Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 47 (25.11.1898)
- Date
- 1898-11-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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^MSastmmmrnBKt^aiamaxamjssiia» I.■■■■■■■ ...'■' " Nr. 47 Vr. Vloch's Wochenschrift Seite 857 Leistung willen zu theil geworden ist, gilt mir jenes Lob, welches mir einer der ehrwürdigsten und gefeiertesten Männer unserer Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l namens der versammelten Gemeinde an einem unserer höchsten Feiertage vor geöffneter Bnndeslade gespendet hat. (Lebhafter Beifall). Solcher Beifall gilt mir, wie jedem guten Juden, als die höchste Auszeichnung und entschädigt mich für manches erlittene Ungemach. (Zustimmung.) Der Cultusvorstand hat feine besondere Aufmerksamkeit der Pflege des Religionsunterrichtes zugewendet, und halte ich es für meine Pflicht, der ausgezeichneten Thätigkeit unseres Bice-Präsidenten Herrn Dr. Gustav K o h n auf diesem Gebiete, zu gedenken. (Beifall und Händeklatschen). Ich stimme mit vielen meiner Glaubensgenossen in dem Wunsche überein, daß der Unterricht in der h e b r ä i s ch e n S p r a ch e, sowie in der glorreichen Geschichte unseres Volkes, größere Extensität und Intensität erlangen möge. Nichts wird mehr begeisternd und veredelnd ans innere Jugend einwirken, als der Hinweis auf das Vorbild und die Großthaten von Männern, die wir mit Stolz die Unsrigen nennen. Die im Vereine mit Künstlern und Gelehrten im Jahre 1894 gegründete Gesellschaft, welche die Schaffung eines Muse u m s f ü r K u n st u n d h i st o r i f ch e D e n k m ii l e r des I u d e n t h u m s zum wichtigsten Zwecke hat, ist, Dank der Unterstützung des Cultusvorstandes, zahlreicher Mäcene und Gönner erstarkt und hat an Umfang und Bedeutung in solcher Weife zugenommeu, daß sie schon jetzt als der Mittelpunkt geistiger Bestrebungen der größeren Cnltusgemeinden Oesterreichs gelten kann, und daß diese Gesellschaft außerdem mit den größten Gemeinden in Ungarn, Deutschland und dem gesammten westlichen Europa in Verbindung steht. Die von unserer Gesellschaft veranstalteten Vorträge erfreuen sich größten Beifalls. Sie ist endlich inr Curatorium der Freiherrlich Rothschild'fchen Künstlerstiftung durch 3 Mitglieder vertreten. Redner bespricht sohin den bekannten Erlaß des Bezirksschulrathes vom 5. September 1898 und weist auf die bereits mehrfach von ihm besprochene Thatsache hin, daß er zur Zeit der Berathungen im Bezirksschulrathe schwer erkrankt war, und daher außer Kenntniß von den Vorfällen in dieser Körperschaft geblieben ist. Redner theilt noch mit, daß über Auftrag des Cultus- und Unterrichtsministeriums, sowie des Niederösterreichischen Laudesschulrathes die Angelegenheit demnächst wieder vom Bezirksschulrathe behandelt werden wird, wobei ihm Gelegenheit geboten sein wird, seiu Wort im Interesse der gerechten Sache zu erheben." (Lebhafter Beifall.) Redner fährt sodann fort: „Ich wurde ungerechtfertigt und in unverdienter Weise angegriffen. Ich war der Meinung, daß meine bisherige Thütigkeit und die allseitige Anerkennung, die sie gefunden, mich wirksam gegen solche Angriffe hätte schützen sollen; ich habe in einem Jahre, will sagen in jedem Jahre meines Lebens, mehr für meine Glaubensgenossen gewirkt, als meine Widersacher insgesammt während ihres ganzen Lebens. Auf dem Gebiete des Wohlthätigkeitswesens find Schritte zur Schaffung eines Verbandes der Humanitären Vereine geschehen, welchen sich auch der unter meiner Leitung stehende „Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" angeschlossen hat. Dieser Verein hat beschlossen, unter der Aegyde der Cultusgemeinde und in Gemeinschaft mit anderen, der Hebung des Handwerker- und Gewerbestandes gewidmeten Corporationen, ein Arbeilsvernnttlungsamt zu schaffen. Wir haben begründete Hoffnung, daß dieses Amt bereits in den ersten Monaten des kommenden Jahres ins Leben treten wird. Redner bespricht in kurzen Worten das Beerdigungswesen in der Cultusgemeinde. Diese Institution ist vom Geiste echt jüdischer Humanität getragen, denn nur ein Drittel der sämmtlichen Beerdigungen werden gezahlt, während zwei Drittel unentgeltlich geleistet werden. Redner schließt mit den Worten: Eifrigste Sorge des Culturvorstandes war es zu allen Zeiten, den Frieden, der seit Decennien in der Gemeinde herrscht, zu erhalten (Beifall); so wie in der Gemeinde die verschiedenen Schattirungen im Ritus und der Liturgie (Secteu besitzt das Judenthum nicht) friedlich nebeneinander bestehen, so möge dies auch im Vorstande der Fall sein; in den Vorstand aber wollen Sie solche Männer wählen, auf welche der Spruch der heiligen Schrift paßt: „Nefei kapajim uwar lewow“, dann wird der Vorstand seinen Ausgaben gerecht werden zur Ehre und zum Heile dieser großen Gemeinde und all" ihrer Glieder. (Anhaltender lebhafter Beifall.) Kaiserlicher Raih Moriz Hirsch: Sehr geehrte Versammlung! Durch Ihr Vertrauen vor 2 Jahren mit einem Mandat in den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde beehrt, stehe ich heute vor Ihnen, um mich mit einigen Worten um dasselbe neuerlich zu bewerben. Nach meinem ausgezeichneten Vorgänger Herrn Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern zum Obmann der Seetiou für Finanzen nnd Controlle von meinen Collegen berufen, habe ich in dieser Eigenschaft das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Das Verlangen nach einer weitausgreifenden politischen Thätigkeit kann nicht von jedem Mitglied des Vorstandes verlangt werden (Sehr richtig), da die Obsorge der ihm anvertrauten Interessen seine ganze Thätigkeit erfordert, und es genügt daher nach meiner Anschauung, wenn sich im Vorstände eine Anzahl von Personen befinden, welche Sinn und Verständniß für Politik haben; deren Aufgabe wird es sein, im gegebenen Falle und zu geeigneter Zeit dem Vorstand Anregungen zu Beschlüssen volitischen Inhaltes zu geben, welchen er auch getreulich folgen wird. (Bravo! Bravo 9 Im Jahre 1896 wurde die Thätigkeit des Cultus-Vorstandes durch längere Zeit in Folge von zahlreichen Stenerrecursen förmlich lahmgelegt und es zeigte sich, daß die Freudigkeit des Sreuerzahlens im Allgemeinen keine eminente ift (Heiterkeilst ja daß selbst Mitglieder unserer Gemeinde, deren Opst'rwilligkeil in humanitärer Richtung sich glänzend bewährt, — der vorgeschriebenen Cultusstener ernstlichen Widerstand entgegenbrachten. (Hört! Hört!) Wie viele Beratbuugeu haben diele Vorkommnisse erfordert, wie viele Zeit wurde diesen Recurfen geopfert und wie schwer war es für uns — geleitet von dem Wunsche, eine allseits und möglichst gerechte Auftheilung der Steuer vorzunehmen — das Richtige zu treffen! Und da gerade zeigte sich die Klugheit sowie der vornehme Charakter unseres verehr reu Präsidenten in seinem wahren Lichte; denn mit dem Schlagworte „Scbolem", Frieden in die Gemeinde, (Lebhafter Beifall) hat er die verschiedenen Anschauungen der Mitglieder des Vorstandes geeinigt und die fast nimmer endenwvlleuden Beralhungen und Debatten zu einem — hoffentlich allseits befriedigenden — Abschlüsse geführt. Trotz der erhöhten S t e u e r v o r s ch r e i buug reichen aber die Mittel der Gemeinde nicht hin. allen Anforderungen zu entsprechen. Wie Sie aus dem Budger des laufenden Jahres ersehen haben, schließt dasselbe mit einem unbedeckten Saldo von 39.000 sl. Dieses Resultat ist, wiewohl das Budget keine anderen Ansgaöen-Titel enthält als jene, die der Tradition und den Bedürfnissen unserer altehrwürdigen nnd humanen Gemeinden entspringen, nun vorhanden. W ir h a b en es längst em pfunde n, d a ß die Steuervorschreibung durch die Schätzung^- c o m m i s s i o n e n nichts weniger als e i u e i i> e a l e ist und daß in vielen Fällen, obwohl Recherchen nnd Informationen mit Fleiß und Verständniß gepflogen werden, nicht d c e r i ch t i g e Q u o t e die Steuerzahler trifft, einmal ein Zuviel, einmal ein Zuwenig werden sich in nuferer Borschreibung stets abwechseln. Jndeß liegt es nicht in unserer M acht, vorläufig diesen — sagen wir es gerade heraus — ungerechten Zustand zu ändern, insolange nicht die Regierung uns die Bewilligung gibt, n a ch M u st e r des im deutschen Re i ch e herrschenden Modus, die Cultusstener aus Basis des Einkommensteuerbekenntnisses zu reguliren, denn nur so können wir zu einer allseits gerechten und alle Mitglieder unserer Gemeinde gleich belastenden Fatirung und Borschreibung gelangen. Ich muß auch weiters des Umstandes gedenken, daß bei einer Bevölkerungsanzahl von gegenwärtig 138.000 und mehr Juden in Wien nur 14.112 Personen zur Steuerzahlung herangezogen werden können. Zur Beleuchtung, wie weit zurück wir in der Steuerkraft gegen andere große Städte sind, diene Ihnen die Thatsache, daß beispielsweise in Berlin von 120.000 Juden 87.712 steuerpflichtig erscheinen; ich komme daher zur Folgerung, daß sich hier eine ziemlich große Anzahl von Glaubensgenossen der Steuerpflicht entzieht. Sie werden mir vielleicht einwenden, daß in Berlin eine niedrigere Mindeststeuer besteht als bei uns