Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 45 (11.11.1898)
- Date
- 1898-11-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 828 Vr Bloch'» Wochrnfchrifl Nr. 45 dann Herr Goldreich: „Rabbi, sei muthig und unerschrocken in dem Kampf um Recht und Wahrheit, so wie es die Makkabäer waren. Sei eingedenk der Weisung Abrahams: Werde den Völkern zum Segen! Verkünde laut, daß Judaismus und Menschlichkeit dasselbe sind. Sei eifrig, wachsam und mildherzig, und verdiene Dir den dreifachen Segen!" Der Chor sang dann in vortrefflicher Weise unter der Leitung des Herrn Simon Strauß die prachtvolle Hymne »Boruch Habo« (Gesegnet sei, der da kommt), worauf Dr. Hertz die Kanzel bestieg und in einer in Form und Inhalt wirklich meisterhaften und durch vollendeten Vortrag ausgezeichneten Rede seine Pflichten als Lehrer (Rabbi) und die Pflichten der Gemeinde erörterte. Erwähnenswerth ist die Gegenwart und Theilnahme der christlichen Mitglieder unseres Gemeinwesens, die sich sehr zahlreich eingefunden hatten. Unter ihnen bemerkten wir den brittischen Vice-Consul Herrn Evans, die Pastore Hudson, Postma und de Jager, den Mincn-Commissär I. van der Merwe, Oberstlieutenant Schiel, Aldermann Hancock und viele Andere. Verrnilchtes. Wien. (Israelitische Cultusge mein de.) Die vom Cultusvorstande anläßlich der bevorstehenden Neu- und Ersatzwahlen einberufene Wählerversammlung findet am Donnerstag den 17. November d. I., Abends 6 Uhr, im großen Musikvereinssaale statt. Zu dieser Wählerversammlung erhalten die Wähler gleichzeitig mit der Legitimationskarte eine besondere Einladung. Wien. (Verlobung.) Herr Buchdruckereibesitzer Hermann Liebermann, langjähriger Vorsteher des Tempelvereines für Märiahilf und Neubau, hat am 6. d. M. die Verlobung seiner Tochter M i z i mit Herrn Adolf Winter st ein, und seiner Tochter Elsa mit Herrn Josef Winter st ein gefeiert. Wien. (Trauung.) Dienstag den 15. d. M., 2 Uhr Nachmittags, findet im Tempel, I., Seitensteitengasse, die Trauung des Disponenten S. M. R ü b n e r mit Fräulein Mary T o ch statt. Wien. (Tod esfall.) Nach langem, schweren Leiden verschied am 5. November Herr Josef B r u ck n e r im 78. Lebensjahre. Der Heimgegangene war ein treuer Jude, der dem Judeuthum mit dem ganzen Herzen anhing. Er wirkte als Vorsteher in vielen Wohlthätigkeitsvereinen, hatte ein empfängliches Herz und eine offene Hand für alle jüdischen Angelegenheiten und hinterläßt Sohn und Tochter angesehen und geachtet in allen Kreisen der Residenz. Wien. (Todesfall.) Am 8. November starb hier Frau Fanny Fröhlich im Alter von 85 Jahren, eine Dame aus hochangesehener Familie, die wegen ihrer Wohlthätigkeit und menschenfreundlichen Sinnes allgemeine Verehrung in den besten Kreisen der Gesellschaft genoß. Die Heimgegangene erfreute sich bis in das höchste Alter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Wien. (Spenden- Ausweis für den Brigitten au er Tempelbau.) Rudolf Auspitz 500 fl., Samuel S. Bing 10 fl., S. Bernkopf, erhaltenen Finderlohn von Architekt Goldschläger 20 fl., Dr. A. B. 20 fl., L. u. H. Läufer 2 fl., zusammen 552 fl., bereits ausgewiesen 17.327 fl., Summe 17.679 fl. Wien. Für das aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers zu errichtende israelitische Siechenhaus wurde vom Bankhause S. M. von Rothschild an der Caffe der israelitischen Cultusgemeinde ein Betrag von Zehntausend Gulden erlegt. Wie«. (Synagogen-Verein „Beth Israel" nach polnisch-jüdischem Cultus in Wien, II., Leopoldsgasse Nr. 29). Der Vorstand dieses Vereines hat beschloffen, aus dem vorhandenen Heiratsausstattungsfond einen Betrag von 500 Kronen ö. W. als Aussteuerbeitrag für ein armes Mädchen israelitischer Confeffion zu widmen und außerdem die Trauung dieses Brautpaares in der Vereins-Synagoge II., Leopoldsgasse Nr. 29 mit Nachsicht der Taxen feierlichst vollziehen zu lassen. Die näheren Bedingungen wegen Verleihung dieser 500 Kronen sind im Jnseratenthelle dieses Blattes kundgemacht worden. Wie«. („V erein Kinderfreund e".) Der Verein der Kinderfreunde für den XVI. und XVII. Bezirk, Wien, (Comitö-Local, XVI., Hubergasse 8, im Tempelgebäude) bekleidet im heurigen Jahre 160 arme Schulkinder mit vollständigen Winterkleidern und veranstaltet aus diesem Anlasse am Donnerstag, 17. November 1898 in G. Gschwandner's Saal-Localitäten, XVII., Hauptstraße 39, einen festlichen Vortragsabend, bei welchem hervorragende Kunstkräfte Mitwirken. Wie«. (Trauerkundgebung für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth.) Bei der am 23. October 1898 abgehaltenen Conserenz der israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen hielt der Vorsitzende Religionsschulinspector Professor M. Kanitz nachstehende Trauerrede für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth: „Wenn mir sonst die Ehre zutheil wurde, Sie Alle beim Beginne des Schuljahres zu begrüßen, so bereitete uns dieser Moment immer ein Vergnügen. Sie alle kamen mit frischen Kräften, um an die schwere, verantwortungsvolle Arbeit zu gehen. Auf Ihren Gesichtern strahlte Schaffensfreude und Arbeitslust. Ganz anders ist es heute. Keine Spur von Freude und Frohsinn! Noch stehen wir Alle unter dem tiefen Eindrücke, den die Botschaft von dem grauenvollen Ereignisse gemacht. Es ist kaum zu glauben, daß am Ende des XIX. Jahrhunderts die Ruchlosigkeit der Menschheit solche Verbrechen zeitigen konnte und das edelste der Frauenherzen einer Mörderhand zum Opfer fiel. Entsetzlich ist die That, unermeßlich der Schmerz. Wir Lehrer sind besonders betroffen über eine solche That. Unsere Kaiserin, die den Haß oder die Rache nie kannte, sie mußte von der verruchten Hand getroffen werden! Wir müssen als Juden über ihren Heimgang trauern. In ihr verliert die jüdische Literatur eine mächtige Stütze. Sie förderte die Literatur und ihr ist es zu danken, daß die Werke des großen Dichters und Gelehrten Jehuda Halevi in allen Kreisen gewürdigt und gelesen werden. Sie sorgte für eine gute Uebersetzung in die deutsche Sprache und machte so auf die großen Verdienste dieses jüdischen Forschers aufmerksam. Wir aber werden diese ideale, lichtumflossene Gestalt stets vor unseren Augen halten, wir werden den Idealen der hohen Frau nachstreben und die Ziele zu erreichen trachten, die derselben immer vorschwebten. Unsere Aufgabe wird es sein, die Jugend mit den edlen Eigenschaften dieser hohen Frau bekannt zu machen und von ihren erhabenen Tugenden der Heranwachsenden Generation zu erzählen. In dieser Zeit der schwersten Prüfungen blickte jeder auf unseren Kaiser. Der Heroismus, mit dem der erlauchte Herrscher sein großes Leid ertrug, war eine Folge seines unerschütterlichen Gottvertrauens und seines unsagbaren Pflichtgefühls, seiner wahren Frömmigkeit und seltener Hingebung. Wir werden die Jugend von nun ab mit noch größerer Begeisterung zum Patriotismus erziehen und zur Treue und Anhänglichkeit an das Herrscherhaus zu entflammen suchen. Gott schütze und erhalte unseren Kaiser Franz Josef 1." Wien. Heber Beschwerde des Tempelvereines im VIII. Bezirke, wegen Versagung der B a u b e w i l l u n g e i n e s T e m p e l s, hat der Verwaltungsgerichtshof das Urtheil aufgehoben. Wien. Unter den jüngst aus Anlaß der Durchführung der Steuerreform von Allerhöchst Sr. Majestät ausgezeichneten Beamten finden wir auch den k. k. Finanzconcipisten Herrn Dr. Rudolf Sieben schein. Dr. Siebenschein — unser Glaubensgenosse — wurde mit dem goldenen Verdienstkreuz bedacht, welcher Allerhöchste Act in den Kreisen der Beamtenschaft umso lebhafteres Aufsehen hervorrief, als es sich als der erste Fall darstellt, wo ein so junger Beamte in derartiger Weise ausgezeichnet wurde. Wien. (Erst er WienerLehrmädchenhort.) Der vom LeopoldstädterFrauen-Wohlthätigkeitsverein gegründete,, Erster Wiener Lehrmädchenhort", in welchem Lehrmädchen, insbesondere arme Waisen mädchen und der Schule entwachsene Mädchen gänzlich mittelloser und erwerbsunfähiger Eltern während der Dauer ihrer Lehrzeit Unterkunft und ganze Verpflegung, nach Maßgabe vorhandener Mittel auch Kleidung und Wäsche erhalten, wird am 19. d. M., als dem Namenstage Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth, eröffnet. Schriftliche Gesuche um Aufnahme in denselben sind bis 15. d. M. an die Präsidentin Bertha Kohn, II., Stefaniestraße Nr. 2 zu richten. Sprechstunden: II., Rembrandtstraße Nr. 6, Mittwoch und Freitag 5-6 Uhr Abends. Wien. (Verein „H a d a s s a".) Die Vorträge des Vereines jüdischer Mädchen „Hadassa" werden von nun ab nicht