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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 878 Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Mandat werben, und dies umsomehr, als ich mit Genugthuung aussprechen kann, daß jene Programmpunkte, welche schon vor Jahren seitens unseres Vereines und unseres Comitös der Wählerschaft unterbreitet worden sind, einer Rekapitulation unsererseits nicht bedürfen, und wir übrigens im Laufe der. Wahlcampagne schon wiederholt Gelegenheit hatten, uns neuerlich auszusprechen. Ich glaube daher, auch der Oekonomie an Zeit Rechnung tragen zu müssen, wenn ich zunächst meine Kundgebung und Ansprache an Sie schließe und zur Erfüllung meiner Pflicht schreite, welche darin besteht, den Herren Candidaten das - Wort zu erth eilen. ,• Ich begrüße auf das Herzlichste Herrn Oberfinanzrath Dr. Rappaport und ertheile ihm hiemit das Wort. Dr. Nappaport: Es ist Gepfiogenheit und hat auch seine Berechtigung, daß der Candidat ein Programm, sein Programm entwickelt. Leider bin ich nicht in der Lage, Ihnen ein Programm im eigentlichen Sinn des Wortes vorzulegen. Ich habe mich bislang an den öffentlichen Angelegenheiten, beziehungsweise an den Gemeindeangelegenheiten nicht betheiligt, habe mich auch allen Vereinen ferne gehalten, ich habe mich lediglich meinen Berufsarbeiten gewidmet. Die Wünsche der Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde haben daher mein Ohr nur in abgedämpfter Weise erreicht. Allerdings sind mir die programmatischen Punkte bekannt, welche der Politische Volksverein anläßlich der Wahlen in oen Cultusvorstand aufgestellt hat. Allein ich habe den Abgeordneten dieses Vereines, als sie mich besuchten und ihre Absicht kundgaben, meine Candidatur aufzustellen, sofort erklärt, daß ich nicht in der Lage wäre, mich auf ein bestimmtes Programm e i n s ch w ö r e n zu lassen. Es leitete mich hiebei ein Doppeltes. Erstlich war die Zeit zu kurz,, um zu allen von ihnen ausgestellten Programmpunkten definitiv Stellung nehmen zu können. Andererseits ist es viel leichter, Programmpunkte aufzustellen, als selbe zu realifiren. Aus diesen Erwägungen müßte ich mich außer Stande erklären. Ihnen zu versprechen, allen diesen Programmpunkten zur Verwirklichung zu verhelfen. Ich kann Ihnen aber soviel schon jetzt sagen, daß ich denselben sympathisch gegenüberstehe, daß ich in ihnen einen gesunden, lebenskräftigen und entwicklungsfähigen Kern erblicke. Namentlich bezieht sich dies aus die von dem Politischen Volksverein und dessen Wahlcomite verlangte Progression der Cultussteuer nach Maßgabe der Personaleinkommensteuer, auf die Herabsetzung des Minimums der Eultussteuer und auf die Decentralisation der Agenden des Cultusvorstandes. Meine Herren! Es wird den österreichischen Beamten nachgerühmt Pflichttreue, Eifer, Hingabe an ihre Aufgaben, Objectivität, Ueberzeugungstreue. Etwas davon eignet auch mir. Was namentlich die Ueberzeugungstreue betrifft, so glaube ich, über eine ziemliche Dosis Rückgrat zu verfügen, denn sonst könnte ich wohl nicht heute als Candidat vor Ihnen stehen. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn Sie nun glauben, daß diese Qualitäten hinreichend sind, um den Cultusvorstand in der Erfüllung der ihm obliegenden schwierigen Aufgaben unterstützen zu können, so geben Sie mir Ihre Stimme. Ich werde, falls Ihre Wahl auf mich fällt, innerhalb der mir durch meinen Berus gesteckten Grenzen das Möglichste thun, um den an mich herantretenden Aufgaben gerecht zu werden. (Allseitiger Beifall.) Als Candidat erhält nunmehr das Wort Herr Director Simon, welcher die Ehre, die ihm durch die Berufung auf diesen Platz zutheil geworden, als mehr niederdrückend denn erhebend bezeichnet, da er aus der stillen Verborgenheit seiner Berufsthätigkeit zur Candidatur geladen wurde, unter dem tinweis darauf, daß eine der schwierigsten Agenden des ultusvorstandes der Religionsunterricht bilde und in dem Vorstand kein Schulmann von Beruf sei. Redner gibt die Versicherung, daß es nicht Ehrgeiz sei, der ihn bestimme, auf das Mandat zu reflectiren, er strebe diese Stelle vielmehr an, um zu arbeite n, und er wisse sehr wohl, wo man anzusafsen hat. Dies und nicht mehr könne er versprechen, aber auch leisten. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Fialla theilt mit, daß von neuen Candidaten Herr Julius Reitling er sein Ausbleiben durch einen Krankheitsfall in seiner. Familie entschuldigt und Herr Emil Horner durch seinen Bruder zur Kenntniß bringt, daß er eine Reise in den Orient angetreten habe. Weiters theilt Herr Dr. Fialla mit, daß Herr kais. Rath Med.-Dr. S. Kohn von seiner Candidatur zurückgetreten ist und das ausgeloste Mitglied des Cultusvorstandes Herr Carl Kohn auf eine Wiederwahl verzichtet. Dr. Theodor Herzl verlangt das Wort zur Geschäftsordnung: Ich möchte den Herrn Vorsitzenden fragen, ob man die Candidaten einzeln befragen kann, oder ob man erst am Schluß der Candidatenreden Interpellationen stellen soll? Herr Dr Fialla erklärt, daß, um einen geregelten Verlauf der Versammlung zu sichern, er die übliche Ordnung einhalte, erst sämmtliche Candidaturen entgegenzunehmen und dann etwaige Interpellationen folgen zu lassen, nach deren Erledigung den Rednern zur allgemeinen Debatte das Wort ertheilt werde. Von den ausscheidenden und. zur Wahl sich wieder meldenden Cultusvorftänden erhält Herr Baurath Stiaßny das Wort, welcher auf seine bisherige 18jährige Thätigkeit im Cultusvorstande, besonders in der Section für Beerdigungswesen verweist, die schweren Pflichten eines Cultusvorstandes erläutert, der unbedingt 24 bis 26 Stunden wöchentlicher Thätigkeit dieser Ehrenstelle widmen müsse und ihm das Mandat neuerlich zu übertragen bittet. Als nächster Candidat besteigt Herr Dr. Grünfeld die Tribüne. Zugleich meldet sich Herr Dr. Mintz zur Geschäftsordnung und ersucht unter Wiederholung einer früheren Anregung den Präsidenten, die Versammlung zu befragen, ob man nicht unmittelbar nach der Rede jedes einzelnen Candidaten Interpellationen an denselben richten solle, ohne vorerst die Abhaltung sämmtlicher Candidatenreden abzuwarten. (Beifall und Lärm.) . Dr. Fialla erklärt um formaler Fragen willen keinen Dissens herbeisühren zu wollen, es aber um so gewisser bei der alten Ordnung belassen zu müssen, da nur Herr Dr. Grünseld noch als Candidat zum Wort gemeldet ist. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Herzl: Es liege seitens des Herrn Dr. Mintz der Antrag vor, die Versammlung zu befragen. Bei dem Umstand, als dieser Antrag in concilianter und milder Form gestellt wurde und wir positive Fragen an die Candidaten zu richten haben, ersuche er, daß dieser Wunsch der Versammlung vorgelegt werde. (Zustimmung und Widerspruch.) Herr Dr. Fialla spricht die Erwartung aus, daß hier von und unter gebildeten Männern überhaupt nur in concilianter Form verhandelt werde, und fügt die Erklärung hinzu, oaß bei aller Verehrung für den Herrn Vorredner und bei aller Genugthuung ob seiner Anwesenheit er — Vorsitzender — die Versammlung vorzeitig schließen müßte, wenn dieselbe den geregelten Gang der Debatte verlassen wollte; Dr. Fialla ladet neuerlich Herrn Dr. Grünseld ein, seine Candidatenrede zu halten. (Stürmischer Beifall.) Herr Dr. Joses Grünfeld spricht dem Präsidium seinen Dank aus uno gibt seiner Freude Ausdruck, Gelegenheit zu haben, an dieser Stelle über sein Programm und seine Thätigkeit einen kurzen Bericht zu erstatten. Er erörtert seine bisherige Thätigkeit in der Gemeinde aus sanitärem und hygienischem Gebiet, gedenkt seiner Bemühungen zur Pflege des Judenthums und bezeichnet sich selbst als conservativen Juden, in dessen Wesen und Begriffe sein Programm gelegen sei. (Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Fialla bringt zwei neue Zuschriften zur Kenntnrß, vermöge welcher Herr Th. R. v. Goldschmidt und kais. Rath Herr Mor. Hirsch, Ersterer mit Krankheit und Letzterer mit plötzlicher Verhinderung ihr Ausbleiben entschuldigen. Herr Dr. Schreiber fragt an, wieso es komme, daß über seine Candidatur hinweggeganarn wurde, obgleich er dieselbe anläßlich der letzten Wählerversammlung bei diesem Wahlcomite angemeldet habe? Herr Dr. Fialla beantwortet diese Anfrage dahin, daß er Herrn Dr. Schreiber, wenn er canoidiren wolle, einladet, das Wort zu ergreifen — jedoch erst, nachdem Herr

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