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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Bloch'» Wochenschrift Seite 845 Prag. Dem unvergeßlichen Gesangskomiker der deutsche» Landesbühne Carl M. Schlesinger wurde dieser Tage auf dem neuen israelitischen Friedhofe in Straschnitz ein Denkstein gesetzt. Eine aus Syenit gemeißelte Pyramide zeigt im oberen Felde eine lorbeerumkränzte Lyra, durch die sich ein Band schlingt, das die sinnvolle Inschrift trägt: „Nun leg' ich meinen Hobel hin — Und sag' der Welt Ade!" Bekanntlich gewannen diese Worte „Valentins" eine besondere traurige Beziehung zu Schlesinger's Person, da er in dieser Rolle zum letzten Male die Bühne betrat und, damals bereits leidend und sein Schicksal vorahnend, am Schlüße der Vorstellung die angeführten Worte im Freundeskreise traurig citirte. Die eigentliche Grabschrist lautet: „Hier ruht im Frieden Carl M. Schlesinger, Mitglied des kgl. deutschen Landestheaters, geb. 8. Februar 1847, gest. 12. August 1897 nach einem der Kunst und der Familie gewidmetem Leben". Czernowitz. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde veröffentlicht seinen Bericht über deren Gesammtthätigkeit für die Verwaltungsjahre 1891—1896. Die Einnahmen der Ge-, meinde bezifferten sich jährlich mit etwas über 19.000 fl., die Ausgaben mit 16.000 bis 17.000 fl. Rühmend hervorzuheben ist die humanitäre Nützlichkeit der Chewra-Kadischa. Besondere Sorgfalt widmete der Cultusvorstand den Humanitären Instituten, insbesondere dem Spital. Die Stiftungen und Legate haben eine namhafte Vermehrung erfahren. Unter den neuen Stiftungen ist besonders hervorzuheben: Die Heinrich Wagner'sche Stiftung für arme Witwen (25.000 fl.), die Amalie Zucker'sche Armenstiftung (10.000 fl.), zwei David und Caroline Tittinger'sche Stiftungen (zu 1000 fl.), die Samuel und Chodrower'sche Stiftung per 2000 fl. Die Anschaffung von Winterkleidern für arme Schulkinder bildete den Gegenstand ernstlicher Fürsorge seitens des Vorstandes, welcher von einem Comite hochherziger Damen unterstützt wurde. Der von der Gemeinde subventionirte Verein „Machse Luewjon" (Armenbeschützer) befaßt sich mit der Vertheilung von Brennholz an arme israelitische Familien. Der Bericht gedenkt des im Jahre 1892 erfolgten Hinscheidens des Ober- und Landesrabbiners Dr. Igel nach beinahe 40jähriger Thätigkeit. Sein Nachfolger ist Herr Dr. Josef R o s e n f e l d, welcher in Sachen des religiösen Cultus und Unterrichtes dankenswerthe Neuerungen einführte und den Unterricht an den oberen Classen der Mittelschulen selbst ertheilt, während in den unteren Classen der Unterricht von Herrn Abraham Hermann ertheilt wird. Herr Dr. R o s e n f e l d inspicirt auch den Religionsunterricht an sämmtlichen Volksschulen. Der Bericht gedenkt ferner des im Jahre 1896 verstorbenen Obercantors Herrn Jsak R o s e n h e k, welcher zur Verschönerung des Gottesdienstes erheblich beigetragen hat; sein Nachfolger wurde Herr Simon Schächter, früher Obercantor in Budapest. Der Witwe des Obercantors Herrn Rosenhek hat der Cultusrath in munificenter Weise eine jährliche Witwengabe von 600 fl. zuerkannt. Der Unterricht an der Gemeindeschule für Knaben und Mädchen weist befriedigende Resultate auf. Im Februar 1898 wurden die Cultusrathswahlen nach dem neuen Gemeindestatut vorgenommen und bei der Constituirung wurden gewählt: 1. zum Präses der Cultusgemeinde: der bisherige Präses Herr Naftali T i t t i n g e r; 2. zum Präses-Stellvertreter: der bisherige Präses-Stellvertreter Herr Bernhard Baltinester; zu Vorstehern beziehungsweise zu Sections-Obmännern die Herren: David Tittinger (Obmann der Finanz-Section), Dr. Benno S t r a u ch e r (Obmann für Cultus-Angelegenheiten), Dr. Bernhard Funken st ein (Obmann für Unterrichts-Angelegenheiten), Dr. Jsak Kohn (Obmann für Wohlthätigkeits- Angelegenheiten) und Hersch Trichter (Obmann für Spitals- Verwaltung und das Beerdigungswesen); in die einzelnen Seetionen wurden die nachbenannten Cultusräthe gewählt: in die Finanz-Section die Herren: A. M. Brunstein, Jsak C h a r g a f f, Lazar Roth und Jakob K i n d l e r; in die Cultus-Section die Herren: Salomon G r o n i ch, Markus Kampelmacher, Efroim Hersch Melzer und Nachmann Moses W e i tz n e r: in die Unterrichts-Section die Herren: Adolf K o t t l a r, Moritz Singer, Moritz Salier und Dr. Neumann Wender; in die Wohlthätigkeits-Section die Herren: Jakob Gold, Leib Herschmann, Ferdinand Mayer und Leiser O e h lgießer; in die Sectiou für die Spitalsverwaltung und das Beerdigungswesen die Herren: Sigmund ©erbet, Abraham K a p r a l i k, Markus K i ß l i n g e r und Dr. Ludwig L u t t i n g e r. Tachau. (Rabbiner D r. S ch i d l o f.) Im 83. Lebensjahre ist in der vorigen Woche unser allgemein verehrter Rabbiner Dr. S ch i d l o f dahingeschieden, welcher 43 Jahre lang in der hiesigen Cultusgemeinde wirkte. Ein gelehrter Manu, ein edler Charakter, eine Persönlichkeit von herzgewinnender Liebenswürdigkeit, stand Dr. Schidlof nicht blos bei den Mitgliedern der seiner Seelsorge anvertrauten Gemeinde, sondern auch bei der christlichen Bevölkerung in hohem Ansehen. Besonders beliebt war Dr. Schidlof bei dem Gutsbesitzer von Tachau, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Fürsten W i n di s ch g r ä tz, auf dessen Schloß der joviale und bis in sein hohes Alter rüstige und geistesfrische Gelehrte ein stets gerne gesehener Gast war. Die Gemalin des Fürsten war Mitglied des Tachauer Talmud-Thoravereines und widmete demselben alljährlich einen ständigen Beitrag. Ihrer Fürsprache war es zu verdanken, daß auch die nunmehr in Gott ruhende Kaiserin dem Talmud-Thoravereine einen Jahresbeitrag zuwendete. Biel besprochen wurde hier eine Begegnung zwischen dem Cardinal-Fürsterzbischof von Prag und unserem Rabbiner. Als Cardinal Fürst Schwarzenberg vor einigen Jahren bei d«-m Fürsten Windischgrätz zu Besuche weilte, wurde auch Dr. Schidlof von ihm in Audienz empfangen. Der Cardinal richtete an den eintretenden Rabbiner, nachdem er ihn begrüßt hatte, die Frage: „Wie lange noch werden Euch Juden die Augen nicht geöffnet werden? — „Uns Juden", antwortete in devotem Tone der Rabbiner, „hat der Talmud längst die Augen geöffnet, indem er erklärte, daß die Frommen aller Völker Antheil haben am ewigen Leben, und daß der liebe Gott nicht auf die Meinungen der Menschen achtet, sondern auf ihre Handlungen." Der Cardinal war über diese nach seiner Anschauung ketzerische Erklärung so consternirt, daß er ohne weitere Bemerkung das Zimmer verließ, und damit war die Unterredung beendet. Anläßlich des Hinscheidens unseres verehrten Rabbiners wurde die Erinnerung an diese seine Begegnung mit dem Fürsterzbischof wieder aufgefrischt. Dr. Schidloff hinterläßt das Andenken eines wahrhaft frommen und dabei toleranten Gelehrten, der sich die Ideale seiner Jugend treu bewahrt hatte bis ins Greisenalter. Frankfurt a/M. Das Wintersemester des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur wurde durch einen Vortrag des Rabbiners Dr. Löwenthal-Tarnowitz eröffnet, der sein Thema: „Jüdischer Humor im 13. Jahrhundert" betitelte und sich mit dem jüdischen Gelehrten und Dichter Immanuel benSalomo beschäftigte. Dieser hervorragende Mann wurde um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts in Rom geboren, daher sein Beiname „Romi", der Römer. Er trieb ernste wissenschaftliche Studien auf den verschiedensten Gebieten; daneben huldigte er den schönen Künsten, zahlreiche poetische Schriften entstammen seiner Feder und legen heute noch Zeugniß ab, wie um jene Zeit, in der die Juden in den andern Ländern grausam verfolgt wurden, in Italien unter dem milden Regime toleranter Fürsten ein froher Sinn unter den Juden walten und gedeihen konnte. Immanuel war mit Dante befreundet, und es ist wahrscheinlich, daß er durch die Mittheilung einer im Talmud vorkommenden Himmel- und Höllenfahrt dem italienischen Dichter die Anregung zu seinem unsterblichen Werke gegeben hat. Er selber hat eine stoffverwandte Dichtung verfaßt. Der jüdische Poet besitzt heiteren Humor und scharfe Satire und neigt selbst ein wenig dem lasziven zu. Der Vortragende gab in vortrefflicher >Uebersetzung einige Dichtungen Immanuels wieder, die mehr als Dutzendwaare sind. In der Ursprache sind sie selbst für gewiegte Kenner des Hebräischen schwer verständlich. Bald nach Romi's Tod begann auch in Italien die Leidenszeit der Juden, und aus den düstern Gaffen des Ghettos dringt kein poetischer Lichtstrahl mehr hervor. Berlin. Eine hübsche Geschichte erzählen — die hiesigen Antisemitenblätter. Einem jüdischen Getreidehändler, Namens A. Cohn, Brückenallee 3, ist die Erlaubniß ertheilt worden, fortan den Namen Kant zu führen. Dagegen ist das Gesuch eines christlichen Kaufmannes, Namens Cohn, um Abänderung seines Namens in Böhm oder Archibald abschlägig beschieden worden. Darob große Trauer bei den vereinigten Antisemiten. Der letztere stammt aus einer uralten protestantischen Familie; sein Urgroßvater ist Schäfer gewesen. Jntereffant

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