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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch'« Wochenschrift Seite 861 Kaiser!. Rath Anninger Der Präsident der „Union" fagtj: Auf die Bemerkungen, welche der sehr verehrte Herr Präsident der Cultusgemeinde gegen die Wahlthätigkeit eines Vereines erhoben hat, welchen ich zu vertreten die Ehre habe, muß ich mir erlauben mit einigen Worten zu erwidern. Der Verein „Union" hat in zwei Richtungen Beschwerde gegen den Vorstand erhoben — erstens in der Frage des Bezirksschulrathserlasses. In dieser Richtung wurde auch bis heute noch immer nicht die Behauptung widerlegt, die in unserem Wahlaufrufe gedruckt und in mehreren Versammlungen öffentlich ausgesprochen wurde, daß der Vertreter der Gemeinde im Bezirksschulrathe schon in zwei dem 15. Juli vorangegangenen Sitzungen dieser Körperschaft, wo über den Erlaß verhandelt wurde, nicht anwesend war. Wir wissen sehr gut, daß die Stimme des Bezirksschulrathes Herrn Stiaßny das Abstimmungsresultat nicht hätte ändern können — es wären nur statt 3 Stimmen 4 dagegen gewesen, aber darüber besteht bei uns und auch bei Ihnen, geehrte Herren vom Vorstande, wie ich bestimmt weiß, kein Zweifel, daß, wenn Sie am 16. Juli Kenntniß von dem Beschlüsse gehabt hätten und nicht erst am 11. September, es den rastlosen Bemühungen des Vorstandes gelungen wäre, vom Ministerium die Aufhebung desselben vor seiner Activirung zu erreichen. Wir schätzen die anderweitigen Verdienste des Herrn Baurathes Stiaßny um die Cultusgemeinde, seine Arbeitskraft im Vorstande, seine Hingebung um die Sache des Judenthums, sowie seinen bewundernswerthen Idealismus gewiß nach Verdienst, aber wir können als politischer Verein nicht so gemüthlich sein, über sein Fernbleiben von den Sitzungen des Bezirksschulrathes gelegentlich der Beratungen über die Trennung der Kinder nach Confessionen und die dadurch geschaffene Situation zu schweigen. Nachdem aber Herr Baurath Stiaßny in der Wählerversammlung des „Vereines zur Hebung der Gewerbe" die Erklärung abgegeben hat, daß er in einem gegebenen Zeitpunkte seine Stelle im Bezirksschulräte niederlegen werde, so ist damit unserem Standpunkte Rechnung getragen und wir haben keine Ursache mehr, seine Wiederwahl in den Cultus- Vorstand zu bekämpfen — im Gegentheile. Den zweiten Punkt unserer Beschwerde bildet die unserer Ansicht nach zu geringe Betätigung des Vorstandes nach Außen. In dieser Hinsicht verweise ich Sie auf den Bericht des Vorstandes selbst. In demselben werden im Laufe der letzten zwei Jahre im Ganzen acht Facten angeführt, in welchen der Vorstand intervenirt hat. Ich muß aber constatiren, daß die Frage der Virilstimmen der Pfarrer im Ortsschulrathe auf unsere Anregung hin behandelt wurde, ebenso wie wir die Rede des Professors Sturm der Erwägung des Vorstandes unterbreitet haben, von dem Bezirksschulrathserlasse nicht zu sprechen. In dieser Richtung haben wir die Thätigkeit des Vorstandes als zu wenig ausgreifend kritisirt und wir glauben dabei die Grenzen des Zulässigen nicht überschritten zu haben, wenn auch, wie es bei jeder Wahlactron Vorkommen kann, ein allzuscharfes Wort gefallen sein sollte; ein solches Wort sollte der Vorstand, insbesonders der verehrte Herr Präsident nicht so empfindlich aufnehmen. Der Verein „Union" hat mit seiner Kritik das Ansehen des Vorstandes durchaus nicht herabsetzen wollen. Jeder von uns anerkennt die große Arbeitsleistung und die vielen Verdienste, welche der Vorstand sich erworben hat und glauben Sie mir, auch der Verein „Union" hat in seiner Wahlthätigkeit kein anderes Interesse wie Sie, nämlich das Ansehen des Vorstandes der Cultusgemeinde nach jeder Richtung zu heben und nicht es herabzudrücken. Doeent Dr. Grünfeld skizzirt seine Thätigkeit für die sanitären Wohlsahrtseinrichiungen der Gemeinde, deren Spital als eine Musteranstalt bezeichnet werden dürfe und verspricht, für die weitere Ausgestaltung der Armenkrankenpflege und der Fürsorge für die armen Siechen wirken zu wollen. Die detaillirten Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Schuldireetor Simon stellt sich als Candidat vor, welcher seine Erfahrungen als Schulmann in den Dienst seiner Glaubensgenossen stellen wolle. (Beifall.) Redner weist aus seine langjährige Thätigkeit als Schuldirector hin. Er habe den sehnlichsten Wunsch, daß die Schuljugend mit der jüdischen Geschichte und Ethik vertraut gemacht werde und wollte im Vorstände auf dem Gebiete des Unterrichtes eifrigst thätig sein. Er werde es sich zur großen Ehre rechnen, wenn seine Candidatur, zu welcher er aufgefordert worden sei, bei den Wählern Anklang finde. (Lebhafter Beifall.) Dr. Heinrich Sieger sagt: Er müsse auf einige Bemerkungen, des Herrn kais. Rath. Anninger über die Thätigkeit des Vorstandes in Bezug aus seine politische Thätigkeit erwidern, Bemerkungen, deren Ton ungeachtet der erfreulichen Thatsache einer etwas eingekapselten Anerkennung dem Vorstände nicht conveniren könne. Bleiben wir zunächst bei der Aufgabe des Vorstandes, welche die sogenannte Führerschaft nach Außen, die Vertretung nach Außen betrifft. Wir Alle sind darüber einig, daß diese Aufgabe nicht nur besteht, sondern daß unsere Glaubensgenossen ein unverbrüchliches Anrecht darauf haben, von dem Cultusvorstande die Erfüllung dieser Aufgabe zu begehren. Allein so oft wird uns gesagt, Proteste nützen nicht viel, man muß auch etwas thun. Auf den ersten Blick hat eine derartige Redewendung etwas Einschmeichelndes; in einer Zeit, wo die Juden mit Recht empört sind über die Behandlung, die ihnen widerfährt, sehnt sich das Ohr förmlich nach einem solchen Schlagworte. Untersuchen wir es aber! Was können wir in dieser schwer bedrängten Zeit anderes thun, als an geeigneter Stelle und zu geeigneter Zeit mündlich und schriftlich gegen jede Rechtsverletzung protestiren? Trotz aller flammenden Worte in entgegengesetztem Sinne hat es noch kein Redner versucht, seine Zuhörer davon zu überzeugen, daß es im Bereiche der Unmöglichkeit liegt, die Truppen aufmarschiren zu lassen oder mit fliegenden Fahnen auf die Straßen zu eilen, um einen Aufruhr zu erregen. (Heiterkeit und Beifall.) Wir thun Alles, was in unserer Macht steht, und warten damit auch nicht auf den Impuls des Vereines „Union". Jeder hat das Recht, den Vorstand daraufhin zu beaufsichtigen, ob er wirklich in allen Fällen von Uebergriffen unserer Widersacher und der Beleidigung unseres Judenthums seine Pflicht thut, aber es geht nicht an, das so hinzustellen, als ob der Verein „Union" eine Art Obervormundschaft über den Vorstand hätte. Ich wünsche die möglichst freundlichen Beziehungen zu diesem höchst verdienstvollen und geachteten Verein und uns, verwahre mich aber entschiedenst gegen einen gewissen herablassenden Ton, wo mit einer gewissen Anerkennung gesagt wird, daß allerdings etwas geschehen ist, aber man habe die „Union" nicht davon verständigl, sie habe nichts davon gewußt. Wenn Sie ein wenig über die Sache Nachdenken, so werden Sie es begreiflich finden, warum wir nicht in jedem einzelnen Falle, wo wir an die Behörde herantreten, es sofort der gesammten Glaubensbruderschaft mittheilen, selbstverständlich nicht etwa weil wir uns mit einem Nebel des Amtsgeheimnisses umgeben wollen, sondern weil wir uns von dem Einschreiten bei der Behörde umsomehr Erfolg versprechen, wenn wir nicht die öffentliche Meinung aufgeregt haben, weil wir sonst mit einer gewiffen Verstimmung ausgenommen werden. (Sehr richtig.) Das schändliche Attentat gegen die Schulkinder haben wir energisch abzuwehren uns bemüht. Ms man in der Leopoldstadt armen Studenten die Schulgeldbefreiung entziehen wollte, war der Vorstand augenblicklich beisammen und hat beschlossen, an den Statthalter Grafen Kielmannsegg heranzutreten; ich habe den Weg mit Freuden übernommen und aufs Eindringlichste mit dem Statthalter gesprochen, wenn Sie auch in den Zeitungen nichts davon gelesen haben. Wir bilden uns nichts darauf ein, das ist ja die Pflicht jedes anständigen Juden. Wenn mir nun der Statthalter sagt, daß er gegenüber der autonomen Gemeinde nichts Vorkehren könne, was hatte ich da thun können? Wir kennen unsere Pflicht, das Judenthum nach Außen zu vertreten, und werden sie getreu erfüllen, ob mit oder ohne Anerkennung der „Union". Wir werden uns glücklich schätzen, wenn wir in der Erfassung und Erfüllung unserer Aufgabe mit der ganzen Glaubensbruderschaft Hand in Hand gehen. (Lebhafter, anhaltender Beifall. Redner wird beglückwünscht.) Tr. Heinrich Schreiber knüpft an die von Herrn Dr. Sieger vorgebrachten Darlegungen an mit dem Hinweise darauf, daß Redner schier seinen Augen und Ohren nicht traut, wenn er die heutigen Ausführungen dieses Cultusvorstandes mit jenen vergleicht, die derselbe anläßlich seiner Candidatur vor zwei Jahren in denselben Räumen gehalten hat. Damals haben die Säulen und Propyläen des

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