Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 49 (9.12.1898)
- Date
- 1898-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 888 Dr. Bloch's Wochenschrift. ^r- ^0 Erstes Wiener israelitisches Reeonvalescentenhcim für arme Frauen und Kinder. Am 30. November d. I., 7 Uhr Abends, fand die constituirende Generalversammlung dieses, zum Andenken an weiland Kaiserin Elisabeth gegründeten Humanitären Vereines im Ronacher-Saal statt. Frau Amalie Beck, Präsidentin des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines im Vlll. Bezirk begrüßte die anwesenden Mitglieder und Gäste, und richtet an dieselben das Ersuchen, alle Kräfte einzusetzen, um das vorgesteckte Vereinsziel möglichst bald zu erreichen. Hierauf nahm der Obmann des Executivcomites Herr Leopold G u t t m a n n das Wort und gedachte in schwungvollen Worten des Regierungs-Jubiläums des Kaisers sowie des Hinscheidens der Kaiserin, deren Andenken durch eine Stiftung wahrer Menschenliebe geehrt werden soll. Nachdem der Redner die humanitäre Bedeutung des zu gründenden Instituts gekennzeichnet und die Anwesenden aufsorderte, eisrigft für das Gedeihen desselben zu wirken, schloß er mit einem Hoch auf den Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Hieraus wurden die Wahlen in den Vorstand vorgenommen. Es wurden gewählt die Damen: Amalie Beck, Wilhelmine Steiner, Johanna Beck, Hermine Dunkelblau, Anna Guttmann, Josefine Adler, Anna Drab, Bertha Rosenbaum, Marie Knina, Hermine Bernseld, Regina Brod, Bertha Wackler und die Herren: Hofburgschauspieler Adolf Ritter v. Sonnenthal, Sanitätsrath Professor Oser, Baurath, Wilhelm Stiatzny, Architekt Mar Fleischer, kais. Rath Simon Wilhelm, Architekt Jacob Modern, Banquier Salo Cohn, Banquier Michael Straßer, Director des israelitischen Blindeninstituts Simon Heller, Hoflieferant Hermann Beck, Hoflieferant Adolf Beck, Armenrath S. Brod, Bezirksausschuß Dr. Oscar Hein, Med. Dr. Ludwig Weiß, Redacteur Dr. Josef S. Bloch, Fabrikant S. Steiner, Hoflieferant Josef Rosenthal, Fabrikant Heinrich Rosenbaum, Dr. Heinrich Grimm, Victor Fuchsbalg, Isidor Bernfeld, Hermann Fischer. Vorstand im IX. Bezirk Gottlieb Vettelheim, Fabrikant Adolf Reisz, Fabrikant Leopold Gutmann, Armenrath Victor Klatscher. Zum Schluß sprach Herr Director Simon Heller über die sociale Bedeutung des angestrebten Vereinszieles, über die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit der Damen des Vereines vor, und dankte denselben für die Mühe und selbstlose Hingebung, welche unter der Führung des auf humanitärem Gebiet bereits bestens gekannten Frauenvereines im VIII. Bezirk und seiner gewählten Präsidentin der Frau Amalie Beck zum Ziel führen muß. Zum Einwanderungsverbot in Palästina. Constantinopel. Der amerikanische Botschafter Herr- Oscar Strauß hat sich dem Protest des englischen Botschafters gegen das Einwanderungsverbot in Palästina airgeschlossen, was bereits früher durch den Vertreter Deutschlands und Frankreichs geschehen ist. Hoffentlich gelingt es dem vereinten Vorgehen, die Aufhebung der Maßregel zu bewirken. Das Jublläumsfest des Kaisers. Anläßlich des Regierungs-Jubiläums fand am 2. d. M. Früh in sämmtlichen Gemeindebethäusern und Bethausvereinen die Festfeier für die Schüler und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen statt. Eine Stunde später fand im Stadttempel und im Tempel des zweiten Bezirkes der Festgottesdienst für die Mittelschulen dieser Bezirke statt, während um 11 Uhr Vormittags sich die Mittelschuljugend von Währing, Fünfhaus und Ottakring in den betreffenden.Bezirksgotteshäusern zu einem Festgottesdienst versammelte. Um halb 11 Uhr Vormittags fand in dem Leopoldstädter Tempel der Hauptgottesdienst statt, bei dem Rabbiner Dr. Schmiedel die Festpredigt hielt. Um halb 12 Uhr wurde im Stadttempel der große Festgottesdienst abgehatten, dem ein äußerst zahlreiches distinguirtes Publicum beiwohnte. Hier hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Festtede. Mittags fand in dem festlich geschmückten Sitzungssaale der israelitischen Cultusgeineinde eine feierliche Vorstandssitzung statt, der zahlreiche hervorragende Gemeinde- . Mitglieder mit ihren Damen beiwohnten. Unter den Anwesenden sah man Baron Albert Rothschild, Baron Hermann Springer, Moriz v. Borken au, die Profefforeir Lang, G r u b e r und Pollitzer, Regierungsrath Frankl, Ministerialrath K u r a n d a, Hofrath K o n t a, Oberfinanzrath R a p p o p o r t, Oberingenieur Hause r, Bezirksausschuß W a l d st e i n, die Gemeinderäthe Lucian B r ü n n e r, Baurath v. Golds ch m i d t, Dr. Stern und Baurath Wilhelm S t i a ß n y, kais. Rath Schefftel, Hofrath Kareis, Dr. B l o ch, den Abgeordneten Tittinger u. A. m. Der Vorsitzende kais. Rath Heinrich K l i n g e r hielt an die Festgäste folgende Ansprache: „Meine sehr geehrten Herren Collegen! H o ch anse hn li ch e Versamm lun g! Wir kehren zurück aus unseren Gotteshäusern, woselbst wiv in innigen Gebeten den Segen Gottes auf das gesalbte Haupt unseres geliebten Kaisers erfleht haben. Erfüllt von tiefer Dankbarkeit und in unwandelbarer Liebe und Verehrung für unseren Herrn und Kaiser, dessen vor fünfzig Jahren erfolgten Regierungsantritt heute alle seine Völker — wenn auch ltocf) im Banne unvergänglicher Trauer — feiern, versammeln wir uns nun in diesen dem Dienste der Gemeinde gewidmeten Räumen, um unserer Huldigung und Verehrung Ausdruck zu geben. In sturmvoller Zeit ergriff unser geliebter Kaiser mit jugendlich starker Hand das Steuerruder des Staates. Segen und 'Gedeihen kennzeichnen die Regierung unseres Kaisers in der Entwicklung Oesterreichs. Erleuchtete Gesetze erslossen seiner Herrschermacht; unter ihrem Schutze, im Zeichen des gleichen Rechtes, im Geiste ungehemmter Arbeit und fortschreitender Gesittung erwachte Oesterreich zu blühendem Leben. Ungeahnte Kenntnisse schuf die Förderung der Wissenschaft, befruchtend wirkte sie auf alle Zweige menschlicher Thätigkeit, mächtige Industrien entstanden, die Landwirthschaft gedieh, der Handel wuchs, der Wohlstand hob sich — und die schönste Blüthe der menschlichen Thätigkeit: die Humanität kam zir herrlicher Entfaltung. Er, unser vielgeliebter Kaiser, war es, der die Fesseln gesprengt hat, in denerr wir Oesterreicher jüdischen Glaubens geschmachtet haben. Als kurze Zeit nach seiner Thronbesteigung die Vertreter und Repräsentanten der Wiener Israeliten in Audienz erschierren, da waren es die folgenderr unvergänglichen Worte, welche der Monarch an dieselben richtete: „Es gereicht mir zum Vergnügen", so sprach der Kaiser, „den Ausdruck der Gefühle treuer Ergebenheit und Anhänglichkeit entgegenzunehmen, welche Sie mir im Namen der israelitischen Gemeinde von Wien darbringen. Durch die Gleichberechtigung aller Völker und aller Stämme, welche die von mir verliehene Verfassung zu einem großen mächtigen Reiche vereinigt, wird, wie ich fest vertraue, die Wohlfahrt und das Glück des Ganzen wie des Einzelnen dauernd begründet und einer gedeihlichen Entwicklung zugeführt werden." Und so war auch der Wille unseres erhabenen Monarchen unwandelbar der gleiche geblieben im Wechsel der Z eiten. An diesem der Dankbarkeit und Huldigung geweihten Tage müssen nur unseren tiefen Schmerz über die widrigen Strömungen und die vielfachen Bitternisse, die wir in den letzten Jahren erfahren haben, zum Schweigen bringen und vertrauensvoll auf unseren Kaiser blicken, aus Ihn, den Schützer des Rechtes, der hocherhaben über alle diese Strömungen alle Angehörigen seines weiten Reiches ohne Unter* schied der Confession mit gleicher Liebe umfaßt. Dank der von unserem Kaiser gegebenen Staatsgrundgesetze konnten die Juden Oesterreichs sich auch auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst, des Staats- und öffentlichen Dienstes bethätigen. Dankerfüllt huldigen wir heute mit allen seinen Völkern aufs Neue dem erhabenen Kaiser, wir Juden Oesterreichs.