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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-02 · 48 (2.12.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
48 (2.12.1898)
Date
1898-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 873 deutlicher gezeigt dadurch, daß sie diesen Kampf vermieden haben. In Wien wissen wir bereits, wie es mit der werbenden Kraft des politischen Zionismus in L o n d o n bestellt ist. Nun wird inan auch in London die Bedeutung des Wiener Zionismus richtig einzuschätzen wissen. -i- -P * Noch einWort an Herrn Dr. Theodor Herzl. Seitdem dieser Herr aufgehört hat, Mitarbeiter der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu sein, und ein eigenes Blatt gegründet hat, fuhrt er einen erbitterten Concurrenzkampf gegen unser Blatt. Dagegen ließe sich nicht das Geringste sagen, wenn er diesen Concurrenzkampf mit den Waffen des Geistes fuhren würde; wenn er bemüht wäre, die von ihm herausgegebene Zeitschrift so reichhaltig, so interessant und so gediegen zu gestalten, daß sie sich einen weiten Leserkreis eroberte; wenn er durch den Inhalt darthun würde, daß die cultnrellen Interessen des Jndentbums durch seine Zeitschrift besser gewährt werden, als durch irgend eine andere. Allein auf die Anwendung solcher Mittel scheint Herr Dr. Herzl für immer verzichtet zu haben. Herr Tr. Herzl führt den Concurrenzkampf gegen unser Blatt mit ganz anderen Waffen. Cr. betrachtet es als seine Aufgabe, das Vertrauen, welches wir im Laufe der Jahre uns in weiteren Kreisen erworben haben, zu zerstören. So hat er jüngst die „Enthüllung" gebracht, Dr. Bloch hätte sich für einige hundert Gulden erboten, für den Zionismus einzutreten, eine „Enthüllung", von der es blos verwunderlich ist, daß er mit ihr so lange gewartet hat. Anfang dieses Jahres hat Herr Dr. Herzl öffentlich verbreiten lassen, Dr. Bloch hätte irgend einen Brief „unterschlagen", und als wir diese Erdichtung der öffentlichen Verachtung überlieferten, da duckte sich her brave Mann und kniff ans. In einer vom „Politischen Volksverein" am 24. November abgehaltenen Wählerversammlung erschien Herr Dr. Herzl mit seinem Heerbann, und da ließ er in der Form einer Interpellation durch Herrn Dr. Kahn vor der Wählerschaft gegen uns die Verdächtigung aussprechen, die „Oesterreichische Wochenschrift" sei vom Cültusvorstand „snbventionirt", und zwar sollte offenbar der Eindruck hervorgernfen werden, daß diese „Subvention" dazu besti imti sek, die Haltung unseres Blattes gegenüber dem Cultnsvorstand und unser Urtheil über die Gemeindeverwaltung zu beeinflussen. Herr Dr. Herzl hatte Gelegenheit zu beobachten, welche Aufnahme diese „Enthüllung" bei dem ernsten Theil der Wählerschaft gefunden hat. Mitglieder des Cultusvorstandes, welche nicht zu den Freunden der „Oesterreichischen Wochenschrift" zählen, sind dieser Zumuthung sofort entgegengetreten und haben erklärt, die „Oesterreichische Wochenschrift" werde für die Publicationen und Kundmachungen der Gemeinde, welche in dem Blatte veröffentlicht werden, bezahlt und der Bettag sei ein so minimaler, daß, wenn der Vorstand nicht für die Veröffentlichung aller Kundmachungen der Gemeinde ein Pauschale festgesetzt hätte, sie selbst nach dem bescheidensten Jnsertionstarife ungleich mehr bezahlen müßte. Um die Neugierde des Herrn Dr. Herzl und, seiner Freunde vollständig zu befriedigen, Heilen wir mit, daß die Cultusgemcinde für ihre s ä m m t l i ch e n Publicationen u n d Inserate, deren Umfang am besten unseren Lesern selbst bekannt ist, 30 fl., sage und schreibe Dreißig Gnlden per Nnimi er bezahlt. Es wäre selbst in dem Fall, als der Vorstand der Wiener Cultnsgemeinde sich veranlaßt sehen sollte, ein den Interessen des Judenthums gewidmetes Blatt zu „s u b v e n ti o n i r e n", falls es einer solchen Unterstützung bedürfen würde, nichts Uncorrectes zu erblicken. Thatsächlich war und ist aber auch von einer solchen Subventionirung niemals die Rede gewesen. Damit richtet sich die gegen unser Blatt und dessen Herausgeber versuchte Verdächtigung, denn auf eine solche war es abgesehen, von selbst. Herr Dr. Herzl weiß es sehr genau, daß eine so große Gemeinde wie die Wiener für die zahllosen Veröffentlichungen, durch welche sie den Geineindemitgliedern ihre Mittheilungen machen muß, eines Blattes bedarf. Daß sie ihre Kundmachungen nicht im „Deutschen Volksblatt" und der „Ostdeutschen Rundschau", sondern in einem jüdischen Blatt veröffentlicht, wird ihr vielleicht sogar von den Zionisten verziehen werden. Allerdings erbietet sich das Organ Dr. Herzl's dem Wiener Cultnsvorstand — obgleich derselbe derzeit noch nicht zionistisch ist — zum unentgeltlichen Abdruck sämmtlicher Inserate und Berichte, und kein Unbefangener wird dieser in der Gluth eines — allzeit loyalen — geschäftlichen Concnrrenzfiebers entzündeten Opferwilligkeit die Würdigung versagen. Dem Vorstand indessen scheint mit solcher Großmuth wenig gedient. Es genügt ihm nämlich nicht, daß Inserate bloß gedruckt erscheinen; er muß auch wünschen und dafür sorgen, daß sie gelesen werden. Wenn übrigens Herr Dr. Herzl, wie es scheint, es moralisch verwerflich findet, daß ein jüdisches Blatt von einem Cultnsvorstand eine „Subvention" annehme, so hätte er ja als Redactenr der „Neuen Freien Presse" seit Jahren reichliche Gelegenheit, seine catonischen Grundsätze zu verbreiten. Er weiß beispielsweise, daß die „Neue Freie Presse" von Bahnen, Banken und von Assecuranz-Gesellschaften Jnseratenvauschalien bezieht, und Herr Dr. Herzl hat sich mit seinen idealen Anschauungen bisher so gut abzufinden verstanden, daß ein Theil dieser unmoralischen Einnahmen als Gehalt in seine, des Herrn Dr.'Herzl, Tasche fließt. Oder sind Jnsertiousbeträge nack der Ansicht des Herrn Dr. Herzl moralisch, wenn sie die Gasgesellschaft oder die Anglobank bezahlt, dagegen unmoralisch, wenn sie für die officiellen Bekanntmachungen einer Cultusgemeinde entrichtet werdend Vielleicht kommt es übrigens bei Herrn Dr. Herzl auf die Höhe des Betrages an, nach welcher er sich sein Urtheil bildet, so fl. sind eine corrupte Bestechung, einige tausend Gulden die höchste Moral, und von lo.oöu fl. aufwärts beginnt der Anspruch ans die zionistische Tugendrose. Vvm Jahrmarkt des Lebens. Glossen znr Tagesgeschichte. (Die polizeiliche Gleichberechtigung. — Noch immer keine Antwort. — Gemüthliche Ansprache an Herrn Gregorig. — Dr. Lueger gegen die Intoleranz.) Die sensationelle Entdeckung des Ministerpräsidenten, daß die Inden gleichberechtigte Staatsbürger und daß die Behörden verpflichtet seien, auch das Leben und das Eigenthum der Inden zu schützen, ist von diesen durchaus nicht mit jener Begeisterung ausgenommen worden, welche die Antisemiten den Worten des Herrn Grafen Thun vindiciren zu sollen glaubten. Die officiösen Commentare, welche der Erklärung des Ministerpräsidenten nachfolgten, waren auch darauf berechnet, den Aerger der Antisemiten, welchem Dr. Pattai Ausdruck gegeben, einigermaßen zu besänftigen und keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß Herr- Graf Thun nicht etwa von einer ethischen, socialen und politischen, sondern nur von einer sozusagen polizeilichen Gleichberechtigung der „Staatsbürger jüdischer Confession" gesprochen wissen wollte. Wenn also einen gelehrigen Eleven der Volkspädagogen Schneider und Gregorig die Lust anwandeln sollte, einen oder mehrere Inden todtzusch lagen oder auszurauben, so wird die Polizei, darüber sind wir vollständig beruhigt, ihn daran hindern, vorausgesetzt, daß sie rechtzeitig am Platze ist. Die Polizei ist sogar ausdrücklich damit betraut, Verbrechen zu hindern, ohne darnach erst zu fragen, ob das Opfer ein Jude ist oder nicht. Dieses kulturelle

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