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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 840 3r. Vloch's Wochrnschrifi Nr. 46 ling-Bloch veröffentlichte, sondern auch aus Zeitungsartikeln, in welchen dieser Nachweis reproducirt wurde, und wenn der schwarze Prinz, dessen Genialin aus jüdischer Familie stammt, diese notorischen Lügen über die Juden wiederholt, so zeigt das nur, daß er auf das Niveau des Mechauikus Schneider herabgesunken ist und sittlich gerade so tief steht wie dieser. Prinz Liechtenstein kann sich freilich auf den Meineid-Canonicus von Prag berufen, und wenn es nöthig sein sollte, wird ihm Rohling hinsichtlich der als falsch erwiesenen Citate sich abermals zum Eide erbieten. Das wird eben wieder ein Meineid sein, und es bleibt dem Prinzen Liechtenstein unbenommen, sich dieses würdigen Genossen für die antisemitische Propaganda auch fernerhin als Gewährsmann und Eideshelfer zu bedienen. * * * In der Affaire des unglücklichen Capitäns Dreyfus ist die bedeutsame Wendung zu verzeichnen, daß der Caffationshof verfügt hat, ihn von der Bewilligung der Revision zu verständigen und ihm einen Fragebogen zuzusenden, durch dessen Beanttoortung ihm die Gelegenheit, sich vor einem unbefangenen Gerichtshöfe zu vertheidigen, endlich geboten wird. Das war wohl das allergeringste Zugeständniß, welches einem Menschen gemacht werden konnte, bei dessen Verurteilung gefälschte Beweise entscheidend waren, und es ist für das Rechtsgefühl sowohl als für die Menschlichkeit des französischen Generalstabes und der französischen Antisemiten bezeichnend, daß sie auch noch in diesem Stadium den verbrecherischen Versuch unternahmen, die Erforschung der Wahrheit und die mögliche Rechtfertigung des Verurtheilten zu vereiteln. Der ehemalige Kriegsminister Cavaignac und Deroulede, dieser alte parlamentarische Buschklepper, richteten an den Ministerpräsidenten das Ersuchen, den Auftrag des Cassationshofes nicht auszuführen! Abermals sollte die Justiz durch die Politik erschlagen werden, und die seelischen Folterqualen des Gefangenen sollten fortdauern, obgleich die Revision ihm das Recht und die Möglichkeit gibt, sich zu vertheidigen. Man bleibt sprachlos gegenüber einem solchen Attentate aus das Recht und gegenüber einer Grausamkeit, für welche es eine menschliche Entschuldigung überhaupt nicht gibt. Wie corrupt müssen die Zustände in einem Lande sein, in welchem der Regierung zugemuthet werden darf. Entscheidungen der höchsten Gerichtsinstanz zu ignoriren! Da begreift man die allgemeine Beklemmung, welche das Gerücht hervorrief, daß Dreyfus gestorben sei, und welches eine frappante Aehnlichkeit hat mit der vor wenigen Wochen erfolgten Vorhersage, daß der Kaiser von China bald sterben werde. . . . Robert Wolf. Der deutsche Kaiser und der Zionismus. Ueber die Antwort des deutschen Kaisers an die Adresse der Zionisten liegen bereits Stimmen der öffentlichen Meinung in der jüdischen Presse aller Parteien vor. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" schreibt in der Nummer vom 11. November zu der kaiserlichen Antwort: „Wir brauchen wohl nicht erst besonders hervorzuheben, von welcher tiefen Bedeutung diese kaiserlichen Worte sind. „An einem Kaiserwort soll man nicht drehen und deuteln." Aber hier liegt der Sinn offen und klar zu Tage. Es liegt in der kaiserlichen Antwort eine erfreuliche Ermuthiguug für ' die Colonisationsbestrebungen in Palästina, die wir stets mit warmer Sympathie begleitet haben. Es liegt aber auch eine so entschiedene Abweisung des politischen Zionismus darin, daß dieser, wäre er vernünftigen Gründen zugänglich, schon jetzt die Hoffnung auf eine jemalige Erfüllung seiner Träume aufgeben müßte. Und doch, welche Hoffnungen hatten diese Phantasten auf die Kaiserreise nach Palästina gesetzt! Das war ja das „Geheimniß", auf das seit Wochen in allen Blättern und Versammlungen bedeutungsvoll wie auf die endgiltige Lösung der Palästinareise hingewieseu wurde. Nun sind auch diese Träume zu Wasser geworden, und man darf gespannt sein auf das, was jetzt folgen wird. Klar und deutlich hat der deutsche Kaiser es auf dem Boden des heiligen Landes ausgesprochen, daß nur diejenigen Bestrebungen auf sein Wohlwollen zählen dürfen, die der Wohlfahrt des türkischen Reiches, d. h. nicht etwa eines jüdischen Staates, dienen, und die die volle Souveränetät des Sultans respectiren, d. h. die nicht an einen Halbsouveränen Vasallenstaat denken." Die „Jüdische Presse" constatirt in der letzten Nummer: „Die Antwort des Kaisers spricht es mit einer Klarheit, die keine andere Deutung zuläßt, aus, daß alle Diejenigen, die auf seine Hilfe hofften, um die Türkei in ihrem Machtbestande und ihrem uneingeschränkten Souveränetätsrechte zu schmälern, sich, wie vorauszusehen war, auf das Gründlichste verrechnet haben. Kaiser Wilhelm lehnt jede wie irgend geartete Verkümmerung der Hoheitsbefugniffe und nun gar des Territorial-Besitzes des Sultans nachdrücklichst ab 'Das mögen die „Judenstaat"-Fanatiker und die deutschen Colvnial- Schwärmer, die so ausschweifende Hoffnungen auf die Kaiserreise gesetzt, beherzigen. Wie verlautet, ist der Empfang dieser ' jüdischen Deputation, der jene heilsame Lehre ertheilt wurde, das Werk des Herrn Dr. Herzl, der sich mir anderen deutschen Gesinnungsgenossen in Palästina befindet." Die in Regensburg erscheinende „Laubhütte" schreibt: „Der deutsche Kaiser hat nun ein Wort gesprochen, das die politischen Zionisten nicht außer Acht lassen mögen, das aber andererseits uns für die Colonisation als humanes Werk und als landwirtschaftliche Bestrebung neue Hoffnung schöpfen läßt. Ec sagte, daß „alle diejenigen Bestrebungen auf sein wohlwollendes Interesse zählen können, welche auf eine Hebung der L a n d w i r t h s ch a f t in Palästina zum Besten der Wohlfahrt des türkischen Reiches abzielen." Der Kaiser fügte aber hinzu: „Unter voller RespectirungderSouveränetätdesSult ans." Hiermit sind dem Zionismus die Grenzen gesteckt. Er wird gut thun, sich danach zu richten. Daß die Worte des deutschen Kaisers in dieser Sache von höchster Wichtigkeit sind, darf man nicht bezweifeln." Die Mittheilungen des Vereines „Ahawath Zion" schreiben: „Diese goldenen Kaiserworte sind von uns Zionisten sehr zu beherzigen, da sie die Nichtigkeit des Wortstreites in unseren Reihen aufs grellste beleuchten. Die von unseren Politikern verschrieenen Bestrebungen der Colonisationsfreunde, die unter den jetzt gegebenen Verhältnissen „die Hebung der Landwirthschaft Palästinas" durch Unterstützung der alten und Gründung neuer Ansiedlungen in Palästina bezwecken, haben beim einsichtsvollen und unternehmungslustigen Kaiser des mächtigen deutschen Reiches volle Anerkennung und wohlwollendes Interesse gesunden. Sein wohlweislicher Rath wird hoffentlich dazu beitragen, um die künstlich erzeugte Meinungsverschiedenheit zwischen den „Politischen" und „Praktischen" ganz zu beseitigen." Der „Berliner Vereinsbote" schreibt: „Das ist eine eiskalte Douche für den politischen Zionismus, und eine wenn auch verblümte Anerkennung der Colonisationsidee. Wenn die politischen Zionisten sich diese Worte des deutschen Kaisers ins Stammbuch schreiben und die uberlauten Hitzköpfe etwas fester anbinden würden, thäten sie ein gutes Werk. Statt dessen discreditiren sie durch ihre Unklugheit die Colonisation und haben leider bereits Zustände herbeigeführt, die die weitere Ansiedlung jüdischer Colonisten auf das Schwerste gefährden. Mögen sie sich jenes Kaiserwort ad notam nehmen, es zeigt ihnen den einzigen Weg. den sie vernünftigerweise wandeln müssen." Die Frage des Einwanderungs-Verbotes nach Palästina wird von Herrn Prag in »Jewisb Chronicle« ausführlich besprochen. Derselbe erzählt die ganze Geschichte der Maßregel und schildert ihre einzelnen Phasen. Das erste Verbot erfolgte im Jahre 1891 infolge der Masseneinwanderung von armen Juden, die aller Mittel entblößt waren, wurde aber bald wieder aufgehoben. Denn seit dieser Zeit beginnt der Aufschwung der Colonien. Juden durften Grundstücke erwerben und wurden sowohl bezüglich des Ankaufes als auch der Registrirung keineswegs gehindert. Das nahm mit dem Basler Congreß ein Ende, seitdem die Türkei um ihre Souveränetätsrechte fürchtet. Jetzt kann kein Jude nach Palästina außer zu dreißigtägigem Besuch. Mr. S n o r m a n n aus London mußte in den letzten Tagen 150 Lstr. (3OOOMk.) Cautiou leisten, daß er Palästina nach 30 Tagen verlassen werde. Die Verhältnisse stehen jetzt so, daß kein Jude Land erwerben, kein jüdischer Arbeiter neuen Boden bebauen, kein jüdischer Einwanderer hineingelangen und kein Besucher sich länger als 30 Tage aufhalten darf. Einen interessanten Beitrag zu dieser Frage bietet die nachstehende uns aus London zugehende Mittheilung: „Am Sonntag den 6. November fand die diesmalige Monats-

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