Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 45 (11.11.1898)
- Date
- 1898-11-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021269--08309-3032682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 827 ander auffallend ähnlichen Geisteswerke. Der in Form und Inhalt geistvolle Vortrag verfehlte nicht seine Wirkung auf die zahlreich erschienenen Zuhörer, welche dem Redner wohlverdienten Beifall zollten. An den Bortrag schloß sich eine kurze Discussion, an der die Herren Dr. Heinrich Meyer Cohn und Dr. M. Schäfer sich betheiligten. Paris. Clermont-Ganneau hat der Akademie der Inschriften mitgetheilt, daß es ihm gelungen sei, eine Inschrift in Tell-El-Djezer zu finden, welche die Südgrenze des Territoriums der Stadt Gazer angibt. Bekanntlich hat dieser Gelehrte vor einigen Jahren eine andere Inschrift entdeckt, die ebenfalls einen Grenzstein dieses Territoriums bezeichnet. Es wird jetzt nützlich sein, Ausgrabungen mit Aussicht auf Erfolg in dem durch die beiden Grenzsteine bezeichneten Gebiete vorzunehmen, und Clermont-Ganneau ist um Bewilligung der nöthigen Geldmittel eingekommen. Die Stadt Gazer kommt bereits auf alten Keilschriften noch vor der hebräischen Zeit vor und wird ihr damaliger König Horam genannt; später war sie nacheinander im Besitz der Chaldäer, der Egypter und der Philister. Als König Salomo die Tochter des Pharao heiratete, eroberte der Letztere Gazer und schenkte diese Stadt seinem Schwiegersohn als Mitgift. Unter dem Namen Montgizart spielte die Stadt in der Kreuzfahrerzeit wieder eine Rolle, und Richard Löwenherz gewann hier einen großen Sieg über Sultan Saladin. Wer weiß, welche wissenschaftlichen Schätze noch in diesem Boden stecken. Amsterdam. Artillerie-Lieutenant S. Bernard, der ans einem Auge infolge einer Explosion blind geworden ist, hat den Militärdienst qnittirt und ist Lehrer am Rabbinerseminar geworden., — Rath A. A. de Pinto, Mitglied des höchsten Rathes (oberster Gerichtshof) von Holland, feierte seinen 70. Geburtstag und empfing bei dieser Gelegenheit von allen Seiten, auch von seinen College», Zeichen der höchsten Werthschätznng. London, (Stiftung der Baronin Hirsch.) Die Baronin Hirsch, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die großen philantropischen Bestrebungen ihres verstorbenen Gemals fortzusetzen, hat in London ein Reconvalescentenheim für jüdische Kranke gegründet. Das bisherige ist in Anbetracht der bedeutenden Zunahme der jüdischen Einwohnerschaft der brittischen Hauptstadt völlig unzureichend geworden. Der Ankauf des Gebäudes hat 16.000 Lstr. gekostet. Für den Betrieb des Heims hat die Baronin 40.000 Lstr. ausgesetzt. Die Geberin hat niemals in England gelebt. — In einer besonderen Versammlung des gesammten Vorstandes der United-Synagoge wurde die Errichtung einer jüdischen Gewerbeschule für verwahrloste Knaben durchberathen. Die überwiegende Mehrzahl der 46 anwesenden Vorstandsmitglieder war sich über die Nothwendigkeit der Errichtung einer solchen Schule klar, da beinahe alle bestehenden Anstalten confessionelle sind und alle Aufnahmen von jüdischen Schülern ablehnen. Im Ostend von London wächst die Zahl der vagabundirenden Knaben und immer häufiger werden die Fälle, in denen die Richter dieser Bezirke sich mit solchen Kindern zu befassen haben. Diesem Chillnl Haschem gegenüber gibt es nur das eine Mittel, eine Gewerbeschule zu errichten, in der jüdische Knaben, deren Eltern sie nicht erziehen können oder wollen, Aufnahme fiitbcn können. — Die jüdische Krippe in Srpherd Street 35 Spitalssield, hat nach ihrem ersten Jahresbericht sehr erfreuliche Resultate zu verzeichnen. Bei der großen Anzahl von jüdischen Frauen, die zur Arbeit gehen müssen und für ihre Kinder nicht sorgen können, war eine derartige Anstalt ein wirkliches Bedürfniß. Die Generosität von Mocatta, Hermann Landau, I. Spielmann und M. Schwabacher, ermöglichte endlich ihre Eröffnung und die zahlreiche Inanspruchnahme ist der beste Beweis ihrer Nothwendigkeit. Petersburg. In den Vororten von Petersburg, nämlich Zarskoye-Selo, Pawlosk, Strelna und Sestrovetzk leben eine Anzahl von Juden, die bei Tage in Petersburg 'ihrem Berufe nachgehen, wozu die gute Verbindung mit der Eisenbahn und das billigere Leben in den Vororten beiträgt. Jetzt geht die Polizei daran, das Aufenthaltsrecht der Juden an diesen Plätzen zu prüfen. Sicher werden darauf wieder Ausweisungen erfolgen. — In Kiew hat der Stadtrath den Muth gehabt, die Forderung des Gouverneurs abzulehnen, der einen Beitrag aus der Koscher- Fleischtaxe für die Polizei verlangte. Selbst für russische Verhältnisse war die Motivirung dieses Verlangens ein starkes Stück, denn man verlangte diese Bewilligung aus einer jüdischen Steuer mit Berufung auf die Thätigkeit der Polizei, welche jetzt so viel mit Judenausweisungen in Anspruch genommen sei. — Das Odessaer Cetttral-Comit«- der jüdischen Gesellschaft für die Unterstützung jüdischer Bauern und Handwerker veröffentlicht seinen Jahresbericht pro 1897. Danach hatte es eine Einnahme von 52.141 Rubel und 6225 Mitglieder. Saloniki. Ein fürchterlicher Orcan hat hier enormen Schaden gethau, den man aus eine halbe Million türkische Pfund, d. h. 9 bis 10 Millionen Mark schätzt. Besonders das Judenquartier hat stark gelitten. Südafrika. Auch in Kintaüi fand in diesem Jahre zum erstenmale jüdischer Gottesdienst statt; ebenso in Francis Tvwn im inneren Matabeleland. So regt sich auch in diesen fernen Ländern das jüdische Interesse, denn alle jüdischen Geschäfte waren am Versöhnungstage geschlossen. In Kapstadt waren diesmal nicht weniger als 2000 Menschen am Jomkippur in den Synagogen, ein sprechendes Zeichen von dem Wachsthum dieser Gemeinde. In Blömfentein wird eine schöne Synagoge errichtet, zu der bereits 10.000 Mark gesammelt sind. Auch in Pont Elizabets itnb Johannisburg war die Zahl der Beter an den hohen Feiertagen viel großer als sonst. Alle diese Gemeinden wachsen colossal in den letzten Jahren. New-Uork. Kaum daß die Amerikaner Portoricco und die Philippinen den Spaniern abgenommen haben, sind bereits Berufene und Unberufene, Juden und Christen, dabei, Pläne zu entwerfen, wie diese neuen amerikanischen Colonien für eine jüdische Einwanderung nutzbar gemacht werden könnten. Ein gewisser Barnet Pruzan in Kansas City, hat einen Plan entwickelt, wie Portoricco colonisirt werden soll. Er hat diesen Vorschlag veröffentlicht, und sofort haben sich viele Hunderte von jüdischen Familien aus allen Städten Nord-Amerikas an ihn gewendet, und wollen an der beabsichtigten Ansiedlung theilnehmen. Obwohl Pruzan von jedem Theilnehmer mindestens ein Vermögen von 500 Dollars -- 2000 Mark verlangt, so werden sich doch ganz unzweifelhaft so viele finden, wie er nur verwenden kann. Es ist beabsichtigt, sich von der spanischen Regierung ein Stück Land bei Portoricco anweisen zu lassen, und sollen in der neuen Ansiedlnng alle Berufe vertreten sein, außer Landarbeiter auch Fabrikarbeiter, Handwerker und Kausleute. Die nöthige Geldsumme soll von den Interessenten selbst aufgebracht werden, allenfalls hofft man ans eine Beihilfe des amerikanischen Gouvernements. Ein anderer Projektmacher, ein gewisser Abraham in New-Pork, hat bereits die Philippinen, über deren Schicksal die Conferenz in Paris noch nicht einmal entschieden hat, für eine jüdische Colonisation in Beschlag gelegt. Er hat noch gar keinen Plan, aber er veröffentlicht bereits seine Absicht, einen solchen Plan auszuarbeiten. und bereits finden sich eine ganze Anzahl von Interessenten, die sich an ihn wenden, um bei der neuen Unternehmung betheiligt zu sein. Es spricht wahrlich nicht dafür, daß die nach Amerika eingewanderten russischen Juden, denn um diese handelt es sich hauptsächlich, dort sich sehr wohl fühlen, wenn dieselben jeden von irgend einer Seite angeregten Auswanderungsplan mit solcher Begeisterung ausnehmen. Johannesburg, 23. September. Die Alt-Synagoge in Johannesburg war gestern Nachmittags der Schauplatz einer erhebenden Feier, welche das Gotteshaus in allen seinen Theilen bis zum letzten Plätzchen füllte. Es handelte sich um die Amtseinführung des neuerwählten Rabbiners Herrn Dr. Joseph Hermann Hertz, eines geborenen Ungarn, der aus Syracuse im Staate New-Iork berufen worden war, den ihm nunmehr übertragenen wichtigen Posten des Seelsorgers der alten hebräischen Gemeinde in der „goldenen Stadt" einzunehmen, was bei den aus allen Theilen der Erde zusammengeströmten Elementen eine ebenso heikle, wie schwere Pflicht bildet. Herr Dr. Hertz ist ein junger Mann von 28 Jahren, er hat sich aber nicht nur als Student die höchsten Ehren und den Ruf eines hervorragenden Schristgelehrten errungen, sondern auch Charaktereigenschaften an beit Tag gelegt, welche die aus ihn gefallene Wahl rechtfertigen, und mit Gottes Hilfe die Bürgschaft einer gedeihlichen und segensreichen Thätigkeit bieten. Nach Verlesung einer Bewillkommnnngs Adresse durch den Secretär Herrn Davis Mart s, wurde der Neuerwählte, nach Anlegung des Talars. vor die Bundeslade geführt, wo ihm der Präsident der Gemeinde, Herr Sam. G o l d r e i ch, das Gebettnch mnhing und ihn als zum Rabbiner gewählt erklärte. Zn Tr. Hertz gewendet, inoH*