der Krone: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Mühsam in Graz und Herr Rabbiner Dr. I. I. U n g e r in Jglau. Das goldene V e r d i e n st k r e u z: Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner A. Wunder in Budweis.