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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 846 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 46 ist sein gleichfalls von den antisemitischen Zeitungen veröffentlichtes und, wie diese berichten, abschlägig beschiedenes Gesuch um Namensänderung namentlich wegen der Begründung desselben. Es heißt darin u. A.: „Der Bittsteller ist, wie der anliegende Taufschein ergibt, evangelischer Religion. Sein Name ist aber ein so ausgesprochen jüdischer, daß er allgemein für einen Juden gehalten wird. Dies hat für ihn bei der heutigen antisemitischen Strömung sehr empfindliche Unzuträglichkeiten zur Folge. Wird es schon selten einen Christen geben, der es nicht als eine persönliche Kränkung empfindet, als Jude angesehen und behandelt zu - werden, so hat der Bittsteller unter dem Odium seines Namens fortdauernd auch mit schweren g eschästlichen Nachtheilen zu kämpfen. Er hat die Generalvertretung eines großen englischen Werkes für den ganzen Continent übernommen. Gleich bei seinen ersten behufs Einführung dieses Werkes unternommenen Reisen stieß er auf ungeahnte Schwierigkeiten, indem man von vornherein jede Anknüpfung mit ihm unter den nicht mißzuverstehenden Andeutungen ablehnte, daß man mit einem Juden nichts zu thun haben wolle. In Oesterreich ist er als vermeintlicher Jude fast unmöglich. In Frankreich hat er unter dem doppelten Odium des Juden und des „Prussien" zu leiden. Aber auch abgesehen von der geschäftlichen Seite dürfte das Bestreben eines Christen, von einem stockjüdischen Namen und damit von dem Verdacht, Jude zu sein, befreit zu werden, schon aus rein menschlichen Rücksichten nicht ungerechtfertigt erscheinen." Es ist wirklich ein Jammer, daß die Behörde diese „rein menschlichen Rücksichten" nicht zu würdigen vermocht hat. London, im November. Rabbi David K o h n-Z e d e k, welcher als Schriftsteller und Prediger bekannt und allgemein geachtet ist, zeigt seit einer Reihe von Jahren bei jeder sich darbietenden Gelegenheit, daß er zur Zahl der eifrigsten Patrioten von Oesterreich-Ungarn gehört. Die feierlichen ®fltiäefrebeit, welche er jedes Jahr am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. in den hiesigen Synagogen hält, sind durchdrungen von wahrer Loyalität. So verfehlt Herr Kohn- Zedek nicht, bei jeder Gelegenheit von Freuden und Leiden öffentttch seine Verehrung für das Kaiserhaus zu bekunden. Die Trauerrede, welche der Bezeichnete nach dem Hinscheiden Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth hielt, machte auf die zahlreichen Zuhörer tiefen Eindruck. Ek schilderte in beredten Worten die hohen Tugenden der edlen Heimgegangenen. Der Prediger schloß seine Rede mit einem von ihm in Versen verfaßten Gebete für das Seelenheil der verewigten Kaiserin, und für das lange Leben des Kaisers. Vermischtes. Wie«. (Jubiläum des Directors Heller.) Am 13. November l. I. waren es 25 Jahre, seitdem Herr Director S. Heller die Leitung des Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte übernahm und dieselbe mit großem Erfolge zum Segen der blinden Kinder israelitischer Confession führt. Dieses Institut wurde 1870 von Dr. Ludwig August Frankl Ritter v. Hochwart ins Leben gerufen, Freiherr Jonas v. Königswarter ließ ein schönes und prächtig eingerichtetes Haus für 50 blinde Kinder errichten. Der Name Heller hat in der Blindenwelt einen guten Klang und die von ihm. zuerst im israelitischen Blindeninstitute eingeführten modernen Disciplinen, Zeichnen und Modelliren, haben beinahe in allen Blindenanstalten der ganzen Welt Eingang gefunden. Director Heller hat sich auch an allen Blindenlehrer-Congressen activ betheiligt und seine wiffenschastlichen Vorträge fanden stets reichen Beifall. Die Resultate des israelitischen Blinden-Jnstitutes sind denn auch außerordentlich günstig; die meisten Zöglinge haben sich eine vortheilhaste sociale Stellung gegründet. Es ist leicht begreiflich, daß diese in der österreichisch-ungarischen Monarchie zerstreut lebenden Handwerker (Bürstenbinder, Flechter, Clavierstimmer, Clavier- und Orgelspieler), Beamten rc. mit großer Liebe au ihrem Lehrer und ihrem zweiten Vaterhaus hängen. Und so wurde der 13. November als ein Tag der Freude und der schönsten Erinnerung im Herzen der zahlreichen Schüler und Verehrer des Jubilars gefeiert. Möge der wackere Blinden- Pädagoge auch fernerhin zum Glück und Segen der Blinden in vollster geistiger und körperlicher Frische wirken. Wien. (V e r z e i ch n i ß der e i n g e l a u f e n e n Spenden zu d e in aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums S r. M a j e st ä t d e s K a i s e r s von der israelitischen Cultusgemeiude Wien zu errichtenden israelitischen Siech e n h a u s e). ‘ Je 500 fl. die Herren: N. Hellmann, Lieser, Duschnitz und Adolf Lösfl in Firma Franz Schmitt; 300 fl. Herr Director Moriz Bauer; je 200 fl. die Herren: „K. G.", Moriz von Borkenau, Salomon Kohnberger, Ignatz Gewitsch (Nachtragsspende), Hermann S. Doctor, Isidor Mautner und David Berl; je 100 fl. die Herren: I. Z. Schütz, Wilhelm Abeles & Co., Samuel S. Bing, Sigmund von Bauer, S. Landsinger, Donat Zifferer, Felix Epstein, Director Adolf Klein und Frau Anlonie von Boschan; je 50 fl. die Herren: Adolf Spitzer, Carl Hirsch, Ludwig Fürth, Robert Kern, Dr. Eugen Ritter von Boschan und Max Hiller; je 25 fl. die Herren: Dr. Jacob Engel (Nachtragsspende), Dr. Gustav Kohn und Friedrich Birnbaum. Wien. (Spenden- Ausweis für den Brigitten au er Tempelbau.) Adolf Mandl jun. 2 fl., Julius Silberberger 3 fl., M. Hager 5 fl., Dr. N. Weinstein 5 fl., Flotter 5 fl., Dr. E. Rosenthal 5 fl., D. Langer 5 fl., Markstein 2 fl., Josef Alberti 10 fl., Spiegel, Wallensteinstraße Nr. 16, 10 fl., Dr. Philipp Goldschmid 25 fl., C. v. Eisenstadt 5 fl., Ignaz Krön 5 fl., S. Kornfeld 5 fl., Dr. Libitzky 3 fl., B. Kohn 5 fl., A. Stoßt 5 fl., S. M. 10 fl., M. Karpeles 10 fl., Ignaz Bittman 5 fl., Max Zerner 5 fl., Dr. Tenebaum 2 fl., zusammen 137 fl., bereits ausgewiesen 17.879 fl. Summe 18.016 fl. Wien. Für die kranke blinde Witwe sind uns zugekommen von M. N. in Aspern a./d. Donau 2 fl. 50 kr. Wien. An Spenden für die armen Tallisweber in Kolomea sind uns zugekommen: von Herrn Moritz Brüll, Riemermeister, Wien. II. Taborstraße 71, 10 fl.; durch Herrn Franz Kleinberger in Roth-Kosteletz als Ergebniß einer Sammlung von Herrn Director Ehrlich 1 fl., Siegfried Pichl 1 fl., F. Kleinberger 1 fl., Leopold Eisenmann 1 fl., Dr. Ullmann 1 fl., T. Kleinberger 50 kr., Alfred Fischer 50 kr., Rudolf Bergmann 50 kr., zusammen 7 fl. __ Wien. Der Verein „Zwanglos" veranstaltet Sonntag den 3. December 1898 im Festsaale des Kaufmännischen Vereines, I., Johannesgaffe 4, eine Wohlthätigkeits-Akademie mit Tanzkcäuzchen. Das Reinerträgniß soll zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet werden. Das Programm enthält mannigfache und interessante Piecen, nachdem hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt haben. W»en. (Der Methusalem von Wien.) Vor einigen Tagen feierte der in Währing, Schopenhauergasse Nr. 30 wohnhafte M. L. Kohn seinen 112. Geburtstag. Einem Besucher gegenüber, der ihm hiezu gratulirte, bemerkte er wehmüthig: „Das Leben dauert mir schon ein Bischen zu lange; Gott vergißt ganz, mich abzuberufen!" Proftuitz. (Trauungen.) Am 6. d. M. verehelichte unser verdienstvoller Cultusvorsteher und Obmann der „Chewra- Kadischa" Herr Samuel Hirsch seine zwei jüngsten anmuthigen Töchter Jda und Ella mit den Zwillingsbrüdern Victor und Alfred Wolf, Gesellschafter der großen Waarenhalle unter der Firma Sigmund Reiner & Comp. Zu dieser Hochzeit kamen auch die Brüder des Herrn Samuel Hirsch, die Herren Hermann, Carl und kaiserl. Rath Moritz Hirsch aus Wien mit all' ihren Familienmitgliedern. Es zeigte sich diesmal auch, daß es schon höchste Zeit sei, einmal endlich mit dem schon längst geplanten Tempelbau zu beginnen, indem der Tempel bei dieser Feier so erdrückend voll war, daß viele Bürger keinen Einlaß mehr fanden. Die zwei Trauungsreden, welche unser Herr Rabbirer Dr. Goldschmidt hielt, zeigten auch diesmal von der seltenen Rednergabe, mit welcher der beliebte Kanzelredner alle^ seine Zuhörer zu begeistern versteht. Herr Rabbiner Goldschmidt nahm sodann auch die Trauung des Fräulein Julie Camilla Winter, Tochter des Brauhausbesitzers Herrn Friedrich Winter, mit Herrn Dr. Oskar F e i g e l, Advocaten in Wien, vor. Koli«. (Hochherzige Spende.) Der neugewählte Vorsteher unserer Gemeinde, Herr B. Bondy, hat bei seinem Amtsantritt anläßlich des Regierungsjubiläums unseres Kaisers 2000 Kronen wohlthätigen Zwecken in unserer Gemeinde zugeführt. Ein leuchtendes Vorbild in seiner Familie hat Herr Bondy an seinem Großvater, dem wegen seiner Wohlthätigkeit und Gelehrtheit weit bekannten Jontev-Rossitz.

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