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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 858 j&x. VLoch's Wochenschrist Str. 47 in Wien, doch führe ich anderseits wieder an, daß in Berlin ein Einkommen unter 1200 Mark nicht besteuert werden kann, wenn der Betreffende auf die Wahlberechtigung Verzicht leistet. Es wird Aufgabe Ihres Vorstandes fein, daß neben dem Bestreben, eine allen Personen gleich gerechte Steuerquote aufzuerlegen, auch alle Jene zur Steuerpflicht herangezogen werden, welche bis nun unauffindbar geblieben find. (Sehr richtig!) Im Zusammenhänge damit steht das Bestreben, die Maximalsteuergrenze zu erhöhen, denn die durch die örtliche Ausdehnung des Grmeindegebietes bedingte Schaffung von Cultusbezirksfilialen, die unentgeltliche Verwaltung der uns anvertrauteu Widmungen und Stiftungen, die durch die allgemeinen Theuerungsverhältniffe nothwendig gewordene Erhöhung der Gehalte für die Beamten und Diener, sowie die Pflicht, der großen Zahl unserer durch die gegebenen politischen Verhältnisse verarmten Bevölkerung theils materiell, theils durch unsere Humanitären Anstalten beizustehen, all dies bringt Ausgaben mit sich, die bei dem steten Wachsen der Gemeinde und ihrer Agenden sich immer vergrößern. Wir gehen mit ganzem Herzen und vollen Kräften an die Erfüllung unserer Aufgabe, das Gleichgewicht im Haushalte der Gemeinde aufrecht zu erhalten, bedürfen jedoch der regen Betheiligung jedes Einzelnen unserer Glaubensgenossen, um ersprießlich wirken zu können. Und so schließe ich, indem ich meine Thätigkeit auch weiterhin zur Verfügung stelle." (Lebhafter Beifall.) Hieraus ertheilte der Präsident das Wort dem Vorsteher Ober-Ingenieur von Mises: „Sehr geehrte Versammlung! Ich habe mir das Wort erbeten, um von dieser Stelle aus gleichfalls meine Candidatur in den Cultusvorstand für die nächste Wahlperiode anzumelden. Gestatten Sie mir hiebei vor Allem auf einen Vorwurf zurückzukommen, der wiederholt erhoben wurde, und zwar der Vorwurf, daß ich vor zwei Jahren, anläßlich der Vorstandswahl meine Candidatur nicht persönlich vertreten habe. Als ich vor zwei Jahren von den vereinigten Bethaus- Vereinen in den Vorstand candidirt wurde, glaubte ich noch kein Recht zu besitzen, vor Sie hinzutreten, Ihr Vertrauen zu erbitten und mich als Candidat zu empfehlen. Ich konnte nur auf eine bescheidene Thätigkeit in Wohlthätigkeits-Vereinen und iy einem größeren Synagogen-Vereine, dessen Obmann-Stellvertreter ich zu fein die Ehre habe, Hinweisen, eine Thätigkeit, die nur einem verhältnißmäßig kleinen Kreise der geehrten Wähler bekannt war. Heute befinde ich mich in einer ungleich günstigeren Lage. Während meiner zweijährigen Thätigkeit bin ich einem großen Theile der Wähler näher getreten, als Delegirter des Vorstandes hatte ich Gelegenheit, mit vielen Vereinen und Corporationen direct zu verkehren, deren Wünsche und Forderungen aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Ich bin in der Lage, auf eine zweijährige Thätigkeit Hinweisen zu können, die mir ein großes Opfer an Zeit, an Mühe und Arbeit auferlegte, der ich mich aber freudig und opferwillig hingegeben habe. Aus dem Ihnen vorgelegten Verwaltungsberichte werden Sie den ganzen Umfang unserer Thätigkeit erkennen. In allen Sectionen waren die an unsere Arbeitskraft gestellten Anforderungen sehr bedeutend. Als Mitglied der Section für rituelle Angelegenheiten bin ich stets für die Erhöhung der Jahres-Subventionen für die bestehenden Bethaus-Vereine, für die Ertheilung von Baudotationen zur Erbauung neuer Synagogen, für die Ausgestaltung der Rechte der Bethaus-Bereine eingetreten. Segensreich erwies sich eine Einrichtung, die über meinen Antrag in der Gemeinde eingeführt wurde. Es ist dies die Bestellung eines Funktionärs, dessen Aufgabe darin besteht, arme, kranke Juden in den Spitälern aufzusuchen, ihnen beizustehen, mit ihnen zu beten, deren Wünsche, oft die letzten Wünsche in diesem Leben, der Familie zu übermitteln. Zwei sehr wichtige Angelegenheiten konnten leider der Verwirklichung nicht zugeführt werden. Das Project der Errichtung eines Volkstempels, wiewohl vom Gesammtvorstande auf das Sympathischeste begrüßt, mußte wegen mangelnder Geldmittel zurückgestellt werden. Auch die Koscher-Fleischfrage konnte trotz der größten Bemühungen zufolge technischer Schwierigkeiten in der Durchführung einer befriedigenden Lösung nicht zugeführt werden; Redner reflectirt auf die Aeußerungen des Herrn S. Meisels in einer früheren Wählerversaminlung, welcher unter Zustimmung der Anwesenden dem Cultusvorstande zur Last legte, daß das Rabbinat nicht über die Macht verfügt in einer Frage, welche ausschließlich in seiner Sphäre liegt, mit der erforderlichen Autorität und Energie aufzutreten. Er gibt indessen begründete Aussicht, diese Angelegenheit in der nächsten Zeit endgiltig zu regeln. Sehr lebhaft gestaltete sich die Thätigkeit im Baucomitä. Durch eine Reihe von Jahren sind an den Gebäuden der Cultusgemeinde infolge mangelnder Geldmittel keine größeren Erhaltungsarbeiten vorgenommen worden, und entstand die Roth Wendigkeit, beinahe alle Gebäude in Stand zu setzen. Im Leopoldstädter Tempel, im Tempel der Seitenstettengaffe, wie auch in den Tempeln und den Amtsgebäuden der anderen Bezirke wurden entsprechende Renovirungsarbeiten vorgenommen, Nothausgänge errichtet, fehlende Heizanlagen angebracht. Auch im Spital wurden die nothwendigsten Erhaltungsarbeiten durchgeführt, und waren wir — Dank der Munificenz eines unserer Mitbürger — in der Lage, im Altersversorgungs- Hause das dritte Stockwerk einzurichten und zur Aufnahme von weiteren 50 Insassen vorzusorgen. Gestatten Sie mir, sehr geehrte Herren, daß ich bei dieser Gelegenheit ans eine Bemerkung reflectire, die in einer der letzten Wählerversammlungen, der beizuwohne» ich leider verhindert war, rücksichtlich der Verwaltung des Altersverforgnngshaufes gefallen ist. Es wurde tadelnd hervorgehoben, daß der Vorstand im Altersversorgungshause Ersparnisse einzuführen beabsichtige, um die Erhaltungskosten des neu geplanten Siechenhauses aus diesen Ersparnissen zu bedecken. Dieser Vorwurf ist ungerecht. Ich verrathe kein Amrsgeheimniß, wenn ich mittheile, daß sich der Vorstand seit einem Jahre etwa mit dem Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse im Spitale und im Altersversorgungshause eingehend beschäftigt, daß es bereits gelungen ist, kleinere Ersparnisse zu erzielen und daß Aussicht vorhanden ist. bedeutendere Ersparnisse in der Administration demnächst durchzuführen; selbstverständlich nicht auf Kosten der Erhaltung und Verpflegung der Kranken des Spitals und der Insassen des Altersversorgungshauses. Diese werden nach wie vor aufs Beste beköstigt, verpflegt und erhalten. Wir bestreben uns, das Los der armen Unglücklichen, der Kranken und Gebrechlichen nach Möglichkeit zu mildern, das Spital und das Altersversorgungshaus als Musteranstalten in der Gemeinde zu erhalten. Wir glauben aber auch, meine sehr geehrten Herren, mit den uns anvertrauten Mitteln der Gemeinde Haushalten zu müssen, wir betrachten es auch als Pflicht, eine rationelle Wirtschaft einzuführeu, neue, zweckdienliche Einrichtungen und Verbesserungen anzubahnen. In diesem Sinne glauben wir auch Ihren Intentionen am Besten zu entsprechen. Ich schließe meine Ausführungen und danke Ihnen verbindlichst für das mir seinerzeit entgegengebrachte Vertrauen. Hat Sie, geehrte Herren, meine bisherige Thätigkeit, mein Wirken in der Gemeinde befriedigt, dann bewahren Sie mir auch ferner Ihr mich ehrendes Vertrauen; im Falle einer Wiederwahl werde ich nach wie vor in steter, emsiger Arbeit das Interesse und das Wohl der Gemeinde zu vertreten und zu fördern mich bemühen". (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Philos. und Jur. Dr. Mare. Spitzer sagt unter Anderem Folgendes: „Ich hatte bereits Gelegenheit, in mehreren Wählerverfammlungen mein Programm zu entwickeln, und es würde mir heute nur obliegen, Ihnen einen Rechenschaftsbericht über meine bisherige Thätigkeit im Cultusvorstande zu erstatten. Allein, ich muß gestehen, daß ich auf keine großen Actionen Hinweisen könnte, welche von mir initiirt wurden und daß ich nur das eine Verdienst in Anspruch nehmen kann, mich gewissenhaft den Agenden der I., II., und V. Section gewidmet zu haben, so daß ^ich an jenen Erfolgen, welche durch das harmonische Zusammenwirken Aller erzielt wurden, einen bescheidenen Antheil für mich in Anspruch zu nehmen vermag. Es wurde mir die Ehre zutheil, zum Obmann-Stellvertteter der Rechtssection gewählt zu werden und erscheint wohl die Versicherung überflüssig, daß diese Section weder fette noch magere Processe an ihre Mitglieder zu vertheilen hat und daß deren vornehmste Aufgabe darin besteht, den Willen der Widmer und Stifter zu erforschen, und ist diese Section deshalb von besonderer Bedeutung, weil in derselben die

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