Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 48 (2.12.1898)
- Date
- 1898-12-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 870 Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift. Thätigkeit der Russen äst zwar eine mehr heimliche, aber dafür um so energischer, eindringender und ununterbrochen, sie wird ohne Zweifel eine weite Bresche ins heilige Land legen. Der nach Jerusalem Kommende erblickt von ferne zuerst den hochragenden russischen Kirchthurm auf dem Oelberg. Drückt er eine Hoffnung oder eine Drohung aus?" So steht es um das Erbland der Juden, denen nach dem Liechtensteinischen. Talmud die ganze Welt gehören soll. Dagegen ist es erfreulich, zu sehen, wie diese Lehren des Talmuds von den christlichen Ariern befolgt werden. Seit wie lange haben sie denn in Amerika aufgehört, den Handel mit Negersclaven zu treiben? Haben nicht arische Prediger gelehrt, daß dies ein ganz legitimes Geschäft sei und, wahrscheinlich auf Talmudstellen gestützt,. bewiesen, das; der „Schwarze" Eigenthum des „Weißen" sei? Ganz Amerika war vor Columbus Eigenthum der eingeborenen Indianer, bis die tolländer und Engländer im Norden, die Spanier und ortugiesen im Süden es sich „ohne Scrupel" aneigneten. Cortes, Pizarro, Raleigh und ihre Genossen waren gewiß alle talmudistische Juden, ebenso wie Clive, Warren Hastings, Vasco de Gama und Albuquerque, welche Indien den Europäern unterwarfen, die es recht arisch ausbeuteten. Schon vor Hundert |JahreiMsang Mlsieri, einer der größten Dichter Italiens,: ~ Stupidi e ingiusti noi, sprezziam 1' Ebreo, Che compra e vende, e vende e compra e vende-; Ma siam ben noi, popol piü vile e reo; Che non contenti a quante il suol ci rende, Dell’ altrui ladri, ove il furar sia leve, Facciam pel globo tutto a chi piü prende. (Wie dumm und ungerecht sind wir, wenn wir den Juden verachten, der immerfort kauft und verkauft, verkauft mrd Faust. Und doch sind wir schlechter und verächtlicher, da wir, nicht mit dem zufrieden, was unser Boden uns liefert, auch den Anderer stehlen, wenn es leicht zu stehlen ist und auf dem ganzen Erdball Wetteifer::, wer n:ehr an sich reißen kann.) Und wie hat dieser Wetteifer seitdem zugenommen! Der allgemein herrschende, säst schon völkerrechtlich statuirte Grundsatz scheint aus dem Talmud Liechtenstein's mit einer kleinen Aenderung gezogen zu sein: „Der Besitz der nichtchristlichen Völker ist herrenloses Gut, das die Arier sich ohne Scrupel aneignen können.". Wo afrikanische Stämme sich noch zu keinem festgefügten Staat zusammengeschlossen habe::, maßt sich jeder europäische Staat, das Recht an, sich zum .Herrn zu machen, die Eingeborenen zu unterwerfen, mit Branntwein und Schießpulver zu civilisiren und „zur Arbeit zu erziehen", richtiger gesagt, für die Europäer arbeiten zu lassen. Aber selbst ein so alter, mit erblichen Monarchen und geordneter Regierung seit Jahrtausenden bestehender Staat wie China, dessen Gesandte bei europäischen Höfen accreditirt sind, wird kaum viel besser als. irgend ein afrikanischer Negerstaat' behandelt. Entreißt ihm irgend ein arischer Staat ein Stück seines Gebietes, so muß gleich ein Zweiter seine '„Entschädigung" haben. Drohend stehen die Europäer mit ihren Kanonen und Schiffen einander gegenüber, aber endlich versöhnen sie sich — auf Kosten Chinas —- auch der Zweite bekommt ein Stück China und .ebenso der Dritte. In Afrika streiten England und Frankreich um Fäschoda; beide behaupten. Rechte darauf zu haben — auf Grund des Talmud Liechtenstein. Daß die Einwohner auch irgend ein Recht aus das von ihnen bewohnte Land haben können/ fällt ihnen gar nicht ein; die sind ja Heiden oder Mohammedaner und, was noch arger äst, keine Arier. Merkwürdig, bei sich zu Hause wollen die arischesten oder „unverfälschtesten" Arier kein' fremdes Volk unter sich dulden, das arische Land darf von keinem Semiten verunreinigt werden. Die antisemitische „Daitsche Zeitung" klatscht den Zionisten Beifall, Dr. Wähner fallt dem Dr. Herzl um den Hals ob seines schönen Unternehmens, Europa von den Semiten zu befreien; und diese edlen Arier und reinen Germanen ziehen nach. Asien und Afrika, drängen sich bej. Semiten und Turäniern ein/weil es dort etwas zu verdienen gibt, weil 'man sich dort mancherlei „ohne Serupel aneignen kann" nach den Lehren 1)er'GeMüra Liechtenstein.. Freilich, weün manhie Semiten braucht, spricht man aus anderem Ton. So heißt es in dem vor zwei Jahren erstatteten Bericht heH-päpstlichen Delegirten beim .Negus von Abessinien an den Cardinal-Staatssecretär Rampolla: „Ich legte dem Kaiser Menelik dar, daß der heilige Stuhl zur fürstlichen Hochherzigkeit des Nachkommens des Königs David, dessen Milde dieSchrift verherrliche, volles Zutrauen habe." „Du sollst nicht zweierlei Maß haben," heißt es in der Bibel, nicht in einer fürstlich Liechtenstein'schen Mischna, deshalb brauchen Arier diese Vorschrift'nicht zu befolgen. Provokacya schrieen ein paar Czechen, als sie in Prag Studenten mit deutschen Farben an den Kappen erblickten, und prügelten sie. Darob großer Sturm im deutschen Zeitungswald, nicht blos in den extrem-nationalen, auch in den liberalen Blättern, und noch mehr Entrüstung bei den deutschen Studenten: „Wie kann man es wagen, die Studenten in ihrem Kappen- und Farbenrecht zu beschränken?" Wenn aber die jüdischen Studenten ihre Kappen tragen, dann schreien die nationalen: Provocation! und fallen, drei gegen einen, über sie. her. . Die Liberalen verhalten sich neutral und die „judenliberalen Blätter" wagen höchstens einen sanften Tadel. Als Rußland die österreichischen Juden hinausjagte, allen österreichischen Juden seine Grenzen sperrte, da hat sich unser Parlament darum nicht bekümmert, eine daraus bezügliche Petition des Exportvereines wurde vom Ministerium mit einem kühlen Hinweis aus einen Zusatzartikel zum Handelsvertrag von 1860 beantwortet, und damit war der Erwerb tausender unschuldiger, harmloser Juden lahmgelegt. Wenn aber aus Preußen ein paar Czechen oder Polen ausgewiesen werden, notabene einige bestimmte Personen, die wahrscheinlich durch ihr Benehmen irgend einen Anlaß dazu gegeben haben, da kommt gleich eine donnernde Interpellation der Czechen, in der über die „offenkundige Absicht, österreichische Staatsangehörige, welche in Preußen beschäftigt sind, zu vertreiben, und solche, welche dort Arbeit suchen wollen, davon abzuschrecken, ja geradezu zu hindern", geklagt wird. Das Vorgehen der preußischen Regierung gegen die Slaven, welches sich von dem der russischen, von den Czechen geliebten und hochverehrten Regierung gegen die Juden hauptsächlich dadurch unterscheidet, daß es nicht einen ganzen Volksstamm, sondern nur einige Personen trifft, wird von Dr. Herold und Genossen als „Act nationaler Feindseligkeit, unvereinbar mit dem Bündnißverhältniß Oesterreichs und des. Deutschen Reiches, ja sogar dem einfachsten Völkerrecht zuwiderlaufend" bezeichnet. Schließlich verlangen.die Herren Jungczechen nichts weniger, als daß die Regierung unverzüglich dahin wirken soll, damit diesen „feindseligen und inhumanen Verfolgungen österreichischer Staatsbürger slavischer Nationalität in Preußen Einhalt geboten werde". Die Czechen und die mit ihnen verbundenen Polen sind ja jetzt Regierungspartei und ihre Interpellation dürfte daher guten Erfolg haben. Wäre es nicht human und auch politisch, wenn die Interpellanten, um sich nicht dem Verdacht auszufetzen, daß. sie blos das gute Einvernehmen zwischen Oesterreich und Preußen stören wollen, den Schlußsatz etwa so formuliren möchten: „österreichischer Staatsbürger slavischer Nationalität oder jüdischer Confession in Preußen und Rußland"? Freilich, christliche Arier sind aus einem edleren Teig und kostbarere Geschöpfe als jüdische Semiten. Auf den Unterschied sind wir erst neulich durch die Lebensbeschreibung des als Juden geborenen Musikers Josef Joachim vonÄndreas Moser aufmerksam gemacht worden. Wie undankbar der „Deutsche" Richard Wagner sich gegen Meyerbeer benommen hat, ist bekannt; aus dem Buche Moser's*) entnehmen wir nach einem in der „Münchner Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Capitel Einiges über das Verhältniß des frommen Katholiken Liszt zu dem protestantischen Juden Felix Mendelssohn: „In ihrem tiefsten Innern, das heißt, in ihrem künstlerischen Wesen waren die Beiden viel zu heterogene Naturen, als daß sie sich zu einander so hätten hingezogen fühlen.können, wie etwa Schumann zu Mendelssohn oder später Joachim zu Brahms. Der durch seine unerhörten Triumphe als Virtuose so verwöhnte Liszt war, unbeschadet seiner sonstigen, großen Eigenschaften, im Vergleich mit Mendelssohn immerhin geneigt, den äußerlichen Erfolg und Glanz über das eigentliche Wesen *) Verlag von B. Behr in Berlin.