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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Blockes Wochenschrifl. Seite 875 Rußland, Polen und Galizien, die ihr bischen Hab und Gut verkaufen werden, um nach dem „gelobten" Lande auszuwandern; würden dann die Führer der Bewegung ihre Verwaltung mit einem Armengesetz beginnen wollen? Und dann wird die Pforte die Einwanderung gestatten? Wir sehen bereits die Folgen dieser Bewegung; die Einwanderung ist in neuester Zeit erschwert worden. Selbst englischen Juden ist der dauernde Aufenthalt in Palästina und die Erwerbung von Grundeigenthum verboten. Aber, fragen unsere Gegner, wie wollt Ihr diese Frage lösen und Euren armen Brüdern helfen? Ich darf es mit Befriedigung aussprechen, daß wir englische Juden und die Juden in den Vereinigten Staaten noch zu jeder Zeit mit unserem ganzen Können bemüht waren, diesen unseren armen verfolgten Brüdern soweit als nur möglich in unserem Lande und in Amerika ein Heim zu bieten. Wenn wir dem Projecte der Zionisten entgegen sind, so ist es nicht, weil es uns unsympathisch ist, sondern weil wir es unpraktisch und für unausführbar halten. Das Judenthum hat schon einmal eine schwere Krisis in dieser Frage der Wiederherstellung des jüdischen Staates durchgemacht, das war das Werk des Erzbetrügers Sabbatai Zevi. Niemand konnte mehr Liebe und Anhänglichkeit für das Land der Väter haben als Sir Moses Montefiore. Wiederholt ist er für die armen Brüder in der Türkei, in Rußland, Rumänien und Marocco aufgetreten; siebenmal hat er die Reise nach Palästina unternommen, um die Lage seiner Glaubensgenossen zu bessern. Wenn je einer, bei seinem großen Einfluß, hätte hoffen können, den Besitz des Landes seiner Väter zu erlangen, so war er es. Aber er war nicht der Mann, der ein solches unpolitisches und chimärisches Unternehmen hätte ergreifen wollen. Der religiöse Zionist widmet mit aller Kraft feilte Dienste dem Land und der Gemeinde, in der er wohnt, und ist zugleich bemüht, die Wohlfahrt des Landes zu fördern dadurch, daß er der Armuth und der Unwissenheit daselbst steuert. Religiöser Zionismus arbeitet für die Herbeiführung der messianischen Zeit dadurch, daß seine Anhänger bemüht sind, ihre Fehler abzulegen und die hohen Ideale herbeizuführen, welche unsere Religion uns zeigt. Halten wir an der göttlichen Verheißung fest! „Ihr werdet mich suchen und finden; denn ihr werdet euch mir zuwenden mit eurem ganzen Herzen. Ich werde mich von euch finden lassen, ist der Spruch des Ewigen, und zurückführen eure Gefangenen, und Ich werde euch sammeln aus all den Völkern und aus all den Orten, dahin Ich euch verstoßen, ist der Spruch des Ewigen, und werde euch zurückbringen an den Ort, von wo Ich euch habe wegsühren lassen." ___* Die Reprise eines alten Bubenstückes. Der fingirte Ausruf, durch welchen nach einer Erdichtung der Antisemitenblätter die Alliance Jsraelite zur Gründung eines Judenreiches in Galizien aufgefordert haben soll, wird ungeachtet des unwiderleglichen Nachweises der Fälschung, die übrigens schon durch die Dummheit seiner Stylisirung als solche erkennbar ist, von dem „Deutschen Volksblatt" noch immer als echt erklärt. Die Wiener Alliance Jsraelite schickte dem „Deutschen Volksblatt" am 22. November folgende Berichtigung: „An die Redaction des „Deutschen Volksblatt" in Wien! Bezugnehmend auf den in Nr. 3548 Ihres Blattes unter der Ueberschriit: „Ein polnisches Judenreich in Oesterreich" mitgetheilten, von der Alliance Jsraelite an die Juden Galiziens angeblich erlassenen Ausruf, ersucht der gefertigte Vorstand auf Grund des 8 19 des Pr.-G. um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Es ist unwahr, daß die Israelitische Allianz einen Aufruf dieses oder ähnlichen Inhaltes jemals erlassen hat." Das „Deutsche Volksblatt" erwiderte darauf, es habe nicht behauptet, daß die W i e n e r „Ortsgruppe" der Alliance Jsraelite den Ausruf erlassen habe. Dieser läppischen Wendung gegenüber schickte die Alliance dem Blatt weiters folgende Berichtigung: „An die Redaction des „Deutschen Volksblatt" in Wien. Bezugnehmend auf die Angaben, welche in Nr. 3553 Ihres Blattes, anknüpsend an die daselbst unter der Ueberschrift: „Ein polnisches Judenreich" veröffentlichte Berichtigung des gefertigten Vereines gemacht werden, ersucht der Vorstand aus Grund des § 19 des Pr.-G. um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Es ist unwahr, daß die Israelitische Allianz zu Wi.n eine Ortsgruppe der Alliance Jsraelite ist; wahr ist vielmehr, daß die Israelitische Allianz in Wien ein auf Grund ihrer vereinsbehördlich genehmigten Statuten selbstständig bestehender, von der Alliance Jsraelite ganz unabhängiger Verein ist. Der verschämte Antisemitismus der Jungezechen hat wieder einmal ein Heldenstück vollbracht. Zu Nikolo und Weihnachten wird auf dem Prager Altstädter-Ring von altersher ein Markt abgehalten, aus dem Spielwaaren und Süßigkeiten aller Art seilgeboten werden. Natürlich sind es meistens armselige kleine Händler, die in der Winterkälte von Früh bis in die Nacht in ihren offenen Buden ausharren, wenngleich die Production der Waaren vielfach im Großbetrieb erfolgt. Dieses Jahr nun, so wird uns aus Prag geschrieben, hat die jungezechische Stadtvertretung diesen Markt zum Gegenstand eines Actes christlicher Socialreform gemacht. Am letzten Montag stellte nämlich in der Sitzung des Stadtverordnetencollegiums ein Gemeinderath den Antrag, von dem kommenden Markt die jüdischen Händler auszuschließen. Der Bürgermeister Herr Dr. P o d l i p n y begrüßte diesen Gedanken und erklärte sich sofort bereit, dem Magistrat als oberster Gewerbebehörde den entsprechenden Auftrag zu geben. Nun ist natürlich der Antrag' des antisemitischen Stadtverordneten von vornherein hinfällig und der Auftrag des Herrn Podlipny eine grobe Ungesetzlichkeit» Die Gewerbeordnung bestimmt im § 82 ausdrücklich, daß „jedermann berechtigt ist, die Märkte mit allen im Verkehr gestatteten Waaren zu beziehen, soweit selbe nach der Gattung des Marktes zum Verkehr auf demselben zugelassen sind". Man sieht, der Gesetzgeber unterscheidet nur die Waaren, aber nicht die Verkäufer, und am wenigsten diese nach Confefsionen. Die jüdischen Händler haben also das Recht sicher auf ihrer Seite, aber ob sie es werden durchsetzen können, ist sehr fraglich, da der Magistrat wohl den Wink des Bürgermeisters thatsächlich befolgen wird, ohne sich officiell zu dem ihm entsprechenden Grundsatz zu bekennen. Er braucht einfach nur jeden einzelnen jüdischen Händler, der seine Anmeldung erstattet, unter Hinweis auf einen behaupteten Platzmangel abzuweisen. Daß sich der Prager Magistrat auf Schmutzereien solcher Art versteht, hat er unter Anderem in seinem Verhältnis zur socialdemokratischen Bezirkskrankencasse genügsam bewiesen. Nun muß die überraschende Thatsache constatirt werden, daß die czechische Presse den Antrag der antisemitischen Stadtverordneten, der ausdrücklich den Zweck haben sollte, den Nikolo dem „czechischen Volke" zu erhalten, mit merkwürdiger Flüchtigkeit und ganz entstellt wiedergibt. Sie thut so, als ob lediglich von der Fernhaltung schwindelhafter Bazare und Ausverkäufe die Rede gewesen sei. Dadurch soll die ganze Sache wohl ein „socialpolitisches" Gesicht bekommen. Die Verschweigung des wirklichen Thatbestandes ist aber in erster Reihe der widerwärtigen Feigheit der Jungczechen zuzuschreiben, die sich noch immer als „Freisinnige" ausgeben wollen. So wie Herr Brzeznovsky vor seiner Prager Wahl den Clericalen den Revers ausgestellt hat, als „freisinniger" Abgeordneter ihre Politik zu unterstützen, so protegiren die jungczechischen Führer allerorten den kleinbürgerlichen Antisemitismus, aber stets nur in verschämter Form. Das bedeutet, daß sie vor jedem jüdischen Großbourgeois, wenn er sich als Nationalczeche aufspielt, ob er gleich das Czechische kaum mühselig stammeln kann, auf den Bauch fallen, dagegen den wirthschaftlich schwachen und darum wehrlosen Juden billige Fußtritte versetzen. So verdirbt Herr Podlipny heuer ein paar armen Händlern das Weihnachtsgeschäft, zum Andenken an den großartig billigen Ausverkauf, den seine Verehrer im vorigen Jahr in den Judenläden der Prager Vorstädte veranstaltet haben. Womöglich noch jämmerlicher als die „freisinnigen" Antisemiten haben sich diejüdifchen Stadtverordneten benommen, die gegen den Bürgermeister nicht den Mund aufzuthun gewagt haben. Diese guten Leute wollen den czechischen Juden immer einreden, daß sie nur jungczechisch zu stimmen brauchen, um vom czechischen Bürgerthum als gleichberechtigt anerkannt zu werden. Schließlich aber ist es begreiflich, daß die Herren sich wegen ein paar armer Handelsjuden nicht mit den „Führern der Nation" und der czechischen Bourgeoisgesellschaft veruneinigen wollen. Komisch ist nur, warum diese armen Handelsjuden die feinen Herren wählen. („Arbeiter-Zeitung".)

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