Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Date
- 1898-11-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 844 Dr. VLoch » Wochenschrisr Nr. 48 $ I j s l I i j! i i!! L Vereines „Oseh Tow“, lll., Obere Weißgärberstraße 6—8, wurde für das Seelenheil der Kaiserin ein feierlicher Gottesdienst abgehalten und nach einer ergreifenden Trauerrede und Abhaltung eines Lehrvortrages das Kadisch-Gebet verrichtet. Hierauf erstattete der Obmann Herr I. Schwarz den Bericht über die bisherige Ehrung des Angedenkens der verewigten Kaiserin durch das am Versöhnungstage abgehaltene Requiem und Gründung eines „ewigen Lichtes", worauf folgende Beschlüsse gefaßt wurden: 1. Als Denkmal zur Ehrung des Angedenkens der verewigten Kaiserin eine eigene Synagoge mit der Inschrift: ,,Mischkan sekoraun awur nischmass ha Kaiserin Elisabeth wenischmass ha Kronprinz Rudolf hazerorim weharaasehirem beor hachaim“. (Gedächtnißhütte für das Angedenken Ihrer Majestät der Kaiserin und des Kronprinzen, welche strahlen im Lichte des ewigen Lichtes.) 2. Es werden zwei Marmor-Botivtafeln, in denen eine Darstellung der Tugenden der Höchstverewigten mit goldenen Lettern eingravirt wird, angefertigt. 3. Es werden während des Trauerjahres jedesmal am 10. des Monates und für die Dauer am Sterbetage, dem 10. September, sowie auch dem 30. Jänner für das Seelenheil des Kronprinzen Lehrvorträge und das Kadisch-Gebet abgehalten. 4. Der Ausschuß wird ermächtigt, sich diesfalls mit der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ins Einvernehmen zu setzen und alle Schritte zur Erreichung dieses edlen Zweckes einzuleiten. Diese Anträge wurden zum Beschluß erhoben, worauf der Herr Obmann I. Schwarz für die Erbauung einer Synagoge 500 fl., Herr Obmann-Stellvertreter Sam. Metzger 300 fl., die Herren M. Kirschenbaum, Dr. Klauber aus Sambor. Jos. Lilien, S. Milet, I. Jäger je 200 fl. und die Herren A. Terner, Max Todel, Ch. Aberbach, B. Mahner je 100 fl. spendeten. Es wurde auch beschlossen, die Talmud-Thora am 15. November im Vereinslocale zu eröffnen. In die Vereinsleitung wurden gewählt die Herren: I. S ch w a r z, Obmann; Sam. Metzger, Obmann-Stellvertteter; A. T e r n a, Schriftführer; M. G r o ßm a u n, Schriftführer-Stellvertreter; Josef Lilien und die Herren S. Milet, M. Spieler, I. Jäger, B. Matzner, M. Kirschen bäum, S. Brandwein er. Wie«. (Adolf von Sonnenthal an Dr. D. L e i m d ö r f e r.) Gelegentlich der Zusendung der jüngst von dem Hamburger Rabbiner Dr. Phil. D. Leimdörfer herausgegebenen Zeitstimme unter dem Titel „Der alte Gott und die neue Zeit" an den ihm von seiner Studienzeit her bekannten Adolf v. Sonne nthal, Regisseur des k. k. Hof-Burgtheaters in Wien, richtete der letztere an den Autor nachstehendes Schreiben: „Euer Hochwürden haben mir durch Uebersendung Ihrer höchst geist- und inhaltreichen Predigt eine anregende, ja andachtsvolle Stunde bereitet. Ihr Thema, der ein alleinige Gottesgedanke ist es ja, was uns zu Juden macht, und er allein ist der feste Kitt nicht, wie Sie ganz zutreffend den Dichter verbessern, des morschen, sondern des vielmehr unauflöslichen Bundes, der uns zusammenhält und uns die Kraft verleiht, dieser verpesteten Seuche der sogenannten „Neuen Zeit", dem Antisemitismus, die Stirne zu bieten. Ich selbst, wenn auch nach unseren heiligen Dogmen nicht religiös, doch bis in die innersten Fasern meines Herzens Jude, ich begrüße solche erhebende, uns neubelebende Sttmmen wie die Ihrige jederzeit mit dankbarem Enthusiasmus, und wo ich selbst im Stillen, oder auch ganz laut mein Scherflein beitragen kann, thue ich es immer. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Male Lessin g's „Nathan" spielte, wurde mir von verschiedenen Seiten große Anerkennung zutheil, und auch eine fürstliche Gönnerin von mir ließ mich zu sich rufen und überschüttete mich mit Lobeserhebungen. Durchlaucht, erwiderte ich, diesmal hat der Künstler weniger Antheil an dem Erfolge gehabt, als vielmehr der Jude in mir, der mich für meine Aufgabe begeisterte, es war mir geradezu eine Wollust, einmal von meiner Kanzel herab mein schmerzerfülltes Herz auszuschütten. Die Fürstin sah mich eine Weile überrascht an, dann drückte sie mir stumm die Hand — es war die Fürstin Pauline Metternich. Noch ganz besonderen Dank muß ich Hochwürden aber auch sagen, daß Sie in so warmen, schwungvollen Worten unserer unglücklichen Kaiserin gedachten, deren Schicksal wohl zu dem entsetzlichsten und zugleich erschütterndsten unseres Jahrhunderts gehört. Nochmals Dank vom ganzen Herzen, und empfangen Sie zugleich den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung, mit welcher ich verbleibe Euer Hochwürden ganz ergebener A. Sonnentha l." Wien. 8. November 1888. Wien. Wie bereits mitgetheilt, hat der Verwaltungs- Gerichtshof die Entscheidung des Ministeriums des Innern, betreffend das Verbot des Tempelbaues im VIEL Bezirke, Neudeggergasse 12, wegen mangelhaften Verfahrens aufgehoben. Der Berwaltuugs-Gerichtshof hob in der Begründung hervor, daß die Entscheidung des Ministeriums, die auf d8s Gutachten der Feuerwehr und der Wiener Polizei-Direction basirt war, nicht hinreichend war, um das Verbot des Tempelbaues zu begründen , zumal diese Gutachten selbst angeben, daß der Tempelbau an sich kein feuergefährlicher Bau sei und nur bei einer möglichen Gefahr leicht eine Panik hervorgerufen würde. Da auch bei der Commission vom 24. Mai ein Bedenken seitens der technischen Organe gegen den Bau mit Rücksicht auf eine Feuersgefahr nicht erhoben wurde, sei der Verwaltungs-Gerichtshof der Anschauung, daß ein Localaugenschein unter Zuziehung von Sachverständigen festzustellen habe, welche Gefahr mit Rücksicht auf die localen Verhältnisse in der Neudeggergasse und mit Rücksicht auf die Zeit des Gottesdienstes und den Besuch des Tempels eventuell entstehen könnte. Die von dem Ministeriuni des Innern beliebte analoge Anwendung der Theater-Bauordnung auf den Bau von Gotteshäuse r^n treffe nicht zu, da dieses Gesetz ein Specialgesetz sei und nur auf bestimmte, im Gesetze selbst angeführte Fälle angewendet werden darf. Olmütz. (Wahlen in die Cultusgemeinde.) Bei der Ergänzungswahl des I. Wahlkörpers wurden gewählt: In den C u l t u s a u s s ch u ß die Herren: Dr. Jacob Eben, Dr. Berthold G a m s, Siegmund Zweig. In den v e rstärkten C ultu sausschuß die Herren: Salomon C z e c z o w i c z k a, Moritz Fische r, Friedrich F i s ch l. Bei den Wahlen des II. Wahlkörpers wurden gewählt in den Ausschuß die Herren: Eduard Hamburger, Josef L o e w und Jacob K i r s ch n e r; in den verstärkten Ausschuß die Herren: Bernhard Kaufmann, Jonas Fischer und Wilhelm Spitzer. Prag. (Ein neues Waisenhaus.) Seit Beginn des heurigen Schuljahres, also seit ungefähr zwei Monaten, ist die stattliche Zahl der WohlfahrtseinrichtungeN in Prag um ein beachtenswertes Object vermehrt worden. Ueber Anregung des Hierlands bestehenden israelitischen Humanitätsvereines „B'nai Brith" ist nämlich anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers ein „Verein zur Errichtung und Erhaltung eines israelitischen Knabenwaisenhauses für Böhmen" gegründet worden. Der Verein, in dessen Directorium nebst vielen Mitgliedern des „B'nai Brith" auch andere hochherzige Männer aus allen Ständen der israelitischen Glaubensgenossenschaft Böhmens gewählt wurden, hat in der Stadt Weinberge, Komenskygasse Nr. 16, ein zweistöckiges Haus angekauft und dasselbe für den angestrebten Zweck adaptirt, armen israelitischen Waisenknaben in Böhmen Pflege und Erziehung zutheil werden zu lassen. Bei einem Rundgange durch die Räume dieses Hauses findet inan, daß dessen Einrichtung allen modernen Anforderungen der Pädagogik und der Hygiene entspricht. Das Haus hat einen geräumigen Garten, der sowohl als Spiel- und Turnplatz, als auch zu Zwecken des agronomischen Unterrichtes verwendet wird. Das Waisenhaus ist für die Aufnahme von 40 Knaben bestimmt. Aufnahmsfähig sind in der Regel nur arme israelitische, in Böhmen geborene oder dahin zuständige, verwaiste Knaben, welche das sechste Lebensjahr vollendet und das zehnte Lebensjahr nicht überschritten haben. Für die oberste Leitung des Waisenhauses sorgt ein aus der Mitte des Vereines hervorgegangenes Curatorium, welches von einem Damencomite in Angelegenheit der Hauswirthschaft werkthätig unterstützt wird. Unter der Obhut eines erprobten Lehrers und seiner Frau wird die Pflege der im Waisenhause untergebrachten Knaben und die Vorbereitung für ihren späteren bürgerlichen Beruf überwacht. Vornehmlich wird die Erlernung eines Handwerkes oder des Ackerbaues ins Auge gefaßt, doch ist auch die ausnahmsweise Fürsorge für eine höhere wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung in Fällen besonderer Begabung Vorbehalten. Es ist ein den Intentionen unseres Monarchen entsprechendes, edles und würdiges Werk, das da geräuschlos gestiftet wurde. Den verwaisten Knaben wird die erwärmende, lenkende und sorgende Liebe der Eltern ersetzt; in dem ihnen gebotenen Heim finden sie Erhaltung und Schutz und sie werden im Sinne Ihrer Wohl- Ihäter gewiß zn guten, herzenswarmen und nützlichen Menschen erzogen werden.