Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 47 (25.11.1898)
- Date
- 1898-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11 mi' i Nr. ii Vr. Vloch'L Wochenschrift Seite 85« gewilligt hat, ein solches Mandat zu übernehmen, daß er überhaupt keinerlei Beziehungen hat zu den zionistischen Parteien." Zur Palästina-Reise des deutsche» Kaisers und zum Streite im zionistischen Lager nimmt der »Jevnsk Ex. press« in charakteristischer Weise Stellung. Diese im „Jüdisch- Deutsch" geschriebene, unter den Volksmassen sehr verbreitete, zweimal wöchentlich erscheinende Zeitschrift war bisher streng Herzlianisch gesinnt, und gerade darum verdient ihr letzter Artikel, der eine radicale Wendung bedeutet, unsere Aufmerksamkeit. Es scheinen auch dem »Jewish Express« die Augen darüber aufgegangen zu sein, daß man mit der Vorzimmer-„Diplomatie" und der Scheu vor jeder wirthschaftlich-colonisatorischen Thütigkeit höchstens den eigenen Namen populär macht, aber dem jüdischen Volke nichts nützt. Wir finden nun in dem Blatte eine Aufforderung zur Einigkeit zwischen den »Chowawe Zion« und den „politischen" Zionisten, sowie zur wirklichen positiven Arbeit, die nach Ansicht des Artikelschreibers auch den Grundgedanken der Antwort des deutschen Kaisers bilde. Dann heißt es unter Hinweis gerade auf diese Interpretation in dem Artikel: „Wozu al,o der Streit zwischen den alten und den neuen Zionisten? Eine jüdische Autonomie ist, wie es jetzt aussieht, eine Sache, auf die man noch lange zu warten hat, und es bleibt nunmehr eine solide Eolonisations-Arbeit übrig. Worüber also der Streit? Die »Chowawe Zion« haben sehr taktisch gehandelt, indem sie keinen Antagonismus Hervorrufen wollten. Warum sollen die Zionisten nicht ihrem Beispiele folgen? Beide müssen ja einsehen, daß es vorläufig nur e i n Feld zur Arbeit gibt. Warum sollen sie also auf demselben nicht Hand in Hand arbeiten? Das Versprechen des Kaisers beweist, wie unpraktisch Diejenigen waren, die da behauptet haben, man dürfe in Palästina keinen Penny ausgeben, bis man nicht dort die volle Autonomie bekommt. Es wäre die höchste Zeit, daß der leere Streit aufhöre, denn es fehlt überhaupt jede Ursache dazu." Schließlich wird die Hoffnung aus gedrückt, daß die Einigkeit auch hergestellt werden würde. Wir wollen dies hoffen, wenn wir auch nicht daran glauben. Dr. Herzl kennt keine Coordination, sondern nur eine Subordination. Warum sich Sr. Montagu, Albert Goldsmid, Mr. Prag u. A. ihm subordiniren sollten, wissen wir wirklich nicht. Jüdische Neger. (New - Jork.) Durch einen Zufall erfuhr ich, daß sich in den Südstaaten auch einige jüdische Neger finden. Einer darunter, Salomon Williams aus Reading, war kürzlich in unserer Stadt. Es sind dies Nachkommen von Negern, die in der Sclavenzeit in jüdischen Familien lebten und deren Kinder dann in der jüdischen Religion erzogen wurden. Auch in New-Aork lebt einer von ihnen, Moses V a w n s, der in der beschriebenen Weise in einer jüdischen Familie für die jüdische Religion erzogen wurde. Nach dem „Emanu-El" in San Francisco dienten während des Krieges in dem ersten Californischen Freiwilligen - Regiment 59 Juden, darunter 1 Lieutenant, circa 10 Sergeanten, der Rest Gemeine. Dabei hat ein amerikanisches Regiment nur etwa 1000 Mann Stärke. Selbstbekenntniß eines Predigers. Neulich lasen wir in einem Buche folgendes sehr beherzigenswerthe Selbstbekenntniß eines Predigers: „Es gibt viele Prediger, die lange Reden halten; zollt man ihnen Beifall, so freuen sie sich, als hätten sie ein Königreich geschenkt bekommen; bringen sie jedoch ihre Predigt unter allgemeinem Schweigen zu Ende, so sinkt ihr Muth tiefer, ich möchte sagen, wie die Unterwelt. Das ist es, was die G o t t e s h ä u s e r r u i n i r t, daß Ihr nicht Predigten zu hören wünscht, die auch ins Herz treffen, sondern solche, dieEuer Ohr durch ihren Wohllaut und den Klang des Ausdruckes erfreuen, gerade als ob Ihr Sänger oder Lautenschläger höret. Und wir Prediger schicken uns in Euren Willen, statt ihn zu brechen. Wir machen es wie ein Vater, der dem kranken Kinde Kuchen oder Eis gibt, oder etwas Anderes, was es doch nicht essen darf, nur weil es danach verlangt, der sich nicht die Mühe gibt, ihm nur das zu reichen, was ihm wirklich nützt, und der, wenn der Arzt ihm deshalb Vorwürfe macht, nur sagt: „ich konnte das Weinen meines Kindes nicht anhören".... Dasselbe thun auch wir, wenn wir nur nach schönen Worten Haschen, nach überraschenden Schlüffen und wohllautender Sprache, wenn wir nur gefallen wollen und nicht auch nützen, wenn wir nur bewundert sein wollen und nicht auch belehren, wenn wir nur ergötzen wollen und nicht ergreifen, und wenn wir nur mit dem Klang Eures Beifalls im Ohre uns entfernen, ohne Euch zu bessern. Glaubt mir's: ich rede nicht aufs Ungefähr: wenn ihr meinen Worten Beifall ruft, so fühle ich in dem Augenblick, was Jeder fühlen wird. Ich sage es offen — warum sollte ich's nicht? — ich freue mich, ich bin entzückt. Aber wenn ich dann nach Hause gehe und es mir überlege, daß die Menge, die mir Beifall rief, doch keinen rechten Nutzen von der Predigt hatte, daß der Nutzen, den sie hätte haben sollen, durch den Beifall und das Lob erstickt worden ist, dann wird mir weh um's Herz, ich klage und weine, ich habe das Gefühl, als hätte ich vergeblich geredet, und ich sage zu mir selbst: was ist der Erfolg all' Deiner Arbeit? Du siehst, daß Deine Hörer Dir keine Frucht bringen von dem, was Du säest." Du willst wohl, lieber Leser, wissen, wo der Rabbiner lebt, der in solcher Weise zu seiner Gemeinde spricht? Tröste Dich, es ist kein Rabbiner — es ist nur ein uralter Kirchenvater, der vor etwa 1500 Jahren so gepredigt. Die Rede findet sich bei Chrisostomos, dom. in Acta Apost. XXX., 3. „Die Stimme aus dem Sumpf". Der publicistische Leibhusar des zionistischen Gene" ralissimus hat Ordre erhalten, sich in Schlachtordnung aufzustellen und sich möglichst klar zum Gefecht zu machen. Die verschämte Türkenstraßen-Seele seines Gebieters ertheilte ihm diesen Auftrag — die viel vornehmere, edlere Fichtegasse-Seele fcheert sich den blauen Teufel um all' diese Dinge. Herr Dr. Werner wirft sich also in Positur und theilt dem Staatsanwalt, dem Corrector und den zahlreichen Abonnenten der „Welt", die merkwürdigerweise fast alle auf den Namen „Naschauer" hören, mit größter Emphase die erstaunliche Neuigkeit mit, daß er sich nicht im Falle befinde, uns — zu grüßen! Wir wären darüber gewiß ganz trostlos, wenn uns diese Thatsache nicht mit einer gewissen Befriedigung erfüllte. Unsere Haltung in der bekannten Affaire der armen Tallisweber von Kolomea hat uns diesmal den Separat-Unwillen der zionistischen Herrschaften zugezogen. Weil wir es gewagt, für Familienväter einzutreten mit ganzen drei Gulden Wochenlohn — so viel mindestens hat Herr Dr. Werner für seinen Artikel bekommen, wenn er es auch nicht werth war, — deshalb verdienen wir es, mit Steinen und noch viel Aergerem, mit den Stilübungen eines unbeschäftigten Arztes beworfen zu werden, den faulen Früchten ungezählter Musestunden . . . Die Arbeitgeber verwahrten sich sofort gegen das, was ihnen als das Schimpflichste erschien von Allem, nämlich gegen den Vorwurf, der zionistischen Partei anzugehören. Das ist ja schließlich Sache des persönlichen Empfindens. Aber die drei Gulden Wochenlohn berichtigten sie nicht. Es wird fortgehungert. — Die ganze abgeschmackte und langweilige Salbaderei der „Welt" zu erörtern, sei mit Rücksicht auf die Geduld unserer Leser unterlassen. Wir beschränken uns^darauf, zwei Capital-Blödheiten herauszuheben und als allerperfideste, dummdreiste Lügen gebührend anznnageln: „Er (Dr. Bloch) hat sich nämlich vor nicht allzulanger Zeit an einen Mann gewendet, dessen Einfluß im zionistischen Lager bekannt ist, und ihm den Antrag gestellt, die „Oesterreichische Wochenschrift" gegen das bescheidene Entgelt von wenigen hundert Gulden für die zionistische Propaganda zu eröffnen. Natürlich haben die Zionisten dieses edelmüthige Anbot abgelehnt." Das ist doch, selbst für einen Zionisten allzu albern gelogen rmd— für ein raar hundert Gulden blos! — nicht für die „Welt"! Derlei infame Besudelungen kennzeichnen und brandmarken nur ihre Erfinder selbst. Was die in Frage gestellten Verdienste des Dr. Güdemann, Dr. Bloch, Dr. Glaser betrifft, so wäre es höchst unbillig, von den Schleppträgern des Dr. Herzl zu verlangen, gerade darüber informirt zu sein. In einer dem „Ruch Katolicky" mit voller Quellenangabe entlehnten Notiz berichteten wir, daß in Lodz 72 den zionistischen Vereinigungen angehörige Juden verhaftet worden seien. Das verdrießt die tapferen Anonymnsse da