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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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y.w-.ustsr-agasn Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 879 Dr. Herzl, der jetzt an der Reihe sei, seine Interpellation an die Herren Candidaten werde gerichtet haben. Herr Dr. Herzl glaubt betonen zu müssen, daß es mit den administrativen Aufgaben und Agenden nicht abgethan sei; dem Redner handle es sich in Anbetracht der Zeit und Verhältnisse insbesondere um die programmatische Frage des Zusammenschlusses der Juden, und er interpellire deshalb die Herren Candidaten, wie sie sich seitens des Wiener Cultusvorstandes, als der osfieiellen Vertetung der größten jüdischen Gemeinde, die Pflege des jüdischen Geistes and der Zusammengehörigkeit mit dem Volke, sowie die Erfüllung seiner Aufgabe,Führer und Schützer derJudenschast zu sein, vorstellen? Hierauf hält Herr Dr. Schreiber seine Candidatenrede. Nachdem hiemit die Reihe der Candidaturen erschöpft ist, erhält Herr Director Simon das Wort zur Beantwortung der Interpellation des Herrn Dr. Herzl. Er erklärt, daß er das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Juden fördern wolle, zunächst durch den Unterricht und die Heranziehung der Jugend, jedoch jener, welche noch zünger ist, als die Jugend, die Herrn Dr. Herzl Gefolgschaft leistet. In der Heranwachsenden Jugend müssen der Stolz auf die Vergangenheit und die Hoffnungen für die Zukunft des jüdischen Volkes geweckt und genährt werden, und in diesen: Sinn halte er die Bewegung des Zionismus in ihrem Ken: für gut: als Förderung des Idealismus gegenüber dem überwuchenden Materialismus nnserer Zeit (Lebhafter Beifall); dasern der Zionismus jedoch durch Hervorheben der Nationalität ein „fremdes Feuer in das Heiligthum trage" sei er schädlich und abzuwehren. (Neuerlicher Beifall.) Herr Dr. M. Spitze r beantwortet gleichfalls, und zwar in Vertretung des Cultusvorstandes die Herzliche Interpellation durch die Entwicklung principieller Gesichtspunkte aus der jüdischen Geschichte und schließt unter lebhaftem Beifall mit der unentwegten Forderung, daß die Juden Treue der Stadt und Treue dem Staat zu bewahren haben, in welchem sie leben. Eine Interpellation des Baumeisters Herrn Zerkowitz beantwortete Herr Baurath Stiaßnp mit dem Hinweis auf die Unterstützung und Förderung, die dem Gewerbe seitens des Cultusvorstandes nach Möglichkeit gewährt werden. Herr G. Bettelheim spricht interpellirend gegenüber den neuen Candidaten die Erwartung aus, daß sie bereit seien, für den Fall, als sie sich später bei Ausübung ihres Amtes mit den Programmpunkten des Wahlcomites nicht identificiren könnten, ihr Mandat in die Hände der Wähler zurückzulegen. (Beifall.) Herr Dr. Kahn richtet an die dem Cultusvorstande ungehörigen Candidaten, nachdem er sich in längerer zionistischer Rede über die Antwort des Herrn Dr. Spitzer geäußert hat, die Interpellation, wie sie es mit der Würde des Cultusvorstandes vereinbarlich finden, ein Organ zu subventioniren und zu unterstützen, welches in der eigenthümlichsten Weise den Zionismus fort und fort nicht nur in den Augen der Juden, sondern auch der Nichtjuden(?!) zu verdächtigen sucht? In Beantwortung dieser Interpellation erklärt Herr Dr. G r ü n f e l d, daß er, obwohl Herr Dr. Bloch ihm kein Freund sei, offenbar jedoch Herr Dr. Bloch und dessen ,,W ochenschrift" in der Interpellation gemeint ist, ihn in diesem Fall energisch vertheidiaen müsse. Das Blatt des Herrn Dr. Bloch werde vom Cultusvorstand überhaupt nicht subventionirt, sondern entsprechend seiner Arbeitsleistung für die Cultusgemeinde, welche in der Ausnahme der zahlreichen Inserate und Publicationen bestehe, deren die Gemeinde absolut uicht entrathen könne, und für welche sie andernfalls ein eigenes kostspieliges Organ griinden müßte, nach im Vorhinein pro Jahr oder Nummer festgesetztem, vertragsmäßig vereinbartem Accord bezahlt. Wie wenig dies die Unabhängigkeit dieses übrigens seit 15 Jahren für die Sache des Judenthums sehr verdienstvoll wirkenden Blattes berühre, zeige der Umstand, daß gar sehr oft Dinge in dem Blatt enthalten sind, welche der Vorstand viel lieber nicht darin sehen möchte. Er müsse aber auch conftatiren, daß dieses Blatt um alle jüdischen Interessen sich viele und Hohe Verdienste erworben. den Eifer für das Judenthum in allen Kronländern geweckt und gefördert hat. (Anhaltender Beifall.) Sofort verlangt und erhält Herr Dr. Bloch das Wort. Dr. B lo ch dankt zunächst dem Vorredner für die Constatirung, daß er sowohl wie andere Vorstandsmitglieder häufig Gelegenheit haben, mit Artikeln der „O österreichischen Wochenschrift" unzufrieden zu sein. Es ist das der beste Beweis, daß ich auch dem Vorstand gegenüber mir das unabhängige Urtheil jederzeit wahre. Meiner Ueberzeugungstreue habe ich im Leben sehr viele Opfer gebracht (Lebhafter Beifall) und ich wäre noch heute Abgeordneter, hätte ich mich den Wünschen des Polenclubs nur fügen wollen. (Beifall und Händeklatschen.) Die zionistischen Interpellanten wissen ganz genau, daß die „Oesterreichische Wochenschrift" pro Nummer 30 fl. erhält für Publicationen aller Inserate und Sitzungsberichte, ein so minimaler Betrag im Verhältniß zu der Anzahl Publicationen, daß von einer „Subvention" der „Oesterr. Wochenschrift" absolut nicht gesprochen werden darf. Offenbar ist es den zionistischen Führern, wie es auch anderweitig ersichtlich ist, darum zu thun, mit dem Schlagwort: die „Oesterreichische Wochenschrift" empfange „Subventionen", dieses Blatt und seinen Herausgeber zu verdächtigen. Das sollte eine Partei nicht wagen, zu deren hervorragendsten Führern Journalisten zählen. (Stürmische Unterbrechung.) Wer aus der gleichen Krippe frißt, darf das Futter nicht schmähen. (Stürmische Unterbrechung seitens Herzl's und Genossen, lebhafter Beifall beim andenr Theil der Versammlung.) Dr. Herzl (sehr erregt): „Wen meinen Sie, Herr Doctor?" Vorsitzender Dr. Fialla: Ich bitte die Herren um Wahrung der Redefreiheit und keine Dialoge zu halten. Ersuche den Herrn Redner, fortzusetzen. Dr. Bloch übergeht nun zur polemischen Behandlung der Frage Nationalität und Consession und zeigt in längerer, von Beifall oft unterbrochener Rede, daß die Schlagworte Herzl's und seiner Genossen allen jüdischen Traditionen zuwiderlaufen. Ein alter Zionist, möchte er um Alles die Hoffnung auf Zion nicht preisgeben. Wogegen er sich mit aller Schärfe und aller Energie wendet, das ist die verderbliche Methode Herzl's, welche uns und den jüdischen Namen dem Spotte der Gegner preisgibt. Was sagen diese Gegner? Siehe da, die Juden, unverbesserlich, unveränderlich! Selbst ihre höchsten Ideale, ihre heiligsten Empfindungen, ihre nationalen Traditionen und Hoffnungen, ja ihr Verlangen nach Erlösung aus zweitausendjähriger Schmach verwandelt sich bei ihnen in Banken und Actien. (Lärmender Beifall.) Ich glaube an die Erlösung Zions, aber nur aus Grund der untrüglichen Verheißung des Propheten: „Chinom nimkartem w’lo bekessew thigaela: Ihr werdet erlöst werden, ohne Geld, ohne Banken und ohne Actien. „Zion wird erlöst werden durch die Gerechtigkeit allein." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nach diesen aufregenden und stürmischen Zwischenfällen eröffnet der Vorsitzende in vorgerückter Stunde die allgemeine Debatte unter Feststellung einer Sprechdauer von längstens zehn Minuten für den einzelnen Redner. Herr Director Langbank, frei von jeder persönlichen Ambition, erörtert den kundgegebenen Leidenschaften gegenüber die Verderblichkeit jeder Art von Zelotismus, mag er in gutem Glauben oder aus häßlichem Egoismus getrieben werden, stellte ihm entgegen die ethischen Mittel der Mäßigung und des Friedens und unterstützt seine Mahnung zur Eintracht durch wirkungsvolle Hinweise auf unser Schriftthum und die Propheten. (Lebhafter Beifall.) Der nächste Redner Herr Dr. Alex. M i n tz verwahrt zunächst Herrn Dr. Herzl als Führer der Zionisten gegen die Vorwürfe in der Rede des Herrn Tr. Bloch und widmet dann seine Betrachtung verschiedenen Erscheinungen der Wahlbewegung, indem er insbesondere den Präsidenten und Vicepräsidenten der O esterr. Ifr. Uni o n, die Herren Wilh. Anninger und Sigmund Mayer, in _ scharfer Weise angreift, welche seiner Meinung nach der öffentlichen Behandlung jüdischer Angelegenheiten ferne zu bleiben hätten.

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